Morgan Stanley startet einen Pilotbetrieb für den Spot-Handel mit Kryptowährungen auf der ETrade-Plattform. Die Bank setzt dabei eine Transaktionsgebühr von 50 Basispunkten an. Damit forciert das Institut den Zugang zu digitalen Assets für seine breite Retail-Nutzerbasis.
Aggressive Preisstrategie gegen Broker
Die Bank erhebt 50 Basispunkten auf den Dollarwert jeder Krypto-Transaktion. Dieser Satz liegt deutlich unter den 75 Basispunkten von Charles Schwab. Morgan Stanley positioniert sich damit als preiswerte Alternative zu klassischen Brokerage-Plattformen und spezialisierten Krypto-Börsen im US-Markt.
Der Pilotbetrieb ist bereits aktiv. Bis Ende des Jahres sollen alle 8,6 Millionen ETrade-Kunden Zugriff auf die Funktionen erhalten. Die Bank nutzt diese Strategie, um Marktanteile von Fintech-Plattformen wie Robinhood oder Coinbase zurückzugewinnen und neue Einnahmequellen zu erschließen.
Analyst Eric Balchunas von Bloomberg ordnet die Gebührenstruktur ein. Er stellt fest, dass Bitcoin-ETFs oft nur rund 2 Basispunkte kosten. Dennoch bietet der direkte Besitz von Coins den Vorteil, dass keine laufenden Fondskosten anfallen, was für langfristige Anleger attraktiv ist.
Die Strategie zielt auf eine direkte Marktversorgung ab. Jed Finn, Leiter des Wealth Managements bei Morgan Stanley, beschreibt den Vorstoß als Teil einer größeren Vision. "This is much bigger than trading crypto at a cheaper rate", sagte Finn laut Bloomberg über die Initiative.
Finn bezeichnet den Prozess als Disintermediation der Disintermediatoren. Das bedeutet, dass die Bank Zwischenhändler ausschaltet. Morgan Stanley will die Kontrolle über die gesamte Wertschöpfungskette zurückgewinnen und die Kundenbindung durch integrierte Krypto-Produkte innerhalb des eigenen Ökosystems massiv stärken.
Diversifizierung des digitalen Produktportfolios
Der Handel auf ETrade folgt dem Start des Spot-Bitcoin-ETFs MSBT. Dieser Fonds verzeichnete in den ersten sechs Handelstagen 103 Millionen USD Nettozuflüsse. Aktuell verwaltet der MSBT laut Daten von The Block mehr als 205 Millionen USD an Vermögenswerten für die Anleger.
Zusätzlich plant die Bank eine Konvertierungsfunktion für Kunden. Nutzer sollen Kryptowährungen in Anteile von Exchange Traded Products umwandeln können. Ein vorheriger Verkauf der digitalen Assets in Cash wird dabei nicht mehr erforderlich sein, was den Handel erheblich beschleunigt.
Für institutionelle Kunden plant Morgan Stanley den Handel mit tokenisierten Aktien. Dieser Service soll in der zweiten Jahälfte 2026 implementiert werden. Damit erweitert die Bank ihr Angebot über einfache Kryptowährungen hinaus auf komplexere, blockchain-basierte Finanzinstrumente für professionelle Marktteilnehmer.
Parallel dazu startete die Investmentsparte der Bank einen Stablecoin-Reservefonds. Dieser Fonds investiert in Cash und US-Treasury-Instrumente mit einer Laufzeit von maximal 93 Tagen. Das Ziel ist ein stabiler Nettoinventarwert von einem Dollar gemäß den Anforderungen des GENIUS Acts.
Die Entwicklung markiert einen radikalen Strategiewechsel. Bis Oktober 2025 mied die Bank den Kryptomarkt weitgehend. Nun empfiehlt das Institut in aggressiven Portfolios eine Krypto-Allokation von bis zu 4 Prozent, was die Bank an große Asset Manager wie BlackRock oder Fidelity angleicht.
Fazit: Institutionelle Brücke zum Massenmarkt
Für dich bedeutet dieser Schritt, dass Bitcoin endgültig im Mainstream-Banking ankommt. Wenn eine Top-Bank wie Morgan Stanley die Gebühren drückt, sinkt die Eintrittsbarriere für Millionen von Privatanlegern. Die Integration in bestehende Depots macht Krypto zu einem Standard-Asset.
Die Entwicklung zeigt, dass die Phase der reinen Spekulation endet. Der Fokus verschiebt sich hin zu einer infrastrukturellen Integration. Für die breitere Akzeptanz ist die Verfügbarkeit in vertrauten Umgebungen wie ETrade wichtiger als die technische Detailfrage der Blockchain.
Quelle: The Block
