Im KI-Sektor verdienen Unternehmen bereits echtes Geld. Nvidia verkauft Chips für Rechenzentren, TSMC fertigt diese Chips, ASML liefert die Maschinen für die Halbleiterproduktion, Microsoft, Amazon und Google vermieten Rechenleistung über ihre Cloud-Plattformen.
Die Big Techs Google, Amazon, Microsoft und Meta planen 725 Milliarden Dollar an KI-Investitionen für dieses Jahr, was 77 % mehr gegenüber dem Vorjahr entspricht. Gleichzeitig streichen Tech-Konzerne Stellen, obwohl ihre Aktien historisch hoch bewertet sind.
Die Boom-Phase ist spannend und gefährlich zugleich. Sollte man in Tech-Aktien investieren, die auf einem so hohen Niveau Erwartung auf Erwartung übertreffen? Und was können wir in Krypto vom KI-Sektor lernen?
Warum KI heute produktiv ist
KI war aus Investorensicht lange vor Modellen wie ChatGPT ein unsicheres Unterfangen. Schon in den 1950er Jahren träumten Forscher von denkenden Maschinen. Sie bauten Programme, die Schachzüge berechneten, einfache Gespräche simulierten oder mathematische Probleme lösten. Das wirkte beeindruckend, war aber für ein Business nicht tragfähig.
Die frühen Systeme scheiterten an der echten Welt. Sprache ist mehrdeutig:
„Die Bank war geschlossen, deshalb setzte er sich auf die Bank im Park.“
Eine alte KI las Sprache wie eine Perlenkette Wort für Wort und versuchte sich dabei, den Anfang zu merken. War die „Bank“ jetzt ein Finanzinstitut oder eine Sitzgelegenheit?
Auch Bilder verändern sich je nach Licht, Perspektive und Kontext. Wir erkennen einen Hund auch dann, wenn er halb verdeckt im Nebel steht.
Die Business-Leute waren enttäuscht: Die Erwartungen waren zu hoch und die herkömmlichen Computerchips (CPUs) physisch nicht geeignet. In den 1970er Jahren folgte der erste KI-Winter.
In den 1980er Jahren kamen Expertensysteme zurück. Sie halfen in engen Fachbereichen, etwa bei Diagnosen oder technischen Fehleranalysen. Doch sie waren teuer, starr und mussten ständig von Menschen gepflegt werden. Sobald sich Regeln oder Wissen änderten, begann die Arbeit von vorn.
Der große Wandel kam mit dem Aufstieg des Internets: Denn da entstanden riesige Datenmengen, mit denen die KI lernen konnte. Dazu kamen bahnbrechende Fortschritte im Bereich Hardware und Algorithmus:
GPUs, die von Nvidia eigentlich für Videospiele gedacht waren, lieferten die Rechenleistung. 2017 brachte die sogenannte Transformer-Architektur einen entscheidenden Fortschritt.
Das "T" in ChatGPT steht für Generative Pre-trained Transformer.
Modelle konnten auf einmal alle Wörter eines Satzes gleichzeitig lesen und Zusammenhänge erkennen!
Und auf einmal kehrten die Business-Leute zurück, denn damit ließ sich wirtschaftlich etwas anfangen. Seitdem befinden wir uns im Goldgräberrausch und die Schaufelverkäufer von Nvidia bis Google verdienen an der KI-Wertschöpfungskette von der Produktion bis hin zu Cloud-Providern, Rechenzentren, Modell-Abos und Software-Integrationen.
Man könnte also zynisch sagen: Der heutige Boom lebt vom frühen Geld seiner damaligen Dotcom-Anleger, die den Aufbau von Glasfaser, Servern, Know-how und Wissen zu Nutzerverhalten finanzierten. So betrachtet hat das Platzen der Blase die Technologie strukturell vorangebracht. Später konnten Unternehmen wie Amazon, Google und Facebook auf dieser Grundlage wachsen.
Was wir aus dem KI-Zyklus lernen können
2026 steht im KI-Zyklus agentische KI, die mehrere Aufgaben übernimmt, im Fokus der Geschäftswelt.
Während Krypto sich aktuell an dem Punkt befindet, wie das Internet 2002 bis 2004.
2017 wurden durch ICOs viele Projekte auf Kosten unserer Fantasien finanziert. Vieles waren Scams und „Shitcoins“. 2020 bis 2022 brachte DeFi, NFTs, Stablecoins, Layer 2, Bridges, Wallets und Börseninfrastruktur nach vorne. 2024 und 2025 wurde die Kapitalmarkt-Infrastruktur und Integration in die Unternehmenswelt finanziert. Die mangelnde Skalierbarkeit und Interoperabilität von Blockchain enttäuschte die Erwartungen.
All diese Kapitel entwickelten die Infrastruktur rund um Bitcoin sowie Netzwerke wie Ethereum, Smart Contracts, Wallets, Börsen, Custody, Stablecoins, IoT und Tokenisierung weiter.
Neue Tech-Fortschritte von Sharding, Layer 2, Kommunikationsstandards sowie Nutzerverhalten beginnen jetzt erst, aus einer netten Idee brauchbare Geschäftsmodelle zu machen.
Wenn wir aus vergangenen Tech-Zyklen eine Sache lernen können, dann, dass eine Technologie-Revolution Jahrzehnte zum Durchbruch benötigt und ein Tech bzw. Krypto-Investor langen Atem benötigt, wenn er erfolgreich sein will. In der Zwischenzeit wird er trotzdem immer wieder Chancen haben, Bullenphasen auszukosten.



