Makroökonomin Lyn Alden erwartet, dass Bitcoin in den kommenden zwei bis drei Jahren eine bessere Performance als Gold zeigen wird. Ihre Analyse basiert auf einem extremen Kontrast: Während Gold aktuell euphorische Kurse feiert, wird Bitcoin von Investoren ungewöhnlich pessimistisch bewertet.
Was genau passiert ist
Lyn Alden hat in einem aktuellen Interview ihre Markteinschätzung präsentiert. Die unabhängige Makroökonomin und Investment-Strategin, bekannt für ihre fundierten Analysen von Geldpolitik und Vermögenswerten, sieht einen klaren Performance-Vorsprung für Bitcoin gegenüber dem gelben Metall.
Der entscheidende Hinweis liegt im Sentiment. Alden beschreibt die Stimmung rund um Gold als „somewhat euphoric“ – also teilweise euphorisch. Das Edelmetall notiert nahe Allzeithochs und erlebt hohe Nachfrage durch Zentralbanken. Gleichzeitig betrachtet sie die Stimmung bei Bitcoin als „somewhat unfairly negative“ – ungewöhnlich ungerecht negativ.
Diese Einschätzung resultiert aus jahrelanger Beobachtung globaler Kapitalströme. Alden hat wiederholt betont, dass Bitcoin in Phasen monetärer Unsicherheit zunächst unter Druck gerät, während Gold sofort als Fluchtburg dient. Doch sobald Liquidität zurück in den Markt fließt, zeigt Bitcoin typischerweise stärkere Elastizität nach oben. Dieses Muster wiederholte sich in vergangenen Zyklen nach Mining-Anpassungen.
Diese Divergenz im Sentiment spiegelt sich auch in den Kapitalströmen wider. Während institutionelle Anleger verstärkt in Gold-ETFs investieren, zeigen On-Chain-Daten eine Akkumulationsphase bei Bitcoin, bei der langfristige Halter ihre Positionen ausbauen. Alden interpretiert dies als klassisches Zeichen einer Bodenbildung, bei der schwache Händler an starke übergeben.
„Gold has somewhat euphoric sentiment around it, while Bitcoin is being treated somewhat unfairly negative.“ — Lyn Alden, Makroökonomin
Warum das wichtig ist
Diese Divergenz im Sentiment ist für strategische Investoren relevant. Extremer Pessimismus bei gleichzeitig soliden Fundamentdaten deutet historisch oft auf Bodenbildungsphasen hin. Der Fear & Greed Index für Bitcoin liegt aktuell bei 18 – das signalisiert extreme Angst im Markt.
Gold hingegen profitiert von seiner Rolle als klassischer Krisenschutz. Die Unsicherheit durch geopolitische Spannungen und Inflationssorgen treibt Anleger in den als sicher geltenden Wert. Doch genau diese Überfrachtung birgt Risiken für kurzfristige Korrekturen.
Darüber hinaus spielt die Demografie eine Rolle. Jüngere Investoren bevorzugen digitale Assets, während ältere Generationen physisches Gold schätzen. Diese schleichende Generationenverschiebung begünstigt langfristig Bitcoin, da Vermögen transferiert wird und neue Anleger andere Präferenzen haben.
Zudem unterscheiden sich die Liquiditätsprofile fundamental. Gold wird physisch gehandelt und gelagert, was bei Krisen zu Engpässen führen kann. Bitcoin operiert 24/7 mit globaler Erreichbarkeit über DeFi-Infrastrukturen. Diese technische Überlegenheit in puncto Transferierbarkeit könnte in turbulenten Zeiten zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Ein weiterer Faktor ist die programmierbare Knappheit von Bitcoin. Während Gold neue Fördermethoden erschließen kann, ist das Bitcoin-Angebot mathematisch auf 21 Millionen begrenzt. Diese absolute Knappheit, kombiniert mit dem Halving-Mechanismus, schafft einen deflationären Druck, den das gelbe Metall aufgrund seines stetigen Angebotswachstums nicht replizieren kann.
Wichtig: Eine Outperformance-Prognose ist keine Garantie für positive Renditen. Bitcoin kann Gold outperformen, indem er bei einem Kursverlust von 10 Prozent besser abschneidet als Gold mit minus 20 Prozent. Verluste sind in beiden Assetklassen möglich.
Einordnung
Aldens Zeitfenster von zwei bis drei Jahren ist kein Zufall. Dieser Zeitraum deckt sich mit typischen Zyklen der Bitcoin-Halving-Effekte und makroökonomischen Wendepunkten. Nach dem Halving im April 2024 befinden wir uns in der Akkumulationsphase, die historisch von hoher Volatilität geprägt war.
Der Vergleich zwischen Bitcoin und Gold zieht sich durch Aldens gesamtes Werk. Sie betrachtet Bitcoin als technologische Weiterentwicklung des Wertspeicherkonzepts. Während Gold physische Knappheit bietet, kombiniert Bitcoin digitale Knappheit mit programmierbarer Übertragbarkeit durch Smart Contracts. Diese technologische Komponente ermöglicht schnellere Anpassungen an Marktbedingungen – sowohl nach oben als auch nach unten.
Die aktuelle Marktphase zeichnet sich durch besondere Herausforderungen aus. Zentralbanken weltweit balancieren zwischen Inflationsbekämpfung und Wirtschaftswachstum. Alden vermutet, dass die Geldpolitik in den kommenden Quartalen wieder expansiver ausgerichtet werden muss. Solche Umgebungen haben historisch sowohl Gold als auch Bitcoin begünstigt, wobei Bitcoin aufgrund seiner geringeren Marktkapitalisierung stärkere prozentuale Bewegungen zeigt.
Risiken bleiben dennoch präsent. Regulatorische Unsicherheiten in den USA und Europa könnten Bitcoin kurzfristig belasten. Gold hingegen kämpft mit physischen Lieferengpässen und steigenden Nachweiskosten. Beide Assets erfordern daher ein aktives Risikomanagement und kontinuierliche Marktbeobachtung.
Die aktuelle Underperformance von Bitcoin gegenüber Gold seit Anfang 2024 verstärkt Aldens These. Ein Reversion-to-the-Mean-Effekt könnte zu einer überproportionalen Aufholjagd führen, sobald das makroökonomische Umfeld stabiler wird. Zudem profitiert Bitcoin von institutioneller Adoption durch ETF-Zuflüsse, während Gold bereits einen reifen Markt darstellt.
Die Integration von Bitcoin in traditionelle Finanzinfrastrukturen verstärkt zudem die Asymmetrie. Während Gold physisch umständlich zu handeln ist, ermöglichen Wallet-Lösungen und regulierte Märkte eine nahtlose Integration in digitale Depots. Diese Zugänglichkeit begünstigt bei jüngeren Anlegergenerationen eine strukturelle Nachfrageverschiebung, die langfristig die Outperformance unterstützt.
Für Einsteiger ist entscheidend: Alden argumentiert nicht für einen Totalverzicht auf Gold, sondern für eine relative Übergewichtung von Bitcoin in der kommenden Phase. Gold bleibt in ihren Portfolios als stabilisierender Faktor erhalten.
Was du jetzt wissen solltest
- Sentiment-Indikatoren beachten: Extreme Fear kann Kaufbereiche signalisieren, erfordert aber Nervenstärke und einen langen Anlagehorizont.
- Diversifikation wahren: Gold und Bitcoin erfüllen unterschiedliche Funktionen im Depot. Eine Entweder-Oder-Entscheidung ist selten sinnvoll.
- Zeitrahmen definieren: Aldens Prognose gilt für 24-36 Monate. Kurzfristige Schwankungen bleiben bei Bitcoin deutlich höher als bei Gold.
- Kosten im Blick behalten: Für Bitcoin fallen Netzwerkgebühren an, Gold kostet Lagerungsgebühren oder Spread beim Kauf. Rechne diese in deine Planung ein.
- Sichere Verwahrung: Wer Bitcoin zukauft, sollte Hardware-Wallets wie Ledger (10 Dollar in BTC geschenkt) oder BitBox02 nutzen, statt Coins auf Börsen zu lassen. Mehr zu Wallets findest du in unserem Lexikon.
Merke: Relevanz entsteht erst dann, wenn sich das Signal im Marktverhalten und in der Positionierung bestätigt.
Häufige Fragen
Warum prognostiziert Lyn Alden genau 2-3 Jahre?
Dieser Zeitraum deckt sich mit der typischen Wirkungsdauer eines Bitcoin-Halvings. Historisch zeigt Bitcoin 12-18 Monate nach dem Halving die stärksten Kursbewegungen. Zudem erwarten Ökonomen in diesem Fenster Zinssenkungen der Fed, die risikoreichere Assets wie Bitcoin typischerweise begünstigen.
Sollte ich jetzt mein Gold verkaufen und Bitcoin kaufen?
Das ist keine Anlageempfehlung. Alden argumentiert für eine relative Übergewichtung, nicht für einen Totalverkauf von Gold. Viele Experten empfehlen eine Aufteilung: Gold als Krisenversicherung, Bitcoin als technologisches Wachstumspotenzial. Deine persönliche Risikotoleranz entscheidet über die konkrete Gewichtung.
Was bedeutet „outperformen“ konkret?
Outperformen bedeutet eine relative Überlegenheit der Rendite. Selbst wenn beide Assets positive Renditen erzielen, gilt Bitcoin als Outperformer, wenn seine prozentuale Wertsteigerung die von Gold übertrifft. Umgekehrt kann Bitcoin auch bei fallenden Kursen outperformen, wenn er weniger stark fällt als Gold.
Quelle: Cointelegraph Weitere Infos: MissCrypto — Krypto für Frauen, Bitvavo Erfahrungen




