Der Bitcoin-Markt erlebt derzeit ein Tauziehen, das selten so deutlich an der Oberfläche sichtbar wird. Die einen erwarten einen Sturz unter 70.000 Dollar, die anderen träumen offen von 130.000. Dazwischen findet kaum jemand eine neutrale Mitte. Die Stimmung wirkt zerrissen, und die Fear and Greed Skala steht bei 15, ein Wert, der zeigt, dass viele lieber abwarten, statt frische Positionen zu eröffnen. Social-Volumen Daten spiegeln diese Polarisierung wider: Ein Lager sieht Abgründe, das andere neue Höchststände. Diese Gegensätze verstärken jede Bewegung des Marktes.
Analysten wie Puckrin beschreiben das aktuelle Bild als ein Kräftezerren aus widersprüchlichen Impulsen. Die Zinsfantasie sinkt spürbar, gleichzeitig liefern starke Nvidia-Zahlen Erleichterung, die das Schlimmste verhindert. Diese Gleichzeitigkeit von Gegenkräften sorgt für Richtungswechsel, die ohne Vorwarnung auftreten und den Markt nervös halten.
Zusätzliche Schwere entsteht durch strukturelle Verschiebungen. Daten von VanEck zeigen, dass vor allem mittelzyklische Wallets verkaufen, während die ältesten Halter weiter akkumulieren. Gleichzeitig wandern zehntausende Coins aus lang inaktiven Wallets an die Börsen und drücken das Orderbuch nach unten. Ein Trend, der die Marktstruktur belastet.
Auch die Optionsdaten zeichnen dieses Bild. Der lange dominante 140K-Call wurde vom 85K-Put abgelöst, der inzwischen der größte offene Strike ist. Der Markt sichert sich nach unten ab, nicht nach oben. Parallel bauen Market Maker ihre Bilanzen ab, weil das große Liquidationsereignis vom 10. Oktober sichtbare Löcher gerissen hat. Diese Zurückhaltung entzieht Kapital und verstärkt jeden Rücksetzer.
Makroökonomisch setzt Japan ein prägnantes Signal. Die Regierung beschließt ein Stimuluspaket von über 135 Milliarden Dollar zur Entlastung der Bevölkerung. Normalerweise gilt ein solcher Schritt als Rückenwind für Bitcoin. Doch der Markt bleibt defensiv und zeigt, dass die große Liquiditätserzählung nicht jeden Tag greift. Man spürt die müde Struktur eines Marktes, der seit Wochen Kapital verliert und nun vorsichtig bis zum Jahresende manövriert.
Trotz allem offenbaren die Daten etwas, das schnell übersehen wird. Futures-Positionen sind weitgehend bereinigt, Funding Rates sind auf Niveaus gefallen, die in der Vergangenheit oft Wendepunkte markierten. Kleinere Wale bauen weiter auf, und die ältesten Wallets bleiben unbewegt. Es ist kein euphorisches Umfeld, aber eines, das häufig den Boden für spätere Stabilität legt.
Während Bitcoin im Tauziehen steckt, bewegt sich der ETF-Markt in Europa und den USA spürbar. 21Shares erweitert sein Angebot und listet gleich sechs neue Produkte auf Nasdaq Stockholm, darunter Aave, Chainlink, Polkadot und Cardano. Insgesamt verwaltet der Anbieter inzwischen rund acht Milliarden Dollar und gewinnt sowohl in Europa als auch in den USA an Bedeutung.
Gleichzeitig beginnt die nächste Welle der XRP-Spot-ETFs. Nach Canary Capital stehen Bitwise und Grayscale bereit, Grayscale voraussichtlich schon kommende Woche. Damit ist XRP nun das sechste Asset, das in den USA als Single-Asset-ETF handelbar wird. Ein Meilenstein, der das institutionelle Interesse weiter verfestigt.
Währenddessen haben die Bitcoin-ETFs einen schweren Monat. BlackRocks IBIT verzeichnet den größten Abfluss seit Bestehen, und nach vier Wochen roten Zahlen sinken die Zuflüsse im Jahresverlauf deutlich. Das signalisiert keinen Vertrauensverlust in Krypto, sondern die vorsichtige Haltung in einem Umfeld, das nach Orientierung sucht.
Der Markt atmet schwer, aber er bleibt lebendig. Genau jetzt lohnt es sich, die Daten nüchtern zu betrachten und die Entwicklungen einzuordnen. Wir beobachten das weiter gemeinsam und starten mit einem warmen Kaffee ins Wochenende.

