MissCrypto Logo
Bitcoin, Steuer15. Februar 2026
Dr. Stephanie MorgenrothDr. Stephanie Morgenroth
← Alle Artikel

Hollands Kapital-Zerstörung? Warum das neue Steuergesetz eine Vollkatastrophe für Anleger ist

Hollands Kapital-Zerstörung? Warum das neue Steuergesetz eine Vollkatastrophe für Anleger ist

Die Niederlande galten lange als wirtschaftlich pragmatisch. Doch was das Parlament in Den Haag am 12. Februar 2026 mit der Reform der sogenannten „Box 3“-Steuer verabschiedet hat, lässt Anlegern in ganz Europa das Blut in den Adern gefrieren.

Ab dem 1. Januar 2028 greift der niederländische Staat nach etwas, das du noch gar nicht auf dem Konto hast: deinen unrealisierten Buchgewinnen.

Aber was genau bedeutet das Gesetz (die „Wet werkelijk rendement box 3“), und warum ist es ein Frontalangriff auf jeden, der langfristig Vermögen aufbauen will?

So funktioniert das neue Gesetz

Der niederländische Staat verabschiedet sich von pauschalen Steuern und geht stattdessen an die Substanz:

  • Die 36 % Flat-Tax: Künftig wird eine Steuer von satten 36 % auf die tatsächliche Wertentwicklung deines Portfolios fällig.

  • Stichtagsprinzip (Vermögenszuwachssteuer): Das Finanzamt vergleicht den Wert deiner Anlage am 1. Januar mit dem Wert am 31. Dezember. Ist dein Portfolio im Wert gestiegen, musst du diesen „Papiergewinn“ versteuern, selbst wenn du nichts verkauft hast.

  • Mickriger Freibetrag: Der alte Freibetrag auf das Gesamtvermögen fällt weg. Es gibt nur noch einen steuerfreien Ertragsfreibetrag von 1.800 Euro pro Jahr.

  • Was ist betroffen? Aktien, ETFs, Anleihen und ganz explizit auch Kryptowährungen. (Ausnahmen gelten fast nur für selbstgenutzte Immobilien und Start-up-Anteile).

Warum dieses System eine Katastrophe ist

Der Grundgedanke des Gesetzes zerstört die zwei wichtigsten Grundpfeiler des Investierens: Liquidität und den Zinseszins-Effekt. Wenn dein Krypto- oder Aktien-Portfolio ein fantastisches Jahr hat, hast du den Gewinn nur auf dem Bildschirm, aber nicht auf dem Girokonto. Um die horrende Steuerlast von 36 % an das Finanzamt abzuführen, bist du gezwungen, Teile deiner Anlagen zu verkaufen. Das ist die sogenannte Liquiditätsfalle. Du wirst dafür bestraft, ein "Hodler" zu sein.

Wie brutal das in der Realität aussieht, zeigen die folgenden drei Rechenbeispiele.

3 Rechenbeispiele

Um die Rechnungen simpel zu halten, ziehen wir in jedem Szenario den jährlichen Ertragsfreibetrag von 1.800 Euro ab, bevor wir die 36 % Steuer anwenden.

Beispiel 1: Der Krypto-Anleger

Stell dir vor, du hast über Jahre eisern gespart und hältst 100.000 XRP. Du bist überzeugt von der Technologie und willst sie die nächsten 10 Jahre nicht anfassen.

  • 1. Januar: Der Kurs steht bei 0,50 €. Dein Portfolio ist 50.000 € wert.

  • 31. Dezember: Der Kurs schießt auf 2,50 €. Dein Portfolio steht jetzt bei 250.000 €.

  • Steuer-Realität: Du hast einen reinen Papiergewinn von 200.000 € gemacht. Das Finanzamt schickt dir (nach Abzug eines winzigen Freibetrags) eine Steuerrechnung von rund 72.000 €.

Die Katastrophe: Du hast die 72.000 € nicht auf dem Konto, weil du ja keinen einzigen XRP in Euro getauscht hast. Du bist nun gezwungen, mitten im Bullrun einen riesigen Teil deiner XRP zu verkaufen, nur um den Staat zu bezahlen. Wenn der Kurs im Januar des Folgejahres dann wieder auf 1,00 € crasht, hast du doppelt verloren: Deine Coins sind weg und der Wert ist auch wieder gesunken. Du wurdest für das einfache "Halten" massiv bestraft.

Beispiel 2: Der ETF-Sparer

Vergessen wir Krypto für einen Moment. Dieses Gesetz trifft auch den ganz normalen Angestellten, der für seine Rente vorsorgt. Sagen wir, Thomas hat sich mühsam über 15 Jahre ein Welt-ETF-Depot von 100.000 € aufgebaut.

  • Das Börsenjahr ist extrem gut: Der ETF steigt um 20 %.

  • Sein Portfolio steht am Jahresende bei 120.000 €.

  • Steuer-Realität: Thomas hat 20.000 € Papiergewinn gemacht. Der Staat verlangt daraufhin rund 6.500 € Steuern.

Die Katastrophe: Thomas verdient 2.800 € netto im Monat. Er kann nicht einfach 6.500 € aus der eigenen Tasche an das Finanzamt überweisen. Er muss Anteile seines ETFs verkaufen. Anstatt dass seine vollen 120.000 € im nächsten Jahr weiter für ihn arbeiten und den wichtigen Zinseszinseffekt antreiben, wird sein Vermögen jedes Jahr vom Staat künstlich rasiert. Mathematisch kostet ihn das über 20 Jahre fast die Hälfte seiner potenziellen Rente.

Beispiel 3: Das Crash-Szenario

Dieses Szenario zeigt, warum die Besteuerung von Buchgewinnen bei hochvolatilen Assets wie Kryptowährungen toxisch ist.

1771152581739_BTC_Holland.webp

Das Ergebnis: Zwar darfst du die Verluste aus Jahr 2 in den Niederlanden künftig mit zukünftigen Gewinnen verrechnen (Verlustvortrag), aber das Geld aus Jahr 1 bist du erst einmal los. Du hast Steuern auf eine reine Illusion gezahlt.

Dieses Gesetz ist symptomatisch für einen völlig falschen Kurs in Europa. Einem Milliardär ist diese Steuer egal. Er hat Firmenkonstrukte, Cashflow aus Immobilien oder nimmt sich steuerfreie Kredite auf seine Aktien.

Wer hier wirklich blutet, ist der "Normalo". Jemand, der versucht, der Inflation zu entkommen, keine Lust auf Altersarmut hat und durch Risiko und Disziplin ein Vermögen aufbauen will. Wenn so ein Gesetz Schule macht und auch in andere EU-Länder überschwappt, gibt es für den normalen Bürger bald keinen echten Weg mehr nach oben. Europa sendet das fatale Signal: 

Investiere nicht, halte keine volatilen Assets, bleib abhängig vom staatlichen Rentensystem.

Artikel teilen
← Weitere Artikel entdecken