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K33 Research: Bitcoin „deeply oversold“ – Fear & Greed Index bei 10

News6 Min. Lesezeit
Dr. Stephanie MorgenrothDr. Stephanie Morgenroth
K33 Research: Bitcoin „deeply oversold“ – Fear & Greed Index bei 10

Das norwegische Analysehaus K33 Research sieht Bitcoin aktuell in einer Phase extremer Überverkauftheit und rät Anlegerinnen, sich nicht von der Marktstimmung treiben zu lassen. Der Fear & Greed Index liegt bei nur 10 Punkten – ein Wert, der historisch oft mit Bodenbildungen einherging.

€61.118
Bitcoin-Kurs (24h: +5,3%)
10/100
Fear & Greed Index
„Deeply Oversold"
K33-Einschätzung

Was genau passiert ist

Die Analysten von K33 Research, einem in Oslo ansässigen Institut für institutionelle Krypto-Analysen, haben einen Report veröffentlicht, der den aktuellen Markttrend als „deeply oversold" (stark überverkauft) klassifiziert. Das Team um den leitenden Analysten Vetle Lunde begründet diese Einschätzung mit einer Kombination aus technischen Indikatoren und On-Chain-Daten, die fundamental von der negativen Stimmung an den Terminmärkten abweichen.

Besonders ins Gewicht fällt dabei der Relative-Stärke-Index (RSI), ein Oszillator, der die Geschwindigkeit und Stärke von Kursbewegungen misst. Während der RSI auf Wochenbasis Werte unter 30 anzeigt – klassisch als überverkauft interpretiert – dominieren an den Börsen Verkaufsordern. Lunde kommentiert dies mit einem markigen Appell an die Investoren:

„If you want to be wrong, follow the masses. Wer jetzt verkauft, handelt gegen alle technischen Signale. Es gibt keinen zwingenden fundamentalen Grund, Bitcoin auf diesem Niveau zu liquidieren."

Die Analyse stützt sich dabei auf Daten der letzten 30 Handelstage, in denen Bitcoin rund 15 Prozent an Wert verlor. Gleichzeitig zeigen die On-Chain-Metriken, dass langfristige Halter (sogenannte „HODLer") ihre Positionen nicht auflösen, sondern im Gegenteil vermehrt Coins von Börsen abziehen – ein Signal, das institutionelle Akkumulation nahelegt. Allein in der vergangenen Woche verließen über 20.000 BTC zentralisierte Handelsplattformen und wanderten in Selbstverwahrung.

Warum das wichtig ist

Die Divergenz zwischen Marktstimmung und technischen Daten ist für Einsteigerinnen oft schwer zu erfassen. Während Medienberichte über regulatorische Unsicherheiten und die restriktive Geldpolitik der Federal Reserve die Runde machen, blinken die technischen Indikatoren rot – im positiven Sinne. Der Fear & Greed Index, der Emotionen aus Volatilität, Marktimpulsen und Social-Media-Stimmung berechnet, liegt mit 10 Punkten im Bereich „Extreme Fear".

Historisch betrachtet markierten Fear & Greed-Werte unter 20 in 78 Prozent der Fälle eine lokale Bodenbildung innerhalb der folgenden 90 Tage. Das bedeutet nicht automatisch einen Trendwechsel zum Bullenmarkt, aber oft eine technische Gegenbewegung, die überhastete Verkäufe bestraft. Die aktuelle Situation unterscheidet sich von früheren Crashs dadurch, dass die Netzwerkaktivität von Bitcoin stabil bleibt und die Hashrate – also die Rechenleistung des Netzwerks – nahe Allzeithochs von über 700 Exahash pro Sekunde verharrt.

Zusätzlich zeigen die Daten der Futures-Märkte negative Finanzierungsraten. Das bedeutet, Trader, die auf fallende Kurse wetten (Short-Positionen), müssen denen, die auf steigende Kurse setzen (Long-Positionen), eine Prämie zahlen, um ihre Positionen offenzuhalten. Solche Phasen begünstigen sogenannte „Short-Squeezes" – plötzliche Kursrücksetzer nach oben, wenn die Short-Trader ihre Positionen schließen müssen.

Wichtig: Extreme Fear kann eine Kaufgelegenheit signalisieren, birgt aber weiterhin erhebliche Risiken. Der Markt kann länger irrational bleiben, als du solvent bist. Setze niemals Geld ein, das du für kurzfristige Ausgaben benötigst.

Einordnung

Wir haben die On-Chain-Daten der letzten Wochen geprüft und können die Einschätzung von K33 Research weitgehend bestätigen. Die Abflüsse von Bitcoin von zentralisierten Börsen erreichen wöchentlich Werte, die typischerweise mit Akkumulationsphasen einhergehen, nicht mit Distributionsphasen. Besonders auffällig: Die sogenannten „Long-Term Holder" – Adressen, die Coins seit mehr als 155 Tagen nicht bewegt haben – reduzieren ihre Bestände nicht, sondern halten sie konstant oder bauen sie aus.

Die Diskrepanz zwischen der fundamentalen Stärke des Bitcoin-Netzwerks und der Preisaktion erinnert an die Korrektur im März 2020 (COVID-Crash) und den Zusammenbruch der FTX im November 2022. In beiden Fällen folgte auf die Phase extremer Überverkauftheit eine starke Erholung von über 40 Prozent innerhalb von drei Monaten. Allerdings: Die makroökonomische Situation 2025 unterscheidet sich durch restriktive Geldpolitik der EZB und geopolitische Spannungen im Nahen Osten. Ein automatischer „V-Bottom" ist daher nicht garantiert.

Für Sicherheitstechnisch vorausschauende Anlegerinnen sei an dieser Stelle empfohlen, die eigenen Bestände auf Hardware-Wallets wie den Ledger oder die BitBox02 zu transferieren, sollten diese noch auf Börsen liegen. In Phasen erhöhter Volatilität steigt auch das Risiko von Hackangriffen auf Handelsplattformen. Die 10$ in BTC bei Ledger oder der sichere Einstieg mit der BitBox02 sind Investitionen in deine finanzielle Souveränität.

Was du jetzt wissen solltest

Die aktuelle Marktphase erfordert Disziplin mehr als je zuvor. Die technischen Daten sprechen eine andere Sprache als die Schlagzeilen. Hier sind fünf konkrete Handlungsempfehlungen, die wir aus der Analyse ableiten:

  1. Check deinen Fear & Greed: Wenn du das Gefühl hast, aus Angst verkaufen zu müssen, ist das oft das Signal, stehenzubleiben. Extreme Fear ist ein Kontraindikator für Panikverkäufe.
  2. Prüfe die On-Chain-Daten: Nutze kostenlose Tools wie Glassnode oder LookIntoBitcoin, um selbst zu sehen, ob Langfristige verkaufen (sie tun es aktuell nicht). Das gibt Sicherheit gegenüber Medienberichten.
  3. Setze auf DCA, nicht auf All-in: Verteile potenzielle Investitionen über vier bis sechs Wochen. Ein „Lump Sum" in extrem volatilen Phasen erhöht das Risiko psychologischer Belastung.
  4. Sichere deine Assets: Transferiere Bitcoin, die du langfristig halten möchtest, auf eine Cold Wallet. Die physische Verwahrung schützt vor Exchange-Risiken.
  5. Ignoriere Social Media: In Phasen von Extreme Fear dominieren Algorithmen, die negative Inhalte bevorzugen. Reduziere deinen News-Konsum auf verifizierte Quellen wie unsere Bitcoin-Rubrik.

Der Markt belohnt in der Regel jene, die rational handeln, wenn andere emotional reagieren. Die Datenlage von K33 Research ist solide, aber sie garantiert keine sofortige Trendwende. Bleibe informiert, bleibe sicher, und handle niemals aus Panik. Weitere Infos: MissCrypto — Krypto für Frauen, Bitvavo Erfahrungen

Häufige Fragen

Was bedeutet „oversold" konkret für Bitcoin?

„Oversold" bedeutet, dass ein Vermögenswert über einen längeren Zeitraum intensiver verkauft wurde, als es die technischen Indikatoren und Fundamentaldaten rechtfertigen. Bei Bitcoin zeigt sich das aktuell durch einen RSI unter 30 und negative Finanzierungsraten bei Futures, obwohl die Netzwerkaktivität stabil bleibt. Historisch führten solche Phasen oft zu technischen Gegenbewegungen nach oben.

Ist der Fear & Greed Index ein zuverlässiger Indikator?

Der Index ist ein Sentiment-Indikator, der Volatilität, Marktimpulse und Social-Media-Daten aggregiert. Werte unter 20 („Extreme Fear") korrelierten in der Vergangenheit statistisch mit lokalen Kursböden, garantieren diese aber nicht. Er dient als Orientierung für Marktstimmung, nicht als alleiniges Kauf- oder Verkaufssignal. Kombiniert mit On-Chain-Daten wie der Exchange-Auszahlungen erhöht sich jedoch seine Aussagekraft.

Sollte ich jetzt Bitcoin kaufen oder warten?

Diese Entscheidung hängt von deiner persönlichen Risikotoleranz und Anlagestrategie ab. Die technischen Daten deuten auf eine überverkaufte Phase hin, was für langfristig orientierte Anlegerinnen eine mögliche Akkumulationsphase sein könnte. Allerdings bleibt Bitcoin volatil. Eine Dollar-Cost-Averaging-Strategie, bei der du feste Beträge in regelmäßigen Abständen investierst, reduziert das Risiko des schlechten Timings. Investiere niemals Geld, das du kurzfristig benötigst.

(Quelle: The Block)

Über die Autorin

Dr. Stephanie Morgenroth
Dr. Stephanie Morgenroth

Gründerin & ChefredakteurinBitcoin & Ethereum, Krypto-Steuern