Fully Diluted Valuation (FDV): Formel, Beispiele, Fallen
Was die Fully Diluted Valuation bedeutet, warum der Unterschied zur Marktkapitalisierung entscheidend ist und wie Token-Unlocks den Kurs beeinflussen
Definition
Die Fully Diluted Valuation (FDV) ist die theoretische Gesamtbewertung einer Kryptowährung, wenn alle jemals existierenden Token im Umlauf wären. Die Formel lautet: FDV = aktueller Preis × maximale Gesamtmenge (Max Supply). Ein großer Abstand zwischen Marktkapitalisierung und FDV signalisiert bevorstehende Token-Freisetzungen, die den Kurs unter Druck setzen können.
Die Fully Diluted Valuation (FDV) beantwortet eine einfache Frage: Was wäre eine Kryptowährung wert, wenn alle jemals existierenden Token heute im Umlauf wären? Die Formel ist simpel: aktueller Preis multipliziert mit der maximalen Gesamtmenge (Max Supply). Die FDV ist damit das theoretische Maximum der Marktkapitalisierung. Der Unterschied zwischen beiden Kennzahlen zeigt, wie viel Verwässerung Haltern noch bevorsteht.
FDV vs. Marktkapitalisierung: Der entscheidende Unterschied
Die Marktkapitalisierung (MC) berücksichtigt nur die aktuell im Umlauf befindlichen Token: MC = Preis × Circulating Supply. Die FDV rechnet dagegen mit der maximalen Gesamtmenge: FDV = Preis × Max Supply. Je größer der Abstand zwischen MC und FDV, desto mehr Token sind noch gesperrt und werden in Zukunft freigesetzt.
| Coin | MC/FDV-Ratio | Bedeutung | Verwässerungsrisiko |
|---|---|---|---|
| Bitcoin | 0,95 | 95 % aller BTC im Umlauf | Minimal |
| Ethereum | 1,0 | Kein Max Supply (deflationär) | Keins |
| XRP | 0,60 | 40 % noch in Ripple-Escrow | Erheblich |
| Worldcoin (WLD) | 0,02 | 98 % der Token noch gesperrt | Extrem hoch |
| Starknet (STRK) | 0,07 | 93 % der Token noch gesperrt | Sehr hoch |
Bitcoin mit einem MC/FDV-Ratio von 0,95 hat das geringste Verwässerungsrisiko: 20,01 von 21 Mio. BTC sind bereits im Umlauf. Bei Ethereum existiert kein Max Supply, durch den Burning-Mechanismus (EIP-1559) ist ETH tendenziell deflationär. Am anderen Ende des Spektrums stehen Token wie Worldcoin (WLD), bei dem zum Launch nur 2 % aller Token im Umlauf waren.
Das Low-Float-Problem: Wenn VCs den Kurs drücken
2024 und 2025 wurde das „Low Float, High FDV"-Problem zum zentralen Thema am Kryptomarkt. Das Muster: Venture-Capital-Firmen investieren in privaten Runden bei hohen Bewertungen. Die Projekte launchen dann mit minimalem Float (5–15 % im Umlauf) und extrem hoher FDV. Die wenigen handelbaren Token erzielen anfangs hohe Preise, doch sobald die Vesting-Perioden enden und gesperrte Token freigesetzt werden, fällt der Kurs.
Laut einer Studie von Binance Research waren 2024 ein Fünftel aller Top-Kryptowährungen solche „Low Float"-Token. Von 2024 bis 2030 werden geschätzt 155 Mrd. USD an gesperrten Token freigeschaltet. Um die Preise bei vollem Token-Release zu halten, wären rund 80 Mrd. USD zusätzliche Nachfrage nötig gewesen, die nie kam.
Token-Unlocks: 90 % drücken den Kurs
Eine Keyrock-Studie mit über 16.000 analysierten Token-Unlock-Events zeigt: 90 % aller Token-Unlocks erzeugen negativen Preisdruck. Die Kurse beginnen bereits 30 Tage vor dem Unlock zu fallen, weil Trader den Verkaufsdruck antizipieren. Große Unlocks (relativ zum Circulating Supply) verursachen 2,4-mal stärkere Preisrückgänge.
Überraschend: Team-Unlocks drücken den Kurs stärker als VC-Unlocks, weil Risikokapitalgeber eher Strategien zur Marktschonung nutzen (OTC-Verkäufe, schrittweises Abstoßen), während Team-Mitglieder häufiger direkt am Markt verkaufen. 2025 verzeichnete der Markt Token-Unlocks im Gesamtwert von rund 97 Mrd. USD.
Unlock-Kalender zum Nachverfolgen: Tokenomist (ehemals token.unlocks.app), CryptoRank, DropsTab und CoinMarketCap bieten Übersichten bevorstehender Freisetzungen.
FDV richtig bewerten: Worauf es ankommt
Die FDV allein ist keine ausreichende Bewertungsgrundlage. Sie ignoriert den Zeitfaktor (Vesting-Perioden können 5–10 Jahre dauern), nimmt unrealistisch an, dass der Preis bei voller Freisetzung gleich bleibt, und berücksichtigt keine Burn-Mechanismen. Ethereum wird seinen Max Supply nie erreichen, weil bei jeder Transaktion Token verbrannt werden.
Sinnvoller als die FDV allein ist das MC/FDV-Ratio: Werte über 0,8 signalisieren geringe Verwässerung (Beispiel: Bitcoin mit 0,95). Werte unter 0,3 sind ein Warnsignal für massive bevorstehende Freisetzungen. Zusätzlich sollte immer der Vesting-Plan geprüft werden: Wann werden wie viele Token freigesetzt, und an wen (Team, VCs, Community)?
FDV in der Praxis: Checkliste für Anleger
Vor jedem Investment drei Fragen klären: Erstens, wie hoch ist das MC/FDV-Ratio? Bei Werten unter 0,3 ist Vorsicht geboten. Zweitens, wann stehen die nächsten großen Token-Unlocks an? Unlock-Kalender wie Tokenomist zeigen das auf einen Blick. Drittens, wer erhält die freigesetzten Token? Große Team- und VC-Allokationen bergen höheres Verkaufsrisiko als Community- oder Ecosystem-Freisetzungen.
Ein niedriger Preis bei hoher FDV bedeutet nicht automatisch, dass ein Token günstig ist. Es kann bedeuten, dass der Markt bereits die bevorstehende Verwässerung einpreist. DYOR gilt hier besonders: Die Tokenomics lesen, bevor man kauft.
Schau dir vor jedem Kauf das MC/FDV-Ratio an. Ein Ratio unter 0,3 bedeutet, dass über 70 % der Token noch nicht im Umlauf sind und den Kurs drücken können. Bitcoin mit 0,95 ist hier das Vorbild. Prüfe auch den Vesting-Plan auf Tokenomist, große Unlocks in den nächsten 6 Monaten sind ein Warnsignal.
Was ist der Unterschied zwischen FDV und Marktkapitalisierung?
Die Marktkapitalisierung (MC) berechnet sich aus dem aktuellen Preis mal der im Umlauf befindlichen Token-Menge. Die Fully Diluted Valuation (FDV) rechnet stattdessen mit der maximalen Gesamtmenge aller jemals existierenden Token. Der Unterschied zeigt, wie viele Token noch gesperrt sind. Ein großer Abstand (z. B. MC/FDV-Ratio unter 0,3) bedeutet, dass massive Token-Freisetzungen bevorstehen, die den Kurs drücken können.
Warum ist eine hohe FDV ein Warnsignal?
Eine hohe FDV bei niedriger Marktkapitalisierung bedeutet, dass viele Token noch gesperrt sind und in Zukunft freigesetzt werden (Token-Unlocks). Laut einer Keyrock-Studie erzeugen 90 % aller Token-Unlocks negativen Preisdruck. Projekte mit einem MC/FDV-Ratio unter 0,1 wie Worldcoin (0,02) haben das höchste Verwässerungsrisiko, weil über 90 % der Token noch auf den Markt kommen.
Wo kann ich bevorstehende Token-Unlocks prüfen?
Die wichtigsten Unlock-Kalender sind Tokenomist (ehemals token.unlocks.app), CryptoRank Token Unlock, DropsTab Vesting und CoinMarketCap Token Unlocks. Diese Tools zeigen, wann welche Token freigesetzt werden, an wen sie gehen (Team, VCs, Community) und wie groß der Unlock relativ zum aktuellen Umlauf ist. Da Kurse oft schon 30 Tage vor dem Unlock fallen, lohnt sich die regelmäßige Prüfung.
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Über die Autorin

Dr. Stephanie Morgenroth
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