⚡ Quick Takes
- Goldman liquidierte rund 154 Millionen US-Dollar in XRP-ETFs und reduzierte seine Ethereum-Position über BlackRocks ETHA-Fonds um 70 Prozent.
- Neu im Depot: 654.630 Aktien der Hyperliquid Strategies Inc. (Ticker PURR) für rund 3,3 Millionen US-Dollar.
- Bitcoin-ETFs bleiben mit etwa 700 Millionen US-Dollar das Anker-Asset, leicht reduziert um zehn Prozent.
Goldman Sachs hat im ersten Quartal 2026 seine XRP- und Solana-ETFs komplett verkauft und stattdessen Aktien des Hyperliquid-Treasury-Vehikels PURR gekauft. Das geht aus dem Form 13F-HR hervor, das die Bank am 15. Mai bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht hat. Der entscheidende Punkt steckt aber nicht in den verkauften Positionen, sondern darin, welches neue Modell Wall Street damit ins Visier nimmt.
Was im 13F wirklich steht
Das Form 13F-HR ist die quartalsweise Pflichtmeldung institutioneller Investoren an die SEC. Goldmans Filing nach dem Stichtag 31. März 2026 zeigt ein klar gerichtetes Bild. Die Bank trennte sich vollständig von allen XRP-Spot-ETFs (Bitwise, Franklin Templeton, Grayscale, 21Shares) sowie von ihren Solana-Produkten (Grayscale Solana Trust, Bitwise Solana Staking, Fidelity Solana Fund). Auch die Ethereum-Position bei BlackRocks ETHA-Fonds wurde von einem deutlich höheren Niveau auf rund 114 Millionen US-Dollar zurückgefahren.
Parallel kaufte Goldman drei börsennotierte Krypto-Aktien zu: Circle als Emittent des USDC-Stablecoins, die Investmentfirma Galaxy Digital und die Krypto-Börse Coinbase. Diese Käufe ergänzen die ETF-Bestände, ersetzen sie aber nicht. Bitcoin bleibt mit knapp 700 Millionen US-Dollar das mit Abstand größte Krypto-Engagement, wenn auch um etwa zehn Prozent kleiner als zum Jahresende 2025.
Die kleinste, aber strategisch interessanteste Position ist Hyperliquid Strategies Inc., kurz PURR. Das börsennotierte Treasury-Vehikel hält nach eigenen Angaben rund 20 Millionen HYPE-Token in seiner Bilanz, ist also eine Hülle für die Hyperliquid-Wette. Goldman betrat den Markt nur wenige Tage, bevor am 12. und 15. Mai die ersten Spot-Hyperliquid-ETFs von 21Shares und Bitwise an US-Börsen kamen.
Warum gerade Hyperliquid
Hyperliquid ist ein dezentraler Marktplatz für Perpetual Futures, also unbefristete Termin-Kontrakte, die auf Kursveränderungen wetten. Im Unterschied zu zentralen Börsen läuft das Orderbuch auf einer eigenen Blockchain mit Finalität unter einer Sekunde, also der endgültigen Bestätigung einer Transaktion in Bruchteilen davon. Stand April 2026 wickelt Hyperliquid rund 70 Prozent aller dezentralen Perp-Volumen ab. Das tägliche Handelsvolumen liegt bei rund 21,8 Milliarden US-Dollar, das offene Interesse bei 7,3 Milliarden.
Wirtschaftlich macht das Protokoll Eindruck. Bisherige Gebühren-Einnahmen summieren sich auf 1,24 Milliarden US-Dollar, die annualisierte Run-Rate liegt zwischen 800 Millionen und einer Milliarde, also hochgerechnet aufs Jahr. Allein in der vergangenen Woche generierte Hyperliquid rund elf Millionen US-Dollar an Gebühren, was etwa 43 Prozent aller Blockchain-Transaktions-Einnahmen entspricht. Davon fließen 97 Prozent in Rückkäufe des eigenen HYPE-Tokens.
Genau dieses Buyback-Modell macht HYPE für institutionelle Investoren lesbar. Statt eines Inflations-Tokens mit unklarem Emissions-Pfad zeigt Hyperliquid harte Kennzahlen, die sich wie ein klassischer Aktien-Rückkauf bewerten lassen. Das ist die Sprache, die Goldmans Investment-Komitees verstehen. Es erklärt, warum eine Bank, die XRP und Solana ohne Federlesen verkauft, ausgerechnet in einen DeFi-Token einsteigt, von dem viele noch nie gehört haben.
Ob die Wette aufgeht, hängt aber daran, ob Hyperliquid seinen Marktanteil halten kann. Wettbewerber wie Aster zeigten zuletzt, wie schnell Volumen rotieren kann, sobald Anreize, Multi-Chain-Einlagen und ein Onboarding nach Vorbild zentraler Börsen zusammenkommen.
Mein Blick darauf
Goldmans Schritt ist kein Liebesbekenntnis zu DeFi. Es ist eine Rotation aus Themen, die zu lange als Versprechen verkauft wurden (XRP-Adoption, Solana-Ökosystem), hinein in ein Protokoll, das Einnahmen vorweisen kann. Für Anleger in Europa ist HYPE über Krypto-Börsen wie Bitvavo direkt handelbar. Vor jeder Position lohnen sich drei Fragen.
Wie hoch ist die Konzentration im täglichen Handelsvolumen?
Wenn ein einziges Protokoll 70 Prozent eines Marktes hält, ist das nicht nur Stärke, sondern auch Klumpenrisiko. Ein Volumen-Drift Richtung Aster oder ein neuer Konkurrent würde HYPE direkt treffen.
Wie nachhaltig sind die Gebühren-Einnahmen?
Die hochgerechneten 800 Millionen bis eine Milliarde entstehen primär aus dem Perp-Handel. Ein Bärenmarkt mit fallender Volatilität würde diese Basis schmälern.
Wer kauft den Token zurück, und welche Token werden parallel an Team und Frühinvestoren freigegeben?
Buybacks sind nur dann wertschöpfend, wenn nicht zeitgleich neue Token in den Markt fließen. Das eigene Freigabe-Schedule sollte vor einem Einstieg klar sein.
Diese Fragen verhindern keinen Verlust. Sie sortieren aber die Geschichten vor, bei denen die Bilanz die Erzählung trägt, statt umgekehrt.




