DeFi-Sicherheit ist 2026 wieder eines der großen Themen im Kryptomarkt.
Allein im April 2026 wurden mehr als 630 Mio. USD durch rund 30 Exploits entwendet. Besonders schwer wogen Drift Protocol (Solana) mit rund 285 Mio. USD Verlust und KelpDAO (Ethereum) mit rund 293 Mio. USD Verlust.
Für XRP-Anleger wird damit eine neue Frage wichtig: Wie sicher ist der XRP Ledger, wenn XRP nicht nur im Wallet liegt, sondern in DeFi-Anwendungen wie Swaps und Liquiditätspools genutzt wird?
Ein neuer Entwurf im offiziellen XRPLF-Standards-Repository bringt genau diese Diskussion zurück. Der Vorschlag heißt AMM Swappable Curves und wurde am 26. Mai 2026 als Draft veröffentlicht - er enthält vor allem 2 spannende Ideen:
1. Neue AMM-Modelle für bessere DeFi-Swaps
Der Entwurf betrifft den nativen AMM des XRPL. Nutzer können darüber Token direkt über Liquiditätspools tauschen, ähnlich wie bei Uniswap oder Curve.
Der neue Entwurf will die Preislogik der AMMs flexibler machen. Künftig sollen mehrere Kurven möglich sein. Dazu schlägt das Proposal 4 mögliche AMM-Kurven (Modelle) vor:
Constant Product bleibt das einfache Standardmodell, das der XRPL-AMM bisher nutzt. Es folgt der Formel x * y = k und eignet sich gut für volatile Paare sowie normale Swaps, z.B. XRP gegen einen stark schwankenden Token. Für Stablecoins und tokenisierte Assets ist das Modell weniger effizient, weil sich die Liquidität sehr breit verteilt. Ein Teil des Kapitals liegt dadurch in Preisbereichen, in denen gerade kaum Handel stattfindet.
Concentrated Liquidity erlaubt Liquidität in bestimmten Preisbereichen, ähnlich wie bei Uniswap v3. Wenn XRP z.B. bei 1,30 USD steht, könnte ein Anbieter Liquidität nur zwischen 1,20 und 1,50 USD bereitstellen. In diesem Bereich arbeitet das Kapital effizienter. Außerhalb dieses Bereichs wird diese Position nicht aktiv für Trades genutzt.
StableSwap ist für Assets gedacht, die ungefähr denselben Wert haben: etwa Stablecoin-Paare wie RLUSD/USDC, Ziel ist geringe Slippage beim Tausch
Binned Liquidity arbeitet mit Preisboxen. Es wäre technisch noch feiner und zugleich komplexer. Für Stablecoins, tokenisierte Assets und institutionelle Liquidität (RWA-Märkte) wäre so ein Upgrade relevant, weil der AMM gezielter für unterschiedliche Märkte arbeiten könnte.
2. XRP-DeFi: Sicherheitsvorteil gegenüber Ethereum?
Wie sicher sind diese DeFi-Geschichten mit XRP? Dazu steht im Abschnitt Security Considerations Folgendes:
"XRPL-Transaktionen sind atomar und verfügen nicht über komponierbare transaktionsinterne Aufrufe. Flash-Loan-Angriffe sind strukturell unmöglich."
Was meint der Draft damit?
Auf Ethereum kann ein Smart Contract innerhalb einer einzigen Transaktion weitere Smart Contracts aufrufen und deren Ergebnisse direkt weiterverwenden.
Aave: Flash Loan holen - DEX 1: Preis beeinflussen- DEX 2: Arbitrage ausführen - Lending-Protokoll: Position liquidieren - Aave: Kredit zurückzahlen
Flash Loans sind Kredite, die innerhalb einer einzigen Transaktion aufgenommen und direkt wieder zurückgezahlt werden. Sie werden "legal" genutzt, etwa für Arbitrage, Liquidationen oder komplexe DeFi-Strategien, weil sich kurzfristig sehr große Summen bewegen lassen, ohne eigenes Kapital (Sicherheit) zu hinterlegen.
Genau das können Angreifer ausnutzen: Sie leihen sich Kapital, beeinflussen einen Preis, nutzen einen Pool aus und zahlen das geliehene Kapital sofort zurück. Gelingt jeder Schritt, bleibt der Gewinn. Scheitert ein Schritt, wird die gesamte Transaktion rückgängig gemacht. Das Risiko liegt oft nur bei den Gebühren.
XRPL-Transaktionen funktionieren anders. Sie gelingen vollständig oder scheitern vollständig. Die geplanten Batch Transaktionen können ebenfalls mehrere native Aktionen bündeln. Trotzdem kann ein Nutzer diese Schritte nicht wie bei Ethereum frei mit Smart Contracts verschachteln und die Ergebnisse direkt weiterverwenden.
Vereinfacht gesagt bringt das XRP Ledger diesen Schutz bereits durch seine Grundarchitektur mit. Klassische Flash-Loan-Angriffe lassen sich nicht wie auf Ethereum zusammensetzen, weshalb in diesem Punkt XRP-DeFi als "robuster" gilt.
Fazit: XRP-DeFi noch klein, aber strategisch spannend
Gerade weil Protokolle bei Ethereum sehr frei miteinander kombiniert werden können, sind dort komplexere Strategien möglich. Das XRP Ledger verfolgt dagegen einen kontrollierteren Ansatz mit nativen Finanzfunktionen direkt im Protokoll.
DeFi auf dem XRPL bleibt trotzdem nicht risikofrei. Fehler können unter anderem in Pools, Wallets, Nutzeroberflächen oder bei der Liquiditätslogik entstehen. Auch die vorgeschlagenen Modelle bringen neue technische Risiken mit sich und machen die Pool-Verwaltung aufwendiger. Wir würden dazu sagen: bürokratischer.
Und dennoch ist der Entwurf für XRP strategisch relevant:
Der XRPL-AMM ist noch deutlich kleiner als große DeFi-Protokolle auf Ethereum. Anfang Juni liegen rund 12,9 Mio. XRP in AMM-Pools, insgesamt gibt es fast 30.000 aktive Pools. Das klingt nach viel Aktivität, steht beim gebundenen Kapital aber weit unter Größenordnungen wie Aave oder Curve.
Gerade diese frühe Phase kann ein Vorteil für XRP DeFi-Anwendungen sein: Der XRPL-AMM ist noch "klein genug", um bessere AMM-Kurven und Sicherheitsmechanismen einzubauen, bevor deutlich mehr Liquidität in Stablecoins, RWA-Märkte und institutionelle Anwendungen fließt.
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