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Was ist Collateralization?

Wie Besicherung in DeFi bei Krediten und Stablecoins funktioniert

DeFiFortgeschritten4 Min. Lesezeit

Definition

Collateralization ist der Prozess, bei dem Vermögenswerte als Sicherheit hinterlegt werden, um Kredite, Handelspositionen oder Stablecoins abzusichern. In DeFi erfolgt die Besicherung automatisch über Smart Contracts.

Ohne Collateralization würde DeFi nicht funktionieren. Jeder Kredit, jeder Stablecoin, jede gehebelte Position basiert darauf, dass jemand Sicherheiten hinterlegt. Collateralization ist der Prozess, bei dem Vermögenswerte als Pfand in einem Smart Contract gesperrt werden, um Vertrauen durch Code zu ersetzen. Ohne Collateralization gäbe es kein DeFi-Lending, keine dezentralen Stablecoins und kein Crypto Lending.

Collateralization-Modelle

ModellBeispielCollateral-VerhältnisRisiko
Überbesichert (Over-collateralized)MakerDAO (DAI), Aave150-200 %Niedrig (Puffer bei Kursverlusten)
Voll besichert (1:1)USDC (Fiat-Reserve), USDT100 %Emittentenrisiko
Teilbesichert (Under-collateralized)Maple Finance, Goldfinch50-100 %Hoch (Kreditausfallrisiko)
AlgorithmischFrax (teilweise), ehem. USTVariabelSehr hoch (Depegging-Risiko)

Überbesicherung: Der DeFi-Standard

Die meisten DeFi-Protokolle arbeiten mit Überbesicherung: Du hinterlegst mehr Wert, als du leihst. Bei MakerDAO brauchst du mindestens 150 % Collateral, um den Stablecoin DAI zu prägen. Das klingt ineffizient (warum 150 EUR hinterlegen, um 100 EUR zu leihen?), ist aber nötig, weil Krypto-Preise stark schwanken. Der Puffer schützt das Protokoll und seine Nutzer vor Verlusten bei Kurseinbrüchen. In der Praxis halten erfahrene Nutzer ihr Collateral-Verhältnis bei 200-300 %, um auch bei plötzlichen Marktkorrekturen sicher zu sein.

Der Vorteil: Überbesicherte Systeme haben sich in mehreren Bärenmärkten bewährt. Aave, Compound und MakerDAO haben auch den Crash 2022 überstanden, ohne Nutzergelder zu verlieren. Das zeigt, dass das Modell funktioniert, auch wenn es nicht kapitaleffizient ist. Für Anleger bedeutet das: Überbesicherte Protokolle sind die sicherste Option, wenn du in DeFi Kredite aufnehmen oder Zinsen verdienen willst.

Stablecoin-Besicherung

Stablecoins zeigen die verschiedenen Collateralization-Modelle besonders deutlich. USDC von Circle ist 1:1 mit Fiat-Reserven (US-Dollar und kurzlaufende US-Staatsanleihen) besichert. DAI von MakerDAO ist überbesichert mit ETH, wBTC und anderen Krypto-Assets. UST von Terra war algorithmisch besichert und verlor im Mai 2022 seinen Peg komplett, Anleger verloren rund 40 Milliarden USD.

Die Lektion aus dem UST-Crash: Algorithmische Besicherung ohne ausreichende Reserve ist ein extrem riskantes Modell. Seit 2022 setzen die meisten neuen Stablecoin-Projekte auf klassische Überbesicherung oder Fiat-Reserven. Frax, einst teilweise algorithmisch, hat Ende 2023 auf volle Besicherung umgestellt. Die Branche hat aus dem Desaster gelernt: Transparente Collateralization mit regelmäßigen Audits ist heute Standard für neue Stablecoin-Projekte. Proof of Reserves, bei dem Projekte ihre Reserven öffentlich auf der Blockchain nachweisen, wird zunehmend von Nutzern und Regulierern eingefordert.

Under-Collateralized Lending: Die nächste Stufe

Protokolle wie Maple Finance und Goldfinch vergeben unterbesicherte Kredite an institutionelle Kreditnehmer. Statt 150 % Collateral zu verlangen, prüfen sie die Bonität des Kreditnehmers (ähnlich wie eine Bank) und verlangen weniger oder gar kein Collateral. Das ist kapitaleffizienter, birgt aber ein echtes Kreditausfallrisiko, das in klassischem DeFi nicht existiert.

Im Jahr 2022 gingen mehrere unterbesicherte DeFi-Kredite an Firmen wie Alameda Research (FTX-Schwesterfirma) und Three Arrows Capital in die Insolvenz. Kreditgeber auf Maple Finance verloren Millionen. Das zeigt: Unterbesicherte Kredite bringen das Kontrahentenrisiko zurück, das DeFi eigentlich eliminieren wollte. Trotzdem arbeiten mehrere Projekte weiter an unterbesicherten Modellen, weil die Kapitaleffizienz für institutionelle Nutzer ein entscheidender Vorteil ist. On-Chain-Bonitätsprüfungen und Blockchain-basierte Kreditscoring-Systeme könnten diese wichtige Lücke in Zukunft schließen.

Collateralization Ratio richtig nutzen

Wenn du in DeFi Kredite aufnimmst, ist die Collateralization Ratio deine wichtigste Kennzahl. Sie zeigt das Verhältnis von hinterlegtem Collateral zum geliehenen Betrag. Protokolle wie Aave und Compound zeigen dir deine aktuelle Ratio in Echtzeit an. Als Faustregel: Halte deine Ratio mindestens 50 % über dem Liquidationsschwellenwert. Wenn das Protokoll bei 150 % liquidiert, ziele auf 225 % oder mehr, damit ein plötzlicher Kurseinbruch von 30 % dich nicht sofort in die Liquidation treibt. Nutze Monitoring-Tools wie DeBank oder Zapper, um deine Positionen im Blick zu behalten und rechtzeitig Collateral nachzuschießen.

Einordnung

Collateralization ist das Fundament von DeFi-Lending und Stablecoin-Stabilität. Überbesicherte Modelle haben sich bewährt, algorithmische Ansätze sind nach dem UST-Crash weitgehend diskreditiert. Vor jeder DeFi-Nutzung solltest du das Collateralization-Modell des Protokolls verstehen.

Häufige Fragen zur Collateralization

Warum sind DeFi-Kredite überbesichert?

Weil es in DeFi keine Bonitätsprüfung gibt. Der Smart Contract kennt dich nicht und kann dich nicht verklagen. Die einzige Sicherheit ist das hinterlegte Collateral. Überbesicherung stellt sicher, dass der Kredit auch bei Kurseinbrüchen gedeckt bleibt.

Was ist der Unterschied zwischen Collateral und Collateralization?

Collateral ist der konkrete Vermögenswert, den du als Sicherheit hinterlegst (z. B. 2 ETH). Collateralization ist der Prozess und das System dahinter, also wie die Sicherheiten hinterlegt, verwaltet und bei Bedarf liquidiert werden.

Sind algorithmische Stablecoins sicher?

Nach dem UST-Crash 2022 (40 Mrd. USD Verlust) gelten rein algorithmische Stablecoins als hochriskant. Die meisten Projekte haben seitdem auf volle oder überbesicherte Modelle umgestellt. Fiat-besicherte Stablecoins wie USDC oder krypto-überbesicherte wie DAI haben sich in der Praxis als deutlich stabiler und zuverlässiger erwiesen.

Über die Autorin

Dr. Stephanie Morgenroth

Dr. Stephanie Morgenroth

Steffi ist promovierte Medizinerin, Krypto-Investorin seit 2021 und erreicht mit MissCrypto über 100.000 Menschen auf Social Media. Sie macht komplexe Themen wie Bitcoin, DeFi und Krypto-Steuern verständlich, ehrlich, unabhängig und ohne Hype.

Über Steffi

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