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Was ist Falling Knife?

Warum ein starker Kursrutsch nicht automatisch eine gute Kaufchance bedeutet

TradingProfi5 Min. Lesezeit

Definition

Falling Knife beschreibt einen Markt oder Vermögenswert, der stark und schnell fällt, sodass ein früher Einstieg besonders riskant sein kann.

Ein Falling Knife (fallendes Messer) beschreibt einen Vermögenswert, dessen Preis rapide und steil fällt. Die Börsenweisheit "Don't catch a falling knife" (Greife nicht in ein fallendes Messer) warnt davor, während eines steilen Absturzes zu kaufen, weil der Boden noch nicht erreicht sein könnte. Im Krypto-Markt ist diese Warnung besonders relevant: Altcoins verlieren in Bärenmärkten typischerweise 80-95 % ihres Wertes, und viele erholen sich nie. Gleichzeitig zeigt die Geschichte, dass der Kauf von Bitcoin während solcher Einbrüche langfristig zu den besten Einstiegskursen geführt hat.

Berühmte Falling Knives im Krypto-Markt

EreignisZeitraumRückgangErholung
LUNA/UST-Crash7.-13. Mai 2022-99,9999 % (von 77 auf 0,00001 USD)Nie erholt
FTT/FTX-Kollaps6.-11. Nov. 2022-90 % (von 25 auf 2,10 USD)Nie erholt
BTC COVID-CrashMärz 2020-60 %Neues ATH nach 5 Monaten
BTC 2022 BärenmarktNov. 2021 - Nov. 2022-77 % (von 69.000 auf 15.500 USD)Neues ATH nach 28 Monaten
BTC 2018 BärenmarktDez. 2017 - Dez. 2018-84 % (von 19.783 auf 3.122 USD)Neues ATH nach 36 Monaten

Der entscheidende Unterschied: LUNA und FTT erholten sich nie, weil die Projekte fundamental gescheitert sind (Designfehler bei LUNA, Betrug bei FTX). Bitcoin hingegen hat jeden Crash überlebt und neue Allzeithochs erreicht. Wer bei LUNA bei 60 USD "den Dip kaufte", verlor 99,999 %. Wer beim Bitcoin-COVID-Crash bei 5.000 USD kaufte, vervielfachte sein Investment. Das Falling Knife zu unterscheiden, ob es sich um einen vorübergehenden Einbruch oder einen endgültigen Zusammenbruch handelt, ist die zentrale Herausforderung.

Die Psychologie hinter dem Griff ins Messer

Drei psychologische Verzerrungen treiben Anleger dazu, in fallende Kurse zu kaufen. Der Ankereffekt (Anchoring Bias) fixiert den Blick auf einen früheren Preis: Bitcoin fällt von 100.000 auf 50.000 USD und wird als "billig" wahrgenommen, obwohl es noch weiter fallen kann. Der alte Preis dient als psychologischer Anker, nicht die aktuelle Marktlage. FOMO (Fear of Missing Out) erzeugt die Angst, den günstigen Einstieg zu verpassen, und führt zu impulsiven Käufen ohne technische oder fundamentale Bestätigung eines Bodens. Schließlich die Schnäppchenjagd (Bargain Hunting): Trader verlieben sich in ihre ursprüngliche These und interpretieren jeden weiteren Kursrückgang als noch besseren Rabatt, statt die veränderten Umstände zu akzeptieren. Der "Dead Cat Bounce" verstärkt das Problem: Ein kurzfristiger Kursanstieg nach einem starken Fall täuscht eine Erholung vor, bevor der Kurs noch tiefer fällt.

Technische Signale: Boden erkennen

Kein Indikator kann den exakten Boden vorhersagen, aber die Kombination mehrerer Signale erhöht die Trefferquote. Der RSI (Relative Strength Index) signalisiert unter 30 eine überverkaufte Situation. Ein Bitcoin-RSI von 25,6 ist eine "generationale Seltenheit", die seit 2010 nur zweimal aufgetreten ist: 2015 bei rund 200 USD und im Dezember 2018 bei 3.500 USD. Beide Male folgten Multi-Jahres-Rallyes von +9.900 % und +1.700 %. Eine Volumen-Kapitulation zeigt sich durch extremes Verkaufsvolumen, gefolgt von abklingendem Volumen, was auf die Erschöpfung der Verkäufer hindeutet. Wenn RSI, MACD und Bollinger Bänder gleichzeitig extreme Überverkauft-Werte zeigen, ist statistisch eine Bodenbildung wahrscheinlicher. Die wichtigste Regel: Warte auf Bestätigung. Ein nachhaltiger Anstieg des wöchentlichen RSI über 30 und ein Bruch des letzten Konsolidierungshochs sind deutlich zuverlässiger als der Versuch, den absoluten Tiefpunkt zu treffen.

DCA statt Lump Sum beim Falling Knife

In traditionellen Märkten schlägt Lump Sum (alles auf einmal investieren) das DCA-Verfahren in 68 % der Fälle (Vanguard-Studie über 46 Jahre). Im Krypto-Markt ist die Dynamik anders: Ein falsch getimter Lump-Sum-Einstieg kann 50-70 % Unterperformance über Jahre bedeuten. Laut Fidelity sind Lump-Sum-Investoren zu 37 % eher Panikverkäufer bei Drawdowns als DCA-Investoren. Die psychologische Belastung eines sofortigen Verlustes nach dem Einstieg führt zu emotionalen Fehlentscheidungen. Wöchentliches DCA ist der praktische Sweet Spot: genug Frequenz für das Averaging bei hoher Volatilität, ohne tägliche Transaktionskosten. Wenn du glaubst, dass ein Krypto-Asset langfristig steigen wird, aber nicht sicher bist, ob der Boden erreicht ist, verteile deine geplante Investition über Wochen oder Monate.

Steuerliche Chance: Verluste realisieren

Ein Falling Knife bietet steuerlich eine Gelegenheit: Wer Krypto-Verluste innerhalb eines Jahres Haltedauer realisiert (tatsächlich verkauft), kann sie nach § 23 EStG mit Gewinnen derselben Einkommensart verrechnen. Übersteigen die Verluste die Gewinne, ist ein unbegrenzter Verlustvortrag in künftige Jahre möglich, ebenso ein Verlustrücktrag ins Vorjahr. Seit Januar 2025 ist die frühere Verlustverrechnungsbeschränkung für Termingeschäfte (maximal 20.000 EUR/Jahr) abgeschafft. Strategisch kann "Tax-Loss Harvesting" sinnvoll sein: In einem Falling-Knife-Szenario Verluste realisieren und per DCA zurückkaufen, um den Steuerverlust festzuschreiben und gleichzeitig die Position wieder aufzubauen.

Steffis Tipp

Die wichtigste Frage beim Falling Knife: Fällt der Kurs wegen eines vorübergehenden Marktschocks (wie COVID 2020) oder weil das Projekt fundamental gescheitert ist (wie LUNA)? Bei Bitcoin hat sich der Kauf bei starken Einbrüchen historisch immer gelohnt. Bei Altcoins ohne klaren Nutzen ist das Risiko ungleich höher. Im Zweifel: DCA statt Lump Sum, und immer auf technische Bestätigung warten.

Was bedeutet "Don't catch a falling knife"?

Die Börsenweisheit warnt davor, während eines steilen Kursabsturzes zu kaufen. Der Boden könnte noch nicht erreicht sein, und der Versuch, den Tiefpunkt zu treffen, führt oft zu weiteren Verlusten. Besser: Auf technische Bestätigung warten oder per DCA gestaffelt einsteigen.

Erholen sich Kryptowährungen nach einem Crash immer?

Nein. Bitcoin hat sich historisch von jedem Crash erholt und neue Allzeithochs erreicht. Aber viele Altcoins (LUNA, FTT, Tausende ICO-Token aus 2017/2018) haben sich nie erholt. Der Unterschied liegt in den Fundamentaldaten: ein vorübergehender Marktschock vs. ein grundlegend gescheitertes Projekt.

Kann ich Krypto-Verluste steuerlich geltend machen?

Ja, wenn du innerhalb eines Jahres Haltedauer verkaufst und den Verlust realisierst (§ 23 EStG). Verluste können mit Gewinnen verrechnet oder unbegrenzt in künftige Jahre vorgetragen werden. Seit 2025 ist die Verlustverrechnungsbeschränkung für Termingeschäfte abgeschafft.

Über die Autorin

Dr. Stephanie Morgenroth

Dr. Stephanie Morgenroth

Steffi ist promovierte Medizinerin, Krypto-Investorin seit 2021 und erreicht mit MissCrypto über 100.000 Menschen auf Social Media. Sie macht komplexe Themen wie Bitcoin, DeFi und Krypto-Steuern verständlich, ehrlich, unabhängig und ohne Hype.

Über Steffi

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