Eine 150 Jahre alte Börsen-Grafik sagt: 2026 verkaufen. Sie markiert dieses Jahr als Zyklus-Hoch. Bitcoin jetzt verkaufen? Im Ernst?
Bitcoin und der Kryptomarkt stehen im letzten Quartal nicht an ihren Allzeithochs. Wie zuverlässig ist diese Grafik wirklich und was sollten wir Ende 2026 und 2027 am besten tun?
Was sagt der Benner-Zyklus?
Vor 150 Jahren – da gab’s noch kein Bitcoin. Ab den 1840er-Jahren löste die Eisenbahn einen riesigen Wirtschaftsboom aus, weil Rohstoffe und Waren plötzlich viel schneller über weite Strecken transportiert werden konnten.
In Ohio gab’s einen Bauern, Samuel Benner, der auch im Eisengeschäft tätig war. Doch dann platzte 1873 die Eisenbahn- und Kreditblase und Samuel war finanziell ruiniert.
Das war der Moment, in dem er dachte: Das darf mir in Zukunft NIE wieder passieren!
Also suchte er nach wiederkehrenden Abständen zwischen Preisen und Wirtschaftskrisen und verlängerte diese Muster in die Zukunft. Ich mein, der Kerl war Landwirt: Er schaute sich also Roheisen an, aber auch Mais und Schweine – und rechnete.
Aus seinen Benner-Zyklen leitet sich heute die bekannte Grafik „Periods When to Make Money“ ab. Die Grafik sagt vereinfacht: Die Zeit hat drei verschiedene Phasen:
Panikjahre, dafür steht das A.
Gute Zeiten und hohe Preise, dafür steht das B. Hier soll man verkaufen.
Harte Zeiten und niedrige Preise, dafür steht das C. Hier soll man kaufen.
Lag Samuel damit richtig? Konnte er mit seinem Zyklus tatsächlich wieder Geld machen?

Wie gut trifft die Grafik – und wo scheitert sie?
Sagen wir’s so: In der Vergangenheit lag sie bei einzelnen Ereignissen erstaunlich nah dran.
Wann platzte die Dotcom-Blase? Um die Jahrtausendwende – Benners Grafik markiert 1999 als Hochpreisjahr.
2007 sagt die Karte: Hochpreisjahr, also verkaufen. Wir erinnern uns: Danach kam die Finanzkrise mit Lehman Brothers und dem Platzen der Immobilienblase.
2019 markiert Benner als Panikjahr. Und was kam? Die Corona-Krise Anfang 2020.
Bitcoin: Benner nicht exakt - Buy and Hold besser?
Beim letzten Beispiel erkennt man schon das Problem: Den Markt präzise zu timen kann verdammt teuer sein. 2019 wäre beim Panikjahr zu früh gewesen, die eigentliche Corona-Panik kam erst Anfang 2020. Zählt das trotzdem als Treffer?
Und 2026 als B-Jahr heißt laut Grafik: verkaufen. Es gibt schon interessante Überschneidungen. Gold hatte 2026 einen guten Lauf, auch die Aktienmärkte standen zeitweise sehr hoch. Krypto lief dagegen nicht synchron dazu.
Wenn 2026 auch für Krypto ein B-Jahr werden soll, müsste Bitcoin bis Jahresende ja noch einmal deutlich anziehen und über 125.000 Dollar schießen.
Bitcoin hatte sein Tief aber schon 2022 und sein Hoch 2025 – also jeweils ungefähr ein Jahr früher als bei Benner. 2016 war Benner ebenfalls zu früh mit dem Verkaufen. Der große Bitcoin- und ICO-Boom kam erst 2017 beziehungsweise Anfang 2018.
Ja, das Modell stimmt schon so... so ganz grob...
Ich habe dazu einen spannenden historischen Vergleich gefunden. Der Autor hat die Benner-Signale auf den US-Aktienmarkt gelegt und durchgerechnet, was passiert wäre, wenn man wirklich danach gekauft und verkauft hätte.
Aus hypothetischen 100 Dollar im Jahr 1904 wurden mit der besten getesteten Zyklusstrategie bis April 2023 rund 5400 Dollar. Wer dieselben 100 Dollar einfach dauerhaft im US-Aktienmarkt investiert gelassen hätte, kam dagegen auf über 62000 Dollar. Fast zwölfmal so viel.
Problem war auch hier wieder der Ausstieg: Markiert Benner das Hoch zu früh, bist du raus – und verpasst einfach weitere Kursgewinne.
Deshalb finde ich diesen langweiligen, aber ziemlich schlauen Rat für langfristige Investments so wichtig: Versuch nicht ständig, den perfekten Markt zu timen. Am Ende kostet dich das Warten auf den perfekten Einstieg oder Ausstieg oft mehr, als einfach investiert zu bleiben.
Also: Sparplan, DCA, Buy and Hold. Nicht alles auf einmal rein und wieder raus und keine voreiligen Trades, wenn du eigentlich langfristig investieren willst.
Der Anlagehorizont sind dann eben nicht zwei Jahre bis zum nächsten Bullrun. Bei klassischen ETFs eher 10 bis 15 Jahre – und bei Bitcoin und Co mindestens ein kompletter Zyklus von rund vier Jahren, tendenziell aber auch hier länger.
Kryptowährungen neu - industrielle Revolution verändert Zyklen
Benner hat sich damals Eisen, Mais und Schweine angeschaut und versucht, sich aus Erntezyklen und sogar Sonnenflecken einen Reim auf die Preisbewegungen zu machen.
Danach erfand Henry Ford das Fließband, ab den 1970ern entwickelte sich das Internet und 2009 kam Bitcoin. Heute befinden wir uns mitten in der vierten industriellen Revolution, in der KI teilweise schon als der nächste große „Rohstoff“ unserer Wirtschaft gehandelt wird.
Ergo: Die Abstände dieser Zyklen lassen sich nicht 1:1 auf andere Anlageklassen übertragen. Einige Abstände des Benner-Modells dauern 16, 18 oder sogar 20 Jahre – da passt das Bitcoin-Halving mit seinen rund vier Jahren ja gleich mehrfach rein.
Und außerdem raten Experten immer wieder: Diversifizieren, also breit aufstellen. Ja, warum eigentlich? Weil verschiedene Anlagen unterschiedliche Zyklen haben und idealerweise eben nicht komplett synchron laufen.
Gerade in Phasen hoher Inflation und stark veränderter Geldpolitik können Aktien und Anleihen allerdings stärker gleichzeitig unter Druck geraten. Genau deshalb wird eine zusätzliche Streuung über Edelmetalle und eben auch Krypto interessant.
Wird 2027 also ein interessantes Jahr für uns?
Fazit: Wird 2027 ein interessantes Jahr Krypto-Anlegerjahr?
2027 besitzt auf der Karte überhaupt keinen eigenen Punkt. Laut Modell beginnt nach 2026 eine längere schwächere Phase. 2032 wäre erst das nächste Kaufjahr – „harte Zeiten“. Spannenderweise liegen danach 2034 als Jahr zum Verkaufen und 2035 als Panikjahr ziemlich nah beieinander.
Doch jetzt drehen wir uns das Ganze einmal zurecht, passt auf:
Sagen wir, Benner ist „wieder mal“ zu früh. Dann könnte 2026 lediglich das Jahr sein, in dem Bitcoin seinen Bärenmarkt abschüttelt und die Grundlage für eine stärkere Bewegung 2027 aufbaut.
Das wäre schon interessant, vor allem dann, wenn Krypto nicht ganz so synchron läuft wie der restliche Markt.
Doch ehrlicherweise: Das wäre mir viel zu vage! Die Antwort darauf würde ich nicht aus einer 150 Jahre alten Jahreszahl ableiten.
Der Benner-Zyklus ist deswegen nicht nutzlos. Die Grafik korreliert bisweilen erstaunlich gut mit großen Börsencrashs, bleibt aber unzuverlässig und ist für mich eher eine Orientierung für Stimmungswechsel in unserer Welt.
Wir Menschen lieben einfach Prophezeiungen jeder Art und eine schöne Geschichte, die uns hilft, den Lauf der Zeit einzuordnen. Doch wir können Emotionen am Markt nicht in einen Kalender pressen. Angst und Gier kennen keine Jahreszahlen!
Langfristig waren einfache Buy-and-Hold-Strategien vielen Timing-Methoden überlegen – und manchmal braucht es einfach die Muße, gute wie schlechte Zeiten auszuhalten, um langfristig Geld zu machen.
Wenn du nicht auf 2027 warten willst, kannst du noch heute und jederzeit starten:
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