Nach diesem Artikel solltest du den Ripple-Stablecoin RLUSD wirklich verstehen.
Denn wenn du 1 RLUSD in deinem Wallet hältst: Was hältst du da eigentlich genau? Woher kommen diese Stablecoins und welche Rolle spielen Ripple und der XRP Ledger dabei?
Eins verrate ich dir jetzt schon: Ripple hat für das „Drucken und Verwahren“ des Stablecoins bewusst verschiedene Gesellschaften aufgebaut.
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Was ist RLUSD überhaupt?
Auf CoinMarketCap gehört RLUSD inzwischen zu den Top 50 Kryptowährungen. Doch was für eine Kryptowährung ist RLUSD überhaupt?
RLUSD steht für Ripple USD und ist ein sogenannter fiatbesicherter Stablecoin. 1 RLUSD soll einem US-Dollar entsprechen. Dafür steht auf der anderen Seite eine Reserve aus echten Dollar beziehungsweise sehr liquiden Dollar-Anlagen.
Auch USDC ist ähnlich wie RLUSD vollständig durch Dollar beziehungsweise sehr liquide Dollar-Anlagen gedeckt. USDT ist breiter aufgestellt: Neben Cash und US-Staatsanleihen hält Tether beispielsweise auch etwa 10% Edelmetalle, 3% Bitcoin, 2% Aktien und 7% besicherte Kredite als Reserve. USDS von Sky arbeitet wiederum mit einem gemischten Sicherheitenmodell, zu dem auch andere Stablecoins wie USDT, Krypto und reale Finanzanlagen gehören.
Technisch existiert RLUSD inzwischen auf mehreren Blockchains: auf dem XRP Ledger, Ethereum, Base, Ink, Optimism, Unichain und der XRPL EVM Sidechain. RLUSD wird also multichain ausgegeben.
Leute, und jetzt passt auf:
Damit so ein neuer RLUSD auf dem XRPL entsteht, braucht es im Hintergrund einige Schritte. Ripple kann ja nicht einfach planlos Stablecoins drucken. Dahinter steht ein regulierter Prozess mit verschiedenen Teilnehmern.
Ripple Labs hat dafür unter anderem ein Tochterunternehmen: die Standard Custody & Trust Company, kurz SCTC. SCTC gibt RLUSD offiziell in New York aus und wird vom New York Department of Financial Services beaufsichtigt.
Stellen wir uns vor, ein großes Institut möchte mit Stablecoins arbeiten und benötigt 10 Millionen RLUSD.
Vorab durchläuft der Kunde ein Onboarding mit KYC- und AML-Prüfungen. Hat das geklappt, zahlt das Unternehmen die echten 10 Millionen USD auf ein Transaktionskonto ein. Das Geld wird anschließend in die RLUSD-Reserve verschoben.
Seit Juli stellt Ripple institutionellen Kunden dafür mit Ripple Mint eine eigene Plattform und Schnittstelle zur Verfügung, über die sie ihre RLUSD kaufen, einlösen und verwalten können.
Auch beim Minting wird die Wallet des Kunden geprüft. Erst danach gibt SCTC als rechtlicher Emittent die RLUSD aus und signiert die Blockchain-Transaktion. Die 10 Millionen RLUSD erscheinen anschließend in der Wallet des Kunden – beispielsweise auf dem XRP Ledger. Jetzt existieren tatsächlich 10 Millionen zusätzliche RLUSD auf der Blockchain.
Die Reserven hinter RLUSD liegen auf separaten Konten beziehungsweise werden von Verwahrern gehalten. Die Nicht-Cash-Reserven (kurzlaufende US-Staatsanleihen, Geldmarktfonds, Overnight-Repos) werden seit 2025 primär bei BNY Mellon verwahrt.
🤓 Minting bedeutet, dass neue Token erzeugt und damit die existierende Menge vergrößert werden.
Möchte ein Kunde die 10 Millionen RLUSD wieder in US-Dollar tauschen, läuft der Prozess umgekehrt. Dieser Rücktausch heißt Redemption. Die RLUSD werden zurückgeschickt, die Dollar über die beteiligten Banken ausgezahlt und die eingelösten RLUSD anschließend verbrannt.
Zusammengefasst:
Der direkte Zugang zu Minting und Redemption ist nur für geprüfte institutionelle Kunden vorgesehen.
RLUSD kann sogar eingefroren werden. Standard Custody kann beispielsweise bekannte sanktionierte Wallets sperren.
Das ist ein wichtiger Unterschied zu XRP oder Bitcoin: Bei RLUSD gibt es einen zentralen Emittenten mit regulatorischen Kontrollmöglichkeiten über den ausgegebenen Stablecoin.
Als Privatanleger kaufen wir RLUSD normalerweise über Sekundärmärkte, ausgewählte Börsen und andere Anbieter.
Wozu RLUSD von Ripple?
RLUSD ist für Institute gebaut – für Banken, Händler, Börsen, Broker und Zahlungsdienstleister. Drei zentrale Anwendungsfälle:
1. Schnelle internationale Zahlungen
Ein deutsches Unternehmen kann zum Beispiel 5.000 RLUSD über den XRP Ledger innerhalb weniger Sekunden an ein Unternehmen in den USA zahlen.
2. Abwicklung auf Krypto- und Derivatemärkten
Eine Börse oder ein institutioneller Händler kann RLUSD als digitalen Dollar für Handelspaare wie Bitcoin/RLUSD verwenden, Trades damit abrechnen oder RLUSD als Sicherheit hinterlegen, statt dafür jedes Mal klassische Bankdollar zu bewegen. Der OTC-Derivatemarkt ist riesig: Mitte 2025 bezogen sich alle offenen Verträge zusammen auf über 800 Billionen US-Dollar.
3. Händler-, Lieferanten- und FX-Zahlungen
Ein europäisches Unternehmen kann damit einen Lieferanten im Ausland bezahlen. RLUSD dient bei der Abwicklung als digitaler Dollar und kann am Ziel wieder in die lokale Fiatwährung getauscht werden. Der Devisenmarkt ist einer der größten und liquidesten Finanzmärkte der Welt nach täglichem Handelsvolumen – mit mehreren Billionen US-Dollar pro Tag!
RLUSD kann übrigens auch in DeFi-Anwendungen eingesetzt werden:
Ripple testet seit Ende 2025 gemeinsam mit Mastercard, WebBank und Gemini, wie RLUSD auf dem XRP Ledger für die Abwicklung von Kartenzahlungen eingesetzt werden kann.
Ripple RLUSD – regulatorisch hoher Anspruch?
Als Banken-Stablecoin muss RLUSD auf Vertrauen und Compliance setzen.
Wie bei USDC werden die Reserven von RLUSD monatlich von Deloitte attestiert, einer der Big Four Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Tether lässt seine quartalsweisen Reserveberichte dagegen von BDO Italia prüfen.
Ripple besitzt bereits Standard Custody als regulierten RLUSD-Emittenten. Ende 2025 erhielt Ripple von der amerikanischen Bankenaufsicht OCC zusätzlich eine vorläufige Genehmigung für die Ripple National Trust Bank. Standard Custody soll weiterhin den Stablecoin ausgeben, während die OCC-Bank die RLUSD-Reserven verwalten soll ("ähnlich" wie BNY Mellon). Ripple trennt Ausgabe und Reserveverwaltung auf verschiedene Gesellschaften.
World Liberty plant es bei USD1 anders: Die seit August vorläufig genehmigte Trust Bank soll künftig mehrere Aufgaben unter einem Dach übernehmen. Welche Konstruktion langfristig besser funktioniert, wird sich zeigen.
Und dann ist da noch Europa: Für seine europäischen Krypto- und Zahlungsdienste besitzt Ripple unter anderem eine MiCA-CASP-Zulassung für Ripple Payments Europe.
Bei globalen Stablecoins sind unter MiCA aber noch Fragen offen. Denn die Lizenz für einen Kryptodienstleister und die Regeln für den Emittenten eines Stablecoins sind zwei verschiedene Dinge. Um sowas in Zukunft besser zu lösen, überlegt derzeit auch die EU-Kommission, die MiCA anzupassen.
Fazit: Was bedeutet RLUSD für den XRPL?
Ich hoffe, du verstehst den Ripple-Stablecoin jetzt besser als vorher – was er überhaupt ist und wozu Ripple ihn entwickelt hat.
Ich glaube, RLUSD wird für den XRP Ledger noch sehr wichtig werden. Der XRPL wurde für den schnellen und günstigen Transfer und Tausch von Werten entwickelt. Und RLUSD bringt die Dollar-Liquidität, von der noch sehr viel außerhalb der Kryptowelt schlummert, zunehmend auf den XRP Ledger.
Wenn ein Unternehmen die Wahl hat, ob es RLUSD über Ethereum oder über den XRP Ledger schickt: Welche Blockchain würde das Unternehmen eher wählen?
Und wenn das Geld dann einmal über diese „On-Ramp“ in der Kryptowelt angekommen ist, warum sollte daraus langfristig nicht auch mehr Nutzung von XRP entstehen?
2025 sagte David Schwartz beim XRP Community Day sinngemäß:
Wir können kein völlig neues Ökosystem aufbauen, ohne die übrige Finanzwelt einzubeziehen – die Bereiche, in denen Menschen ihr Gehalt erhalten, ihre Telefonrechnungen und ihre Miete bezahlen. Dort wird das Geld der Menschen herkommen, und Institutionen müssen eine Brücke schlagen, um Privatanleger in diesen Bereich zu bringen.
Wenn DeFi einmal von Millionen Menschen genutzt werden soll, muss es Verbindungen zum bestehenden Finanzsystem und zu bestehenden Finanzprodukten geben.
Stablecoins sind eine mögliche Brücke, damit irgendwann Millionen Menschen DeFi nutzen können.
Das wäre doch der Traum eines jeden XRP-Anlegers, oder? ;)






