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Stablecoin-Machtverschiebung: Circle holt gegen Tether auf

News6 Min. Lesezeit
Dr. Stephanie MorgenrothDr. Stephanie Morgenroth
Stablecoin-Machtverschiebung: Circle holt gegen Tether auf

Der Abstand zwischen den beiden größten Stablecoin-Emittenten schrumpft. Während Tethers USDT zwar weiterhin den Markt anführt, zeigt Circle mit USDC ein stärkeres Wachstum und gewinnt im institutionellen Bereich an Boden.

USDT
Marktführer unter den Stablecoins
USDC
Zweitgrößter Stablecoin weltweit
Trend
Wachstumslücke schließt sich

Was genau passiert ist

Stablecoins sind das Öl im Getriebe des Krypto-Marktes. Sie ermöglichen schnelle Transaktionen ohne die Volatilität von Bitcoin oder Ethereum, indem sie an den US-Dollar gekoppelt bleiben. Seit Jahren dominiert Tether mit USDT diesen Sektor, doch jetzt zeichnet sich eine fundamentale Verschiebung ab.

Circle, das Unternehmen hinter USDC, verzeichnet ein beschleunigtes Wachstum. Der Emittent profitiert von einer stärkeren Positionierung im institutionellen Bereich und von regulatorischen Vorteilen in den USA sowie in der Europäischen Union. Gleichzeitig lässt das Expansionstempo von Tether nach. Das Unternehmen hält zwar weiterhin die größte Marktkapitalisierung unter den Stablecoins, doch die Wachstumsraten flachen merklich ab.

Diese Entwicklung ist kein plötzlicher Kurswechsel, sondern das Ergebnis einer kontinuierlichen Strategie über mehrere Jahre. Circle setzt auf Transparenz, regulatorische Compliance und Partnerschaften mit traditionellen Finanzinstituten. Tether hingegen agiert traditionell stärker im Retail-Bereich und in Schwellenländern, wo es als Liquiditätsreserve und Überweisungsmittel dient. Die jüngsten Beobachtungen deuten darauf hin, dass institutionelle Anleger, Zahlungsdienstleister und DeFi-Protokolle zunehmend zu USDC greifen, wenn es um große Transaktionen und regulatorisch sensible Anwendungen geht.

Besonders in der Europäischen Union gewinnt USDC an Boden. Mit der MiCA-Verordnung, die seit 2024 vollständig in Kraft ist, benötigen Stablecoin-Anbieter eine spezifische Lizenz. Circle hat diese frühzeitig beantragt und erhalten, während Tether seine Strategie für den europäischen Markt neu ausrichten muss. Das schafft einen Wettbewerbsvorteil für USDC in einem der größten Wirtschaftsräume weltweit.

Warum das wichtig ist

Die Bedeutung dieser Verschiebung lässt sich nicht am Kurs einer einzelnen Kryptowährung ablesen, sondern an der Stabilität des gesamten Ökosystems. Stablecoins dienen als Brücke zwischen traditionellem Fiat-Geld und digitalen Assets. Sie ermöglichen es Händlern, schnell aus volatilen Positionen in Dollar-Äquivalente zu wechseln, ohne das Bankensystem zu verlassen. Wenn sich hier das Machtgefüge ändert, wirkt sich das auf Liquidität, Handelsvolumen und das Vertrauen der Nutzer aus.

USDC profitiert von der regulatorischen Klarheit in den USA. Circle ist als Money Services Business bei der FinCEN registriert und arbeitet mit Banken zusammen, die vollständig in das US-Finanzsystem integriert sind. Das macht den Coin für institutionelle Investoren attraktiv, die strenge Compliance-Vorgaben einhalten müssen. Zudem veröffentlicht Circle monatliche Prüfberichte durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Grant Thornton, was die Transparenz der Reserven erhöht.

Tether hingegen operiert von El Salvador und der Schweiz aus. Das Unternehmen hat zwar seine Reservenstruktur verbessert und hält mittlerweile einen Großteil in US-Staatsanleihen statt in kommerziellen Papieren, doch die regulatorische Unsicherheit schreckt manche institutionelle Partner ab. Zudem konzentriert sich Tether stark auf Märkte außerhalb der etablierten Finanzzentren, was das Wachstum in den USA und der EU begrenzt.

Wichtig: Eine Konzentration auf einen einzigen Stablecoin birgt Systemrisiken für das gesamte Krypto-Ökosystem. Die zunehmende Akzeptanz von USDC neben USDT diversifiziert das Marktgeschehen und reduziert die Abhängigkeit von einem einzelnen Emittenten.

Einordnung

Aus meiner Sicht deutet diese Entwicklung auf eine Reifung des Marktes hin. In den frühen Jahren dominierte Tether, weil es die erste und am weitesten verbreitete Lösung war. Heute zählen nicht nur Netzwerkeffekte, sondern auch regulatorische Solidität und institutionelle Akzeptanz. Die Verschiebung hin zu USDC im institutionellen Bereich spricht für einen professionelleren, stabileren Markt.

Banken, Fonds und Zahlungsdienstleister bevorzugen Emittenten, die sich in etablierten Rechtsrahmen bewegen und transparente Berichtsstandards einhalten. Das stärkt langfristig das Vertrauen in digitale Assets und öffnet den Markt für traditionelle Investoren, die bisher zögerten.

Auf der anderen Seite bleibt Tether in der globalen Liquidität unverzichtbar. In Schwellenländern, bei OTC-Desks, also außerbörslichen Handelsplätzen für Grosstransaktionen, und für schnelle Arbitrage-Geschäfte dominiert USDT weiterhin. Kritiker argumentieren, dass Circles Aufholjagd vor allem auf den US-amerikanischen und europäischen Markt beschränkt bleibt und Tethers globale Reichweite unterschätzt wird. Zudem könnte eine zu starke Abhängigkeit von USDC neue Risiken schaffen, sollte die US-Regulierung verschärft oder die Partnerschaften mit Banken eingeschränkt werden.

Die Wahrheit liegt wahrscheinlich in der Koexistenz beider Coins. USDC wird sich als Standard für institutionelle Anwendungen und regulierte Märkte etablieren, während USDT die dominierende Rolle in der globalen Retail-Liquidität und in Regionen mit weniger entwickelter Infrastruktur behält.

Was du jetzt wissen solltest

Für Dich als Nutzer oder Anleger ergeben sich aus dieser Entwicklung konkrete Handlungsempfehlungen:

  1. Diversifiziere Deine Stablecoin-Holdings: Halte nicht alle Mittel in einem einzigen Stablecoin. Die Aufteilung zwischen USDT und USDC reduziert das Emittentenrisiko und schützt vor eventuellen regulatorischen Einschränkungen eines einzelnen Anbieters.
  2. Prüfe die Nutzung: Für internationale Überweisungen und DeFi-Anwendungen auf Ethereum und Solana ist USDC oft die kostengünstigere Option, da die Netzwerkeffekte dort zunehmend zugunsten von Circle verschoben sind. Für schnelle Trades auf zentralisierten Exchanges bleibt USDT aufgrund der höheren Liquidität oft vorteilhafter.
  3. Beachte die regulatorische Lage: Wenn Du in der EU ansässig bist, bevorzuge regulierte Börsen wie Bitvavo oder Bitpanda, die beide Stablecoins unter strengen Vorgaben anbieten und MiCA-konform agieren.
  4. Verstehe die Reserven: Beide Coins sind durch Fiat-Reserven gedeckt, doch die Transparenz unterscheidet sich. Circle veröffentlicht monatliche Prüfberichte durch Grant Thornton, während Tether Quartalsberichte vorlegt. Für risikobewusste Anleger kann das eine Rolle spielen.
  5. Sichere Deine Assets: Für größere Beträge empfiehlt sich ein Hardware-Wallet wie der Ledger oder die BitBox02, das Du mit Stablecoins nutzen kannst, um nicht auf Exchange-Risiken angewiesen zu sein. Beide Geräte unterstützen ERC-20 Token und damit USDC.

Gut zu wissen: Not your keys, not your coins — wer Kryptowährungen langfristig halten will, sollte ein Hardware Wallet nutzen.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen USDT und USDC?

USDT wird von Tether emittiert und ist der ältere, größere Stablecoin mit Fokus auf globale Liquidität und Retail-Märkte. USDC stammt von Circle, ist stärker in den USA und der EU reguliert und gewinnt im institutionellen Bereich an Bedeutung. Beide Coins sind an den US-Dollar gekoppelt, unterscheiden sich jedoch in ihrer regulatorischen Einbettung, Transparenz und geografischen Akzeptanz.

Ist USDC sicherer als USDT?

Sicherheit hängt vom individuellen Risikoprofil ab. USDC profitiert von strengerer US-Regulierung und monatlichen Prüfungen durch Grant Thornton. USDT hat zwar eine längere Historie und höhere globale Liquidität, operiert aber in einer weniger transparenten internationalen Rechtslage. Für institutionelle Anleger gilt USDC oft als konservativere Wahl, während USDT im globalen Handel und für schnelle Transaktionen unverzichtbar bleibt.

Sollte ich meine Stablecoins diversifizieren?

Ja. Die Aufteilung auf mehrere Stablecoins reduziert das Emittentenrisiko erheblich. Sollte ein Emittent regulatorische Probleme, technische Schwierigkeiten oder Vertrauensverluste erleben, sind nicht alle Deine Mittel betroffen. Eine Mischung aus USDT für Liquidität und globale Überweisungen sowie USDC für regulatorische Stabilität und institutionelle Anwendungen ist eine bewährte Strategie für risikobewusste Nutzer.

Hinweis: Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt und redaktionell geprüft.

Über die Autorin

Dr. Stephanie Morgenroth

Dr. Stephanie Morgenroth

Steffi ist promovierte Medizinerin, Krypto-Investorin seit 2021 und erreicht mit MissCrypto über 100.000 Menschen auf Social Media. Sie macht komplexe Themen wie Bitcoin, DeFi und Krypto-Steuern verständlich, ehrlich, unabhängig und ohne Hype.

Über Steffi

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