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Bitcoin unter Druck: Experte sieht 35% Crash-Risiko für US-Märkte

News6 Min. Lesezeit
Dr. Stephanie MorgenrothDr. Stephanie Morgenroth
Bitcoin unter Druck: Experte sieht 35% Crash-Risiko für US-Märkte

Der renommierte Wall-Street-Stratege Ed Yardeni hat die Wahrscheinlichkeit für einen US-Marktcrash auf 35 Prozent erhöht. Steigende Ölpreise und geopolitische Spannungen könnten Bitcoin als Risikoasset besonders hart treffen.

35%
Crash-Wahrscheinlichkeit laut Yardeni Research
>$100
Ölpreis pro Barrel (Brent)
8/100
Fear & Greed Index (Extreme Fear)

Was genau passiert ist

Ed Yardeni, Präsident von Yardeni Research und seit Jahrzehnten einer der einflussreichsten Strategen an der Wall Street, hat seine Crash-Prognose für die US-Börsen deutlich angehoben. In einem aktuellen Marktkommentar spricht er nun von einer 35-prozentigen Wahrscheinlichkeit für einen sogenannten „Growth Recession“ oder einen vollständigen Marktcrash bis Jahresende.

Das ist ein signifikanter Anstieg gegenüber seinen vorherigen Einschätzungen. Yardeni begründet die Verschärfung mit einer gefährlichen Mischung aus steigenden Energiekosten, einer sich abschwächenden Wirtschaftsleistung und eskalierenden geopolitischen Konflikten.

Die Kombination aus Ölpreisen über 100 Dollar, einer sich verteuernden Kreditaufnahme und geopolitischen Schocks schafft ein Umfeld, das riskante Assets belastet.

Besonders besorgniserregend: Der Iran-Konflikt hat sich nach neuen Angriffen auf saudische Ölanlagen ausgeweitet. Saudi-Arabien ist einer der wichtigsten Ölexporteure weltweit. Jede Störung dort treibt die Preise nach oben – mit direkten Folgen für die Inflationserwartungen in den USA und Europa.

Gleichzeitig hat der US-Dollar seine beste Woche seit einem Jahr hingelegt. Ein starker Dollar macht Bitcoin für internationale Anleger teurer und reduziert die Liquidität in den Märkten. Das alles passiert, während der Bitcoin-Kurs bereits unter Druck steht und der Fear & Greed Index bei extrem niedrigen Werten von 8 Punkten verharrt.

Warum das wichtig ist

Bitcoin wird oft als „digitales Gold“ bezeichnet – als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten. Doch die Realität sieht aktuell anders aus. Seit dem Jahr 2022 verhält sich Bitcoin zunehmend wie ein klassisches Risikoasset, das eng mit den Tech-Aktien des NASDAQ korreliert.

Wenn institutionelle Anleger in Panik geraten, verkaufen sie zuerst die volatilesten Positionen. Das sind oft Kryptowährungen. In der Finanzsprache nennt man das „De-Risking“ – das systematische Reduzieren von Risiken im Portfolio. Bitcoin landet dabei leider oft auf der Verkaufsliste, obwohl seine fundamentalen Eigenschaften als dezentrale Währung unverändert bleiben.

Der Ölpreis ist hier der entscheidende Hebel. Wenn Rohöl über 100 Dollar pro Barrel bleibt, steigen die Transportkosten, die Produktionskosten und letztlich die Verbraucherpreise. Die US-Notenbank Federal Reserve könnte dann gezwungen sein, die Zinsen länger hochzuhalten oder gar weiter anzuheben. Höhere Zinsen machen risikoreiche Investments wie Bitcoin weniger attraktiv, da sichere Anlagen wie Staatsanleihen plötzlich wieder Renditen abwerfen.

Wichtig: Ein starker US-Dollar und hohe Ölpreise schaffen ein „Doppelschwert“ für Bitcoin. Beide Faktoren reduzieren die Liquidität im Markt und erhöhen die Opportunitätskosten, Bitcoin zu halten statt in zinstragende Assets zu investieren.

Einordnung: Bitcoin zwischen Panik und Perspektive

Wir haben die Daten der letzten fünf Jahre analysiert. Das Ergebnis: Bitcoin korreliert in Crash-Phasen tatsächlich stark mit dem S&P 500. Im März 2020 fiel Bitcoin innerhalb weniger Tage um 50 Prozent – noch schneller als der Aktienmarkt. Im Jahr 2022 verlor der Coin über 60 Prozent, während die Tech-Aktien ebenfalls einbrachen.

Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied. Bitcoin erholte sich nach jedem dieser Einbrüche schneller als traditionelle Märkte. Wer in den Tiefpunkten des März 2020 gekauft hat, konnte bis zum Jahresende Gewinne von über 300 Prozent realisieren. Das zeigt: Kurzfristige Korrelation bedeutet nicht langfristiges Schicksal.

Die aktuelle Situation unterscheidet sich jedoch von früheren Krisen. Bitcoin ist nun ein etabliertes Asset im Portfolios großer Hedgefonds und Unternehmen. Wenn diese Institutionen gezwungen werden, Verluste zu begrenzen, verkaufen sie Bitcoin genauso wie Tesla-Aktien oder Tech-ETFs. Die Unabhängigkeit von traditionellen Märkten, die viele frühe Anleger schätzten, hat sich zumindest vorübergehend aufgelöst.

Für Einsteiger ist wichtig zu verstehen: Bitcoin ist aktuell kein Safe Haven. Wer Schutz vor einem Crash sucht, findet diesen eher in physischem Gold oder kurzfristigen Staatsanleihen. Bitcoin bleibt ein Wachstumsasset mit hohem Potential – aber eben auch mit hohem Risiko.

Was du jetzt wissen solltest

Angesichts der aktuellen Marktlage solltest du einige Grundsätze beachten. Diese Regeln helfen dir, emotionslose Entscheidungen zu treffen, wenn die Headlines panisch werden.

1. Investiere nur frei verfügbares Kapital

Nie Geld in Bitcoin stecken, das du für Miete, Lebensmittel oder Notfälle brauchst. Die Volatilität kann kurzfristig 20-30 Prozent Verlust bedeuten. Wenn du gezwungen bist, in einem Tief zu verkaufen, realisierst du Verluste, die sich später nicht mehr wettmachen lassen.

2. Nutze Cost-Average-Effekte

Anstatt einen großen Betrag auf einmal zu investieren, teilst du dein Kapital in regelmäßige Tranchen auf. So kaufst du automatisch mehr Coins, wenn der Preis niedrig ist, und weniger, wenn er hoch ist. Das reduziert das Timing-Risiko erheblich.

3. Sichere deine Bestände richtig

In turbulenten Zeiten sind Wallets auf Exchanges besonders gefährdet. Nutze Hardware-Wallets wie den Ledger oder den BitBox02, um deine privaten Schlüssel selbst zu kontrollieren. Die Regel lautet: Nicht deine Schlüssel, nicht deine Coins.

4. Ignoriere Kurzfristprognosen

Selbst Experten wie Yardeni können die Märkte nicht mit Sicherheit vorhersagen. Eine 35-prozentige Crash-Wahrscheinlichkeit bedeutet auch: Es besteht eine 65-prozentige Chance, dass kein Crash kommt. Versuche nicht, den Markt zu timen. Langfristige Halteperioden haben historisch die besten Ergebnisse geliefert.

5. Diversifiziere dein Portfolio

Bitcoin sollte nie deine einzige Geldanlage sein. Eine Mischung aus Aktien, Anleihen, Rohstoffen und Kryptowährungen reduziert das Gesamtrisiko. Wenn Bitcoin fällt, können andere Assets den Verlust ausgleichen. Weitere Infos: Bitcoin hält €58.000, Altcoins sinken: Nahost-Krise spaltet Krypto-Märkte, US-Bitcoin-Reserve: Ein Jahr später – immer noch keine Kaufstrategie, Iran-Konflikt Tag 3: Bitcoin outperformt Aktienmarkt deutlich

Häufige Fragen

Was bedeutet der Fear & Greed Index für Bitcoin-Anleger?

Der Fear & Greed Index misst die Stimmung am Markt anhand von Volatilität, Handelsvolumen und Social-Media-Aktivität. Werte unter 20 signalisieren extreme Angst – oft ein Indikator für überverkaufte Märkte. Für Anleger kann das einen günstigen Einstiegspunkt bedeuten, setzt aber Nervenstärke voraus.

Warum fällt Bitcoin, wenn der Aktienmarkt crash?

Institutionelle Anleger behandeln Bitcoin zunehmend als Risikoasset ähnlich Tech-Aktien. In Krisen verkaufen diese Akteure liquidierbare Positionen, um Verluste zu begrenzen oder Cash-Reserven aufzubauen. Bitcoin gehört aufgrund seiner hohen Volatilität oft zu den ersten Assets, die verkauft werden, obwohl es langfristig unabhängig von Unternehmensgewinnen ist.

Sollte ich Bitcoin verkaufen, wenn ein Crash droht?

Das Timing von Verkäufen ist extrem schwierig. Wer verkauft, muss auch den richtigen Zeitpunkt für den Wiedereinstieg finden. Statistisch schneiden Anleger besser ab, die ihre Positionen halten und durch regelmäßige Nachkäufe den Durchschnittspreis glätten. Panikverkäufe haben in der Vergangenheit oft zu den größten Verlusten geführt.

Quelle: CoinDesk