Was ist Distributed Ledger?
Warum verteilte Register mehr sind als nur Blockchains und wie sich die Begriffe sauber abgrenzen lassen
Definition
Ein Distributed Ledger ist ein verteiltes Register, das auf mehrere Teilnehmer oder Systeme verteilt geführt und synchronisiert wird.
Ein Distributed Ledger (verteiltes Kontenbuch) ist eine Datenbank, die über mehrere Nodes synchronisiert wird, ohne dass eine zentrale Instanz die Daten kontrolliert. Blockchain ist die bekannteste Form, aber nicht die einzige. Auch DAGs (IOTA), Hashgraph (Hedera) und Holochain zählen zu den Distributed-Ledger-Technologien (DLT). Der globale DLT-Markt liegt 2025 bei rund 7,9 Mrd. USD und soll bis 2035 auf über 75 Mrd. USD wachsen (CAGR ca. 25 %).
DLT-Typen im Vergleich
| Typ | Beispiele | Struktur | Stärke |
|---|---|---|---|
| Blockchain | Bitcoin, Ethereum | Lineare Blockkette | Maximale Dezentralisierung, bewährt |
| DAG | IOTA, Nano | Gerichteter azyklischer Graph | Gebührenfrei, hoher Durchsatz |
| Hashgraph | Hedera | Gossip-Protokoll + Virtual Voting | Extrem günstig (~0,0001 USD/Tx) |
| Holochain | Holochain | Agent-zentriert, eigene Ketten | Skaliert mit Nutzerzahl |
Alle DLT-Typen teilen das Grundprinzip: Daten werden redundant auf vielen Knoten gespeichert, Änderungen erfordern einen Konsens. Der Unterschied liegt in der Datenstruktur und dem Konsensmechanismus. Blockchains nutzen Proof of Work oder Proof of Stake, Hashgraph setzt auf Virtual Voting, DAGs validieren Transaktionen gegenseitig.
DLT in der Finanzbranche
Die traditionelle Finanzwelt setzt zunehmend auf DLT für Wertpapierabwicklung und Tokenisierung. Die Deutsche Börse betreibt die D7-Plattform mit über 600.000 elektronischen Emissionen und einem Gesamtwert von über 20 Mrd. EUR. Im zweiten Halbjahr 2026 sollen auch elektronische Aktien folgen. Die SIX Digital Exchange (Schweiz) hat bisher 6 digitale Bonds mit über 750 Mio. CHF Nominalwert emittiert, abgerechnet in Wholesale-CBDC. In den USA erhielt die DTCC im Dezember 2025 einen SEC-No-Action-Letter für die Tokenisierung von Russell-1000-Aktien und großen ETFs, der Rollout startet in der zweiten Hälfte 2026.
Deutschland: eWpG und Bundesbank
Mit dem elektronischen Wertpapiergesetz (eWpG, seit Juni 2021) können Inhaberschuldverschreibungen und Pfandbriefe rein elektronisch auf einer Blockchain begeben werden, ohne physische Urkunde. Die BaFin erteilt dafür die Erlaubnis zur Kryptowertpapierregisterführung. Aktien sind bisher noch nicht möglich, die Erweiterung ist aber geplant. Die Bundesbank testet mit der "Trigger-Lösung" eine technische Brücke zwischen DLT-Plattformen und dem TARGET-Zahlungssystem des Eurosystems. Projekt "Pontes" als Kurzfristlösung soll im dritten Quartal 2026 starten. Im Enterprise-Bereich nutzen Unternehmen wie R3 (Corda) und ConsenSys (Quorum) permissioned DLTs, die im Gegensatz zu öffentlichen Blockchains den Zugang auf autorisierte Teilnehmer beschränken. R3 Corda wird unter anderem von Euroclear, der Zentralbank der VAE und dem italienischen Bankenverband Spunta Banca DLT eingesetzt.
EU DLT Pilot Regime
Die EU startete im März 2023 das DLT Pilot Regime als regulatorische Sandbox für tokenisierte Wertpapiere. Bis 2025 wurden allerdings nur 3 Infrastrukturen autorisiert, die Live-Handelsaktivität war minimal. Ein Reformpaket vom Dezember 2025 hob die Obergrenze von 6 Mrd. auf 100 Mrd. EUR an, entfernte produktspezifische Schwellen und erlaubte kombinierte MTF/OTF-Modelle. Die ESMA empfiehlt, das Regime dauerhaft zu machen. In Deutschland wurde 360X AG im April 2025 als erste MTF unter dem Pilot Regime autorisiert.
DLT ist der Oberbegriff, Blockchain die bekannteste Umsetzung. Für die meisten Krypto-Anleger ist die Unterscheidung akademisch, aber im Enterprise-Bereich nutzen Banken und Börsen bewusst verschiedene DLT-Typen für unterschiedliche Anforderungen.
IOTA Rebased und Hedera: DLT jenseits der Blockchain
IOTA launchte im Mai 2025 das Rebased-Mainnet als High-Performance Layer-1-Blockchain (Migration vom alten DAG-Modell). Drei Länder deployen bereits auf dem IOTA-Mainnet via ADAPT, fünf weitere laufen als Pilotprogramme. Hedera hat über 5 Mrd. USD in tokenisierten Gewerbeimmobilien auf der Plattform und arbeitet mit NVIDIA an Verifiable Compute für souveräne KI. Wyoming brachte den ersten US-Staats-Stabletoken (FRNT) live auf Hedera.
Public vs. Permissioned DLT
Die Unterscheidung zwischen öffentlichen und privaten DLTs ist zentral: Öffentliche DLTs wie Bitcoin und Ethereum sind für jeden zugänglich, jeder kann Transaktionen lesen und validieren. Permissioned DLTs wie Corda oder Hyperledger Fabric beschränken den Zugang auf autorisierte Teilnehmer, bieten dafür aber höhere Transaktionsgeschwindigkeiten und Datenschutz. Für regulierte Finanzinstitute ist die Zugangskontrolle oft eine regulatorische Voraussetzung. Der Trend geht zunehmend zu hybriden Modellen, die Elemente beider Ansätze kombinieren. JPMorgan Onyx positioniert sich beispielsweise für "Atomic Settlement", also die sofortige Abwicklung von Wertpapiertransaktionen ohne Clearing-Verzögerung.
Häufige Fragen zu Distributed Ledger
Was ist der Unterschied zwischen DLT und Blockchain?
DLT (Distributed Ledger Technology) ist der Oberbegriff für alle verteilten Datenbanken. Blockchain ist eine spezifische Form von DLT, bei der Daten in linear verketteten Blöcken gespeichert werden. Andere DLT-Formen wie DAGs oder Hashgraph verwenden andere Datenstrukturen.
Nutzen Banken bereits DLT?
Ja. Die Deutsche Börse (D7) hat über 20 Mrd. EUR in elektronischen Emissionen, die SIX Digital Exchange in der Schweiz wickelt digitale Bonds in Wholesale-CBDC ab, und die DTCC in den USA startet 2026 mit tokenisierten Aktien und ETFs.
Können in Deutschland Wertpapiere auf einer Blockchain ausgegeben werden?
Ja, seit dem eWpG (Juni 2021) können Inhaberschuldverschreibungen und Pfandbriefe rein elektronisch auf einer Blockchain begeben werden. Aktien sind bisher noch nicht möglich, die Erweiterung ist geplant.
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Über die Autorin

Dr. Stephanie Morgenroth
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