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Was ist Borrowing Power?

Wie viel Du auf Basis Deiner Sicherheiten leihen kannst

DeFiFortgeschritten5 Min. Lesezeit

Definition

Borrowing Power beschreibt, wie viel Kapital ein Nutzer auf Basis seiner hinterlegten Sicherheiten maximal aufnehmen kann. Für DeFi-Nutzer ist der Begriff wichtig, weil er die Grenze markiert, bis zu der zusätzliche Schulden ohne sofortige Überbesicherung nicht mehr möglich sind.

Borrowing Power zeigt, wie viel Leihkapazität auf Basis hinterlegter Sicherheiten in einem Protokoll verfügbar ist. Wer im DeFi-Bereich Assets als Collateral einsetzt, erhält damit nicht automatisch unbegrenzt Zugriff auf geliehene Mittel. Genau deshalb ist Borrowing Power einer der praktischsten und zugleich gefährlichsten Begriffe im Umgang mit DeFi-Krediten.

Borrowing Power nach Collateral-Typ (Aave V3)

CollateralLTV (Loan-to-Value)Liquidation-Threshold1 ETH als Sicherheit → max. Kredit
ETH82,5 %86 %~2.640 USD
wBTC75 %80 %~63.000 USD (pro wBTC)
USDC77 %80 %~0,77 USD pro USDC
LINK68 %75 %Niedriger (höhere Volatilität)
stETH79 %83 %~2.528 USD (pro stETH)

Was Borrowing Power im DeFi-Bereich bedeutet

Borrowing Power ist die rechnerische Leihkraft eines Kontos oder einer Position. Sie hängt davon ab, welche Sicherheiten hinterlegt wurden, wie diese bewertet werden und welche Beleihungsregeln das Protokoll ansetzt. Für Nutzer ist das die technische Obergrenze, bis zu der geliehene Mittel aufgenommen werden können.

Wichtig ist dabei: Diese Zahl ist keine Einladung, das Limit vollständig auszunutzen. Sie zeigt nur, was rechnerisch möglich ist. Genau an diesem Punkt beginnt gutes Risikobewusstsein, denn maximale Borrowing Power ist selten dasselbe wie eine kluge Positionierung.

Warum Borrowing Power für DeFi-Nutzer zentral ist

Sobald Du Kapital aufnimmst, bestimmt die Borrowing Power, wie viel Spielraum zwischen Sicherheit und Schuld noch bleibt. Je näher eine Position am Limit gebaut ist, desto empfindlicher wird sie für Marktbewegungen. Genau deshalb ist die Kennzahl so wichtig: Sie übersetzt abstrakte Sicherheiten in praktischen Handlungsspielraum.

Für Anleger ist das besonders relevant, weil DeFi-Protokolle Risiken nicht emotional, sondern mechanisch behandeln. Wenn Sicherheiten sinken oder geliehene Vermögenswerte sich ungünstig entwickeln, reagiert das System nicht mit Kulanz. Borrowing Power ist deshalb keine Komfortanzeige, sondern ein Warninstrument für die Stabilität einer Position.

Wo Nutzer Borrowing Power falsch lesen

Der häufigste Fehler ist, Borrowing Power mit sinnvoller Auslastung zu verwechseln. Nur weil ein Protokoll technisch einen bestimmten Kreditrahmen zulässt, heißt das nicht, dass dieser Rahmen vollständig genutzt werden sollte. Wer zu nah am Limit arbeitet, macht schon kleine Marktbewegungen zu einem echten Risiko.

Ebenso problematisch ist die Annahme, die Zahl sei statisch. In Wahrheit verändert sie sich mit Marktpreisen, Beleihungswerten und der Struktur der Position. Genau deshalb ist Borrowing Power ein dynamischer Begriff, der aktiv beobachtet werden muss, wenn geliehene Mittel im Spiel sind.

Wie man Borrowing Power sinnvoll nutzt

Sinnvoll genutzt wird Borrowing Power, wenn sie als Risikogrenze und nicht als Leistungsziel verstanden wird. Erfahrene Nutzer arbeiten oft bewusst mit Puffer und lassen Abstand zum theoretischen Maximum. Das gibt mehr Luft bei Volatilität und reduziert die Wahrscheinlichkeit einer schnellen Liquidation.

Für Anleger bedeutet das: Je klarer das Ziel der Kreditaufnahme, desto besser lässt sich die nötige Sicherheit dimensionieren. Wer dagegen nur das Maximum ausreizt, baut eine fragilere Struktur. Borrowing Power ist deshalb nur dann nützlich, wenn sie mit Disziplin gelesen wird.

Warum der Begriff ins Lexikon gehört

Borrowing Power gehört in ein gutes DeFi-Lexikon, weil an ihr sichtbar wird, wie eng Komfort und Risiko im offenen Kreditmarkt zusammenliegen. Der Begriff ist technisch einfach, praktisch aber enorm folgenreich. Gerade deshalb sollte er früh und glasklar erklärt werden.

Wenn Du Borrowing, Sicherheiten und Auslastung zusammendenkst, wird die Kennzahl sofort greifbarer. Dann zeigt sie nicht nur, was möglich ist, sondern auch, wo strategische Vernunft beginnen sollte.

Die Borrowing Power bestimmt direkt, wie viel Kapital du in einem DeFi-Protokoll herausholen kannst, ohne dein Portfolio zu gefährden. Bei Aave zum Beispiel hat ETH einen Loan-to-Value von 80 %, das heißt, du kannst mit 10.000 EUR hinterlegtem ETH bis zu 8.000 EUR in Stablecoins leihen. Erfahrene Nutzer bleiben bewusst bei 40 bis 50 % ihrer maximalen Borrowing Power, um einen Puffer gegen Kursschwankungen zu behalten. In einem Bear Market, wenn Sicherheitswerte schnell fallen, kann selbst dieser Puffer innerhalb weniger Stunden aufgezehrt werden, weshalb aktives Monitoring der eigenen Health Factor entscheidend ist, solange eine Leihposition offen ist.

Tipp

Borrowing Power zeigt die rechnerische Leihgrenze, nicht die kluge Zielgröße. Wer sie komplett ausreizt, macht die eigene Position deutlich anfälliger.

Gut zu wissen

Je volatiler die hinterlegten Sicherheiten sind, desto wichtiger wird ein gesunder Abstand zur maximalen Borrowing Power.

Fazit

Borrowing Power beschreibt die maximale Leihkapazität einer Position und ist damit ein Schlüsselbegriff für DeFi-Risikomanagement. Wer Puffer, Sicherheiten und Marktbewegung zusammendenkt, nutzt sie als Schutzinstrument statt als Hebelreiz.

Deine Fragen zu Borrowing Power

Was ist Borrowing Power einfach erklärt?

Sie zeigt, wie viel Kapital auf Basis hinterlegter Sicherheiten maximal geliehen werden kann.

Sollte ich meine Borrowing Power voll ausnutzen?

In der Regel nicht, weil eine hohe Auslastung die Position deutlich anfälliger für Liquidationen macht.

Warum verändert sich Borrowing Power?

Weil sie von Marktpreisen, Sicherheiten und Protokollregeln abhängt und deshalb nicht statisch ist.

Fun Fact

Viele riskante DeFi-Positionen entstehen nicht, weil Nutzer den Begriff Borrowing Power nicht kennen, sondern weil sie ihn als Ziel statt als Warnlinie lesen.

Über die Autorin

Dr. Stephanie Morgenroth

Dr. Stephanie Morgenroth

Steffi ist promovierte Medizinerin, Krypto-Investorin seit 2021 und erreicht mit MissCrypto über 100.000 Menschen auf Social Media. Sie macht komplexe Themen wie Bitcoin, DeFi und Krypto-Steuern verständlich, ehrlich, unabhängig und ohne Hype.

Über Steffi

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