Wenn ein Unternehmen wie SpaceX an die Börse gehen will, juckt es vielen Anlegern in den Fingern: früh dabei sein, bevor die breite Masse kommt, und von einer neuen Aktie profitieren, deren Firma von Raketen, KI und Zukunft im Orbit erzählt.
Im Kryptomarkt gibt es dieses "Hopium" ebenfalls. Nur heißen die Startpunkte dort nicht IPO, sondern ICO, Launchpad, Börsenlisting oder Airdrop.
Der aktuelle Delphi Digital Report „State of Token Markets“ zeigt, wie unterschiedlich solche Starts für uns Anleger ausgehen können. Was wir daraus über neue Projekte lernen und wie gut diese Chancen am Ende wirklich für uns sind, schauen wir uns jetzt an.
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Was der Delphi Report über neue Token Starts zeigt
Börsenlistings: Erster sichtbarer Einstiegszeitpunkt
Börsenlistings sind für viele Anleger der erste Berührungspunkt zu neuen Projekten. Eine große Börse bringt einem neuen Token Liquidität. Und ein Token-Start auf einer großen CEX wie Binance und Co. bekommt automatisch einen gewissen Trust-Faktor.
Doch ist der Einstieg über so ein Listing wirklich ein Erfolgsgarant?
Delphi ging genau dieser Frage nach und untersuchte 652 neue Börsenlistings auf Binance, Kraken, Coinbase, Bybit und Gate.io aus dem Jahr 2025. Der Report wollte wissen, was passiert wäre, wenn Anleger seit Januar 2025 bei jedem neuen Listing jeweils 1.000 US Dollar investiert hätten.
Das Ergebnis: Aus 652.000 US Dollar Einsatz wären bis zum Stichtag 329.000 US Dollar Verlust entstanden. Die Gewinnerquote lag nur bei 12%, über die Hälfte der Listings verlor mehr als 80%.
Bei so einem Listing sind oft schon private Investoren, Teams, Airdrop-Empfänger oder Launchpad-Käufer früher eingestiegen. Wer erst über die große Börse kauft, kauft deshalb häufig teurer.
Die zweite Erkenntnis: Viele Tokens verbringen den Großteil ihrer Lebenszeit unter ihrem Launch-Preis. Der erste Handelstag sollte also nicht das Maß aller Dinge sein, um ein Projekt zu bewerten. Laut Delphi handeln auffälligerweise Layer-2-Tokens in rund 80% ihrer Lebenszeit unter dem Startpreis.
Airdrops: klares Muster
Auch bei Airdrops zeigt Delphi ein klares Muster. Airdrops sind kostenlose Token-Verteilungen an frühe Nutzer. Die Idee klingt fair: Wer ein Projekt früh genutzt, getestet oder unterstützt hat, wird später mit Tokens belohnt.
In der Praxis verkaufen viele Empfänger aber sehr schnell.
Bei Jupiter, einem bekannten DeFi-Protokoll auf Solana, hatten bis Tag 90 rund 94,4% der Airdrop-Wallets mindestens 90% ihrer Allocation verkauft oder transferiert.
Oder Arbitrum: Dort wurde der Airdrop zu einer extrem teuren Marketingkampagne. Die Layer-2-Chain verteilte beim Airdrop 2023 rund 1,16 Milliarden ARB Tokens. Zum Eröffnungspreis von 1,18 Dollar hatte der Airdrop rechnerisch einen Wert von rund 1,37 Milliarden Dollar.
Schon nach 30 Tagen waren laut Delphi 84,5% der Airdrop-Wallets fast vollständig ausgestiegen. Rechnerisch gingen damit rund 1,16 Milliarden Dollar an Nutzer, die sehr schnell wieder ausgestiegen sind ... und der Markt bekam vor allem den zusätzlichen Verkaufsdruck zu spüren.
Launchpads schneiden kurzfristig besser ab als klassische Börsenlistings
Launchpads sind spezielle Plattformen für neue Token-Verkäufe. Bekannte Beispiele sind CoinList, Binance Launchpad, Legion, Kaito oder MetaDAO.
Als Anleger kaufen wir dort früher „mit den Insidern“ und damit näher am ursprünglichen Ausgabepreis als beim späteren Börsenlisting. Und dennoch schützte das in der Vergangenheit nicht vor späteren Kursverlusten:
Delphi verglich dafür 55 Tokens auf vier Onchain-Launchpads mit 652 klassischen Börsenlistings. Das Ergebnis: Launchpads starteten meist besser, gaben später aber deutlich nach. Kaito lag nach 180 Tagen bei minus 51%, CoinList bei minus 47% und Legion bei minus 53%.
Einzig MetaDAO stach heraus. Die untersuchte MetaDAO-Gruppe lag nach 90 Tagen bei plus 214% und selbst bis zum Stichtag noch bei plus 17%. Früher Zugang kann helfen, auch auch ein Launchpad-Token braucht nach dem Start echte Nachfrage.
Wie standen 2025 die Chancen bei Altcoins?
Mal umgekehrt gefragt: Wie standen 2025 bei den Altcoins eigentlich die Chancen am Markt?
Ja, Chancen gab es. Ob neuer oder alter Coin: Fast jeder größere Token hatte 2025 mindestens einmal einen starken 30-Tage-Lauf! Einige stiegen zeitweise um 40%, 100% oder mehr. Wer diese Bewegungen mitnehmen konnte, dem kann man eigentlich nur gratulieren. 😉
Die Schwierigkeit lag vor allem darin, diese Gewinne auch zu halten.
ZEC (Privacy), HYPE (DeFi), PENGU (Meme) oder VIRTUAL (KI) liefen zeitweise deutlich nach oben.
HYPE profitierte zum Beispiel von einem Airdrop Ende 2024, aber das Projekt erzeugte bereits echte Trading-Gebühren, die in Buybacks fließen konnten. Dadurch kaufte das Protokoll regelmäßig Tokens am Markt zurück und schaffte den Spagat zur Käuferseite, die vielen neuen Tokens fehlte.
Auch AAVE konnte den neuen Verkaufsdruck zumindest fast auffangen. Im Zeitraum von April 2025 bis März 2026 standen bei AAVE ca. 42 Millionen US Dollar Rückkäufe gegen ca. 46 Millionen US Dollar Unlocks.
Bei JUP war das Verhältnis zwischen Buybacks und Unlocks deutlich unausgewogener: Pro 1 Dollar Buyback kamen über 3 Dollar an Unlocks auf den Markt.
Fazit: Airdrop-Ära ade?
Neue Coins bleiben spannend. Sie geben Anlegern Zugang zu jungen Netzwerken, neuen Technologien und frühen Wachstumsphasen. Genau deshalb ziehen IPOs, ICOs, Launchpads, Airdrops und Listings so viel Aufmerksamkeit an.
Doch ein früher Zugang allein reicht nicht, um sich entspannt zurückzulehnen. Der Markt wird selektiver. Am Ende brauchen Airdrop-Empfänger oder Token-Inhaber gute Gründe, einen Token weiter zu halten.
Neue Coins sind also weder automatisch eine große Chance noch automatisch ein schlechtes Investment: Sie verlangen einfach nur mehr Prüfung als ein kurzer Schlag mit den Wimpern. Und ja, da kann es auch dann mal passieren, dass man daneben greift.






