In diesem Artikel schauen wir uns ein Projekt an, das viel enger mit Stellar (XLM), dem XRP Ledger (XRPL) und der allgemeinen Blockchain-Interoperabilität verbunden ist, als viele vermuten: Stronghold
Der dazugehörige Utility-Token SHX ist seit Oktober 2025 auch auf Kraken handelbar.
Trotz seiner Bedeutung als Infrastrukturprojekt bleibt Stronghold oft unter dem Radar. Für mich als XRP- und XLM-Nerd ist es aber ein spannendes Beispiel dafür, wie traditionelle Finanzrails und moderne Blockchains zusammenwachsen.
In diesem Artikel erfährst du das Wichtigste über Stronghold. Welchen Chancen bietet das Projekt und wo liegen die Risiken? Wie hängt Stronghold mit Ripple (XRP) und Stellar (XLM) zusammen?
Die Grundidee – Worum geht es überhaupt?
Stronghold ist kein typisches Krypto-Projekt, kein typisches DeFi-Protokoll und auch kein reiner Zahlungsanbieter. Das Unternehmen sitzt genau zwischen den Welten:
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traditionellen Zahlungsrails wie ACH, US-Banken und ISO 20022
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modernen Blockchain-Netzwerken wie Stellar, dem XRP Ledger und (neu) Ethereum über Axelar
Die Wurzeln des Unternehmens reichen zurück in eine Zeit, in der Stablecoins noch kein Massenphänomen waren. Stronghold gehörte zu den ersten Firmen, die überhaupt einen USD-Stablecoin für Händler auf den Markt brachten.
Die beiden Gründer, Tammy Camp (ehemalige Head of Growth bei Stellar) und Sean Bennett (Entwickler eines frühen Ripple-Gateways und später des ersten Stellar-Anchors), lernten sich über ihre Arbeit im Stellar-Ökosystem kennen. Beide brachten Erfahrungen aus Ripple- und Stellar-Infrastrukturprojekten ein – eine Kombination, die Stronghold bis heute prägt. Ihre persönlichen Erfahrungen mit teuren, langsamen Auslandsüberweisungen führten zu einer klaren Vision:
Wie funktioniert die Händlerfinanzierung?
Nehmen wir an, ein legaler Cannabis-Shop benötigt 10.000 USD Liquidität, um Waren einzukaufen und sein Geschäft zu führen. Banken vergeben hier kaum Kredite, und Kreditkartenanbieter verlangen hohe Gebühren. Stronghold bietet stattdessen eine Händlerfinanzierung, die direkt in den Zahlungsfluss integriert ist.
Institutionelle Kapitalgeber (Fonds aus dem Aduro-Ökosystem wie Homebrew z.B.) zahlen Kapital in einen on-chain geführten Pool ein, der typischerweise auf Stellar oder Ethereum geführt wird.
Dieses Kapital wird über die Stronghold-Bridge in das Bankensystem übertragen, sodass der Cannabis-Shop über ACH (amerikanisches Banküberweisungssystem), die 10.000 Dollar sofort ausgezahlt bekommt. Der Händler verpflichtet sich, aufgrund eines festgelegten Faktors (z.B.1,22x) insgesamt 12.200 Dollar zurückzuzahlen.
Wenn ein Kunde online einkauft, verarbeitet Stronghold die Zahlung und entnimmt automatisch einen kleinen Teil des Umsatzeingangs für die Kreditrückzahlung. Dadurch entstehen im Laufe der Tage Hunderte kleiner Rückführungen.
Die Pilotphase hat gezeigt, wie wirkungsvoll dieses Modell ist: Von Dezember 2021 bis Dezember 2022 stieg die Zahl monatlicher Rückzahlungen von 9 auf 1.420.
SHX – The currency of loyalty und Liquidity for DeFi
Der Token besitzt eine fixe Maximalsupply von 100 Milliarden SHX. Davon wurden etwa 5 % 2018 per Airdrop an frühe Nutzer verteilt, es gab also kein ICO. Das restliche Angebot ist langfristig geplant und größtenteils über Escrow-Mechanismen gebunden.
Praxis-Tipp: SHX existiert auf Stellar und Ethereum. Du musst immer das passende Netzwerk wählen, wenn du SHX zwischen Börse und Wallet bewegst!
SHX erfüllt mehrere essenzielle Funktionen:
Loyalität-Funktion
Für Händler reduziert er die Gebühren im Zahlungsverkehr, was insbesondere bei hohen Volumina zu spürbaren Einsparungen führt. Zusätzlich erhalten Händler und Technologiepartner SHX-Rewards, ein Loyalty-Programm, das die Nutzung des Netzwerks belohnt und gleichzeitig die Nachfrage nach dem Token stärkt.
Ein zentraler Bestandteil ist dabei der Burn-Mechanismus: Wenn ein Händler einen Kredit aufnimmt, fällt eine Gebühr an (Origination Fee). Ein Teil dieser Gebühr wird verwendet, um SHx vom Markt zu kaufen und permanent zu vernichten (burnen).
Dieser Governance-Beschluss aus 2022 sorgt dafür, dass die Tokenmenge mit jedem erfolgreichen Kredit sinkt und der Wert des Tokens damit direkt an die reale Nutzung des Netzwerks gekoppelt wird.
Governance Funktion
Die Tokenholder entscheiden über Burn-Raten, Treasury-Freigaben oder neue Netzwerkfunktionen.
Liquidität für DeFi
SHX ist das Bindeglied im DeFi-Finanzierungspool: Heute stammt die Liquidität für Händlerfinanzierungen noch von institutionellen Kapitalgebern, die durch Rückzahlungen und den Burn-Mechanismus reale Renditen erzielen.
In Zukunft verschieben sich diese Rückflüsse zunehmend on-chain. Händler können dann direkt aus der Blockchain heraus zurückzahlen, Konsumenten erhalten SHX-Rewards, Händler können Cashback-Programme aufbauen und Retail-Investoren werden – reguliert und KYC-basiert – eigene Liquidität bereitstellen können.
Damit entsteht ein Modell von „Real World Yield“, in dem SHX zunehmend als Belohnungssystem und Cashback-Medium Einsatz findet.
Wie hängt Stronghold mit Stellar und Ripple zusammen?
Die Gründer bringen, wie erwähnt, ihren Hintergrund aus dem Stellar und Ripple-Ökosystem mit. SHX wurde auf dem Stellar-Netzwerk aufgebaut und nutzt dessen Geschwindigkeit und Effizienz als primäre technische Basis.
Stronghold verbindet im nächsten Schritt klassische Bankrails wie ACH mit Blockchain-Rails wie Stellar und dem XRP Ledger. Das Herzstück ist der Stronghold Virtual Ledger, der im Hintergrund entscheidet, welche Rail für eine Zahlung am effizientesten ist. Die Axelar-Brücke verbindet Stellar und Ethereum 1:1, sodass SHX auf beiden Chains genutzt werden kann.
Regulatorisch ist Stronghold tief im US-Finanzsystem verankert. Als Mitglied der Nacha Payments Innovation Alliance arbeitet das Unternehmen direkt an der Modernisierung des ACH-Netzwerks mit.
Die Übernahme von 20022 Labs ermöglicht es Stronghold außerdem, Zahlungsdaten im ISO-20022-Format zwischen Banken und Blockchains auszutauschen. So entsteht ein Netzwerk, in dem Händler Zahlungen über ACH erhalten können, während Finanzierung und Settlement parallel über Stellar oder XRPL laufen.
Fazit: Utility First – Geht die Strategie auf?
Stronghold baut keine Parallelwelt zu Banken, sondern erweitert bestehende Zahlungsinfrastruktur um Geschwindigkeit, Effizienz und Interoperabilität. Eine IBM-Case-Study zeigte bereits: Stronghold kann internationale Zahlungen von mehreren Tagen auf Echtzeit verkürzen. Das beweist Enterprise-Tauglichkeit, allerdings entsteht echtes Wachstum erst, wenn Händler, Konsumenten und Retail gemeinsam im Netzwerk aktiv werden.
Der Fokus auf Retail, Listings und Marketing für einen Flywheel-Effekt stand hinter der Utility-First-Strategie lange in der Warteschlange.
Heute profitieren vor allem institutionelle Kapitalgeber, die Liquidität bereitstellen und durch Rückzahlungen sowie den SHX-Burn reale Erträge erzielen. Mit dem kommenden on-chain Rückzahlungsmodell öffnet Stronghold (so der Plan) dieses System auch für Retail reguliert, KYC-basiert und transparent. Wer bei Stronghold einen wilden DeFi-Token sucht, muss sich hier mit einem Modell anfreunden, das bewusst auf starke Regulierung setzt.
Stronghold bleibt ein Infrastrukturprojekt, das auf realwirtschaftliche Nutzung setzt: Wenn es gelingt, diese Basis in ein offenes Netzwerk zu überführen, wird SHX einer der wenigen Tokens sein, dessen Wert primär aus echter Nutzung entstehen könnte und weniger aus Narrativen.

