Die Ratingagentur Moody's hat eine Anleihe im Volumen von bis zu 100 Millionen Dollar bewertet, die mit Bitcoin als Sicherheit hinterlegt ist. Dabei wird der Kryptowährung ein Abschlag von 28 Prozent auf den Marktwert angerechnet – ein Pionierschritt für die Institutionalisierung von Krypto-Krediten.
Das steckt hinter der Bewertung von Bitcoin als Kreditsicherheit
Am 31. März 2026 hat Moody's Investors Service ein vorläufiges Rating für bis zu 100 Millionen Dollar steuerpflichtiger Umsatzanleihen vergeben. Diese Anleihen dienen als Sicherheit für ein Darlehen an den NH CleanSpark Borrower Trust 2026-1, wobei Bitcoin als Pfand hinterlegt wird. Das Volumen von 100 Millionen Dollar markiert dabei eine neue Größenordnung für Krypto-gesicherte Schuldtitel im institutionellen Bereich.
Das Waverose Finance Project fungiert hier als Emissionsvehikel, das die Anleihen begeben und das Kapital an den Trust weiterleitet. Die Konstruktion ermöglicht es, das Kreditrisiko auf das Kollateral zu isolieren und gleichzeitig die rechtlichen Konstruktionen zu schaffen, die institutionelle Investoren erwarten.
Die Agentur vergibt hierfür die Note Ba2, die im spekulativen Bereich eingestuft wird und ein moderates Kreditrisiko signalisiert. Im Rating-System von Moody's fällt Ba2 in die Kategorie der sogenannten Junk Bonds, was bedeutet, dass die Anlage spekulativen Charakter hat und höhere Risiken birgt als Investment-Grade-Papiere. Dennoch zeigt die Einstufung, dass traditionelle Finanzakteure bereit sind, mit Krypto-Kollateral zu arbeiten, sofern angemessene Risikopuffer vorhanden sind. Das vorläufige Rating deutet darauf hin, dass die endgültige Einstufung von der tatsächlichen Performance und der Marktentwicklung abhängt.
Zentral ist der sogenannte Haircut von 28 Prozent, also ein Bewertungsabschlag auf den Marktwert der hinterlegten Kryptowährung. Für jeden Dollar Kreditwert wird dem Bitcoin-Bestand lediglich ein Wert von 72 Cent anerkannt, um die typische Kursvolatilität abzupuffern. Dieser Abschlag definiert gleichzeitig die Triggerpunkte für Zwangsverkäufe, die greifen, sollte der Wert des Kollaterals unter einen bestimmten Schwellenwert fallen.
Diese Bewertungsmethode etabliert erstmals transparente Parameter, unter denen traditionelle Finanzinstitute mit digitalen Assets als Sicherheit arbeiten können. Der Haircut bildet eine Risikoprämme für die Preisschwankungen, die bei Bitcoin historisch deutlich höher ausfallen als bei traditionellen Sicherheiten wie Staatsanleihen oder Immobilien.
Warum TradFi-Krypto-Kredite gerade neu bewertet werden
Die Einstufung durch einen etablierten Ratingriesen markiert einen Wendepunkt für die Integration von Krypto in klassische Finanzprodukte. Bisher fehlte es an standardisierten Risikobewertungen für digitale Währungen als Sicherheit, was institutionelle Anleger abschreckte. Die fehlende Vergleichbarkeit mit etablierten Assetklassen verhinderte bisher die breite Aufnahme von Krypto in konservative Portfolios.
Der 28-Prozent-Abschlag spiegelt nun die akzeptierte Volatilität wider und definiert gleichzeitig die Liquidationsschwellen, bei denen Zwangsverkäufe ausgelöst werden. Diese Mechanik schafft Planungssicherheit für Investoren, da sie genau kalkulieren können, bei welchem Kursniveau die Sicherheit verwertet wird, ohne das gesamte Portfolio zu gefährden. Die klaren Regeln reduzieren das Kontrahentenrisiko und machen das Produkt für institutionelle Käufer von Anleihen attraktiv.
Die Anleihen gelten als steuerpflichtige Umsatzanleihen, was bedeutet, dass die Rückzahlung aus den Einnahmen des zugrunde liegenden Geschäftsmodells erfolgt. Im Falle von CleanSpark fließen die Einnahmen aus dem Bitcoin-Mining in die Rückzahlung der Anleihen, während das Kollateral als zusätzliche Sicherheit dient.
CleanSpark, ein bekannter Bitcoin-Miner mit operativen Einrichtungen in Nordamerika, fungiert hier als Kreditnehmer und zeigt, wie Mining-Unternehmen ihre BTC-Bestände als Finanzierungsinstrument nutzen können. Das Unternehmen betreibt spezialisierte Rechenzentren, die durch energieintensive Prozesse neue Bitcoin generieren. Statt diese Bestände zu verkaufen, um operative Kosten zu decken oder neue Hardware zu finanzieren, können Firmen nun ihre BTC als Kollateral einsetzen und gleichzeitig an einer Wertsteigerung partizipieren. Diese Strategie erlaubt es, Langfrist-Investitionen zu halten, während gleichzeitig Liquidität für laufende Geschäftstätigkeiten wie Stromrechnungen und Equipment-Upgrades generiert wird.
Das Modell könnte Schule machen für andere Branchenteilnehmer, die bisher zögerten, Krypto-Bestände zu hypothekieren. Die Etablierung eines marktüblichen Haircuts von 28 Prozent gibt einen Orientierungsrahmen vor, wie zukünftige Krypto-Kredite strukturiert werden müssen, um Investment-Grade-Qualitätsansprüchen zu genügen.
Fazit: Worauf es bei Bitcoin-Krediten jetzt ankommt
Die Moody's-Bewertung etabliert Bitcoin endgültig als institutionell anerkanntes Kollateral, allerdings mit deutlichen Abschlägen. Der 28-Prozent-Haircut wird wahrscheinlich als Benchmark für weitere Krypto-gesicherte Finanzierungen dienen und könnte ähnliche Bewertungen bei anderen Kryptowährungen auslösen. Analysten erwarten, dass weitere Ratingagenturen ähnliche Modelle entwickeln werden, um den wachsenden Markt für Krypto-Kredite zu bewerten. Für den Markt bedeutet dies eine Professionalisierung der Kreditvergabe, die bisher oft intransparenten Over-the-Counter-Deals vorbehalten war.
Das Rating berücksichtigt dabei nicht nur den aktuellen Marktpreis, sondern auch die Liquiditätsrisiken und die technischen Besonderheiten von Bitcoin-Transaktionen. Die Definition klarer Liquidationsschwellen schafft Vertrauen bei institutionellen Anlegern, die bisher vor der Unberechenbarkeit von Krypto-Märkten zurückscheuten.
Für Anleger bedeutet dies, dass die Brücke zwischen traditioneller Finanz und Krypto enger wird, aber die Risikoprämien hoch bleiben. Die definierten Liquidationstrigger schützen vor Totalverlusten, machen aber auch deutlich, dass Bitcoin als Kreditsicherheit weiterhin als spekulativ eingestuft wird. Wer mit Bitcoin liquide bleiben will, ohne die Position zu schließen, muss diese Abschläge und die damit verbundenen Zwangsverkaufsrisiken akzeptieren.
Quelle: CryptoSlate




