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17% statt 50%: Bitwise-CIO erklärt Bitcoins Weg zu 1 Million Dollar

News7 Min. Lesezeit
Dr. Stephanie MorgenrothDr. Stephanie Morgenroth
17% statt 50%: Bitwise-CIO erklärt Bitcoins Weg zu 1 Million Dollar

Matt Hougan, Chief Investment Officer bei Bitwise, hat eine überraschende Einschätzung zum Bitcoin-Kurs veröffentlicht: Für ein Preisziel von einer Million Dollar müsste Bitcoin nicht die Hälfte des Goldmarktes erobern, sondern lediglich 17% des globalen Store-of-Value-Marktes.

17%
Benötigter Marktanteil am Store-of-Value-Markt
1.000.000 $
Diskutiertes Bitcoin-Preisziel
10 Jahre
Betrachtungszeitraum

Was genau passiert ist

Matt Hougan, Chief Investment Officer (CIO), also Chef-Anlagestratege, bei Bitwise, einem der größten Krypto-Asset-Manager in den USA, hat die Diskussion um Bitcoins langfristiges Preispotenzial neu belebt. In einer aktuellen Analyse argumentiert er, dass viele Investoren falsche Annahmen über den notwendigen Marktanteil für ein sechsstelliges Bitcoin-Preisziel treffen.

Bisher galten oft Prognosen, die davon ausgingen, dass Bitcoin 50% des Goldmarktes übernehmen müsse, um die Marke von einer Million Dollar zu erreichen. Hougan sieht das differenzierter. Er weist darauf hin, dass der Gesamtmarkt für Wertaufbewahrung, also Store-of-Value-Assets, deutlich größer ist als reines Gold. Zu dieser Kategorie gehören neben Gold auch andere Vermögenswerte wie bestimmte Staatsanleihen, Immobilien und sogar Bargeld, das als Wertspeicher dient.

"Bitcoin doesn't need to take 50% of gold's market share to reach one million dollars per coin if one is looking into the next 10 years."

Der Schlüssel liegt in der Erweiterung des Betrachtungsrahmens. Statt nur Gold als Vergleichsgröße zu nutzen, betrachtet Hougan den gesamten Markt für Wertaufbewahrung. In diesem größeren Markt reicht ein Anteil von 17% aus, um das Millionen-Dollar-Preisziel zu rechtfertigen. Dieser Wert erscheint im Vergleich zu 50% deutlich erreichbarer und weniger spekulativ. Die mathematische Logik dahinter ist einfach: Wenn der Gesamtmarkt für Wertaufbewahrung wächst und Bitcoin einen festen, wenn auch moderateren Anteil davon erobert, multipliziert sich dies auf den Preis pro Coin.

Warum das wichtig ist

Diese Einschätzung verändert die mathematische Grundlage für langfristige Bitcoin-Prognosen fundamental. Gold hat aktuell eine Marktkapitalisierung von etwa 15 Billionen Dollar. Der gesamte Store-of-Value-Markt, also alle Vermögenswerte, die primär der Wertaufbewahrung dienen, ist jedoch deutlich größer. Hierzu zählen neben Edelmetallen auch Inflation-linked Bonds, bestimmte Aktienkategorien und andere Sachwerte.

Die Unterscheidung zwischen Goldmarktanteil und Store-of-Value-Marktanteil ist entscheidend für das Verständnis von Hougans These. Während Gold der dominante Wertspeicher der Vergangenheit ist, verliert es in einer digitalisierten Welt zunehmend an Attraktivität für junge Anleger. Bitcoin hingegen zeichnet sich durch Portabilität, Teilbarkeit und globale Übertragbarkeit aus, Eigenschaften die physisches Gold nicht bieten kann.

Institutionelle Investoren wie Hedgefonds, Familienunternehmen und Pensionskassen denken in solchen Allokationskategorien. Für sie ist relevant, wie viel Prozent ihres Portfolios sie in Wertaufbewahrung investieren und welche Anteile dabei auf traditionelle versus digitale Assets entfallen. Je kleiner der erforderliche Marktanteil für ein bestimmtes Preisziel ist, desto wahrscheinlicher wird eine solche Allokation aus Sicht des Risiko-Rendite-Profils.

Wichtig: Diese Prognose setzt voraus, dass Bitcoin über die nächsten zehn Jahre seine Position als digitaler Wertspeicher festigt und institutionelle Investoren zunehmend Allokationen vornehmen. Sie beinhaltet keinerlei Garantien und basiert auf theoretischen Marktmodellen, die politische Risiken, regulatorische Eingrife oder technologische Versagen nicht vollständig abbilden können.

Der Zeithorizont von zehn Jahren ist ebenfalls bemerkenswert. In traditionellen Finanzmärkten gilt ein Jahrzehnt als langfristige Planungsperiode, in der sich fundamentale Verschiebungen vollziehen können. Für Bitcoin, der erst 2009 entstand, stellt dieser Zeitraum einen erheblichen Teil seiner gesamten Existenz dar. Gleichzeitig ist es kurz genug, um planbare Investmententscheidungen zu ermöglichen, aber lang genug, um fundamentale Adoptionstrends zu manifestieren.

Einordnung

Aus meiner Sicht liefert Hougans Analyse einen wichtigen Beitrag zur Rationalisierung der Bitcoin-Diskussion. Die Reduktion des scheinbar unerreichbaren 50-Prozent-Ziels auf 17% macht das Investment-Thesis für institutionelle Portfolios greifbarer. Allerdings gibt es auch gute Gründe, diese Prognose kritisch zu betrachten.

Zunächst einmal ist Bitwise selbst ein Krypto-Unternehmen, das von steigenden Bitcoin-Preisen und institutionalisiertem Interesse profitiert. Hougan hat daher ein inhärentes Interesse an optimistischen Szenarien. Die Firma verwaltet milliardenschwere Krypto-Indexfonds und hat ein direktes wirtschaftliches Interesse daran, dass Bitcoin als Asset-Klasse an Akzeptanz gewinnt. Das disqualifiziert die Analyse nicht, verlangt aber eine gesunde Skepsis gegenüber der Ausgangsprämisse.

Kritiker argumentieren zudem, dass Gold neben seiner Rolle als Wertspeicher auch industrielle Nutzung in der Elektronik und nachhaltige Nachfrage aus der Schmuckindustrie hat. Diese fundamentale Nachfrage stützt den Goldpreis auch in Krisenzeiten. Bitcoin dient ausschließlich als Spekulations- und Wertaufbewahrungsobjekt, was bei einer Crash-Phase zu schnelleren Abflüssen führen könnte. Die Volatilität von Bitcoin, gemessen an Standardabweichungen, liegt weiterhin deutlich über der von Gold, was für konservative Store-of-Value-Investoren ein Ausschlusskriterium bleibt.

Ein weiterer Aspekt betrifft die Annahme einer stetigen Marktexpansion. Hougans Modell setzt voraus, dass der gesamte Store-of-Value-Markt wächst und Bitcoin davon profitiert. In einer Deflation oder bei einer globalen Rezession könnten jedoch alle Risikoassets, einschließlich Bitcoin, unter Druck geraten, während traditionelle Fluchtrefugien wie Gold oder Staatsanleihen gestärkt werden. Zudem könnten Zentralbank-Digitale Währungen (CBDCs) oder technologisch überlegene Kryptowährungen den Markt für digitale Wertspeicher aufteilen und Bitcoins Wachstumspotenzial begrenzen.

Auf der anderen Seite spricht dafür, dass die Institutionalisierung von Bitcoin durch ETF-Zulassungen in den USA und anderen Märkten bereits begonnen hat. Dies könnte die Akzeptanz als Teil eines diversifizierten Portfolios erhöhen und die von Hougan beschriebene Marktanteilsverschiebung tatsächlich ermöglichen.

Was du jetzt wissen solltest

Für dich als Privatanlegerin oder Privatanleger ergeben sich aus dieser Analyse mehrere konkrete Erkenntnisse:

  • Zeithorizont beachten: Auch bei optimistischen Szenarien handelt es sich um Entwicklungen über Jahrzehnte, nicht Monate. Ein Investment in Bitcoin sollte daher nur mit Geld erfolgen, das du mindestens zehn Jahre lang nicht benötigst. Kurzfristige Preisschwankungen bleiben auch bei langfristig positivem Trend extrem hoch.
  • Diversifikation wahren: Selbst wenn Bitcoin 17% des Store-of-Value-Marktes erreichen sollte, bedeutet das nicht, dass andere Assets wertlos werden. Eine ausgewogene Mischung aus verschiedenen Anlageklassen, einschließlich traditioneller Wertspeicher, bleibt sinnvoll. Setze niemals alles auf eine einzelne Karte.
  • Marktanteile verstehen: Die Diskussion um Marktanteile hilft dabei, Bitcoin nicht nur als spekulatives Asset, sondern als Teil eines größeren ökonomischen Ökosystems zu verstehen. Dies erleichtert rationale Entscheidungen unabhängig von kurzfristigen Preisschwankungen. Informiere dich über Grundlagen wie Bitcoin-Funktionsweisen vor dem Investment.
  • Risiken nicht unterschätzen: Prognosen sind keine Garantien. Der Weg zu potenziell höheren Preisen bleibt volatil und mit regulatorischen Unsicherheiten behaftet. Positioniere dich daher niemals übermäßig. Ein Investment in Kryptowährungen sollte nur einen kleinen Teil deines Gesamtvermögens ausmachen.
  • Selbstverwahrung prüfen: Wer Bitcoin langfristig hält, sollte über eine Hardware-Wallet nachdenken, um die eigenen Coins selbst zu verwahren und nicht bei Börsen zu belassen. Mehr dazu im Wallet-Lexikon.

Die Sicherheit deiner Assets sollte dabei immer Priorität haben. Bei langfristigen Anlagen empfiehlt sich die Verwendung einer Hardware-Wallet.

Merke: Relevanz entsteht erst dann, wenn sich das Signal im Marktverhalten und in der Positionierung bestätigt.

Häufige Fragen

Was bedeutet Store of Value konkret?

Store of Value bezeichnet Vermögenswerte, die Kaufkraft über lange Zeiträume bewahren, ohne an Wert zu verlieren. Klassische Beispiele sind Gold, bestimmte Immobilien oder stabile Fremdwährungen. Bitcoin wird von Befürwortern als digitaler Store of Value betrachtet, da seine Gesamtmenge auf 21 Millionen begrenzt ist und er nicht inflationiert werden kann. Allerdings ist er deutlich volatiler als traditionelle Wertspeicher.

Ist Bitwise neutral bei solchen Prognosen?

Nein, Bitwise ist ein kommerzieller Anbieter von Krypto-Investmentprodukten und verdient an der Verwaltung von Bitcoin-Assets. Daher haben Analysen des Bitwise-CIOs ein inhärentes Interesse an positiven Marktentwicklungen. Kritische Investoren sollten solche Prognosen immer als Teil einer breiteren Marktmeinung betrachten und nicht als objektive Wahrheit. Es handelt sich um ein Interessenbekenntnis der Branche, nicht um unabhängige Forschung.

Wie unterscheidet sich Bitcoin von Gold als Wertspeicher?

Bitcoin ist digital, teilbar und global in Sekunden übertragbar, während Gold physisch, schwer transportierbar und bei großen Mengen kostspielig zu lagern ist. Allerdings hat Gold Jahrtausende als Wertspeicher bewiesen und industrielle Nutzung, während Bitcoin erst seit 2009 existiert und keine intrinsische Nutzung außerhalb der Spekulation bietet. Bitcoin ist deutlich volatiler als Gold und unterliegt regulatorischen Risiken, die bei physischem Gold nicht gegeben sind.

Quelle: Cointelegraph Weitere Infos: Bitcoin hält €58.000, Altcoins sinken: Nahost-Krise spaltet Krypto-Märkte, Iran-Konflikt Tag 3: Bitcoin outperformt Aktienmarkt deutlich, Bitcoin unter Druck: Experte sieht 35% Crash-Risiko für US-Märkte