Wenn selbst die Bank of England beginnt, auf der Blockchain zu experimentieren, dann geht es längst nicht mehr um Spielgeld oder Start-ups sondern um das Fundament unseres Finanzsystems. Gemeinsam mit der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) startet sie jetzt die sogenannte DLT Innovation Challenge. Das Ziel: herausfinden, ob sich Zentralbankgeld sicher auf einer externen Blockchain abwickeln lässt, also auf einem Netzwerk, das nicht der Bank gehört.
Warum das wichtig ist? Weil genau hier die Frage verhandelt wird, wem wir in Zukunft vertrauen, wenn Geld nicht mehr auf Servern, sondern auf verteilten Ledgers zirkuliert. Und weil die Bank of England nicht irgendwer ist, sie ist der Architekt des modernen Zentralbankwesens.
Die Liste der teilnehmenden Firmen liest sich wie ein Who’s who der Blockchain-Welt: Hedera, Chainlink & Aave Labs, Avalanche, Circle, HSBC, Kaleido, Digital Asset & KPMG, Rayls sowie ein Konsortium aus Siccar, Nethermind und TrackGenesis.
Das Besondere: Diese Challenge testet bewusst Vertrauensumgebungen ohne zentrale Kontrolle. Es geht also nicht um private Testnetze hinter verschlossenen Türen, sondern um Szenarien, in denen das Vertrauen durch Technologie, Transparenz und kryptografische Sicherheit entsteht und nicht durch die Autorität einer Institution.
Im Kern stehen vier große Fragen, die jede Zentralbank in den kommenden Jahren beantworten muss:
Wie lässt sich Geld auf Blockchains wirklich sicher abwickeln, ohne Rückbuchungen oder Manipulation?
Wie skalierbar sind diese Systeme, wenn sie Millionen Transaktionen pro Tag stemmen sollen?
Wie bleibt Regulierung wirksam, wenn Vermögenswerte auf dezentralen Netzwerken existieren?
Wie kompatibel sind all diese Systeme miteinander, von Stablecoins bis hin zu tokenisierten Anleihen?
Das klingt technisch, betrifft aber am Ende jeden von uns. Denn wenn eines Tages auch Interbankenzahlungen auf DLT laufen, werden digitale Währungen, Tokenisierung und DeFi keine Parallelwelt mehr sein, sondern Teil der globalen Finanzinfrastruktur.
Die Bank of England modernisiert parallel ihr RTGS-System, also die Plattform, auf der Banken heute schon täglich Milliardenbeträge austauschen. In Zukunft sollen dort auch tokenisierte Assets und externe Ledgers andocken können. Gleichzeitig läuft die Digital Securities Sandbox mit der britischen Finanzaufsicht FCA eine Art Testlabor, um reale Wertpapiere blockchainbasiert zu handeln.
All das deutet darauf hin, dass wir gerade den Übergang in eine neue Geldarchitektur erleben. Eine, in der Zentralbanken zwar weiter den Rahmen setzen, die Technologie aber von außen kommt, von den Netzwerken, die heute noch als „Krypto“ gelten.
Ich finde bemerkenswert, dass die BoE diesen Schritt geht, bevor sie überhaupt ein digitales Pfund einführt. Das zeigt, dass man bereit ist, nicht nur eigene Systeme zu bauen, sondern externe Innovation zuzulassen. Und genau das ist der Punkt, an dem sich entscheidet, wie offen oder geschlossen unser Finanzsystem in Zukunft sein wird.
Vielleicht werden wir in ein paar Jahren zurückblicken und sagen: Hier hat die Integration begonnen, zwischen der Welt der Banken und der Welt der Blockchains.

