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Fantasy.top: Soft-Rugpull-Vorwürfe gegen Social-Fi-Plattform

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Dr. Stephanie MorgenrothDr. Stephanie Morgenroth
Fantasy.top: Soft-Rugpull-Vorwürfe gegen Social-Fi-Plattform

Die Social-Fi-Plattform Fantasy.top, bekannt für den Handel mit digitalen Influencer-Trading-Cards, gerät in die Kritik. Mehrere Angel-Investoren, also frühe Kapitalgeber, beschuldigen das Betriebsteam, nach der Finanzierungsrunde die Kommunikation abgebrochen zu haben und Rückzahlungen zu verweigern. Der Gründer bestreitet die Vorwürfe eines sogenannten Soft Rugpulls und spricht lediglich von strategischen Meinungsverschiedenheiten.

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Was genau passiert ist

Fantasy.top ist eine Social-Fi-Plattform, also eine Mischung aus sozialen Medien und dezentralen Finanzanwendungen, auf der Nutzer mit tokenisierten Trading-Cards von Krypto-Influencern handeln können. Diese Karten, technisch gesehen NFTs (Non-Fungible Tokens, also einzigartige digitale Vermögenswerte auf der Blockchain), lassen sich kaufen, verkaufen und in Wettbewerben einsetzen. Das Projekt gehörte zu den aufsehenerzeugenden Startups im Bereich Social-Fi, da es die Reichweite von Content-Schöpfern mit Onchain-Mechanismen verbindet.

Nun melden sich mehrere Angel-Investoren, also Privatpersonen die sehr früh und mit relativ kleinen Beträgen in Startups investieren, zu Wort. Sie werfen dem Team vor, nach Erhalt der Finanzierung nicht mehr auf Anfragen reagiert zu haben. Laut The Block sollen Rückzahlungen verweigert worden sein, was bei den Betroffenen den Verdacht auf einen Soft Rugpull geweckt hat. Ein Soft Rugpull unterscheidet sich vom klassischen Hard Rugpull, bei dem das Team plötzlich verschwindet und die Liquidität abschöpft, dadurch, dass die Entwicklung nur langsam eingestellt, die Kommunikation verweigert und das Projekt im Status quo belassen wird, während die Verantwortlichen stillschweigend aussteigen.

Der Gründer der Plattform widerspricht diesen Darstellungen vehement. Er erklärt, es habe sich nicht um böswilliges Verhalten gehandelt, sondern um normale geschäftliche Differenzen, die in der Frühphase von Krypto-Projekten vorkommen. Aus seiner Sicht seien die Vorwürfe übertrieben und entbehrten einer rechtlichen Grundlage, da die Verträge wohl keine expliziten Rückzahlungsklauseln bei Meinungsverschiedenheiten vorsahen.

Warum das wichtig ist

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Risiken im boomenden Social-Fi-Sektor, der derzeit als nächster großer Trend nach DeFi und NFTs gehandelt wird. Social-Fi-Plattformen versprechen Nutzern, ihre soziale Reichweite zu monetarisieren, etwa durch tokenisierte Interaktionen oder Besitzrechte an Communitys. Doch genau wie bei frühen DeFi-Projekten fehlt es hier oft an regulatorischen Rahmenbedingungen und an etablierten Standards für Investorenschutzmaßnahmen.

Für Privatanleger ist der Vorfall deshalb relevant, weil er zeigt, dass selbst Projekte, die professionelle Investoren an Bord haben, in kommunikativen Konflikten enden können. Angel-Investoren gelten eigentlich als erfahren und gut vernetzt, da sie meist aus der Tech- oder Krypto-Branche selbst kommen. Wenn selbst diese Gruppe Schwierigkeiten hat, Gelder oder zumindest Transparenz zurückzuerhalten, ist das ein Warnsignal für kleinere Anleger, die oft noch weniger Durchgriffsmöglichkeiten haben.

Besonders brisant ist die Unterscheidung zwischen Equity-Investitionen, also dem Kauf von Unternehmensanteilen, und Token-Käufen. Angels investieren typischerweise gegen Anteile am Unternehmen, nicht nur gegen Tokens. Wenn das Team nun die Kommunikation zu diesen Equity-Haltern einstellt, deutet das auf strukturelle Probleme in der Governance hin, also der Unternehmensführung und Entscheidungsfindung.

Wichtig: Auch bei seriös wirkenden Projekten mit bekannter Gründerpersönlichkeit kann die Kommunikation jederzeit abbrechen. Investoren sollten daher immer vertragliche Rückzahlungsrechte, sogenannte Exit-Klauseln, und klare Meilensteine für die Mittelfreigabe festlegen, bevor sie Kapital überweisen.

Einordnung

Aus meiner Sicht als Beobachterin des Krypto-Marktes spricht der Kommunikationsabbruch zwischen Gründerteam und frühen Investoren eindeutig für ein strukturelles Problem in der Unternehmensführung. Selbst wenn rechtlich keine Pflicht zur ständigen Kommunikation besteht, ist das Schweigen nach Geldeingang ein klassisches Red Flag, also ein Warnsignal, das Anleger ernst nehmen sollten. Die Tatsache, dass mehrere Angels gleichzeitig Beschwerde führen, deutet zudem darauf hin, dass es sich nicht um ein isoliertes Missverständnis handelt, sondern um ein systematisches Vorgehen.

Kritiker der Angel-Investoren argumentieren allerdings, dass Early-Stage-Investments per Definition hochriskant sind und die Investoren dies wissen müssten. In der Krypto-Szene sei es üblich, dass Projekte scheitern oder sich strategisch neu ausrichten, ohne dass dies automatisch als Betrug gewertet werden müsse. Aus dieser Perspektive könnten die Vorwürfe auch als Versuch gewertet werden, Verluste aus einer schlechten Investitionsentscheidung durch öffentlichen Druck wieder hereinzuholen.

Allerdings gibt es auch Stimmen, die darauf hinweisen, dass selbst bei strategischen Differenzen eine professionelle Auflösung oder zumindest transparente Kommunikation das Mindeste sei, was Investoren erwarten dürften. Der Vorwurf des Soft Rugpulls entsteht genau dann, wenn das Team nicht mehr erreichbar ist, aber technisch noch Zugang zu Geldern oder Kontrolle über Smart Contracts hat. Diese Grauzone zwischen schlechtem Management und Betrug ist für Privatanleger besonders gefährlich, da sie oft keine Mittel haben, Rechtsstreitigkeiten über Ländergrenzen hinweg zu führen.

Der Fall zeigt zudem, dass Onchain-Transparenz allein nicht ausreicht. Während Transaktionen auf der Blockchain öffentlich einsehbar sind, bleiben Vereinbarungen zwischen Gründern und Angels oft Offchain, also außerhalb der Blockchain in traditionellen Verträgen. Diese Lücke zwischen technischer Transparenz und rechtlicher Unsicherheit bleibt ein zentrales Problem im Krypto-Sektor.

Was du jetzt wissen solltest

Für dich als Privatanleger lassen sich aus diesem Vorfall konkrete Handlungsempfehlungen ableiten. Diese Punkte helfen dabei, ähnliche Risiken bei der Beteiligung an Early-Stage-Projekten oder beim Kauf von Token zu minimieren.

  • Due Diligence vor Emotionalität: Lasse dich nicht von Hype oder Influencer-Werbung leiten. Prüfe vor einem Investment, ob das Team überhaupt verifizierte Identitäten hat und ob es eine klare Roadmap mit definierten Meilensteinen gibt. Ein Whitepaper allein reicht nicht.
  • Verständnis der Tokenomics: Analysiere, wie die Token verteilt sind. Wenn das Team oder frühe Investoren einen zu großen Anteil halten und diese Anteile nicht gesperrt sind, besteht ein hohes Risiko für plötzliche Verkäufe, die den Preis zerstören.
  • Cold Wallet für Langfristanlagen: Tokens, die du nicht sofort handeln möchtest, sollten auf Hardware-Wallets gelagert werden. Ledger oder BitBox02 bieten hier sichere Optionen, um deine Assets vor möglichen Problemen bei zentralen Plattformen zu schützen.
  • Diversifikation statt Konzentration: Investiere niemals einen zu großen Teil deines Kapitals in ein einzelnes, unausgereiftes Projekt. Selbst bei vermeintlich sicheren Angel-Runden können 100 Prozent des Investments verloren gehen.
  • Red Flags erkennen: Wenn das Team nach dem Launch keine Updates mehr gibt, Community-Fragen ignoriert oder vage Antworten auf konkrete technische Fragen gibt, ist das ein Signal, Positionen zu überdenken. Ein funktionierendes Projekt zeichnet sich durch kontinuierliche Entwicklung aus.

Merke: Relevanz entsteht erst dann, wenn sich das Signal im Marktverhalten und in der Positionierung bestätigt.

Häufige Fragen

Was unterscheidet einen Soft Rugpull von einem Hard Rugpull?

Bei einem Hard Rugpull entfernt das Team plötzlich die Liquidität aus den Pools oder hackt die Smart Contracts selbst, was zu einem sofortigen Totalverlust führt. Ein Soft Rugpull hingegen zeichnet sich dadurch aus, dass das Team langsam die Entwicklung einstellt, die Kommunikation verweigert und möglicherweise über längere Zeit seine eigenen Token verkauft, ohne das Projekt offiziell zu beenden. Das macht Soft Rugpulls schwerer zu beweisen und zu verfolgen.

Sind Angel-Investoren bei Krypto-Startups rechtlich geschützt?

Der Rechtsschutz hängt stark von der Vertragsgestaltung und dem Sitz des Unternehmens ab. Angel-Investoren erhalten meist Equity, also Unternehmensanteile, aber diese sind bei dezentralen Projekten oft in einer Grauzone zwischen traditionellem Gesellschaftsrecht und Smart-Contract-Autonomie. Ohne klare vertragliche Rückzahlungsansprüche oder Pfändungsmöglichkeiten in ausländischen Rechtssystemen bleibt oft nur der öffentliche Druck als Druckmittel.

Wie erkenne ich Risiken bei Social-Fi-Projekten wie Fantasy.top?

Achte auf drei rote Flaggen: Erstens mangelnde Transparenz über die Teammitglieder und deren bisherige Projekte. Zweitens unausgegorene Tokenomics, bei denen wenige Wallets einen Großteil der Token halten. Drittens fehlende technische Meilensteine oder verschobene Roadmaps ohne Erklärung. Zusätzlich solltest du prüfen, ob das Projekt auf etablierte Smart-Contract-Standards setzt oder ob der Code unauditiert ist.

Quelle: The Block Weitere Infos: APR, DeFi, Collateralization Ratio

Hinweis: Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt und redaktionell geprüft.