Was ist Dip?
Warum ein Kursrückgang nicht automatisch eine Krise ist und trotzdem sauber eingeordnet werden muss
Definition
Ein Dip ist ein spürbarer, meist kurzfristiger Kursrückgang innerhalb eines Marktes oder eines einzelnen Assets.
Ein Dip bezeichnet einen deutlichen Kursrückgang bei Kryptowährungen oder anderen Anlageklassen. "Buy the Dip" ist eine der bekanntesten Handelsstrategien: Du kaufst gezielt, wenn der Kurs gefallen ist, in der Erwartung, dass er sich wieder erholt. Bei Bitcoin hat diese Strategie historisch oft funktioniert, doch sie birgt auch erhebliche Risiken. Der entscheidende Unterschied: Ein Dip bei Bitcoin sieht anders aus als ein Dip bei einem Altcoin, der möglicherweise nie zurückkommt.
Historische Bitcoin-Dips und Erholungen
| Ereignis | Rückgang | Erholung bis neues ATH |
|---|---|---|
| COVID-Crash (März 2020) | -35 % an einem Tag | 279 Tage |
| China Mining Ban (Mai 2021) | -55 % (64.000 auf 31.000 USD) | 175 Tage |
| FTX-Kollaps (Nov. 2022) | -77 % (69.000 auf 15.500 USD) | 478 Tage |
| Bärenmarkt 2025/26 | -50 % (126.250 auf ca. 63.000 USD) | Offen (Stand März 2026) |
Ein Muster fällt auf: Bitcoin hat sich bisher von jedem Dip erholt und neue Allzeithochs erreicht, aber die Erholung kann Monate bis über ein Jahr dauern. Im 2017er Bullenmarkt gab es allein sechs Korrekturen von 30 bis 40 %, jeweils gefolgt von neuen Höchstständen.
Wie oft fällt Bitcoin um 20 %, 50 % oder mehr?
Korrekturen von 20 % oder mehr sind bei Bitcoin keine Ausnahme, sondern die Norm. Sie treten alle paar Monate auf, auch mitten im Bullenmarkt. Rückgänge von 50 % und mehr kennzeichnen typische Bärenmärkte. Der Durchschnitt der drei größten Drawdowns liegt bei etwa -80 %. Zum Vergleich: Der S&P 500 gewährt im Median 307 Tage zwischen Erholung und nächster Korrektur, Bitcoin nur 14 Tage. Die Volatilität ist Teil des Spiels, nicht ein Zeichen dafür, dass etwas kaputt ist.
DCA vs. Lump Sum vs. Buy the Dip
Ein 4-Jahres-Backtest (2021 bis 2025) zeigt: Dollar Cost Averaging erzielte +154 %, eine einmalige Investition (Lump Sum) dagegen +106 %. DCA hatte dabei rund 20 % geringere maximale Drawdowns. Eine Fidelity-Studie ergab, dass Lump-Sum-Anleger zu 37 % häufiger in Panik verkaufen als DCA-Anleger. "Buy the Dip" klingt einfach, erfordert aber perfektes Timing: Du musst den tiefsten Punkt treffen, was selbst professionelle Trader selten schaffen. Selbst perfektes Dip-Timing garantiert langfristig keine besseren Ergebnisse als konsequentes DCA.
"Buy the Dip" funktioniert nur rückblickend perfekt. In Echtzeit weißt du nie, ob der Kurs weiter fällt oder sich erholt. Ein regelmäßiger Sparplan (DCA) nimmt die Emotionen aus der Gleichung und hat historisch solide Ergebnisse geliefert.
Psychologie: Warum Dip-Kaufen schwerer ist als gedacht
Verlustaversion: Der Schmerz bei Verlusten wird doppelt so stark empfunden wie die Freude bei Gewinnen. Genau dann, wenn der Dip am größten ist und rationales Kaufen am meisten Sinn ergäbe, ist die Angst am stärksten. Anchoring Bias: Anleger fixieren sich auf das letzte Allzeithoch. Ein Kurs von 80.000 USD "fühlt sich billig an" nach 126.000 USD, obwohl er historisch gesehen extrem hoch ist. Herdenverhalten: "Buy the Dip" wird in sozialen Medien zum Meme. Entscheidungen basieren dann auf Gruppendynamik statt auf Risikomanagement und eigener Analyse.
Berühmte Dip-Käufer
Michael Saylor / Strategy: Der größte börsennotierte Bitcoin-Halter kauft systematisch bei Dips nach. Stand März 2026 hält Strategy 712.647 BTC, gekauft für durchschnittlich rund 75.000 USD pro BTC. Die Käufe werden über Aktienverkäufe, Wandelanleihen und Vorzugsaktien finanziert. El Salvador: Das Land hält rund 7.588 BTC und kauft weiterhin regelmäßig dazu, obwohl Bitcoin seit Dezember 2024 nach einem Abkommen mit dem IWF dort nicht mehr gesetzliches Zahlungsmittel ist.
Wenn der Dip nicht zurückkommt
Nicht jeder Dip ist eine Kaufgelegenheit. Terra/LUNA stürzte im Mai 2022 von 119 USD auf 0,00008 USD ab, ein Verlust von 99,99 %. Der algorithmische Stablecoin UST verlor seine Dollar-Bindung und riss LUNA mit in die Tiefe. Wer "den Dip gekauft" hat, verlor alles. FTT (FTX Token) fiel von 25 USD auf unter 1 USD, als die Börse im November 2022 Insolvenz anmeldete. FTX kontrollierte 80 % des FTT-Umlaufs. Beide Tokens haben sich nie erholt. Das zeigt: "Buy the Dip" funktioniert nur bei Kryptowährungen mit soliden Fundamentaldaten, einem echten Netzwerk und realer Nutzung.
Häufige Fragen zum Dip
Wann ist der beste Zeitpunkt, einen Dip zu kaufen?
Den perfekten Zeitpunkt gibt es nicht. Historische Daten zeigen, dass ein regelmäßiger Sparplan (DCA) über 4 Jahre +154 % erzielte, während Einmalanleger nur +106 % erreichten. Statt auf den perfekten Dip zu warten, ist konsequentes, regelmäßiges Investieren die zuverlässigere Strategie.
Erholt sich Bitcoin immer von einem Dip?
Bisher ja. Bitcoin hat sich von jedem Rückgang erholt und neue Allzeithochs erreicht, allerdings kann die Erholung bis zu 478 Tage dauern (FTX-Crash bis März 2024). Bei Altcoins wie Luna oder FTT war die Erholung dagegen nie gekommen.
Was ist der Unterschied zwischen Dip und Crash?
Die Begriffe überlappen sich. Ein Dip bezeichnet typischerweise einen Rückgang von 10 bis 30 %, ein Crash einen Einbruch von 30 % oder mehr. Bei Bitcoin sind Rückgänge von 20 % im Bullenmarkt normal, 50 %+ kennzeichnen Bärenmärkte.
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Über die Autorin

Dr. Stephanie Morgenroth
Steffi ist promovierte Medizinerin, Krypto-Investorin seit 2021 und erreicht mit MissCrypto über 100.000 Menschen auf Social Media. Sie macht komplexe Themen wie Bitcoin, DeFi und Krypto-Steuern verständlich, ehrlich, unabhängig und ohne Hype.
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