Quantencomputer bedrohen die Sicherheit von Bitcoin-Wallets. Ein aktuelles Google-Paper zeigt, dass Angriffe mit deutlich weniger Ressourcen möglich sind als bisher angenommen. Rund 6,9 Millionen BTC sind durch bereits veröffentlichte Public Keys direkt exponiert.
Sicherheitslücken in der Bitcoin-Kryptografie
Die Bedrohung betrifft primär die Wallet-Besitzverhältnisse. Während das Mining durch Hashing geschützt bleibt, ist die Elliptic Curve Cryptography verwundbar. Ein Quantenalgorithmus namens Shor kann den privaten Schlüssel aus einer öffentlichen Adresse berechnen. Das gefährdet Bitcoin-Bestände in alten Adressformaten.
Insgesamt 6,9 Millionen BTC liegen in Wallets, deren Public Keys bereits onchain sichtbar sind. Dazu gehören frühe Bestände aus den ersten Jahren des Netzwerks sowie jede Wallet, von der bereits gesendet wurde. Das betrifft auch die rund 1 Million BTC von Satoshi Nakamoto.
Das Taproot-Upgrade von 2021 verschärfte die Problematik zusätzlich. Jede Transaktion seit der Aktivierung von Taproot veröffentlicht den schützenden Key für den Restbetrag. Die Forschung von Google zeigt nun, dass die Entwicklung von Quantencomputern deutlich schneller voranschreitet als bisher angenommen.
Die Google-Studie belegt, dass die benötigte Anzahl an stabilen Qubits für einen erfolgreichen Angriff sinkt. Bisherige Schätzungen gingen von Millionen Qubits aus. Die neuen Daten deuten darauf hin, dass optimierte Algorithmen die Hürde massiv senken und Angriffe früher realisierbar machen.
Besonders gefährdet sind sogenannte P2PK-Adressen (Pay-to-Public-Key). Diese frühen Adressformate speichern den Public Key direkt in der Blockchain. Ein Quantencomputer kann diesen Key nutzen, um den privaten Schlüssel in Sekundenbruchteilen zu rekonstruieren und die Gelder zu stehlen.
Strategische Defizite im Vergleich zu Ethereum
Bitcoin besitzt derzeit keine koordinierte Strategie gegen Quantenangriffe. Im Gegensatz dazu betreibt die Ethereum Foundation seit 2018 ein dediziertes Programm. Vier Vollzeit-Teams und zehn unabhängige Entwicklergruppen arbeiten dort an der Migration, dokumentiert auf pq.ethereum.org.
Innerhalb der Bitcoin-Community gibt es widersprüchliche Ansichten. "Elliptic curve cryptography is on the brink of obsolescence", schrieb Nic Carter auf X. Er bezeichnet den Ansatz von Ethereum als best in class, während er Bitcoin aufgrund der Ignoranz einiger Entwickler als worst in class einstuft.
Erste Lösungsansätze wie der Vorschlag BIP-360 sehen neue, quantensichere Adresstypen für eine freiwillige Migration vor. BitMEX Research schlägt alternativ ein Detektionssystem vor, das defensive Maßnahmen auslöst, sobald ein Quantenangriff im Netzwerk beobachtet wird.
Die Umsetzung scheitert oft an der fehlenden Governance von Bitcoin. "Quantum computing still has a lot to prove", sagte Adam Back, CEO von Blockstream. Er fordert dennoch vorbereitende Upgrades, damit das Netzwerk in einer echten Krise schneller reagieren und Bestände sichern kann.
Ein zentrales Problem bleibt die Inaktivität von Millionen Wallets. Viele der gefährdeten 6,9 Millionen BTC liegen in Adressen, deren Besitzer die Keys verloren haben oder verstorben sind. Diese Bestände können nicht aktiv migriert werden und bleiben leichte Ziele für Quantenangriffe.
Fazit: Technisches Risiko erfordert aktive Migration
Für dich bedeutet das, dass alte Wallets ein höheres Risiko tragen. Wenn dein Public Key bereits onchain sichtbar ist, bist du potenziell gefährdet. Beobachte die Entwicklung von BIP-360 und anderen Upgrades genau. Eine Migration auf quantensichere Adressen wird langfristig notwendig sein.
Die aktuelle Preisstabilität bei 77.868 USD zeigt, dass der Markt das Thema noch nicht einpreist. Die technische Überlegenheit von Ethereum in diesem Bereich ist jedoch ein Fakt. Bleib wachsam, sobald die Bitcoin-Community konkrete Migrationspfade für Nutzer bereitstellt.
Quelle: Google News EN (Crypto)
