Innerhalb weniger Stunden wurden fast eine Billion Dollar an Marktkapitalisierung ausgelöscht, über 16 Milliarden an Long-Positionen liquidiert – ein Verhältnis von 7:1 gegenüber Shorts.
Glassnode spricht von einem der aggressivsten Reset-Momente seit 2022. Die Funding-Rates fielen auf Dreijahrestiefs.
Handelskriegssorgen belasten die Märkte
Auslöser war die Ankündigung von 100 % Zöllen auf China durch Donald Trump und die Angst vor einem globalen Handelskrieg.
Am Wochenende folgte jedoch Entspannung: Trump betonte an Bord der Air Force One – „Wir werden gut miteinander auskommen. Ich habe ein großartiges Verhältnis zu Xi.“
Auch China signalisierte Gesprächsbereitschaft. Das Handelsministerium in Peking kündigte an, den Dialog zu stärken und mögliche Ausnahmen bei Exportkontrollen zu prüfen.
Marktpsychologie und technische Faktoren
Analysehäuser wie Santiment ordnen den Crash als „Rationalisierungsphänomen“ ein: Trader suchten nach einer einfachen Ursache, doch letztlich war es ein Zusammenspiel aus Hebel, Liquidität und Panik.
Der Fear-&-Greed-Index fiel von 64 (Gier) auf 27 (Angst) – der tiefste Stand seit April.
Technisch markiert das Wochenende laut CoinDesk-Analyst Godbole den dritten Fehlausbruch an der langfristigen Trendlinie seit 2017, was kurzfristig Risiken in Richtung 100 000 US-Dollar offenlässt.
Altcoins & Börsen: Ethereum führt die Erholung an, Binance unter Druck
Unter den Altcoins zeigte vor allem Ethereum Stärke: von 3.700 auf über 4.142 US-Dollar (Stand des Schreibens).
Auch Solana, BNB, Dogecoin und Bittensor legten zweistellig zu. Die gesamte Kryptomarktkapitalisierung stieg wieder über 4 Billionen US-Dollar.
Technische Probleme bei Binance
Der Crash hinterließ Spuren bei Binance.
Mehrere Token – darunter wBETH, BNSOL und Ethenas USDe – entkoppelten sich am Freitag durch eine fehlerhafte Preisbewertung. Das System nutzte interne Orderbuchpreise statt externer Oracles für Sicherheiten.
Als die Kurse implodierten, brach das Margin-System zusammen und löste Zwangsliquidationen aus.
Da Binance rund 50 % des globalen Spotvolumens kontrolliert, verstärkte sich der Effekt massiv.
Innerhalb von 24 Stunden reagierte die Börse: Umstellung auf Oracle-basiertes Collateral-Pricing, neue Bewertungsmethoden nach Staking-Verhältnis statt Spotpreis und Entschädigungen für betroffene Nutzer.
Co-Founder Yi He bestätigte, dass bereits über 280 Millionen US-Dollar ausgezahlt wurden – Marktverluste aus freiem Handel bleiben allerdings ausgeschlossen.
Institutionen nutzen den Rücksetzer
Während Binance technische Probleme bekämpft, nutzen andere die Gelegenheit:
BitMine Immersion Tech erhöhte seine ETH-Bestände um 128 700 Coins, MARA Holdings kaufte 400 Bitcoin.
Institutionelle Anleger sehen die Bereinigung offenbar nicht als Exit, sondern als Einstieg
Fazit
Der Markt hat sich selbst bereinigt – in einem Ausmaß, das viele überrascht hat.
Weniger Hebel, mehr Fundament und ein politischer Ton, der diesmal kühler klingt als die Charts.
Der Sturm hat Spuren hinterlassen, aber auch klar Schiff gemacht.

