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Was ist Ripple? Das Unternehmen hinter XRP

Ripple ist eine Firma, XRP eine Kryptowährung. Diese Seite erzählt die Geschichte des Unternehmens von 2012 bis heute: alle Übernahmen, der Rechtsstreit mit der SEC, die Escrow-Bestände und die Frage, was Ripple am XRP Ledger überhaupt entscheiden kann.

XRP-Live 1,22 €Gegründet 2012Nicht börsennotiert75+ Lizenzen weltweitSEC-Fall beendet 2025
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Ripple kurz erklärt: die Firma, nicht der Coin

Ripple ist ein Unternehmen mit Sitz in San Francisco, gegründet im September 2012. Es baut Zahlungsinfrastruktur für Banken und Finanzdienstleister, gibt seit Dezember 2024 den Stablecoin RLUSD heraus und verwahrt digitale Vermögenswerte für institutionelle Kunden.

XRP ist eine Kryptowährung und läuft auf dem XRP Ledger, einem offenen Netzwerk. Und hier liegt der Punkt, den fast alle verwechseln: Das Ledger startete im Juni 2012 und war damit vor der Firma da. Ripple ist sein grösster Förderer und hält einen erheblichen Teil aller XRP, aber das Netzwerk gehört dem Unternehmen nicht.

Gegenüberstellung von Ripple und dem XRP Ledger: links ein Bürogebäude mit dem Ripple-Logo als Sinnbild für das Unternehmen, rechts ein Netzwerk aus verbundenen Knoten, von denen mehrere das XRP-Symbol tragen, als Sinnbild für die offene Blockchain. Nur zwei dünne Linien verbinden beide Seiten.
Merksatz: Ripple ist die Firma, XRP die Währung. Wer „Ripple kaufen“ sagt, meint praktisch immer XRP, denn Anteile an der Firma kann man an keiner Börse erwerben.

Ripple im Video erklärt

Steffi erklärt den Unterschied zwischen dem Unternehmen Ripple und der Kryptowährung XRP, und warum die beiden ständig verwechselt werden.

Gibt es eine Ripple-Aktie?

Nein. Ripple ist ein privates Unternehmen und nicht börsennotiert. Es gibt kein Wertpapier mit dem Namen Ripple, keine ISIN und kein Kürzel, das man bei einem Broker eingeben könnte. Wer bei seiner Bank nach einer Ripple-Aktie sucht, findet bestenfalls Zertifikate auf den XRP-Kurs, und das ist etwas völlig anderes.

Der einzige halbwegs direkte Weg führt über die japanische SBI Holdings, die nach Presseangaben rund neun Prozent an Ripple hält und selbst in Tokio notiert ist. Ehrlich dazu gehört: Ripple ist nur ein kleiner Teil dieses Konzerns. Wer SBI kauft, kauft überwiegend japanisches Finanzgeschäft und bekommt Ripple als Beimischung.

Vorsicht bei Angeboten: Wenn dir jemand „Ripple-Aktien“ oder eine Vorab-Beteiligung am Börsengang verkaufen will, ist das ein Betrugsversuch. Ein Börsengang ist nicht angekündigt, und vorbörsliche Anteile werden nicht über Werbeanzeigen verteilt.

Die Ripple-Historie von 2012 bis heute

Vierzehn Jahre in fünf Abschnitten. Wer verstehen will, warum Ripple heute so aufgestellt ist, kommt an diesen Stationen nicht vorbei, besonders nicht an der Escrow-Entscheidung von 2017 und am Ausgang des SEC-Verfahrens.

2011 bis 2013: Entstehung

Am Anfang stand nicht das Unternehmen, sondern das Netzwerk. Das ist der Grund, warum Ripple und XRP bis heute zwei verschiedene Dinge sind.

  1. Anfang 2011
    Drei Entwickler beginnen

    David Schwartz, Jed McCaleb und Arthur Britto arbeiten an einem Zahlungsnetzwerk ohne Mining. Ihr Ausgangspunkt: Bitcoin funktioniert, verbraucht dafür aber enorm viel Energie.

  2. Juni 2012
    Der XRP Ledger geht live

    Alle 100 Milliarden XRP entstehen in einem Zug beim Start des Netzwerks. Es gibt kein Mining und keine Ausgabe im Zeitverlauf. Das Ledger läuft, bevor es die Firma gibt.

  3. September 2012
    Die Firma wird gegründet

    Chris Larsen stösst dazu, gemeinsam gründen sie NewCoin. Larsen wird Chef, Schwartz verantwortet die Kryptografie. Im Oktober folgt die Umbenennung in OpenCoin.

  4. 2012 / 2013
    80 Milliarden XRP gehen an die Firma

    Die Gründer übertragen dem Unternehmen 80 der 100 Milliarden XRP. Aus dieser Entscheidung folgt alles, was später über Ripples Bestände und den Escrow diskutiert wird.

  5. Juni 2013
    McCaleb geht im Streit

    Mitgründer Jed McCaleb verlässt das Unternehmen nach Meinungsverschiedenheiten über die Ausrichtung. Später gründet er Stellar, ein direktes Konkurrenzprojekt.

  6. 26. September 2013
    Aus OpenCoin wird Ripple Labs

    Die Umbenennung markiert den Wechsel vom Entwicklerprojekt zum Unternehmen. Drei Finanzierungsrunden bringen 2013 zusammen rund 9 Millionen Dollar.

2014 bis 2016: Aufbau und Altlasten

Ripple wächst, arbeitet aber gleichzeitig die Folgen der Gründungsjahre ab: den Streit mit McCaleb und die erste Begegnung mit US-Aufsichtsbehörden.

  1. 2014
    Vergleich mit McCaleb

    McCaleb gibt seinen Firmenanteil ab und behält 5,3 Milliarden XRP für sich und seine Kinder, gebunden an wöchentliche Verkaufsgrenzen. 2016 wird die Vereinbarung nachgeschärft.

  2. 5. Mai 2015
    Erste Strafe einer US-Behörde

    FinCEN verhängt 700.000 Dollar wegen Verstössen gegen den Bank Secrecy Act. Es ist der erste Hinweis darauf, dass Regulierung für Ripple zum Dauerthema wird.

  3. 6. Oktober 2015
    Rebranding zu Ripple

    Aus Ripple Labs wird schlicht Ripple. Im selben Jahr fliessen 32 Millionen Dollar aus der Series A zu.

  4. 13. Juni 2016
    BitLicense in New York

    Ripple erhält die BitLicense der New Yorker Finanzaufsicht NYDFS. Genau diese Lizenzstrategie wird zehn Jahre später zum Fundament für RLUSD und die Trust-Bank.

  5. 2016
    SBI Ripple Asia

    Gemeinschaftsunternehmen mit der japanischen SBI Holdings. SBI hält nach Presseangaben bis heute rund neun Prozent an Ripple und ist damit der wichtigste externe Anteilseigner.

2017 bis 2019: Banken und der Escrow

Ripple verkauft sich als Zahlungsinfrastruktur für Banken. Und trifft die Entscheidung, die den Umgang mit den eigenen XRP-Beständen bis heute prägt.

  1. Dezember 2017
    55 Milliarden XRP wandern in den Escrow

    Ripple sperrt 55 Milliarden XRP in 55 Verträge auf dem XRP Ledger, je einer läuft am Ersten eines Monats aus. Ziel ist ein berechenbares Angebot statt unkalkulierbarer Verkäufe.

  2. 2017 bis 2018
    Rechtsstreit mit R3

    Auseinandersetzung mit dem Bankenkonsortium R3 um eine Option auf 5 Milliarden XRP. Im September 2018 einigen sich beide Seiten.

  3. März 2018
    MoneyTap mit 61 japanischen Banken

    Gemeinsam mit dem japanischen Bankenkonsortium startet eine App für Echtzeit-Überweisungen. Es ist der erste breite Praxiseinsatz.

  4. Mai 2018
    Santander One Pay FX

    Die spanische Grossbank bringt Auslandsüberweisungen auf Ripple-Technik. Im selben Jahr folgen Kotak Mahindra, Axis Bank und IndusInd in Indien.

  5. 17. Juni 2019
    MoneyGram-Partnerschaft

    Ripple investiert 30 Millionen Dollar in MoneyGram, das XRP als Brückenwährung für Devisen nutzt. Die Partnerschaft endet 2021 unter dem Druck der SEC-Klage.

2020 bis 2025: Der SEC-Fall

Fünf Jahre, in denen die Existenzfrage über dem Unternehmen hing. Der Ausgang ist der Grund, warum ab 2025 überhaupt alles andere möglich wurde.

  1. 22. Dezember 2020
    Die SEC klagt

    Vorwurf: ein unregistriertes Wertpapierangebot über 1,3 Milliarden Dollar. Beklagt sind das Unternehmen sowie Brad Garlinghouse und Chris Larsen persönlich.

  2. März 2021
    40 Prozent an Tranglo

    Beteiligung am asiatischen Zahlungsdienstleister Tranglo. Trotz laufendem Verfahren baut Ripple das Geschäft ausserhalb der USA weiter aus.

  3. 13. Juli 2023
    Das Torres-Urteil

    Richterin Analisa Torres entscheidet: XRP ist beim Verkauf über Börsen kein Wertpapier, bei Direktverkäufen an institutionelle Investoren dagegen schon. Ein Teilerfolg für beide Seiten.

  4. August 2024
    125 Millionen Dollar Strafe

    Deutlich weniger als die zwei Milliarden, welche die SEC gefordert hatte. Dazu eine Auflage für künftige Verkäufe.

  5. 7. August 2025
    Der Fall endet

    Ripple und die SEC ziehen ihre Berufungen zurück. Nach knapp fünf Jahren ist das Verfahren beendet, und Ripple kann ohne diese Last planen.

2024 bis 2026: Bank werden

Mit dem Rechtsstreit im Rücken baut Ripple in zwei Jahren um, wofür Banken Jahrzehnte gebraucht haben. Und zwar überwiegend durch Zukäufe.

  1. 17. Dezember 2024
    RLUSD startet

    Ripples eigener US-Dollar-Stablecoin geht auf dem XRP Ledger und auf Ethereum live, reguliert durch die NYDFS. Im September 2026 liegt er bei rund 2,43 Milliarden Dollar.

  2. Dezember 2025
    Bedingte Zulassung als Trust-Bank

    Die US-Aufsicht OCC genehmigt die Ripple National Trust Bank unter Auflagen. Im April 2026 tritt die Endregel in Kraft, die Verwahrung und Stablecoin-Reserven ausdrücklich erlaubt.

  3. 28. Januar 2026
    Lending-Amendment im Voting

    XLS-66d soll natives Kreditgeschäft auf den XRP Ledger bringen. Ripple unterstützt es, entscheiden müssen aber die Validatoren.

  4. März 2026
    Über 75 Lizenzen weltweit

    Nach dem Zukauf in Australien gibt Ripple an, über 75 Lizenzen zu halten. Die Zulassungen sind das eigentliche Gut, nicht die Software.

  5. Sommer 2026
    MiCA-Zulassung für 30 EWR-Staaten

    Ripple darf regulierte Krypto- und Stablecoin-Zahlungen im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum anbieten. Für den DACH-Raum ist das der bislang konkreteste Schritt.

  6. August 2026
    Kreditfonds in RLUSD

    Gemeinsam mit Clearpool und Cicada Partners startet ein Fonds, der Betriebsmittelkredite in RLUSD vergibt. Der Stablecoin wird damit vom Zahlungsmittel zur Kreditwährung.

Warum Ripple 2026 plötzlich überall auftaucht

Steffi nimmt sich 25 Minuten Zeit und legt die vier Entwicklungen nebeneinander, die man gemeinsam betrachten muss, um Ripples heutige Position zu verstehen.

Die Einkaufstour: wie Ripple sich eine Bank zusammenkaufte

Das ist die vielleicht wichtigste Entwicklung der letzten Jahre, und sie läuft weitgehend unter dem Radar. Zwischen 2023 und 2026 hat Ripple für rund vier Milliarden Dollar Unternehmen gekauft, und zwar keine zufällige Sammlung: Verwahrung, Clearing, Prime Brokerage, Treasury-Software und Zahlungslizenzen. Zusammengesetzt ergibt das die Bestandteile einer Bank.

Ein Bankgebäude mit dem Ripple-Logo im Giebel, dessen Fassade aus einzelnen Funktionsblöcken besteht: Tresor für Verwahrung, Münzstapel für den Stablecoin, Kreisdiagramm für Treasury. Zwei Plätze sind noch leer, ein weiterer Block fliegt von rechts heran.
Metaco
Mai 2023
250 Mio. $

Verwahrung digitaler Vermögenswerte. Schweizer Anbieter mit Kunden wie BNP Paribas, Société Générale Forge und HSBC.

Fortress Trust
September 2023
zurückgezogen

Angekündigt und wenige Wochen später abgeblasen. Ripple blieb lediglich Investor.

Standard Custody & Trust
Februar bis Juli 2024
nicht genannt

New Yorker Trust-Charter, eine von nur neun. Die Technik stammt von Arthur Britto und David Schwartz.

Hidden Road
April bis Oktober 2025
~1,25 Mrd. $ (Presseangabe)

Prime Brokerage, Clearing, Devisen und Derivate. Läuft heute als Ripple Prime.

Rail
August 2025
200 Mio. $

Zahlungsabwicklung auf Stablecoin-Basis.

GTreasury
Oktober 2025
~1 Mrd. $

Treasury-Software für Unternehmen. Läuft heute als Ripple Treasury.

Palisade
November 2025
nicht genannt

Wallet- und Verwahr-Infrastruktur.

Solvexia
Januar 2026
nicht genannt

Automatisierung von Finanzprozessen.

BC Payments Australia
März 2026
nicht genannt

Zahlungslizenz für den australischen Markt.

Der Beleg steht im Organigramm: Ripple führt heute eigene Bereiche namens Ripple Prime und Ripple Treasury, jeweils mit eigenem Senior Vice President. Das sind Hidden Road und GTreasury, integriert als Geschäftsbereiche. Die Zukäufe waren also keine Finanzbeteiligungen, sondern Bausteine.

Womit Ripple Geld verdient

Ripple verkauft keine Software an Privatkunden. Die Kunden sind Banken, Zahlungsdienstleister und zunehmend Vermögensverwalter. Vier Standbeine tragen das Geschäft:

Grenzüberschreitende Zahlungen

Das Ursprungsgeschäft. Ripple gibt an, Zugang zu über 60 Märkten zu bieten und mehr als 100 Milliarden Dollar Zahlungsvolumen abgewickelt zu haben.

RLUSD als Stablecoin

Seit Dezember 2024 live, im September 2026 bei rund 2,43 Milliarden Dollar. Verdient wird an den Erträgen der hinterlegten Reserven.

Verwahrung

Aus Metaco, Standard Custody und Palisade zusammengesetzt. Kunden sind Banken, die digitale Vermögenswerte sicher lagern müssen.

Ripple Prime

Clearing, Devisen, Derivate und Finanzierung für institutionelle Händler. Kam mit der Übernahme von Hidden Road ins Haus.

Dazu kommt eine Einnahmequelle, über die Ripple selbst weniger spricht: der Verkauf eigener XRP. Ein Teil des Geschäftsbetriebs wurde über die Jahre daraus finanziert. Wie das funktioniert und was es für den Kurs bedeutet, steht weiter unten beim Escrow.

Warum Ripple XRP überhaupt braucht

Die Frage, an der sich die Geister scheiden: Welche Rolle spielt XRP im Geschäftsmodell von Ripple wirklich? Steffi ordnet es ein.

Lizenzen und Regulierung

Lizenzen sind bei Ripple kein Beiwerk, sondern das eigentliche Gut. Software lässt sich nachbauen, eine Zulassung nicht. Ripple gibt an, über 75 Lizenzen weltweit zu halten. Drei davon sind für Anleger im DACH-Raum besonders relevant:

Die drei wichtigsten Zulassungen

  • NYDFS-BitLicense seit Juni 2016, dazu die Trust-Charter, über die RLUSD herausgegeben wird.
  • Bedingte OCC-Zulassung für die Ripple National Trust Bank seit Dezember 2025. Das ist keine Vollbanklizenz mit Einlagengeschäft, sondern deckt Verwahrung und die Verwaltung von Stablecoin-Reserven ab. Seit April 2026 erlaubt die Endregel diese Tätigkeiten ausdrücklich.
  • MiCA-Zulassung im Sommer 2026 für regulierte Zahlungen in allen 30 Staaten des Europäischen Wirtschaftsraums. Damit ist Ripple erstmals flächendeckend in Europa zugelassen.

Was die MiCA-Lizenz verändert

Mit der MiCA-Zulassung darf Ripple Zahlungsdienste im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum anbieten. Was das praktisch bedeutet.

Der SEC-Fall und wie er ausging

Knapp fünf Jahre hing die Existenzfrage über dem Unternehmen. Die US-Börsenaufsicht SEC warf Ripple im Dezember 2020 vor, mit dem Verkauf von XRP ein unregistriertes Wertpapierangebot über 1,3 Milliarden Dollar betrieben zu haben. Beklagt waren auch Brad Garlinghouse und Chris Larsen persönlich.

Im Juli 2023 fiel das Urteil, das bis heute zitiert wird: Richterin Analisa Torres entschied, dass XRP beim Verkauf über Börsen kein Wertpapier ist, bei Direktverkäufen an institutionelle Investoren dagegen schon. Beide Seiten konnten sich als Sieger fühlen, beide gingen in Berufung. Im August 2024 wurden 125 Millionen Dollar Strafe verhängt, die SEC hatte zwei Milliarden gefordert.

Am 7. August 2025 zogen beide Seiten ihre Berufungen zurück. Damit ist das Verfahren beendet. Erst danach war der Umbau möglich, der seit Ende 2025 zu beobachten ist.

Was das Urteil nicht bedeutet: Es ist keine allgemeine Freigabe für Kryptowährungen und auch kein Freispruch. Ripple hat gezahlt, und die Einordnung galt einem konkreten Sachverhalt. Wer daraus eine generelle Rechtssicherheit für den Markt ableitet, überdehnt das Urteil.

Ripples XRP-Bestände und der Escrow

Das ist die Frage, an der jede ernsthafte Auseinandersetzung mit XRP hängt, und sie ist kein Geheimnis. Die Gründer übertrugen dem Unternehmen 2012 80 der insgesamt 100 Milliarden XRP. Ripple hält damit bis heute einen Anteil, den es bei Bitcoin oder Ethereum so nicht gibt.

Im Dezember 2017 sperrte Ripple 55 Milliarden XRP in Escrow-Verträge direkt auf dem Ledger. Der Mechanismus ist simpel: 55 Verträge über je eine Milliarde, einer läuft am Ersten jedes Monats aus. Was Ripple nicht verwendet, wird neu gesperrt. Der Zweck war, das Angebot berechenbar zu machen, statt den Markt im Ungewissen zu lassen.

So funktioniert der Escrow: Links ein Stapel verschlossener Verträge, rechts der eine geöffnete, aus dem XRP herausfliessen. Der Strom teilt sich ungleich, der dicke Ast fliesst zurück in einen neuen verschlossenen Vertrag, nur ein dünner verlässt den Escrow.
Escrow-Supply-Monitor
Nächster Unlock (1 Mrd. XRP)
00
Tage
00
Stunden
00
Minuten
00
Sekunden
~ 32,0 Mrd.
Total Locked
~ 107 Monate
Verbleibende Zeit
1 Mrd.
Unlock / Monat
~ 700 Mio.
Re-Lock (Ø)
Ripple gibt monatlich bis zu 1 Mrd. XRP frei. Nicht genutzte XRP werden wieder gesperrt (Re-Lock).

Was die Zahlen für dich bedeuten

Aktuell liegen rund 32,0 Milliarden XRP im Escrow, und im Schnitt gehen etwa 70 Prozent der monatlichen Freigabe wieder zurück in neue Verträge. Es kommt also nicht eine Milliarde XRP pro Monat auf den Markt, sondern eher ein Bruchteil davon.

Drei Dinge, die man dabei auseinanderhalten muss

  • Gesperrt ist nicht verkauft. Was aus dem Escrow läuft und zurückgesperrt wird, hat den Markt nie erreicht.
  • Freigegeben ist nicht automatisch verkauft. Ein Teil dient Partnerschaften, Liquiditätsbereitstellung und dem Betrieb, nicht dem direkten Verkauf über Börsen.
  • Der handelbare Anteil ist kleiner, als die Umlaufmenge vermuten lässt. Neben Ripples Beständen liegen weitere grosse Mengen bei Börsen, Fonds und langfristigen Haltern.
Die ehrliche Einordnung: Ein Unternehmen, das einen so grossen Teil einer Währung hält und daraus seinen Betrieb finanziert, ist ein struktureller Faktor für den Kurs. Das ist kein Argument gegen XRP, aber es gehört auf den Tisch. Wie sich das auf mögliche Kursverläufe auswirkt, steht in unserer XRP-Prognose.

Wer Ripple führt

An der Spitze steht seit Jahren Brad Garlinghouse als Chief Executive Officer. Ihm zur Seite stehen Monica Long als President, Jon Bilich als Chief Financial Officer und Stuart Alderoty als Chief Legal Officer, der das Unternehmen durch das SEC-Verfahren geführt hat. Mitgründer Chris Larsen sitzt im Board.

Ein Detail, das viele Quellen falsch haben: David Schwartz, einer der drei Architekten des XRP Ledgers, ist nicht mehr Chief Technology Officer. Er hat die Rolle Ende 2025 nach 13 Jahren abgegeben, ist seitdem CTO Emeritus und sitzt im Board. Den technischen Betrieb übernahm Dennis Jarosch. Auf Ripples eigener Führungsseite ist derzeit kein CTO ausgewiesen.

Der Gründer, den niemand kennt

Arthur Britto ist der dritte Architekt des XRP Ledgers und gleichzeitig der grosse Unbekannte. Er tritt praktisch nicht öffentlich auf, es gibt kaum Fotos, und selbst bei Wikidata existiert kein Eintrag zu ihm. Dass jemand ein Netzwerk dieser Grössenordnung mitentwickelt und dabei seit 2012 anonym bleibt, ist in der Kryptowelt bemerkenswert selten.

Brad Garlinghouse über Ripple

Knapp 19 Minuten über den Ripple-Chef: was das Unternehmen antreibt und welche Rolle XRP dabei spielt.

Was Ripple am XRP Ledger entscheidet und was nicht

„XRP ist zentralisiert, Ripple kontrolliert alles“ ist der häufigste Vorwurf gegen das Projekt. Er verdient eine genaue Antwort statt einer pauschalen.

Ripple betreibt genau einen Validator

Im XRP Ledger sind über 150 Validatoren aktiv. Für den Konsens zählt davon die Standard-Liste, die Unique Node List, und die umfasst rund 35 Einträge. Ripple betreibt davon genau einen. Damit das Netzwerk einen Block als gültig ansieht, müssen sich aktuell 28 dieser Validatoren einig sein, diesen Wert haben wir am 8. September 2026 direkt beim Ledger abgefragt.

Protokolländerungen laufen über sogenannte Amendments. Ein Amendment wird nur aktiv, wenn mindestens 80 Prozent der Validatoren zwei Wochen lang zustimmen. Mit einer einzigen Stimme kann Ripple eine Änderung weder durchsetzen noch verhindern.

Ripple kann keine neuen XRP erzeugen

Das ist der zweite Punkt, den viele nicht wissen: Alle 100 Milliarden XRP entstanden im Juni 2012 beim Start des Ledgers. Es gibt keinen Mechanismus, um weitere zu schaffen, weder für Ripple noch für sonst jemanden. Es gibt kein Mining, keine Inflation und keine Ausgabefunktion im Protokoll.

Das Gegenteil ist der Fall: Bei jeder Transaktion wird eine winzige Gebühr vernichtet, sie geht an niemanden. Die Menge kann also nur sinken. Ein Blick in den validierten Ledger am 8. September 2026 zeigt eine Gesamtmenge von 99.985.618.934 XRP. Das sind rund 14,38 Millionen XRP weniger als zum Start, genau so viel wurde in dreizehn Jahren verbrannt.

Drei Dinge, die Ripple technisch nicht kann

Der Vorwurf lautet oft, Ripple könne mit XRP machen was es will. Diese drei Grenzen stehen im Protokoll und lassen sich von jedem nachprüfen:

Vom Protokoll ausgeschlossen

  • Neue XRP erzeugen. Es gibt keine Ausgabefunktion. Die Menge stand 2012 fest und sinkt seitdem durch verbrannte Gebühren.
  • Fremde XRP einfrieren oder zurückholen. Die Einfrier-Funktion des Ledgers gilt ausdrücklich nur für selbst ausgegebene Token, nicht für XRP. Die offizielle Dokumentation ist eindeutig: Niemand kann XRP im XRP Ledger einfrieren. Nur Börsen können sperren, was sie selbst verwahren.
  • XRP vorzeitig aus dem Escrow holen. Die Freigabefrist ist im Vertrag festgeschrieben und wird vom Protokoll durchgesetzt, auch gegen den Absender.
Was Ripple sehr wohl kann: Die eigenen Bestände verkaufen, und das tut das Unternehmen auch. Das ist der reale Einfluss auf den Kurs, nicht eine erfundene Möglichkeit, Münzen aus dem Nichts zu schaffen. Wer über Verkaufsdruck diskutieren will, findet die belastbaren Zahlen im Escrow-Abschnitt weiter oben.
Der Praxistest läuft gerade: Das Lending-Amendment XLS-66d wird von Ripple unterstützt und ist trotzdem seit Januar 2026 nicht aktiviert, weil die 80-Prozent-Schwelle noch nicht erreicht ist. Wir haben den Status direkt im Ledger nachgesehen: Das Amendment steht dort weder unter den aktivierten noch in der zweiwöchigen Countdown-Phase. Mehr dazu auf unserer Seite zu XRP-Rendite.

Ehrlich bleibt trotzdem: Ripple hat erheblichen Einfluss. Das Unternehmen entwickelt einen Grossteil der Software und schlägt Amendments vor. Und die Standard-Liste setzt sich aus zwei veröffentlichten Listen zusammen, von denen eine von Ripple stammt und die andere von der XRP Ledger Foundation. Wer Validatoren vorschlägt, hat Gewicht, auch wenn ihm nur eine Stimme gehört. Dazu kommen die grossen XRP-Bestände aus dem Escrow.

Einfluss ist aber nicht dasselbe wie Kontrolle. Jeder Betreiber kann seine Liste selbst zusammenstellen und Ripple daraus entfernen. Und wie real die Hürde ist, zeigt XLS-66d: Ripple will dieses Amendment, seit Januar 2026 ist es trotzdem nicht aktiv.

Chancen und Risiken

Was für Ripple spricht

  • Der SEC-Fall ist beendet. Die grösste rechtliche Unsicherheit ist seit August 2025 weg.
  • Über 75 Lizenzen weltweit, dazu MiCA für den gesamten Europäischen Wirtschaftsraum. Zulassungen sind der Burggraben.
  • Die Zukäufe ergeben ein zusammenhängendes Bild: Verwahrung, Clearing, Treasury und Stablecoin unter einem Dach.
  • RLUSD wächst schnell und wird inzwischen als Kreditsicherheit eingesetzt, nicht nur als Zahlungsmittel.

Was dagegen spricht

  • Ripple hält weiterhin einen sehr grossen XRP-Bestand und finanziert daraus den Betrieb.
  • Das Zahlungsgeschäft steht im Wettbewerb mit etablierten Netzwerken und mit Stablecoins anderer Anbieter.
  • Ein Grossteil der Zukäufe wurde in kurzer Zeit getätigt. Ob die Integration gelingt, muss sich erst zeigen.
  • Der Zusammenhang zwischen dem Erfolg der Firma und dem XRP-Kurs ist weniger direkt, als viele annehmen.

Glossar: die wichtigsten Begriffe

Ripple

Unternehmen mit Sitz in San Francisco, gegründet 2012. Entwickelt Zahlungsinfrastruktur für Finanzinstitute.

XRP

Kryptowährung des XRP Ledgers. Alle 100 Milliarden Einheiten entstanden 2012 beim Start des Netzwerks.

Escrow

Zeitgesteuerter Sperrvertrag auf dem XRP Ledger. Ripple sperrte damit 2017 55 Milliarden XRP.

RLUSD

Ripples US-Dollar-Stablecoin, seit Dezember 2024 live, reguliert durch die NYDFS.

Ripple Prime

Prime-Brokerage-Sparte, entstanden aus der Übernahme von Hidden Road.

Amendment

Protokolländerung am XRP Ledger. Braucht 80 Prozent Zustimmung der Validatoren über zwei Wochen.

ODL

On-Demand Liquidity. Verfahren, XRP als Brückenwährung für Auslandszahlungen zu nutzen.

Trust-Bank-Charter

US-Zulassung für Verwahrung und Treuhandgeschäfte, keine klassische Vollbanklizenz.

Aktuelle Entwicklungen bei Ripple

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Häufige Fragen zu Ripple

Sind Ripple und XRP dasselbe?

Gibt es eine Ripple-Aktie?

Wie viel XRP besitzt Ripple?

Wie ging der SEC-Fall gegen Ripple aus?

Kontrolliert Ripple den XRP Ledger?

Kann Ripple neue XRP erzeugen oder XRP manipulieren?

Womit verdient Ripple Geld?

Hat Ripple eine Banklizenz?

Wer führt Ripple heute?

Das XRP-Ökosystem

Dr. Stephanie Morgenroth
Dr. Stephanie Morgenroth
Gründerin & Chefredakteurin
Dr. med.BTC-ECHO Award 2025Buch-Autorin110K+ Community

Steffi ist promovierte Medizinerin (Dr. med.), führte eine eigene Praxis für Schmerztherapie und ist seit 2021 selbst in Bitcoin, XRP und Ethereum investiert. Mit MissCrypto erreicht sie über 110.000 Menschen, gewann 2025 den BTC-ECHO Award als „Best Educator of Crypto" und schrieb das Buch „Der Krypto Kompass". Sie macht komplexe Themen verständlich, ehrlich und ohne Hype.

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