Viele haben einen genauen Plan für den Kauf ihrer Kryptowährungen. Doch sobald Bitcoin und Altcoins steigen, fehlt häufig die Antwort auf eine entscheidende Frage:
Wann nehme ich meine Krypto-Gewinne mit?
Beim Verkaufen fällt es vielen deutlich schwerer, einem festen Plan zu folgen. Steigen die Kurse, kommt schnell der Gedanke: „Es könnte ja noch höher gehen.“ Also wartet man weiter und am Ende eines Anstiegs nehmen nur wenige ihre Gewinne rechtzeitig mit. Mir ist es in der Vergangenheit genauso ergangen.
Ein DCA-Out-Plan kann dir diese Entscheidung erleichtern. Statt deine gesamte Position auf einmal zu verkaufen, realisierst du deine Gewinne schrittweise nach vorher festgelegten Regeln.
Dabei geht es nicht darum, das exakte Markthoch zu treffen. Es geht darum, einen Plan zu haben, für den du das Hoch nicht treffen musst.
Was bedeutet DCA-Out bei Krypto?
DCA steht für „Dollar Cost Averaging“. Beim klassischen DCA investierst du regelmäßig einen festen Betrag und baust dadurch schrittweise eine Position auf.
DCA-Out dreht diesen Prozess um: Du reduzierst deine Position in mehreren Teilverkäufen.
Dadurch verteilst du deine Verkäufe auf verschiedene Zeitpunkte oder Kursbereiche. Das kann den Druck reduzieren, den perfekten Verkaufszeitpunkt finden zu müssen.
DCA-Out garantiert weder einen Gewinn noch den besten Verkaufspreis. Die Strategie hilft dir jedoch dabei, Entscheidungen vorab zu treffen und nicht erst dann, wenn Euphorie und FOMO den Markt bestimmen.
Welche DCA-Out-Methoden gibt es?
Im Alltag werden verschiedene Formen des schrittweisen Verkaufs als DCA-Out bezeichnet. Genau genommen ist das klassische DCA-Out zeitbasiert. Kursbasierte Verkäufe sind eine gestaffelte Exit-Strategie, werden im Kryptobereich aber ebenfalls häufig DCA-Out genannt.
| Methode | Verkaufsauslöser | Beispiel |
|---|---|---|
| Zeitbasiertes DCA-Out | fester Zeitraum | jeden Monat 10 % verkaufen |
| Kursbasiertes DCA-Out | festgelegte Kursziele | bei 2 €, 3 € und 5 € verkaufen |
| Dynamisches DCA-Out | festgelegte Kursbewegung | bei jedem weiteren Anstieg von 20 % verkaufen |
Zeitbasiertes DCA-Out
Du verkaufst in festen Abständen immer den gleichen Betrag oder prozentualen Anteil.
Der Vorteil: Der Plan ist einfach und unabhängig von kurzfristigen Kursbewegungen.
Der Nachteil: Du verkaufst möglicherweise auch in einer schwachen Marktphase.
Zeitbasiertes DCA-Out eignet sich deshalb besonders für Anleger, die sehr günstig eingestiegen sind und mit ihrer Position bereits komfortabel im Gewinn liegen – beispielsweise nach einem Bitcoin-Kauf zwischen 10.000 und 20.000 Euro. Wer nahe am aktuellen Kurs gekauft hat, könnte durch die festen Verkäufe dagegen Verluste realisieren. In diesem Fall kann ein kursbasierter Plan sinnvoller sein.
Kursbasiertes DCA-Out
Du legst mehrere Kurszonen fest und verkaufst beim Erreichen jeder Zone eine vorher bestimmte Teilmenge. Dadurch musst du während einer Rallye nicht jedes Mal neu entscheiden.
| BTC-Kurs | Verkaufsanteil | BTC-Menge | Bruttoerlös |
|---|---|---|---|
| 60.000 € | 20 % | 0,02 BTC | 1.200 € |
| 80.000 € | 30 % | 0,03 BTC | 2.400 € |
| 120.000 € | 30 % | 0,03 BTC | 3.600 € |
| Restposition | 20 % | 0,02 BTC | bleibt investiert |
Werden alle drei Kurszonen erreicht, hast du insgesamt 0,08 BTC für 7.200 Euro verkauft. Weitere 0,02 BTC bleiben investiert.
Der Vorteil: Du verkaufst nur, wenn deine vorher festgelegten Kursziele erreicht werden. Gleichzeitig sicherst du schrittweise Gewinne und bleibst mit einer Restposition investiert.
Der Nachteil: Werden deine Zielkurse nicht erreicht, findet kein Verkauf statt. Setzt du alle Kurszonen unrealistisch hoch an, bleibt dein DCA-Out-Plan möglicherweise reine Theorie.
Deine Kurszonen sollten deshalb nicht nur aus runden Wunschpreisen bestehen. Du kannst sie beispielsweise an deinem gewünschten Euro-Erlös, einer bestimmten Rendite oder der geplanten Gewichtung der Position in deinem Portfolio ausrichten.
Dynamisches DCA-Out
Beim dynamischen DCA-Out werden die nächsten Verkaufsstufen nicht als feste Kurse eingetragen. Sie ergeben sich aus der weiteren Kursentwicklung.
Du legst vorher fest:
bei welchem Kurs der Plan startet,
nach welchem prozentualen Anstieg die nächste Stufe folgt,
welchen Anteil der verbliebenen Position du verkaufst,
und wann der Plan endet.
Der nächste Zielkurs wird immer vom vorherigen Verkaufskurs berechnet:
| Stufe | Bitcoin-Kurs | Verkaufte Menge | Bruttoerlös | Rest Bestand |
|---|---|---|---|---|
| Start | 60.000 € | 0,02000 BTC | 1.200,00 € | 0,08000 BTC |
| +20 % | 72.000 € | 0,01600 BTC | 1.152,00 € | 0,06400 BTC |
| +20 % | 86.400 € | 0,01280 BTC | 1.105,92 € | 0,05120 BTC |
| +20 % | 103.680 € | 0,01024 BTC | 1.061,68 € | 0,04096 BTC |
Nach vier Verkaufsstufen hast du brutto rund 4.519,60 Euro erhalten. Dein ursprünglicher Einsatz von 4.000 Euro wäre damit rechnerisch zurückgeholt. Gleichzeitig bleiben noch 0,04096 BTC investiert.
Obwohl der Bitcoin-Kurs mit jeder Stufe steigt, wird die verkaufte Menge kleiner. Der Grund: Die 20 Prozent werden immer vom noch verbliebenen Bestand berechnet.
Der Vorteil: Der Plan folgt der tatsächlichen Kursentwicklung. Weitere Verkäufe finden nur statt, wenn der Kurs nach der letzten Stufe erneut steigt.
Der Nachteil: Die Berechnung ist komplizierter. Fällt der Kurs nach dem Startsignal, werden keine weiteren Verkäufe ausgelöst.
Lege außerdem vorher fest, was bei einem schnellen Kurssprung passiert. Steigt Bitcoin beispielsweise direkt von 60.000 auf 90.000 Euro, muss klar sein, ob beide übersprungenen Verkaufsstufen ausgeführt oder nur eine Tranche verkauft wird.
Warum Krypto-Gewinne schrittweise mitnehmen?
Ein kompletter Verkauf ist psychologisch schwierig.
Steigt der Kurs anschließend weiter, entsteht schnell das Gefühl, zu früh verkauft zu haben. Verkaufst du dagegen gar nichts, kann ein großer Buchgewinn bei der nächsten Korrektur wieder verschwinden.
Teilverkäufe schaffen einen Mittelweg:
Du realisierst einen Teil deiner Gewinne.
Du reduzierst schrittweise dein Risiko.
Du bleibst mit einer Restposition investiert.
Du musst nicht das exakte Markthoch treffen.
Du handelst nach Regeln statt aus FOMO.
Der wichtigste Grundsatz lautet:
Es geht nicht darum, heute zu verkaufen. Es geht darum, heute festzulegen, was du tust, wenn deine Bedingungen erreicht werden.
DCA-Out-Plan erstellen: 5 Schritte
1. Lege dein Ziel fest
Bevor du Kursziele einträgst, solltest du wissen, was deine Gewinnmitnahme erreichen soll.
Mögliche Ziele sind:
das investierte Kapital zurückholen,
einen festen Euro-Betrag sichern,
eine zu große Position reduzieren,
das Portfolio neu gewichten,
Kapital für ein persönliches Ziel freisetzen,
eine Position vollständig beenden,
einen kleinen Restbestand langfristig behalten.
Formuliere dein Ziel konkret.
Ohne ein Ziel sind Verkaufsmarken nur willkürlich gewählte Zahlen.
2. Erfasse deinen Bestand
Notiere für jede Position:
Coin-Menge
gesamte Anschaffungskosten
durchschnittlichen Einstiegspreis
einzelne Kaufdaten
Gebühren
Aufbewahrungsort
Gerade bei mehreren Käufen sind die einzelnen Kaufdaten wichtig. Jede Tranche kann andere Anschaffungskosten und eine andere steuerliche Haltedauer haben.
3. Bestimme Verkaufsanteil und Restposition
Entscheide, welcher Anteil der Position grundsätzlich verkauft werden darf.
Ein Beispiel:
80 Prozent werden für Teilverkäufe eingeplant.
20 Prozent bleiben als Restposition investiert.
Diese Restposition wird häufig als „Moonbag“ bezeichnet. Sie ermöglicht dir, von möglichen weiteren Kursanstiegen zu profitieren.
Ein Moonbag ist nicht risikofrei. Auch wenn du dein investiertes Kapital bereits zurückgeholt hast, bleibt die Restposition dem vollständigen Marktrisiko ausgesetzt. Sie kann dir zusätzliche Gewinne bringen, aber auch stark an Wert verlieren oder bei einem Scheitern des Projekts vollständig wertlos werden. Das solltest du bei der Größe deines Moonbags berücksichtigen.
4. Definiere drei bis fünf Verkaufszonen
Für einen übersichtlichen DCA-Out-Plan reichen meistens drei bis fünf Stufen.
Jede Stufe benötigt:
einen Zeitpunkt, Zielkurs oder Auslöser,
einen prozentualen Verkaufsanteil,
die konkrete Coin-Menge,
den erwarteten Bruttoerlös.
Eine eindeutige Regel könnte lauten:
Wenn der Kurs meine erste Zielzone erreicht, verkaufe ich 15 Prozent meines ursprünglichen Bestands.
Die Zielzonen können sich an deinem gewünschten Euro-Erlös, der Portfolio-Gewichtung, der Projektbewertung oder vorher definierten Kursbereichen orientieren.
Runde Fantasiezahlen allein sind noch keine ausreichende Begründung für ein Kursziel.
5. Berechne Menge und Erlös
Plane nicht nur mit Prozentwerten. Rechne jede Verkaufstranche in eine konkrete Coin-Menge und einen erwarteten Euro-Erlös um.
Verkaufsmenge = Gesamtbestand × Verkaufsanteil
Bruttoerlös = Verkaufsmenge × Zielkurs
Verfügbarer Erlös = Bruttoerlös − Gebühren − mögliche Steuerreserve
Erst durch diese Rechnung erkennst du, ob dein Plan sein eigentliches Ziel erreicht.
Was passiert, wenn ein Kursziel nicht erreicht wird?
Ein kursbasierter Plan funktioniert nur, wenn der Markt deine Zielzonen tatsächlich erreicht.
Definiere deshalb vorher zusätzliche Regeln:
Was passiert, wenn eine Zielzone knapp verfehlt wird?
Was machst du, wenn der Kurs mehrere Zonen sehr schnell durchläuft?
Wird eine nicht ausgeführte Tranche später nachgeholt?
Gibt es einen festen Termin für einen Mindestverkauf?
Was passiert, wenn sich deine Investmentthese verschlechtert?
Diese Regeln solltest du nicht erst während einer Rallye festlegen. Genau dann besteht die Gefahr, dass du jedes erreichte Ziel aus FOMO weiter nach oben verschiebst.
Preisalarm oder Limit-Order?
Für die Umsetzung kannst du Preisalarme oder Limit-Orders verwenden.
Bei einem Preisalarm erhältst du eine Benachrichtigung, sobald dein Zielkurs erreicht wird. Anschließend entscheidest du selbst über den Verkauf.
Bei einer Limit-Order wird der Verkauf automatisch zum festgelegten Preis oder besser ausgeführt. In schnellen oder illiquiden Märkten kann eine Order allerdings nur teilweise oder gar nicht ausgeführt werden.
Beachte außerdem: Für vorbereitete Orders müssen die Coins häufig auf einer Börse liegen. Dadurch entsteht ein Gegenparteirisiko.
Mehr zur technischen Umsetzung findest du in der Erklärung zur Take-Profit-Order.
DCA-Out und Steuern in Deutschland
Für privat gehaltene Kryptowährungen gilt weiterhin die Ein-Jahres-Regel:
Hältst du deine Kryptowährungen länger als ein Jahr, ist der Gewinn beim Verkauf in der Regel steuerfrei.

Verkaufst du sie innerhalb eines Jahres mit Gewinn, zählt dieser steuerlich zu den sonstigen Einkünften und kann steuerpflichtig sein.
Zusätzlich gilt eine Freigrenze von 1.000 Euro. Bleibt dein gesamter Gewinn aus privaten Verkäufen im Kalenderjahr unter dieser Grenze, ist er steuerfrei. Ab 1.000 Euro wird jedoch der gesamte Gewinn steuerpflichtig, nicht nur der Betrag oberhalb der Grenze.
Bei deinem DCA-Out-Plan solltest du beachten:
Für jeden Kauf beginnt eine eigene Haltefrist.
Deshalb muss jede Verkaufstranche einzeln geprüft werden.
Auch der Tausch einer Kryptowährung gegen eine andere gilt als Verkauf.
Kaufpreise, Verkaufswerte und Gebühren solltest du vollständig dokumentieren.
Mit unserem Haltefrist-Tracker kannst du prüfen, welche Coins die Ein-Jahres-Frist bereits erreicht haben.
Für die weitere Planung helfen dir außerdem der Krypto-Gewinn-Rechner und der FIFO-Rechner.
Bei größeren Beträgen oder Unsicherheiten solltest du deinen DCA-Out-Plan mit einer Steuerberaterin oder einem Steuerberater besprechen.
5 häufige DCA-Out-Fehler
Zu viele Verkaufsstufen
Zehn oder mehr Stufen wirken präzise, machen den Plan aber unnötig kompliziert. Wenige nachvollziehbare Tranchen lassen sich leichter umsetzen.
Kursziele ständig verschieben
Wird jede erreichte Verkaufszone nach oben gesetzt, existiert faktisch kein Exit-Plan mehr.
Nur mit Prozentwerten planen
Ohne konkrete Coin-Menge und erwarteten Euro-Erlös weißt du nicht, ob eine Tranche dein persönliches Ziel erfüllt.
Gebühren und Steuern vergessen
Der Bruttoerlös ist nicht automatisch der Betrag, der dir tatsächlich zur Verfügung steht.
Keinen Plan für den Erlös haben
Lege vorher fest, ob der Erlös als Steuerreserve, Rücklage, Euro-Liquidität oder für ein persönliches Ziel verwendet wird. Andernfalls wird aus der Gewinnmitnahme möglicherweise sofort der nächste spontane Krypto-Kauf.
Häufig gestellte Fragen
Wann sollte man Krypto-Gewinne mitnehmen?
Einen allgemein richtigen Zeitpunkt gibt es nicht. Sinnvoll ist ein vorher definierter Auslöser, beispielsweise ein persönliches Erlösziel, eine zu hohe Portfolio-Gewichtung oder das Erreichen einer festgelegten Kurszone.
Sollte man Kryptowährungen vollständig oder schrittweise verkaufen?
Das hängt vom Grund des Verkaufs ab. Hat sich die Investmentthese grundlegend verschlechtert oder wird das Kapital kurzfristig benötigt, kann ein vollständiger Verkauf sinnvoll sein. Wer Gewinne sichern und gleichzeitig investiert bleiben möchte, kann Teilverkäufe planen.
Wie viele DCA-Out-Tranchen sind sinnvoll?
Für einen übersichtlichen privaten Plan reichen häufig drei bis fünf Tranchen. Entscheidend ist, dass jede Stufe einen klaren Zweck erfüllt.
Funktioniert DCA-Out auch bei Altcoins?
Ja. Die Methode kann auch bei Altcoins verwendet werden. Allerdings sind viele Altcoins weniger liquide und volatiler als Bitcoin. Limit-Orders können deshalb unvollständig ausgeführt werden und Abweichungen zwischen erwartetem und tatsächlichem Verkaufspreis können größer ausfallen.
Fazit: Gewinne nach Plan statt aus FOMO mitnehmen
DCA-Out ist keine Methode, um das Markthoch vorherzusagen. Die Strategie hilft dir dabei, Krypto-Gewinne nach vorher festgelegten Regeln mitzunehmen.
Ein vollständiger Plan beantwortet fünf Fragen:
Was möchte ich mit dem Verkauf erreichen?
Wann wird eine Tranche ausgelöst?
Wie viele Coins verkaufe ich?
Welchen Erlös erwarte ich nach Gebühren und möglichen Steuern?
Was passiert anschließend mit dem Geld?
Wenn die Kurse steigen und FOMO einsetzt, musst du dadurch nicht jeden Tag neu entscheiden. Du prüfst nur noch, ob die Bedingungen deines Plans erfüllt wurden.
Der beste Exit-Plan ist nicht der spektakulärste. Es ist der Plan, den du verstehst und tatsächlich umsetzen kannst.






