Definition
Borrowing Power ist der maximale Kreditbetrag, den du durch hinterlegte Kryptowerte als Sicherheit aufnehmen kannst.
Borrowing Power bestimmt, wie viel Geld du in DeFi-Protokollen leihen kannst, ohne deine Kryptowährungen zu verkaufen. Statt einer Schufa-Prüfung oder langwieriger Einkommensnachweise zählt allein der Wert deiner hinterlegten digitalen Assets. Für Einsteiger ist das ein zentraler Baustein des dezentralen Finanzwesens, der Liquidität schafft, ohne langfristige Investitionen aufzugeben. Du nutzt deine Bitcoin oder Ethereum quasi als digitales Pfand, um sofortigen Zugang zu Stablecoins oder Bargeld zu erhalten, während deine Original-Investments weiter für dich arbeiten.
Wie funktioniert Borrowing Power?
Deine Borrowing Power basiert auf dem Loan-to-Value-Verhältnis (LTV) – dem Verhältnis zwischen Kreditsumme und hinterlegtem Sicherheitenwert. Bei etablierten Protokollen wie Aave oder Compound liegt der maximale LTV typischerweise zwischen 50 und 75 Prozent. Das bedeutet konkret: Für 10.000 Euro in Ethereum erhältst du maximal 7.500 Euro an Stablecoins ausgezahlt. Diese Überbesicherung ist notwendig, da Kryptowährungen hochvolatil sind und das Protokoll vor Ausfällen schützen muss. Je volatiler das Asset, desto niedriger fällt der LTV aus.
Diese Sicherheitsmarge schützt das Protokoll vor plötzlichen Kursverlusten. Dein sogenannter Health Factor (Gesundheitsfaktor) zeigt dabei die Sicherheit deiner Position an. Sinkt er unter 1,0, löst das System automatisch eine Liquidation aus – dein Collateral wird zu Marktpreisen verkauft, um den Kredit zu tilgen. Im Gegensatz zur traditionellen Bank prüft kein Mensch deine Bonität oder fragt nach deinem Gehalt. Die Blockchain entscheidet rein mathematisch anhand des aktuellen Collateral-Werts in Echtzeit über deine Kreditwürdigkeit. Das macht den Prozess zensurresistent, aber auch unbarmherzig bei Fehlkalkulationen.
Praxisbeispiel: So berechnest du deine Borrowing Power
Nehmen wir ein konkretes Szenario: Du nutzt Bitvavo zum Kauf von 10 ETH zu je 3.000 Euro – also 30.000 Euro Gesamtwert. Bei einem LTV von 75 Prozent bei Aave beträgt deine maximale Borrowing Power 22.500 Euro in USDC, die du sofort auf dein Wallet überweisen und für andere Investitionen nutzen kannst.
Liquidation droht, wenn dein ETH-Wert unter 24.000 Euro fällt (also unter 2.400 Euro pro ETH). Dann reicht das Collateral nicht mehr aus, um den Kredit zu sichern. Halte daher immer einen Sicherheitspuffer von mindestens 20 Prozent ein und überwache den Health Factor täglich, besonders in volatilen Märkten. Ein automatischer Margin-Call existiert nicht – du musst selbst handeln.
Du zahlst variable Zinsen auf die 22.500 Euro, behältst aber das komplette Upside-Potenzial deiner ETH. Falls der Kurs auf 4.000 Euro steigt, steigt auch deine Borrowing Power automatisch auf 30.000 Euro. Fällt er jedoch um 20 Prozent, solltest du entweder mehr Collateral nachlegen oder einen Teil des Kredits zurückzahlen, um die Liquidationsschwelle zu vermeiden. Viele erfahrene Nutzer setzen dabei Alerts oder nutzen Automationstools, um bei kritischen Kursbewegungen sofort reagieren zu können.
Borrowing Power im DACH-Raum: Was 2026 ändert
Im deutschsprachigen Raum nutzen derzeit vor allem institutionelle Anleger und erfahrende Trader Borrowing Power für komplexe Yield-Farming-Strategien oder Arbitrage-Geschäfte. Seit der vollständigen MiCA-Umsetzung Anfang 2026 unterliegen zentralisierte Kreditplattformen strengeren Auflagen der BaFin und müssen Lizenzen nachweisen. Reine DeFi-Protokolle auf der Blockchain bleiben zwar technisch zugänglich, müssen aber erhöhte Transparenz bei Risiken bieten und dürfen keine irreführenden Renditeversprechen machen.
Die BaFin stuft Krypto-Kredite als Finanzinstrumente ein. In Deutschland fallen darauf Kapitalertragssteuern an, sobald du durch Borrowing Power Gewinne erzielst oder gestundete Gewinne realisierst. Dokumentiere alle Positionen sorgfältig für dein Finanzamt, da Steuerpflichten auch bei reinen DeFi-Transaktionen bestehen können. Ein Steuerberater mit Krypto-Erfahrung ist hier unverzichtbar.
Für Privatanleger bedeutet das regulatorische Umfeld: Wer über Bitvavo Erfahrungen & Test oder Bitpanda Erfahrungen sammelt, sollte die steuerlichen Implikationen verstehen, bevor er Borrowing Power nutzt. Die Technologie bleibt zwar grenzüberschreitend verfügbar, die steuerliche Behandlung folgt strikt nationalen Regelungen. Besonders wichtig ist der lückenlose Nachweis aller Transaktionen für das Finanzamt, da DeFi-Protokolle keine automatischen Steuerbescheinigungen ausstellen.
Mit Borrowing Power erschließt du Liquidität, ohne deine Krypto-Investments zu verkaufen und damit Steuerpflichten auszulösen. Du behältst das Eigentum an deinen Assets und profitiert weiter von potenziellen Kurssteigerungen, musst aber aktiv das Liquidationsrisiko managen. Für Einsteiger gilt daher: Starte mit kleinen Beträgen, verstehe die Mechanik hinter dem Health Factor und nutze nur Gelder, die du kurzfristig zurückzahlen kannst, falls der Markt gegen dich läuft. So wird Borrowing Power zu einem flexiblen Werkzeug für deine persönliche Finanzstrategie.
Fazit
Borrowing Power zeigt das Potenzial dezentraler Finanzsysteme. Wer in DeFi einsteigt, sollte die Mechanik dahinter verstehen und nur auf geprueften Plattformen agieren. Die Technologie entwickelt sich schnell weiter, daher lohnt es sich, auf dem Laufenden zu bleiben.
Haeufig gestellte Fragen zu Borrowing Power
Welches Problem loest Borrowing Power?
Borrowing Power adressiert spezifische Herausforderungen im Krypto-Oekosystem. Borrowing Power ist der maximale Kreditbetrag, den du durch hinterlegte Kryptowerte als Sicherheit aufnehmen kannst. Das Projekt unterscheidet sich durch seinen technischen Ansatz und seine Anwendungsfaelle von anderen Kryptowaehrungen auf dem Markt.
Wo kann ich Borrowing Power kaufen?
Borrowing Power ist auf verschiedenen Krypto-Boersen erhaeltlich. Regulierte Plattformen wie Bitvavo bieten einen einfachen Einstieg mit niedrigen Gebuehren. Achte bei der Wahl der Boerse auf Sicherheitsstandards, Lizenzierung und die verfuegbaren Zahlungsmethoden.
Wie unterscheidet sich Borrowing Power von Bitcoin?
Waehrend Bitcoin als digitales Wertaufbewahrungsmittel konzipiert ist, verfolgt Borrowing Power einen anderen Ansatz. Die Unterschiede liegen in der Technologie, dem Konsensmechanismus, der Transaktionsgeschwindigkeit und dem primaeren Anwendungsfall. Beide Projekte koennen unterschiedliche Rollen in einem diversifizierten Portfolio spielen.
Vorteile & Nachteile
Vorteile
- +Sofortige Liquidität ohne Verkauf der Krypto-Assets
- +Keine Schufa-Prüfung oder Einkommensnachweise nötig
- +Flexibel zurückzahlbar und oft ohne Laufzeit
- +Behalten des Upside-Potenzials bei Kurssteigerungen
Nachteile
- -Hohes Liquidationsrisiko bei Kursrückgängen
- -Überbesicherung erforderlich (nur 50-75% des Werts auszahlbar)
- -Variable Zinsen können schnell steigen
- -Steuerliche Komplexität und Dokumentationspflicht in Deutschland
Fun Fact
Die ersten Krypto-Kredite wurden 2018 auf MakerDAO mit Ether als Sicherheit aufgenommen – heute sind es Milliarden.
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Über die Autorin

Gründerin & Chefredakteurin — Bitcoin & Ethereum, Krypto-Steuern