Afrika wird in Krypto Debatten oft wie ein „Zukunftsmarkt“ behandelt. Als wäre Adoption dort eine Frage von Trend, Technikbegeisterung oder Marketing. Wer sich aber einmal von der Perspektive der Menschen vor Ort nähert, merkt schnell: In vielen Ländern ist Krypto nicht zuerst Spekulation. Es ist Infrastruktur. Und Stablecoins sind dabei weniger „Innovation“ als ein Werkzeug, um alltägliche wirtschaftliche Risiken abzufedern.
Genau diese Sicht hat Vera Songwe beim Weltwirtschaftsforum in Davos in den letzten Tagen auf den Punkt gebracht. Songwe war UN Untergeneralsekretärin und kennt die makroökonomischen und politischen Realitäten vieler afrikanischer Staaten nicht aus Whitepapers, sondern aus der Praxis. Ihre Aussagen sind deshalb so wertvoll, weil sie das Thema weg von Krypto Narrativen und hin zu realer Lebensökonomie ziehen.
Inflation ist ein Armutsbeschleuniger
Songwe beschreibt Stablecoins als „safety net“, als Sicherheitsnetz. Der Kontext ist entscheidend: Nach COVID gab es laut ihr in etwa 12 bis 15 afrikanischen Ländern Inflationsraten über 20 Prozent. Wer in so einem Umfeld lebt, erlebt Geld nicht als stabilen Maßstab, sondern als schwindende Substanz. Ersparnisse verlieren Wert, bevor man überhaupt reagieren kann. Songwe formuliert es drastisch, aber treffend: Inflation ist einer der schnellsten Wege in die Armut.
In dieser Realität verändert sich die Rolle eines Dollar Stablecoins. Er ist ein digitaler Wertspeicher in einer stabileren Rechnungseinheit. Songwe sagt sinngemäß: Stablecoins geben Menschen ein „sicheres Konto“. Wer ein Smartphone hat, kann in einer Währung sparen, die nicht denselben Inflationsschwankungen ausgesetzt ist wie die lokale Währung.
650 Millionen Menschen und das Problem des Zugangs
Der zweite Teil, der hängen bleibt, ist ihre Zahl: Auf dem afrikanischen Kontinent seien es rund 650 Millionen Menschen ohne Zugang zu einem Bankkonto. Global ordnet sie das in eine noch größere Dimension ein. Unabhängig davon, welche Schätzungen je nach Definition schwanken, ist der Punkt eindeutig: Das klassische Bankmodell erreicht hunderte Millionen Menschen nicht zuverlässig.
Und damit verschiebt sich der Blick auf das Smartphone. In Europa ist das Handy ein Komfortprodukt. In vielen Regionen Afrikas wird es zum Ersatz für Infrastruktur. Songwe verbindet genau das mit Stablecoins: Mit einem Smartphone bekommt man Zugang zu einem „Account“, zu einer digitalen Spar und Zahlungsfunktion, ohne Filialnetz, ohne papierbasierte Prozesse, ohne die typischen Eintrittsbarrieren der Bankenwelt.
Das ist der Kern des Bankensprungs: Nicht weil Banken out sind, sondern weil ein digitaler Zugang den Umweg über ein System umgeht, das für viele gar nicht verfügbar ist. Für rund 650 Millionen Menschen allein in Afrika ist das nicht nur ein neues Feature, sondern eine echte Alternative. Das entspricht grob etwa 8% der Weltbevölkerung. Für diese Menschen ist die Blockchaintechnologie, ein praktischer Zugang zu Geld, Stabilität und Teilhabe.
Wenn das Bankensystem zur Bremse wird
Songwes zweites Video erweitert die Perspektive von Haushalten auf Unternehmen. Länder müssen handeln. Unternehmen müssen zahlen. Lieferketten brauchen Liquidität. Genau hier beschreibt sie ein strukturelles Problem: Kapitalkontrollen seien auf dem Kontinent weit verbreitet, und dadurch werde es sehr schwierig, Geld zu bewegen, wenn man grenzüberschreitend Handel betreibt.
Ihre Erklärung ist makroökonomisch: schwache Fiskalpolitik, Defizite, Schulden und eine Geldpolitik, die nicht immer ausreichend verankert ist. Das sind die klassischen Zutaten, die Staaten dazu bringen, Kapitalflüsse einzuschränken und Devisen zu rationieren. Für Unternehmen bedeutet das: Zahlungen werden teuer, langsam, unplanbar. Banken sind dann nicht nur Dienstleister, sondern Teil eines Engpasssystems.
In diesem Kontext wirken Stablecoins wie ein alternativer Zahlungsrail. Nicht als Ersatz für Rechtssysteme oder Regulierung, sondern als technischer Pfad, der Settlement und Werttransfer effizienter abbilden kann. Songwe sagt zudem, dass eine Gruppe an einer afrikanischen Stablecoin Plattform arbeite, die über Sonderziehungsrechte (SDRs) als Rahmen gedacht sei. Die zugrunde liegenden Assets würden weiterhin auf bekannten Reservebausteinen beruhen, etwa Fiat Währungen und US Staatsanleihen. Ziel sei, Afrikas Handel mit dem Rest der Welt digital zu spiegeln.
Diese Aussage ist deshalb wichtig, weil sie zeigt: Es geht nicht nur um private Wallets. Es geht um die Frage, wie Handel in einer digitalisierten Welt abgewickelt wird, wenn die klassische Finanzinfrastruktur nicht mithält.
Warum die Adoption in Afrika anders aussieht als in Europa
Wenn man aus Europa auf Afrika schaut, sieht man oft „Krypto“. Wenn man aus Afrika auf die eigene Lage schaut, sieht man Probleme, die gelöst werden müssen. Genau daraus entsteht Adoption.
Drei Motive ziehen sich durch Songwes Aussagen wie ein roter Faden:
- Schutz vor Kaufkraftverlust. Wenn Inflation die Ersparnisse auffrisst, wird ein stabiler digitaler Wertspeicher zur Alltagsfunktion.
- Zugang. Wenn hunderte Millionen Menschen außerhalb des Bankensystems stehen, wird ein Smartphone mit Stablecoin Zugang zu einer Art Grundinfrastruktur.
- Beweglichkeit im Handel. Wenn Kapitalkontrollen und Bankrails den Zahlungsverkehr blockieren, wird ein global transferierbarer digitaler Dollar als Settlement Instrument attraktiv.
Stablecoins sind in Afrika weniger Spekulation als Überlebenslogik
Songwe liefert dafür die klare Begründung: Stablecoins sind ein Schutzschild. Ein Sicherheitsnetz. Ein Zugang zu einem „Account“. Eine Möglichkeit, Handel zu erleichtern, wenn Kapitalverkehr und Bankensysteme reiben oder blockieren.
Damit wird verständlich, warum das klassische Bankwesen in Teilen des Kontinents an Boden verliert, ohne dass jemand ideologisch „gegen Banken“ sein muss. Es verliert dort, wo es für Menschen keine verlässliche Lösung bietet. Und es verliert dort, wo ein Smartphone eine Funktion übernimmt, die früher eine Filiale gebraucht hätte.
Wer den Markt bereits bedient
Cardanos „RealFi“ (Empowa & World Mobile)
Cardano nutzt die Blockchain, um reale Infrastruktur-Probleme wie Internetzugang und Wohnraum zu lösen.
- World Mobile: Erstellt dezentrale Mobilfunknetze (z. B. in Sansibar), um entlegene Gebiete online zu bringen. Nutzer werden für den Betrieb von Nodes in Token belohnt.
Empowa: Ermöglicht bezahlbaren Wohnraum in Mosambik durch dezentrale Finanzierung (DeFi), da lokale Banken oft keine Hypotheken vergeben.
Celo (Mobile-First Banking)
Celo ist für die Nutzung auf Smartphones optimiert und senkt damit die Einstiegshürde für Millionen von Menschen ohne PC.
MiniPay (Opera): Über 10 Millionen Nutzer nutzen bereits diese in den Browser integrierte Wallet für Stablecoin-Zahlungen.
Valora: Ermöglicht den Versand von Stablecoins (cUSD) direkt an Telefonnummern – so einfach wie eine Textnachricht.
Ripple (XRP) & Stablecoins
Ripple fokussiert sich auf den institutionellen Zahlungsverkehr und den Ersatz veralteter Bankkorridore.
Onafriq: Verbindet über 400 Millionen mobile Wallets in 35 Ländern. Die Partnerschaft ermöglicht grenzüberschreitende Zahlungen in Echtzeit statt in Tagen.
Stabilität: Bietet Unternehmen die Infrastruktur, um Zahlungen ohne das Risiko schwankender Lokalwährungen abzuwickeln.
IOTA & ADAPT (Digitaler Handel)
IOTA digitalisiert den physischen Warenhandel und die dazugehörige Logistik-Bürokratie in Zusammenarbeit mit globalen Institutionen.
ADAPT-Initiative: Ein digitales System für die afrikanische Freihandelszone (AfCFTA), das Grenzwartezeiten von 14 Tagen auf unter 3 Tage senkt.
Handelsfinanzierung: Tokenisierung von Waren ermöglicht es kleinen Unterneh
Stellar (Lumen - XLM)
Stellar bleibt der Standard für schnelle und kostengünstige Rücküberweisungen (Remittances).
Yellow Card: Nutzt das Netzwerk, um in 16 Ländern den sofortigen Tausch zwischen lokalen Währungen und digitalen Dollars zu ermöglichen.
Cowrie Exchange: Tokenisiert den nigerianischen Naira, damit Migranten Geld in Sekunden direkt auf afrikanische Handy-Konten senden können.
Eins ist klar: Vieles passiert derzeit im Hintergrund, abseits der großen Schlagzeilen. Nicht jedes Projekt, das im Kryptomarkt laut lärmt, wird auf Dauer bestehen. Die Beispiele aus Afrika zeigen jedoch, worauf es wirklich ankommt. Projekte wie Algorand, Ripple, IOTA oder XLM beweisen, dass echte Anwendungen und messbarer Mehrwert das einzige Fundament für langfristigen Erfolg sind. Nur wenn ein Coin ein reales Problem löst, sei es Inflation, teure Bankgebühren oder langsame Logistik, kann er dauerhaft bestehen und gedeihen.
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