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NFT Steuern 2026: Kauf, Verkauf, Minting & Airdrops

NFTs sind steuerlich sonstige Wirtschaftsgüter – mit eigenen Regeln für Kauf, Minting, Airdrops und Royalties. Dieser Guide erklärt alle Szenarien nach aktuellem BMF-Schreiben.

NFT Steuern 2026: Der vollständige Guide

Was sind NFTs steuerlich?

Non-Fungible Tokens (NFTs) werden von der deutschen Finanzverwaltung als sonstige Wirtschaftsgüter eingestuft und fallen unter Paragraf 23 Absatz 1 Satz 1 Nr. 2 EStG (private Veräußerungsgeschäfte). Damit unterliegen NFTs denselben Grundregeln wie Kryptowährungen: Es gilt eine Haltefrist von 365 Tagen (1 Jahr). Wer seinen NFT länger als ein Jahr hält, verkauft ihn komplett steuerfrei – unabhängig von der Gewinnhöhe.

Für Verkäufe innerhalb der Haltefrist gilt seit dem Wachstumschancengesetz 2024 die erhöhte Freigrenze von 1.000 EUR pro Jahr (vorher 600 EUR). Achtung: Das ist eine Freigrenze, kein Freibetrag. Überschreitest du die 1.000 EUR Grenze auch nur um 1 Cent, wird der gesamte Gewinn steuerpflichtig – nicht nur der übersteigende Teil.

Das BMF-Schreiben vom 10. Mai 2022 (Gz. IV C 1 – S 2256/19/10003:001) bildet weiterhin die zentrale Orientierungsgrundlage für die steuerliche Behandlung von virtuellen Währungen und sonstigen Token – inklusive NFTs. Es stellt klar, dass NFTs als eigenständige Wirtschaftsgüter gelten und nicht unter die Abgeltungsteuer fallen.

Zwei relevante Freigrenzen für NFT-Besitzer: Für Veräußerungsgewinne (Kauf/Verkauf) gilt die 1.000 EUR Freigrenze nach Paragraf 23 EStG. Für passive Einkünfte aus Airdrops und Royalties gilt die 256 EUR Freigrenze nach Paragraf 22 Nr. 3 EStG. Beide Freigrenzen existieren unabhängig voneinander.

NFT Kauf & Verkauf: Doppelte Steuerpflicht beachten

Der Kauf eines NFT mit Kryptowährung (ETH, SOL, MATIC etc.) ist steuerlich ein Tauschgeschäft. Das bedeutet: Für die hingegebene Kryptowährung entsteht ein Veräußerungsgeschäft nach Paragraf 23 EStG. Hast du die ETH beispielsweise für 1.500 EUR gekauft und sie beim NFT-Kauf einen Marktwert von 2.200 EUR, realisierst du einen steuerpflichtigen Gewinn von 700 EUR auf die ETH – sofern die Haltefrist noch nicht abgelaufen ist.

Gleichzeitig erwirbst du den NFT als neues Wirtschaftsgut. Die Anschaffungskosten des NFT entsprechen dem Marktwert der hingegebenen Kryptowährung zum Zeitpunkt des Kaufs (im Beispiel: 2.200 EUR). Die Haltefrist für den NFT beginnt ab dem Kaufdatum. Verkaufst du den NFT später, ist die Differenz zwischen Verkaufspreis und Anschaffungskosten dein steuerpflichtiger Gewinn.

Gas Fees sind Anschaffungsnebenkosten und erhöhen deine Anschaffungskosten. Zahlst du beim Kauf eines NFT 0,01 ETH Gas Fee (Wert: 22 EUR), erhöhen sich deine Anschaffungskosten von 2.200 EUR auf 2.222 EUR. Das reduziert deinen späteren Veräußerungsgewinn. Dokumentiere die Gas Fees immer in EUR zum Transaktionszeitpunkt.

NFT Minting: Anschaffung zum Marktwert

Das Minting eines NFT – also das erstmalige Erstellen und Prägen auf der Blockchain – gilt steuerlich als Anschaffung. Die Anschaffungskosten entsprechen dem Marktpreis des NFT zum Zeitpunkt des Zuflusses in dein Wallet. In der Praxis ist das häufig der Mint-Preis, den du bezahlt hast (z.B. 0,08 ETH).

Gas Fees beim Minting sind Anschaffungsnebenkosten. Bezahlst du 0,08 ETH (Wert: 176 EUR) als Mint-Preis und 0,005 ETH (Wert: 11 EUR) als Gas Fee, betragen deine gesamten Anschaffungskosten 187 EUR. Diese Summe ist deine Bemessungsgrundlage für den späteren Verkauf.

Wichtig bei Free Mints: Wenn der Mint-Preis 0 beträgt, sind deine Anschaffungskosten lediglich die Gas Fee. Mintest du ein NFT kostenlos und zahlst nur 8 EUR Gas Fee, dann hast du Anschaffungskosten von 8 EUR. Verkaufst du den NFT später für 500 EUR (innerhalb der Haltefrist), beträgt dein steuerpflichtiger Gewinn 492 EUR.

Beachte: Der Mint-Vorgang selbst löst die Haltefrist aus. Die 365-Tage-Frist beginnt ab dem Moment, in dem der NFT deinem Wallet gutgeschrieben wird. Zusätzlich kann das Bezahlen des Mint-Preises mit Krypto ein separates steuerpflichtiges Tauschgeschäft für die hingegebene Kryptowährung sein (siehe Abschnitt oben).

Praxis-Tipp: Dokumentiere bei jedem Mint den Mint-Preis in EUR, die Gas Fee in EUR, das Datum und die Transaktions-ID. Diese Daten brauchst du für die Steuererklärung und als Nachweis beim Finanzamt.

NFT Airdrops: Zufluss als sonstige Einkünfte

Erhältst du einen NFT als Airdrop, handelt es sich um sonstige Einkünfte nach Paragraf 22 Nr. 3 EStG. Der NFT wird zum Fair Market Value (FMV) zum Zeitpunkt des Zuflusses besteuert. Der Zufluss-Zeitpunkt ist der Moment, in dem der NFT in deinem Wallet erscheint – nicht erst, wenn du ihn entdeckst oder claimst (sofern der Claim automatisch erfolgte).

Für sonstige Einkünfte gilt die Freigrenze von 256 EUR pro Jahr. Diese Freigrenze teilst du mit allen anderen sonstigen Einkünften: Staking-Rewards, Mining-Einnahmen, Yield Farming und weitere Airdrops. Überschreitest du die 256 EUR, wird der gesamte Betrag steuerpflichtig.

Die Haltefrist für den späteren Verkauf des geairdroppten NFT beginnt ab dem Zufluss-Zeitpunkt. Hältst du den NFT länger als 1 Jahr und verkaufst ihn dann, ist der Veräußerungsgewinn steuerfrei. Die Anschaffungskosten für den späteren Verkauf entsprechen dem FMV zum Zufluss-Zeitpunkt.

Problem in der Praxis: Den Fair Market Value eines NFT-Airdrops zu bestimmen ist oft schwierig. Hat der NFT zum Zeitpunkt des Airdrops noch keinen Marktpreis (kein Floor Price auf OpenSea, keine Trades), kann der FMV im Extremfall 0 EUR betragen. Dokumentiere immer den nächstmöglichen Vergleichspreis und halte deine Recherche für das Finanzamt fest.

NFT Royalties: Sonstige Einkünfte oder Gewerbe?

Als NFT-Creator erhältst du bei vielen Marktplätzen automatisch Royalties (Umsatzbeteiligung) bei jedem Weiterverkauf deines NFT. Diese Einnahmen sind grundsätzlich sonstige Einkünfte nach Paragraf 22 Nr. 3 EStG und unterliegen der 256 EUR Freigrenze.

Wann wird es gewerblich? Das Finanzamt prüft die Gewerblichkeit anhand dieser Kriterien: nachhaltiger Tätigkeit, Gewinnerzielungsabsicht, Teilnahme am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr und Selbständigkeit. Wer regelmäßig NFT-Collections erstellt, diese aktiv vermarktet und dauerhaft Royalty-Einnahmen erzielt, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit als Gewerbetreibender eingestuft.

Gewerbliche Einstufung bedeutet: Gewerbesteuer ab einem Freibetrag von 24.500 EUR pro Jahr plus Einkommensteuer auf den Gewinn. Dafür kannst du dann auch alle Betriebsausgaben (Software, Hardware, Marketing, Gas Fees) vollständig absetzen. Spreche im Zweifel frühzeitig mit einem Steuerberater, denn die Grenze zwischen privat und gewerblich ist fließend.

Achtung bei Creator-Royalties auf verschiedenen Chains: Royalties auf Ethereum (ERC-721/ERC-1155), Solana (Metaplex) und Polygon werden oft in unterschiedlichen Token ausgezahlt. Jede Royalty-Zahlung ist ein separater Zufluss, der in EUR umgerechnet und dokumentiert werden muss. Bei hunderten Weiterverkäufen summiert sich der Dokumentationsaufwand erheblich.

OpenSea, Blur & Co: NFT-Dokumentation für die Steuer

Die Dokumentation von NFT-Transaktionen ist eine der größten Herausforderungen im Krypto-Steuerbereich. Im Gegensatz zu zentralen Börsen bieten NFT-Marktplätze wie OpenSea, Blur, Magic Eden oder LooksRare keine direkte API-Anbindung an gängige Steuersoftware. Es gibt keinen CSV-Export mit allen steuerlich relevanten Daten.

Die zuverlässigste Methode ist der Wallet-basierte Import. Sowohl CoinTracking als auch Koinly können deine Wallet-Adresse scannen und NFT-Transaktionen direkt aus der Blockchain auslesen. CoinTracking unterstützt Ethereum, Polygon und weitere EVM-Chains für den NFT-Import. Die Software erkennt Käufe, Verkäufe, Mints und Transfers automatisch.

Was du manuell ergänzen musst: Fair Market Values für Airdrops ohne Handelshistorie, Royalty-Zuordnungen bei Multi-Chain-Collections und die korrekte Kategorisierung von Free Mints. Führe ergänzend eine eigene Tabelle mit Mint-Datum, Mint-Preis, Gas Fee und Verkaufspreis – das erleichtert die Abstimmung mit der Steuersoftware.

Empfehlung: Nutze CoinTracking für den automatischen Blockchain-Import und ergänze NFT-spezifische Daten manuell. Koinly bietet eine ähnliche Funktionalität und unterstützt über 800 Integrationen. Beide Tools erstellen den fertigen Steuerbericht für dein Finanzamt.

Referenz-Tabelle

Steuerliche Behandlung von NFT-Transaktionen

NFT kaufen (mit Krypto)Tausch = Veräußerung (Paragraf 23)1.000 EUR/Jahr
NFT verkaufenPrivates Veräußerungsgeschäft (Paragraf 23)1.000 EUR/Jahr
NFT AirdropSonstige Einkünfte (Paragraf 22 Nr. 3)256 EUR/Jahr
NFT RoyaltiesParagraf 22 Nr. 3 oder gewerblich256 EUR/Jahr (oder Gewerbe)

Häufige NFT-Steuerfehler

1
Krypto-zu-NFT Kauf nicht als Tausch erfasst

Der Kauf eines NFT mit ETH oder SOL ist ein Tauschgeschäft. Für die hingegebene Krypto entsteht ein Veräußerungsgeschäft. Dieser Schritt wird am häufigsten vergessen.

2
Gas Fees nicht als Nebenkosten abgezogen

Gas Fees beim Kauf, Minting und Verkauf mindern den steuerpflichtigen Gewinn. Besonders bei Ethereum können Gas Fees erheblich sein und den Gewinn deutlich reduzieren.

3
Royalties nicht als Einkünfte deklariert

Creator-Royalties sind steuerpflichtige Einkünfte. Auch kleine Beträge müssen erfasst werden, da sie zusammen mit Staking und Airdrops die 256 EUR Freigrenze aufbrauchen.

4
Fair Market Value bei Airdrops nicht dokumentiert

Der FMV zum Zufluss-Zeitpunkt ist entscheidend. Fehlt der Nachweis, kann das Finanzamt den Wert schätzen -- meist zu deinem Nachteil.

5
Haltefrist falsch berechnet

Die Haltefrist beginnt ab dem Kaufdatum bzw. Minting-Datum, nicht ab dem Listing auf einem Marktplatz. Bei Airdrops beginnt sie ab dem Zufluss ins Wallet.

6
Multi-Chain NFTs nicht erfasst

Wer NFTs auf Ethereum, Solana und Polygon besitzt, muss alle Chains separat tracken. Jede Chain hat eigene Transaktions-Hashes und Gas-Token.

7
Wertlose NFTs nicht als Verlust realisiert

Wertlose NFTs kannst du für 0 EUR verkaufen oder an eine Burn-Adresse senden, um den Verlust steuerlich zu realisieren. Unverkaufte NFTs im Wallet sind unrealisierte Verluste und steuerlich nicht relevant.

Häufige Fragen zu NFT-Steuern

Sind NFTs in Deutschland steuerpflichtig?

Ist der Kauf eines NFT mit ETH oder SOL steuerpflichtig?

Wie wird NFT Minting besteuert?

Wie werden NFT Airdrops besteuert?

Sind NFT Royalties steuerpflichtig?

Welche Freigrenze gilt für NFT-Verkäufe?

Kann ich Gas Fees bei NFTs steuerlich absetzen?

Welche Tools helfen bei der NFT-Steuerdokumentation?

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Dr. Stephanie Morgenroth
Dr. Stephanie Morgenroth

Promovierte Medizinerin und Krypto-Edukatorin mit über 100.000 Followern auf Social Media. Stephanie erklärt komplexe Krypto-Themen verständlich und hilft Einsteigern, sicher in die Welt der Kryptowährungen einzusteigen.

Dr. med.Autorin seit 2021100K+ Follower

Haftungsausschluss (Stand: 2026): Dieser Guide dient ausschließlich zur unverbindlichen Erstorientierung und stellt keine Steuerberatung i.S.d. Paragraf 2 StBerG dar. NFT-Steuerrecht entwickelt sich schnell weiter. Für verbindliche Auskünfte wende dich an einen Steuerberater.