Circle hat am 30. Mai 2026 einen Smart-Contract des Privacy-Protokolls Zama auf der Ethereum-Blockchain auf die Blacklist gesetzt. Die Maßnahme blockiert den Zugriff auf rund 12,6 Millionen USD in Confidential USDC (cUSDC). Betroffene Nutzer können ihre Token derzeit nicht mehr in Standard-USDC umtauschen.
Zentrale Kontrolle über Privacy-Protokolle
Circle nutzt eine integrierte Blacklist-Funktion im USDC-Smart-Contract. Diese Funktion erlaubt es dem Herausgeber, spezifische Adressen unilateral zu sperren. In diesem Fall betrifft die Sperre einen ERC-1967 Proxy-Vertrag, welcher die USDC-Reserven für die Nutzer von Zama hält.
Das Protokoll Zama setzt Fully Homomorphic Encryption (FHE) ein. Diese Technologie verschleiert Kontostände und Transferbeträge auf öffentlichen Blockchains. Circle unterbindet nun die Einlösung dieser privaten Token, wodurch die technische Privatsphäre durch die zentrale Macht des Stablecoin-Emittenten außer Kraft gesetzt wird.
Die aktuelle Marktlage zeigt Ethereum bei 2.016,5 USD mit einem Plus von 0,46 Prozent. Trotz der technischen Dezentralität von Ethereum bleibt die Kontrolle über USDC zentralisiert. Circle hat in der Vergangenheit bereits USDC-Bestände im Zusammenhang mit Tornado Cash im Jahr 2022 eingefroren.
Kritiker sehen in dieser Aktion einen gefährlichen Präzedenzfall für DeFi. Die Sperrung betrifft nicht nur eine einzelne Adresse, sondern einen gesamten Vertrag. Dies führt dazu, dass auch unbeteiligte Nutzer von cUSDC keinen Zugriff mehr auf ihr Kapital haben.
Die Architektur von USDC sieht vor, dass der Emittent die volle Hoheit über die Token-Bewegungen behält. Diese Funktion dient primär der Einhaltung von regulatorischen Anforderungen und der Bekämpfung von Geldwäsche. Die Privatsphäre endet dort, wo die zentrale Kontrolle beginnt.
Verbindung zu Overnight Finance und Risiken
Der On-Chain-Investigator ZachXBT analysierte die Geldflüsse des gesperrten Kontrakts. Er fand heraus, dass eine Wallet am 11. Mai 12,4 Millionen USDC an Zama transferierte. Diese Wallet gehört laut ZachXBT dem Projekt Overnight Finance, wo die Gelder vermischt wurden.
Innerhalb von Overnight Finance gab es zuletzt heftige Streitigkeiten. Token-Halter warfen dem Team einen geplanten Rug Pull vor. Eine Snapshot-Governance-Abstimmung über die Verteilung der Treasury-Mittel lief parallel. Diese internen Konflikte könnten den Auslöser für die Intervention von Circle darstellen.
Die Situation verdeutlicht das Risiko von Commingling in DeFi-Protokollen. Wenn Gelder verschiedener Nutzer in einem Vertrag vereint werden, riskiert jeder die Sperrung. Ein einziger Vorfall bei Overnight Finance blockiert nun Millionenbeträge für viele andere Zama-Nutzer.
„We are investigating the cUSDC contract freeze. I will update here as the situation progresses"
Das Unternehmen sucht derzeit nach einer Lösung. Circle hat bisher keine offizielle Begründung für die Blacklisting-Maßnahme veröffentlicht.
Analysten weisen darauf hin, dass solche Vorfälle das Vertrauen in Stablecoins als sichere Hafen-Assets schwächen. Wenn Gelder ohne Vorwarnung eingefroren werden, sinkt die Attraktivität von zentralisierten Stablecoins gegenüber algorithmischen oder vollständig dezentralen Alternativen.
Fazit: Das Ende der Stablecoin-Privatsphäre?
Für dich bedeutet dieser Vorfall, dass fiat-gebundene Stablecoins wie USDC niemals wirklich zensurresistent sind. Selbst wenn du Privacy-Tools wie Zama nutzt, kann der Herausgeber dein Geld per Knopfdruck einfrieren. Das Risiko liegt hier in der zentralen Steuerung der Token.
In Deutschland, Österreich und der Schweiz gilt dies besonders für Nutzer von DeFi-Wrapped-Assets. Prüfe genau, welche Kontrolle der Emittent über den zugrunde liegenden Smart-Contract hat. Die Abhängigkeit von zentralen Firmen wie Circle bleibt ein systemisches Risiko für dein Portfolio.
Quelle: BeInCrypto DE




