Ein Ausschuss des britischen House of Lords fordert eine Lockerung der Stablecoin-Regulierung. Die Institution warnt, dass Großbritannien gegenüber den USA und der EU ins Hintertreffen gerät. Der globale Markt für Stablecoins umfasst aktuell rund 315 Milliarden USD.
Kritik an Reservevorgaben und Limits
Der Ausschuss kritisiert die Pläne der Bank of England für systemische Stablecoin-Herausgeber. Diese müssten mindestens 40 Prozent ihrer Reservewerte in unverzinsten Zentralbankdepots halten. Die Lords fordern eine detailliertere Modellierung dieser Anforderungen und schlagen vor, diese Einlagen stattdessen zum Basiszinssatz zu verzinsen.
Besonders kritisch bewertet das Gremium die geplanten Haltelimits für Nutzer. Die Bank of England sieht Obergrenzen von 20.000 GBP für Privatpersonen und 10 Millionen GBP für Unternehmen vor. Der Ausschuss rät dringend davon ab, diese Limits präventiv einzuführen, da solche Beschränkungen in keinem anderen wichtigen Rechtsraum existieren.
Die Umsetzung dieser Limits würde laut Bericht technisch schwierig und kommerziell schädlich sein. Das Gremium empfiehlt stattdessen eine engmaschige Marktbeobachtung. Erst bei konkreten Risiken für die Finanzstabilität sollten regulatorische Eingriffe erfolgen, da die aktuelle Strategie das Wachstum des Marktes im Keim ersticken könnte.
Im aktuellen Marktumfeld zeigt sich eine hohe Volatilität bei Top-Assets. Bitcoin notiert bei 67.049 USD mit einem Minus von 2,62 Prozent. Ethereum verzeichnete einen Rückgang von 5,26 Prozent auf 1.872,22 USD. Diese Schwankungen unterstreichen die Bedeutung stabiler Wertaufbewahrungsmittel für Anleger in volatilen Phasen.
Die Dominanz von US-Dollar-Stablecoins bleibt extrem hoch. Über 99 Prozent des globalen Marktes sind in USD denominiert. Tether und Circle kontrollieren gemeinsam etwa 90 Prozent dieses Volumens. Das britische Pendant, der tokenisierte GBP (tGBP), erreichte im März 2026 lediglich eine Marktkapitalisierung von 1,53 Millionen USD.
Hürden für Banken und Kapitalanforderungen
Die Prudential Regulation Authority schränkt die Ausgabe von Stablecoins durch Geschäftsbanken stark ein. Aktuell müssen diese über insolvenzferne Einheiten und unter eigenständiger Marke erfolgen. Der Ausschuss bezeichnet diese Anforderungen als übermäßig restriktiv. Die Behörde bekräftigte ihre Position jedoch bereits in einem Schreiben vom 18. Mai.
Auch die Financial Conduct Authority steht in der Kritik. Der sogenannte k-Faktor für Kapitalanforderungen skaliert derzeit mit dem Emissionsvolumen statt mit dem tatsächlichen Risiko. Der Ausschuss fordert eine Überprüfung dieses Modells, da eine rein volumenbasierte Kapitalanforderung das Wachstum von GBP-Stablecoins massiv bremsen könnte.
„The UK is lagging behind compared with the U.S. and the EU, but is now moving in the right direction"
Sie betont die Notwendigkeit, die Regulierung an internationale Wettbewerber anzupassen, damit Großbritannien als Finanzzentrum für digitale Assets überleben kann.
Das Finanzministerium muss zudem Kriterien für die Einstufung als systemisch definieren. Der Ausschuss fordert die Veröffentlichung quantitativer Schwellenwerte für Emittenten. Dies würde Planungssicherheit für Unternehmen schaffen, da die regulatorische Landschaft für neue Marktteilnehmer ohne klare Zahlen zu unvorhersehbar bleibt.
Zusätzlich wird eine Prüfung der Gesetze zur Bekämpfung illegaler Finanzströme gefordert. Es geht dabei insbesondere um die Überwachung von privaten Unhosted Wallets. Falls bestehende Rahmenwerke nicht ausreichen, sollten neue Gesetze vorbereitet werden. Das vollständige Krypto-Regime der FCA tritt voraussichtlich am 25. Oktober 2027 in Kraft.
Fazit: Strategischer Wendepunkt für GBP-Stablecoins
Für dich bedeutet diese Entwicklung, dass Großbritannien versucht, die Attraktivität für Stablecoin-Emittenten zu steigern. Sollten die Forderungen des House of Lords Erfolg haben, könnten mehr GBP-basierte Alternativen zu USDT oder USDC entstehen. Das würde die Abhängigkeit vom US-Dollar im Krypto-Sektor leicht reduzieren.
Beobachte die regulatorischen Entscheidungen bis Oktober 2027 genau. Eine Lockerung der Kapitalanforderungen könnte den Markteintritt großer britischer Banken beschleunigen. Dies würde die Liquidität im Sterling-Ökosystem erhöhen und neue Handelsmöglichkeiten für Anleger schaffen, die weniger Währungsrisiken eingehen wollen.
Quelle: The Block






