David Sacks verlässt den Posten als White House AI and Crypto Czar und wechselt in den President's Council of Advisors on Science and Technology.
Vom spezialisierten Coordinator zum strategischen Berater
David Sacks hat am Donnerstag, dem 26. März 2026, den Wechsel von seiner Position als AI and Crypto Czar im Weißen Haus in den President's Council of Advisors on Science and Technology (PCAST) offiziell bestätigt. Damit gibt er die zentrale Koordinierungsrolle für Krypto- und Künstliche-Intelligenz-Politik auf und übernimmt stattdessen ein Mandat im übergeordneten wissenschaftlich-technologischen Beratungsgremium des US-Präsidenten. Die Position des AI and Crypto Czar war als Schnittstelle zwischen verschiedenen Regierungsbehörden geschaffen worden, um eine kohärente Strategie für digitale Assets und KI-Technologien jenseits der Zuständigkeiten einzelner Aufseher wie der SEC oder CFTC zu entwickeln.
Der Wechsel in den PCAST stellt eine deutliche Veränderung der Aufgabenbeschreibung dar. Während der Czar-Posten auf operativer Ebene zwischen regulatorischen Stellen vermittelte und kurzfristige politische Entscheidungen begleitete, operiert der PCAST auf strategischer Meta-Ebene. Das Gremium setzt sich traditionell aus externen Experten aus Wissenschaft, Industrie und Technologie zusammen und berät den Präsidenten zu langfristigen Forschungsprioritäten und technologischen Wettbewerbsfähigkeiten. Sacks wird dort nicht mehr die tägliche Abstimmung von Regulierungsfragen zu Bitcoin oder Ethereum übernehmen, sondern vielmehr Empfehlungen zu grundlegenden technologischen Entwicklungen erarbeiten.
Der President's Council of Advisors on Science and Technology fungiert traditionell als externer Think Tank auf höchster Ebene. Die Mitglieder werden typischerweise aus dem akademischen Bereich, der Industrie und der Forschung rekrutiert und beraten den Präsidenten unabhängig von den täglichen politischen Abläufen. Diese Struktur unterscheidet sich fundamental von der integrierten Rolle eines Czars, der direkt innerhalb der administrativen Struktur des Weißen Hauses agiert und kurzfristige Entscheidungen koordinieren kann. Für Sacks bedeutet dieser Wechsel den Übergang von einem operativen Management-Job zu einer eher beratenden Funktion, die zwar prestigeträchtig ist, aber weniger direkten Einfluss auf tägliche regulatorische Entscheidungen ermöglicht.
Diese Verlagerung von der operativen Politikgestaltung hin zur strategischen Beratung bedeutet für die Krypto-Industrie einen Verlust der direkten Anbindung an die Exekutive. Unter Sacks hatte die Position des Crypto-Czars eine klare Adresse für Unternehmen geschaffen, die sich mit Smart Contracts und dezentralen Finanzprotokollen beschäftigen. Die Koordinationsrolle war besonders wichtig, da die Zuständigkeiten für digitale Währungen in den USA zwischen der Securities and Exchange Commission, der Commodity Futures Trading Commission und dem Finanzministerium aufgeteilt sind. Ohne diese zentrale Figur droht eine Rückkehr zu fragmentierten regulatorischen Prozessen, bei denen Unternehmen wieder zwischen verschiedenen Aufsichtsbehörden hin und her geschickt werden.
Was der Abschied für die US-Krypto-Strategie bedeutet
Die Nachricht über den Abschied Sacks' löst unmittelbar Diskussionen über die Kontinuität und Priorisierung der US-Krypto-Politik aus. Die Branche hatte sich an die Existenz eines direkten Vertreters im Weißen Haus gewöhnt, der als erster Ansprechpartner für Fragen zu DeFi-Regulierung, Stablecoin-Oversight und Banking-Integration von Krypto-Firmen fungierte. Mit dem Wechsel in den PCAST stellt sich die Frage, wer diese Schnittstellenfunktion nun übernimmt und ob die bisherige pragmatische Linie der Regierung zu digitalen Assets fortgeführt oder durch eine stärker akademisch geprägte Sichtweise ersetzt wird.
Betrachter deuten darauf hin, dass die Verlegung in das Wissenschaftsberatungsgremium zwar das Ende der spezifischen Czar-Rolle markiert, Sacks aber weiterhin indirekten Einfluss auf Technologiepolitik behält. Allerdings verschiebt sich der Fokus von der unmittelbaren Gestaltung von Rahmenbedingungen für Krypto-Investments hin zu langfristigen Fragen der technologischen Infrastruktur und Innovationssicherung. Für Investoren und Unternehmen bedeutet dies eine Phase der Unsicherheit bezüglich der direkten Kommunikationskanäle zur Regierung.
Die Reaktionen aus der Krypto-Community fallen gemischt aus. Einige Akteure befürchten, dass ohne einen zentralen Verfechter im Weißen Haus die Interessen der digitalen Asset-Branche bei Gesetzgebungsprozessen zurückfallen könnten. Andere sehen in der Aufwertung in den PCAST jedoch eine Chance, Blockchain-Technologie als fundamentale Infrastruktur zu positionieren, die über reine Finanzspekulation hinausgeht. Die tatsächliche Auswirkung wird maßgeblich davon abhängen, ob die neue Positionierung von Sacks dazu führt, dass Krypto-Themen stärker in den Kontext nationaler Sicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und technologischer Souveränität eingeordnet werden.
Kritiker sehen in dem Schritt eine mögliche Schwächung der spezifischen Krypto-Expertise innerhalb der täglichen Regierungsarbeit. Sie argumentieren, dass die Integration von Blockchain-Themen in den breiten PCAST-Agenda die Dringlichkeit spezifischer regulatorischer Lösungen verringern könnte. Befürworter hingegen interpretieren den Schritt als Signal für eine Normalisierung digitaler Assets, die nun als etablierte Technologie in der breiten Wissenschaftslandschaft verankert werden. Die tatsächliche Auswirkung wird davon abhängen, ob und wer eine Nachfolge als dedizierter Koordinator für Krypto-Fragen antritt und wie diese Person gegenüber tokenisierten Assets und dezentralen Systemen positioniert ist.
Fazit: Strategische Verlagerung mit ungewissem Ausgang für die Branche
Der Wechsel von David Sacks vom AI and Crypto Czar in den PCAST markiert eine klare Zäsur in der US-Technologiepolitik. Die spezialisierte Koordinationsstelle für digitale Währungen verliert damit ihren prominenten Kopf, während Sacks auf strategischer Ebene weiterhin Einfluss nimmt. Die kommenden Wochen werden entscheiden, ob die Regierung diese Lücke mit einer Nachfolgeregelung schließt oder ob die Krypto-Politik künftig wieder stärker zwischen einzelnen Behörden fragmentiert bleibt.
Quelle: CoinDesk




