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Ripple ohne XRP? Wozu Ripple den Token noch braucht

Ripple braucht XRP nicht mehr.Ne, Schwachsinn: Alles, was Ripple baut, läuft irgendwann automatisch über XRP!Ja, was denn jetzt? Braucht Ripple XRP noch? Ja ode...

Coins & Projekte
von Dr. Stephanie Morgenroth
10 Min.
Ripple ohne XRP? Wozu Ripple den Token noch braucht

Ripple braucht XRP nicht mehr.

Ne, Schwachsinn: Alles, was Ripple baut, läuft irgendwann automatisch über XRP!

Ja, was denn jetzt? Braucht Ripple XRP noch? Ja oder nein?

Ich sage ja, aber anders als viele von uns denken. Nach diesem Artikel solltest du die Antwort kennen.

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Unter einem meiner letzten XRP-Videos stellte mir einer von euch aus der Community eine interessante Frage:

„Hey Steffi …

mich würde deine Meinung interessieren: Glaubst du, dass XRP langfristig wirklich eine zentrale Rolle für Ripple spielen wird, oder entwickelt sich Ripple als Unternehmen zunehmend unabhängig von XRP? Und wie ordnest du Brad Garlinghouses Aussage ein, dass XRP im Zentrum von allem steht, wenn XRP bei vielen Produkten offenbar optional ist?“

Nutzerfrage
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Kann Ripple heute Geschäfte machen, ohne XRP zu nutzen?

Zum ersten Teil der Frage. Denn ja – da hat er einen echten Punkt.

Ripple ist 2026 wesentlich breiter aufgestellt als früher.

Durch Übernahmen und strategische Investments hat Ripple nach eigenen Angaben allein bis Ende 2025 fast vier Milliarden US-Dollar in den Krypto-Bereich gesteckt. Zu den größeren Käufen gehören Hidden Road, heute Ripple Prime, sowie der Treasury-Anbieter GTreasury.

Im August 2026 kündigte Ripple bereits die nächsten strategischen Investments in ZILO und Licuido an, beides Unternehmen aus dem Bereich Tokenisierung und digitale Kapitalmärkte.

Ripple kann inzwischen Produkte anbieten und ganze Geschäftsbereiche aufbauen, bei denen XRP technisch keine zentrale Rolle spielen muss:

  1. Ripple Custody ist ausdrücklich blockchain-agnostisch und kann Assets auf unterschiedlichen Netzwerken verwalten. XRP oder der XRP Ledger? Nicht zwingend notwendig.

  2. Ripple Treasury: Unternehmen können dort Fiatgeld und digitale Assets zusammen verwalten. XRP gehört zwar zu den unterstützten Vermögenswerten, das Produkt selbst funktioniert auch ohne XRP.

  3. RLUSD: Läuft auf dem XRPL, aber eben nicht nur dort, sondern inzwischen auch auf Ethereum, Base, Ink, Optimism, Unichain und der XRPL EVM Sidechain.

  4. Ripple Prime ist ein Multi-Asset-Prime-Broker für institutionelle Kunden, die darüber auf Märkte wie Devisen, Derivate, Anleihen oder Kryptowährungen zugreifen. Laut Ripple kommt die Plattform auf mehr als 3 Billionen Dollar Clearing-Volumen pro Jahr. Ripple Prime kann riesig werden, ohne dass jede Transaktion durch XRP läuft. Gerade RLUSD wird dort als Collateral eingesetzt, XRP soll die Dienste ergänzen.

  5. Selbst bei Ripple Payments, wo XRP über ODL lange als Brückenasset im Mittelpunkt stand: Auch hier wirbt Ripple inzwischen stark mit Stablecoin- und Fiat-Flows und unterstützt neben RLUSD auch fremde Stablecoins wie USDC oder USDT.

Ergo: Die Kritik ist berechtigt: Ripple verdient damit einen Haufen Geld – Geld, das XRP nie berührt haben muss.

Eine neue Bank als Ripple-Custody-Kunde erzeugt nicht automatisch XRP-Nachfrage. Ein tokenisierter Milliardenfonds auf dem XRPL bedeutet ebenfalls nicht, dass Anleger für Milliarden Dollar XRP kaufen müssen.

Und dennoch: Heißt das, nur weil Ripple zunehmend unabhängiger wird, dass XRP dem Unternehmen gar nichts mehr bedeutet?

Ich glaube nicht. Und um die Frage zu beantworten: Ich glaube, dass XRP langfristig eine zentrale Rolle für Ripple spielen wird, auch wenn das Unternehmen geschäftlich zunehmend unabhängiger davon wird.

Dazu drei Gründe, warum ich das glaube:

Payments
https://ripple.com/products/cross-border-payments/

Darum kann XRP Ripple kaum egal sein

Grund 1: Warum sollte Ripple sein eigenes Fundament aufgeben?

Stell dir vor, Coca-Cola würde heute sagen: Wir verkaufen mittlerweile so viele verschiedene Getränke, eigentlich brauchen wir die klassische Coke nicht mehr.

Klingt absurd. Aber 1985 wollte Coca-Cola moderner werden und Pepsi etwas entgegensetzen – und versuchte tatsächlich, seine nach 99 Jahren etablierte Coca-Cola-Rezeptur durch „New Coke“ zu ersetzen.

Die Reaktion der Kunden war so negativ, dass Coca-Cola bereits 79 Tage später die alte Rezeptur als Coca-Cola Classic zurückbrachte. Es war einer der größten Marketing-Patzer aller Zeiten!

cola
https://www.coca-colacompany.com/about-us/history/new-coke-the-most-memorable-marketing-blunder-ever

Natürlich ist XRP keine Cola-Rezeptur. Aber überlegt euch mal Folgendes:

Wenn du über Jahre ein erfolgreiches Unternehmen auf einem bestimmten Fundament aufgebaut hast – warum solltest du dir dieses Fundament irgendwann selbst unter den Füßen wegziehen?

Und bei Ripple reicht dieses Band ziemlich weit zurück. Der XRP Ledger ging 2012 live, kurz danach entstand das Unternehmen OpenCoin, aus dem Ripple hervorging.

80 Milliarden XRP wurden dem Unternehmen damals sogar mit dem Ziel übertragen, Anwendungsfälle für XRP aufzubauen.

Heute ist Ripple viel größer und unabhängiger geworden. Aber selbst in einem aktuellen Paper von 2026 bezeichnet Ripple RLUSD und XRP weiterhin als Assets, die seinen Lösungen zugrunde liegen.

Selbst im neuen Prime-Brokerage-Geschäft, das Ripple aufbaut, erwähnt das Unternehmen im gleichen Atemzug den XRP Ledger als mögliche Infrastruktur für Onchain-Kreditlinien und eine frühere Abwicklung.

Ripple überlegt also weiterhin, wie der XRPL in diesem neuen Geschäft eingesetzt werden kann. Für mich sieht das deshalb eher danach aus, dass Ripple um dieses ursprüngliche Fundament herum immer mehr Geschäftsfelder baut.

ripple xrpl Blockchain
https://cdn.sanity.io/files/ior4a5y3/production/fcccbccafb7342977f37946fcff070b7d20946c9.pdf/the-blueprint-for-institutional-digital-assets-trading.pdf

Grund 2: XRP muss nicht sichtbar sein, um zentral zu sein

Interessanterweise ist die Frage, wie wichtig XRP wirklich ist, überhaupt nicht neu.

Schon 2013 schrieb Arthur Britto, einer der ursprünglichen Entwickler des XRP Ledgers, in einer öffentlichen Diskussion beim World Wide Web Consortium:

"Ich glaube, viele Leute verrennen sich in XRP. Im Großen und Ganzen erwarte ich, dass Die Mehrheit der Menschen, die das Ripple-Zahlungsnetzwerk nutzen, XRP ignorieren kann. XRP wird lediglich die verborgene Infrastruktur darstellen."

Und Britto ging sogar noch weiter:

"Zahlungen im Ripple-Netzwerk können neben
XRP auch über andere Währungen abgewickelt werden. Die Nutzung von XRP ist völlig optional. Zahlungen werden in der Regel nur dann über XRP abgewickelt, wenn dies effizienter oder aus anderen Gründen wünschenswert ist. "

Moment mal. Wenn XRP schon damals optional sein sollte – wie kann Brad Garlinghouse dann 2026 sagen: „Alle Wege führen zurück zu Ripples Nordstern XRP.“

brad
https://x.com/bgarlinghouse/status/2049187934843093167

Ich denke, wir Anleger interpretieren da mit unserem Halbwissen und unseren Gewinnabsichten manchmal zu viel hinein.

Denn optional für den Nutzer bedeutet nicht automatisch bedeutungslos für die Infrastruktur.

Ein Beispiel: Es gibt gerade eine neue Funktion, an der für den XRP Ledger gearbeitet wird. Sie heißt Sponsored Fees and Reserves.

Normalerweise braucht ein Account XRP, um Transaktionsgebühren zu bezahlen und die vorgeschriebenen Reserven zu hinterlegen. Mit Sponsored Fees könnte künftig beispielsweise eine Bank, ein Fondsanbieter oder eine andere Plattform diese XRP-Kosten für ihre Kunden übernehmen.

Der Nutzer müsste dann selbst gar kein XRP besitzen, weil der Sponsor Gebühren und Reserven im Hintergrund übernimmt. Die Funktion ist noch nicht auf dem Mainnet aktiviert und muss dafür den Validator-Voting-Prozess durchlaufen. Sie macht Brittos Aussage von 2013 ziemlich greifbar, weil du als Nutzer sagst:

XRP brauche ich überhaupt nicht.

Im Hintergrund hält aber beispielsweise deine Bank XRP und übernimmt die Gebühren und Reserven für dich.

Vielleicht müssen wir deshalb auch Garlinghouses „North Star“-Aussage etwas anders verstehen. Ich meine, was wäre denn die Alternative?

Dass wie auf einer Kellogg’s-Cornflakes-Packung auf jedem Ripple-Produkt riesengroß XRP steht und Garlinghouse seinen Kunden sagt: „Kauft erst mal XRP“?

Das hielte ich weder für besonders seriös noch für eine sinnvolle Strategie. Ripple muss gute Produkte bauen, die Institute nutzen wollen. Wenn XRP darin eine echte Funktion erfüllt, entsteht seine Bedeutung aus der Nutzung des Produkts und nicht daraus, dass Ripple den Coin möglichst laut bewirbt, was im Übrigen auch aus regulatorischer Sicht bedenklich wäre.

XRP wäre für dich also weniger als der leuchtende Stern am Himmel sichtbar, aber deswegen nicht aus dem System verschwunden. Es kann trotzdem an den Stellen im Hintergrund sitzen, für die es ursprünglich entwickelt wurde: für Gebühren, Reserven und für Liquidität als Brückenasset.

Und je besser diese Infrastruktur funktioniert, desto weniger müsste der normale Nutzer davon überhaupt mitbekommen.

Grund 3: Ripple hat selbst Milliarden XRP im Spiel

Der dritte Grund ist ziemlich nüchtern: Ripple sitzt selbst mit im XRP-Boot. Das Unternehmen hat ein enormes wirtschaftliches Interesse an XRP.

Und dabei meine ich zunächst gar nicht die Milliarden XRP, die noch im Escrow liegen.

Zum 30. Juni 2026 hält Ripple insgesamt rund 37 Milliarden XRP. Davon sind 32 Milliarden XRP im Escrow gesperrt.

Aber da liegen ja noch die rund 5 Milliarden XRP außerhalb des Escrows, auf die Ripple aktuell Zugriff hat. Bei einem XRP-Kurs von rund 1 Dollar im Sommer 2026 (und das im tiefsten Bärenmarkt!) sprechen wir allein von über 5 Milliarden Dollar Marktwert – das ist ein erheblicher Vermögenswert!

Ist jetzt nicht so, dass Ripple diese 5 Milliarden Dollar direkt auszahlt. Ripple könnte diese Menge auch nicht mal eben schnell und einfach in einem Wisch verkaufen – es müsste ja erst einmal Käufer finden, die zu diesem Preis kaufen.

Naja, aber Ripple hat XRP historisch schon genau für solche Zwecke genutzt.

  1. 2018 verkaufte Ripple beispielsweise XRP im Gegenwert von insgesamt 535,56 Millionen Dollar, um mit den Erlösen unter anderem seinen Geschäftsbetrieb zu finanzieren.

  2. Später, etwa zwischen 2021 und 2023, wollte Ripple genügend Liquidität für sein On-Demand-Liquidity-Geschäft bereitstellen. Dabei verkaufte es XRP und kaufte teilweise wieder XRP am Markt zurück.

  3. Dann verlieh Ripple zeitweise XRP kurzfristig an Market Maker. Diese XRP dienten der Liquiditätsbereitstellung und wurden anschließend wieder an Ripple zurückgegeben.

  4. Auch die monatlichen Escrow-Freigaben zeigen, dass XRP für Ripple mehr als ein passiver Bestand war. 2018 wurden beispielsweise immer wieder Teile der freigegebenen XRP nicht erneut gesperrt, sondern für den Aufbau des XRP-Ökosystems, für Investments und Förderprogramme eingesetzt.

Der XRPL ist für Ripple eine technologische Ressource, aber XRP ist seit Beginn auch eine wirtschaftliche Ressource.

Und jetzt zurück zur Community Frage:

Ripple besitzt etwas, das ein normales Fintech-Unternehmen nicht hat:

zusätzlich zum operativen Geschäft einen milliardenschweren Bestand an einem digitalen Vermögenswert, den es historisch bereits zur Finanzierung, für Liquidität und für strategische Investments eingesetzt hat.

Das macht Ripple natürlich nicht unabhängig vom klassischen Kapitalmarkt – die Frage nach einem möglichen IPO steht ja weiterhin im Raum. XRP gibt dem Unternehmen aber zusätzlichen finanziellen Spielraum – unabhängig davon, ob Ripple irgendwann an die Börse geht.

Und vielleicht ist genau diese Kombination langfristig interessant:

Ripple wird durch seine neuen Geschäftsbereiche immer unabhängiger davon, XRP verkaufen zu müssen. Und trotzdem profitiert Ripple wirtschaftlich davon, wenn XRP langfristig an Bedeutung gewinnt – selbst wenn die geschäftliche Unabhängigkeit von XRP zunimmt.

Frage soweit beantwortet? ;)

Fazit: Braucht Ripple XRP noch?

Ehrlicherweise: Eine einfache Antwort gibt es darauf nicht.

Fakt ist, dass Ripple heute als Unternehmen deutlich unabhängiger von XRP ist. Viele seiner Geschäftsbereiche können wachsen, ohne dass bei jedem Geschäft XRP eingesetzt wird.

Und trotzdem ist XRP keineswegs aus der Strategie verschwunden. Früher haben wir vor allem auf XRP als Asset und natürlich auf den Kurs geschaut. Heute geht es viel stärker darum, welche Aufgabe XRP im Hintergrund übernimmt.

Deswegen sehen wir diese zentrale Rolle immer weniger. Wir erfahren sie vielmehr in Form dessen, wofür XRP ursprünglich gedacht war: als Teil einer modernen Finanz-Infrastruktur.

Ich sag’s mal so:

Wenn Ripple und der XRP Ledger ein altes Ehepaar sind, dann sind wir Anleger die geladenen Gäste auf der Party.

Ob und wie uns diese Ehe langfristig zugutekommt, ist dann das nächste Kapitel. Denn für uns zählt am Ende, wie viel echte Nachfrage nach XRP aus all diesen Funktionen tatsächlich entsteht.

Und diese Zukunft ist wahrscheinlich auch der Grund, warum wir als Anleger noch mit von der Partie sind, oder?

Milliardenfonds öffnet XRP - Was steckt dahinter?

Hinweis: Bei Recherche und Rohfassung dieses Artikels haben KI-Werkzeuge unterstützt, geprüft und freigegeben wurde er redaktionell. Wie wir arbeiten

Über die Autorin

Dr. Stephanie Morgenroth

Dr. Stephanie Morgenroth

Steffi ist promovierte Medizinerin (Dr. med.) und seit 2021 selbst in Bitcoin, XRP und Ethereum investiert. Mit MissCrypto erreicht sie über 110.000 Menschen, gewann 2025 den BTC-ECHO Award als „Best Educator of Crypto" und schrieb das Buch „Der Krypto Kompass". Sie macht komplexe Themen verständlich, ehrlich und ohne Hype.

Über Steffi

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