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Stellar (XLM): Cross-Border, USDC, Soroban, SDF

Was Stellar einzigartig macht, warum Franklin Templeton seinen Geldmarktfonds darauf tokenisiert und wie Soroban Smart Contracts bringt

KryptowährungenEinsteiger8 Min. Lesezeit

Definition

Stellar (XLM) ist eine 2014 von Jed McCaleb (Ex-Ripple) gegründete Blockchain mit Fokus auf schnelle, günstige Cross-Border-Zahlungen und finanzielle Inklusion. Die Stellar Development Foundation (SDF) ist Non-Profit, das Netzwerk nutzt das Stellar Consensus Protocol. XLM hat ein festes Supply von 50 Mrd. (nach Burn 2019), ist wichtig für Stablecoin-Settlement und tokenisierte Real-World-Assets.

Stellar (XLM) ist eine 2014 gegründete, dezentrale Open-Source-Blockchain mit Fokus auf schnelle, günstige grenzüberschreitende Zahlungen, Tokenisierung von Vermögenswerten und finanzielle Inklusion in Entwicklungsländern. Die native Kryptowährung heißt Lumen (XLM). Gegründet wurde Stellar von Jed McCaleb, der zuvor Mitgründer von Mt. Gox und Ripple war, gemeinsam mit Joyce Kim. Nach Differenzen über die Ausrichtung verließ McCaleb Ripple 2013 und startete Stellar als gemeinwohlorientierte Alternative.

Träger der Entwicklung ist die Stellar Development Foundation (SDF), eine Non-Profit-Organisation mit Sitz in San Francisco. Mitgründer war unter anderem Patrick Collison von Stripe, der Stellar mit einem zinslosen Darlehen unterstützte. Das unterscheidet Stellar fundamental von Ripple: Stellar verfolgt keine Gewinnziele und richtet sich an Privatpersonen, NGOs und Fintechs statt an Großbanken.

Geschichte und die Trennung von Ripple

Ursprünglich basierte Stellar auf einem Fork des Ripple-Protokolls, wurde 2015 jedoch komplett neu geschrieben mit einem eigenen Konsensverfahren, dem Stellar Consensus Protocol (SCP). Der Bruch zwischen Jed McCaleb und Ripple gilt als eine der wichtigsten Gabelungen der frühen Krypto-Geschichte: Beide Projekte teilen technische DNA, unterscheiden sich aber in Zielgruppe und Philosophie fundamental.

Ripple (XRP) ist profit-orientiert, fokussiert auf Banken und RippleNet-Kunden, hatte einen jahrelangen SEC-Rechtsstreit. Stellar (XLM) ist Non-Profit, fokussiert auf direkte Endnutzer in Entwicklungsländern und wurde von der SEC bisher nicht als Security eingestuft. Technisch ähneln sich beide in der nativen DEX, den Anchors (Gateways) und der schnellen Settlement-Zeit, unterscheiden sich aber im Konsens-Algorithmus.

Stellar Consensus Protocol und technische Daten

KennzahlWert
KonsensStellar Consensus Protocol (Federated Byzantine Agreement)
Blockzeit3–5 Sekunden
TransaktionsgebührenBruchteile eines Cents
Original Supply100 Mrd. XLM (2014)
Nach Burn 2019~ 50 Mrd. XLM
Inflation2019 abgeschafft
Smart-Contract-PlattformSoroban (seit 2024, Rust-basiert)

Stellar nutzt das Stellar Consensus Protocol (SCP), eine Implementierung von Federated Byzantine Agreement. Anders als Proof of Work oder Proof of Stake gibt es kein Mining und kein Staking. Validatoren wählen sogenannte Quorum Slices (Listen vertrauenswürdiger anderer Validatoren), und der Konsens entsteht durch die Überschneidung dieser Slices im gesamten Netzwerk.

Vorteile: sehr schnelle Endgültigkeit, extrem niedrige Gebühren, kein Energieverbrauch. Nachteile: Die Validator-Auswahl ist sozial geprägt, in der Praxis dominieren von der SDF empfohlene Validatoren, was Kritiker als Zentralisierung sehen. 2019 beschloss die SDF, rund 55 Mrd. XLM zu verbrennen, um das Angebot zu reduzieren und das Vertrauen zu stärken. Seither liegt der maximale Supply bei rund 50 Mrd. XLM, die ursprünglich geplante jährliche Inflation von 1 Prozent wurde abgeschafft.

Stablecoins auf Stellar im Überblick

StablecoinEmittentVerfügbar seit
USDCCircle2018
EURCCircle2023
BRL, ARS, NGNRegionale AnchorsVariabel
FOBXX (tokenisiert)Franklin Templeton2023 (RWA-Fonds)

Anwendungsfälle: Stablecoins und Remittances

Stellar ist eine der wichtigsten Plattformen für regulierte Stablecoins. USDC von Circle ist seit 2018 nativ auf Stellar verfügbar, eine der ältesten Nicht-Ethereum-Implementierungen von USDC. EURC, der Euro-Stablecoin von Circle, läuft ebenfalls auf Stellar. Dazu kommen regionale Stablecoins für brasilianischen Real, argentinischen Peso, nigerianische Naira und andere Lokalwährungen über regionale Anchors.

Anchors sind regulierte Drittanbieter (Banken, Zahlungsdienstleister), die als Brücke zwischen Fiat und Stellar fungieren. Sie nehmen US-Dollar entgegen und geben einen on-chain Token aus, der auf Stellar transferiert werden kann. Standardisiert wird das über das SEP-Framework (Stellar Ecosystem Proposals), insbesondere SEP-24 und SEP-31. Diese Infrastruktur macht Stellar zu einer der aktivsten Chains für grenzüberschreitende Payments, besonders in Lateinamerika und Afrika.

Prominente Partnerschaften

Die bekannteste Partnerschaft war IBM Blockchain World Wire, ein 2017 gestartetes Cross-Border-Payment-Netzwerk auf Stellar-Basis, das 2021 eingestellt wurde. MoneyGram arbeitet seit 2021 mit Stellar zusammen und ermöglicht Cash-In und Cash-Out für USDC auf der Chain, das Programm wurde 2024 angepasst.

Franklin Templeton hat auf Stellar seinen tokenisierten US-Geldmarktfonds FOBXX (Franklin OnChain U.S. Government Money Fund) gelauncht, einer der ersten regulierten tokenisierten Fonds in den USA. Auch die Ukraine-Regierung wickelte im Rahmen des „Aid for Ukraine"-Programms Spenden teils über Stellar ab und arbeitete an einer digitalen Hryvnia. Vibrant Wallet ist eine SDF-nahe Consumer-Wallet mit Fokus auf Lateinamerika, Wise (ehemals TransferWise) hatte frühere Integrations-Tests.

Soroban: Smart Contracts auf Stellar

Soroban ist Stellars Smart-Contract-Plattform, die 2024 nach mehrjähriger Entwicklung auf dem Mainnet live ging. Soroban ist Rust-basiert (kompiliert zu WebAssembly) und wurde bewusst von Grund auf neu entworfen, statt EVM-Kompatibilität anzustreben. Die Ziele: vorhersagbare Gebühren, Fee-Bumping, Multi-Dimensional-Resource-Pricing und hohe Sicherheit durch formale Verifikation.

Die Adoption verläuft allerdings langsam. Anfang 2026 gibt es einige hundert deployed Contracts, das DeFi-TVL auf Soroban liegt deutlich unter dem etablierter EVM-Chains. Wichtige Ökosystemprojekte sind Blend (Lending), Aquarius (AMM/DEX) und SoroSwap. Stellar verfügt zusätzlich über eine native SDEX (Stellar Decentralized Exchange) auf Protokollebene, die intensiv für Stablecoin-zu-Fiat-Swaps und Anchor-Liquidität genutzt wird.

Wallets, Kauf in Deutschland und Steuer

Die wichtigsten Wallets: Lobstr (mobil und Web mit integriertem SDEX-Zugang), Freighter (Browser-Wallet der SDF), Solar Wallet (Open-Source-Desktop), Vibrant (Consumer-Wallet für Lateinamerika) und der Ledger Nano für Hardware-Sicherheit. In Deutschland kannst du XLM bei Bitvavo, Bitpanda, Kraken und Coinbase kaufen.

Steuerlich gilt XLM in Deutschland nach § 23 EStG: Nach 12 Monaten Haltefrist sind Gewinne steuerfrei, innerhalb der Frist gilt der persönliche Einkommensteuersatz mit der Freigrenze von 1.000 EUR pro Jahr. Stellar bietet kein klassisches Staking, dadurch entfällt die Diskussion um eine Verlängerung der Haltefrist. Regulatorisch wurde XLM von der SEC bisher nicht als Security eingestuft, die Non-Profit-Struktur und der frühe Verzicht auf einen klassischen ICO wirken sich günstig aus. In der EU fällt XLM unter MiCA als Krypto-Asset.

Kritik, Konkurrenz und Ausblick

Trotz technischer Stärken und prominenter Partnerschaften hat Stellar mehrere Schwächen. Die SDF kontrolliert weiterhin große XLM-Bestände und beeinflusst die Validator-Landschaft erheblich, viele Quorum Slices basieren auf SDF-empfohlenen Listen. Die DeFi-Aktivität bleibt gering im Vergleich zu Ethereum, Solana oder selbst kleineren EVM-L2s. Die Soroban-Adoption ist langsam, bisher fehlen Killer-Apps.

Der Wettbewerb im Stablecoin- und Payments-Bereich verschärft sich: Tron dominiert USDT-Settlement, Ethereum und Solana wachsen im USDC-Volumen, und mit Circles CCTP (Cross-Chain Transfer Protocol) wird USDC chain-agnostisch, was Stellars Stablecoin-Vorteil relativiert. Die technischen Vorteile (Geschwindigkeit, niedrige Gebühren) sind nicht mehr einzigartig. Stellar muss sich 2026 neu positionieren, vor allem über RWA-Tokenisierung mit Partnern wie Franklin Templeton und über Soroban als differenzierende Smart-Contract-Plattform.

Steffis Tipp

Stellar ist eines der ältesten und stabilsten Krypto-Projekte mit einem klaren Use Case: schnelle, günstige Cross-Border-Payments und Stablecoin-Settlement. Für Spekulation auf hohe Kurssteigerungen ist XLM weniger geeignet, das Supply ist groß und die Volatilität begrenzt. Als Infrastruktur-Wette auf Remittances und tokenisierte Real-World-Assets bleibt Stellar aber interessant. Wer XLM hält, sollte maximal 2 bis 3 Prozent des Portfolios investieren und auf die Soroban-Adoption achten, das ist der wichtigste Katalysator für einen möglichen Kursschub.

Was ist der Unterschied zwischen Stellar und Ripple?

Beide wurden von Jed McCaleb mitgegründet und teilen technische Wurzeln, verfolgen aber unterschiedliche Strategien. Ripple (XRP) ist profit-orientiert, richtet sich an Banken und Finanzinstitute und hatte einen jahrelangen SEC-Rechtsstreit. Stellar (XLM) ist Non-Profit, fokussiert auf Privatpersonen, NGOs und Fintechs in Entwicklungsländern und wurde bisher nicht als Security eingestuft. Stellar nutzt das Stellar Consensus Protocol, Ripple den XRP Ledger Consensus. McCaleb verließ Ripple 2013 und gründete Stellar 2014.

Wofür wird Stellar hauptsächlich verwendet?

Stellar wird hauptsächlich für drei Anwendungsfälle genutzt: Erstens grenzüberschreitende Zahlungen (Remittances), besonders in Lateinamerika und Afrika. Zweitens Stablecoin-Settlement, USDC und EURC von Circle laufen nativ auf Stellar. Drittens Tokenisierung von Real-World Assets, etwa Franklin Templetons US-Geldmarktfonds FOBXX, einer der ersten regulierten tokenisierten Fonds in den USA. Stellar ist eine der aktivsten Chains für Fiat-On-Off-Ramps über das Anchor-Modell.

Was ist Soroban?

Soroban ist Stellars Smart-Contract-Plattform, die 2024 auf dem Mainnet live ging. Sie ist Rust-basiert (kompiliert zu WebAssembly) und bewusst nicht EVM-kompatibel, sondern von Grund auf neu entworfen. Ziele sind vorhersagbare Gebühren, Fee-Bumping und hohe Sicherheit. Die Adoption ist Anfang 2026 noch langsam mit wenigen hundert deployed Contracts. Wichtige Projekte sind Blend (Lending), Aquarius und SoroSwap (DEX). Soroban gilt als entscheidender Katalysator für Stellars zukünftige Relevanz im DeFi-Bereich.

Wie viele XLM gibt es und warum wurden 55 Mrd. verbrannt?

Ursprünglich gab es 100 Mrd. XLM, die 2014 beim Launch geschaffen wurden. Im November 2019 beschloss die SDF, etwa 55 Mrd. XLM zu verbrennen, um das Angebot zu reduzieren und das Vertrauen zu stärken. Seither liegt der maximale Supply bei rund 50 Mrd. XLM. Gleichzeitig wurde die ursprünglich geplante jährliche Inflation von 1 Prozent abgeschafft, sodass keine neuen XLM mehr emittiert werden. Die SDF hält weiterhin einen signifikanten Teil für Ökosystem-Förderung, was von Kritikern als Zentralisierungsrisiko gesehen wird.

Über die Autorin

Dr. Stephanie Morgenroth

Dr. Stephanie Morgenroth

Steffi ist promovierte Medizinerin, Krypto-Investorin seit 2021 und erreicht mit MissCrypto über 100.000 Menschen auf Social Media. Sie macht komplexe Themen wie Bitcoin, DeFi und Krypto-Steuern verständlich, ehrlich, unabhängig und ohne Hype.

Über Steffi

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