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Ex-CFTC-Chef Giancarlo: Banken brauchen dringend Krypto-Klarheit via CLARITY Act

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Dr. Stephanie MorgenrothDr. Stephanie Morgenroth
Ex-CFTC-Chef Giancarlo: Banken brauchen dringend Krypto-Klarheit via CLARITY Act

Christopher Giancarlo, ehemaliger Vorsitzender der US-Handelsaufsicht CFTC, fordert dringende regulatorische Klarheit für Banken im Krypto-Bereich. Ohne die Verabschiedung des CLARITY Act müssten die Behörden SEC und CFTC eigenständig Regeln erlassen – was zu weiterer Unsicherheit führen könnte. Diese Unsicherheit verhindert aktuell, dass traditionelle Finanzinstitute in den Markt für Bitcoin und andere digitale Assets einsteigen können.

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Konkurrierende Aufseher (SEC & CFTC)
2025
Jahr der regulatorischen Entscheidungen
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Klare Bundesgesetze bisher

Was genau passiert ist

Christopher Giancarlo, unter Krypto-Enthusiasten auch als „Crypto Dad“ bekannt, hat sich öffentlich für den CLARITY Act ausgesprochen. Das Gesetz soll die Zuständigkeiten zwischen der Securities and Exchange Commission (SEC) und der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) klären. Giancarlo warnte eindringlich, dass ohne legislative Lösung die regulatorische Lücke weiterhin bestehen bleibt.

Aktuell herrscht in den USA ein regulatorisches Durcheinander. Die SEC betrachtet viele Kryptowährungen als Wertpapiere, während die CFTC sie als Rohstoffe klassifiziert. Banken wissen nicht, welche Regeln sie befolgen müssen, wenn sie Bitcoin oder Ethereum verwahren oder handeln wollen. Diese Doppelbelastung führt dazu, dass Institute lieber ganz auf Krypto-Dienstleistungen verzichten, statt rechtliche Risiken einzugehen.

Die regulatorische Zwickmühle hat historische Wurzeln. Die SEC basiert auf dem Securities Act von 1933, während die CFTC ihre Befugnisse aus dem Commodity Exchange Act von 1936 ableitet. Keines dieser Gesetze erwähnte digitale Assets oder Mining-Prozesse. Als 2009 der erste Block erzeugt wurde, existierten die heutigen Regularien noch nicht. Die Behörden versuchen seither, neue Technologien in jahrzehntealte Gesetzesrahmen zu pressen.

„Wenn der CLARITY Act scheitert, werden Paul Atkins an der SEC und Mike Selig an der CFTC wahrscheinlich Regeln schreiben müssen, um Klarheit zu schaffen.“

Christopher Giancarlo, ehemaliger CFTC-Vorsitzender (Quelle)

Giancarlo betont, dass dieses Szenario suboptimal wäre. Behördliche Alleingänge ohne gesetzliche Grundlage könnten bei einem Regierungswechsel schnell wieder kippen. Banken brauchen jedoch Planungssicherheit für langfristige Investitionen in Infrastruktur. Nur stabile Gesetze ermöglichen strategische Entscheidungen über IT-Systeme und Personal.

Besonders komplex wird die Einordnung bei DeFi-Protokollen und Smart Contracts. Wenn ein Algorithmus automatisch Zinsen für Staking verteilt, ist das dann ein Wertpapier oder ein Software-Protokoll? Banken, die solche Dienste anbieten wollen, müssen derzeit für jeden einzelnen Smart Contract eine rechtliche Risikobewertung vornehmen. Das ist ein prohibitiv teurer Prozess, der Innovationen im Keim erstickt.

Warum das wichtig ist

Stell dir vor, eine mittelständische Regionalbank möchte ihren Kunden den Kauf von Ethereum ermöglichen. Derzeit muss sie gleichzeitig mit der SEC prüfen, ob ETH ein Wertpapier ist, mit der CFTC, ob es ein Rohstoff ist, und mit der Federal Reserve, ob sie überhaupt digitale Assets verwahren darf. Diese Dreifach-Aufsicht kostet Millionen an Beraterhonoraren. Geld, das kleinere Institute nicht haben, weshalb weiterhin reine Krypto-Börsen den Markt dominieren.

Die mangelnde Klarheit hat in den vergangenen Jahren zu einer De-Facto-Aussperrung traditioneller Banken vom Krypto-Markt geführt. Viele Geldhäuser fürchten Strafen oder aufsichtsrechtliche Probleme, wenn sie Dienstleistungen für Kunden anbieten, die in Wallets oder auf Börsen aktiv sind. Selbst Großbanken wie JPMorgan oder Bank of America bieten nur eingeschränkte Krypto-Services an, meist nur für institutionelle Kunden mit speziellen Ausnahmeregelungen.

Diese Lücke wird derzeit von spezialisierten Krypto-Börsen und Fintechs gefüllt. Das Problem: Ohne Einbindung des traditionellen Bankensystems bleibt der Markt fragmentiert und anfällig für Liquiditätsengpässe. Ein Bankensystem, das Krypto-Assets nicht integriert, kann auch keine effektiven Risikomanagement-Mechanismen für diese neue Assetklasse entwickeln. Das schafft systemische Risiken, die durch vernünftige Regulation eigentlich vermeidbar wären.

Für Einsteiger bedeutet das: Die Trennung zwischen „traditioneller Finanzwelt“ und „Krypto-Welt“ bleibt bestehen. Das erschwert den einfachen Einstieg, da du weiterhin zwischen Bankkonto und Krypto-Plattform unterscheiden musst, statt beides nahtlos zu verbinden. Du kannst nicht einfach bei deiner Hausbank Bitcoin kaufen, sondern musst separate Accounts bei Krypto-Börsen eröffnen.

Wichtig: Ohne klare Gesetze bleiben traditionelle Banken vom Krypto-Markt ausgeschlossen. Das führt zu einer gefährlichen Fragmentierung zwischen traditionellem Finanzsystem und digitalen Assets, die das Systemrisiko erhöht statt senkt.

Einordnung

  • USA vs. EU: Während die USA noch um Grundsatzfragen ringt, hat die EU mit MiCA (Markets in Crypto-Assets) bereits einen umfassenden Rahmen geschaffen.
  • Stablecoins im Fokus: Besonders Stablecoins wie USDC und USDT sind betroffen, da sie als Brücke zwischen traditionellen Währungen und Krypto fungieren.
  • Paul Atkins: Der neue SEC-Chef gilt als krypto-freundlich, aber ohne Gesetzesgrundlage bleiben seine Möglichkeiten begrenzt.

Die US-Regulierung hinkt der EU mittlerweile deutlich hinterher. Während europäische Anbieter unter klaren MiCA-Vorgaben arbeiten, müssen US-Unternehmen weiterhin im Dunkeln tappen. Das könnte langfristig dazu führen, dass Innovationen von den USA in die EU abwandern. Frankfurt und Paris positionieren sich bereits als neue Krypto-Hubs für institutionelle Anleger.

Für dich als deutsche Anlegerin hat das einen konkreten Vorteil: Europäische Plattformen bieten aktuell mehr regulatorische Sicherheit als ihre US-Pendants. Wenn der CLARITY Act jedoch scheitert und die Unsicherheit anhält, könnte das globale Auswirkungen auf große Stablecoins haben – auch jene, die du möglicherweise nutzt. Die Reserven von USDC oder USDT könnten unter Umstrukturierungsdruck geraten.

Giancarlos Warnung ist auch ein Signal an den US-Kongress, endlich zu handeln. Die Fragmentierung der Aufsicht zwischen SEC und CFTC schadet nicht nur Banken, sondern letztlich auch dem Verbraucherschutz. Denn wo keine klaren Regeln herrschen, können schwarze Schafe leichter operieren. Verbraucher sind dann schutzlos ausgeliefert, wenn sich Anbieter auf regulatorische Grauzonen berufen.

Dieser regulatorische Rückstand könnte folgenschwere Konsequenzen für die Wettbewerbsfähigkeit haben. Während in den USA noch diskutiert wird, bauen asiatische Finanzplätze bereits die Infrastruktur für tokenisierte Wertpapiere und institutionelles Staking aus. Wenn der CLARITY Act scheitert, wandert nicht nur Kapital ab, sondern auch technologisches Know-how. Das nächste große Krypto-Unicorn könnte in Singapur gegründet werden, statt in San Francisco.

Was du jetzt wissen solltest

Die regulatorische Unsicherheit in den USA betrifft dich auch als europäische Nutzerin. Hier sind fünf konkrete Handlungsempfehlungen:

  • Setze auf europäische Regulierung: Nutze Börsen und Dienstleister, die unter MiCA lizenziert sind. Diese bieten aktuell mehr Rechtssicherheit als US-basierte Anbieter.
  • Beobachte Stablecoin-Entwicklungen: Achte auf News zu USDC und USDT. Wenn die USA keine Klarheit schaffen, könnten diese Stablecoins unter Druck geraten oder ihre Reserven umstrukturieren müssen.
  • Hardware-Wallets nutzen: Bei Unsicherheit über die Zukunft von Börsen ist Selbstverwahrung in Hardware-Wallets wie Ledger oder BitBox02 die sicherste Option.
  • Diversifiziere deine Custody-Strategie: Halte nicht alle Assets auf einer einzigen Plattform. Verteile auf verschiedene, regulierte Anbieter wie Bitpanda oder Bitvavo.
  • Bilde dich weiter: Verstehe den Unterschied zwischen Wertpapier- und Rohstoff-Regulierung. Das hilft dir, News aus den USA besser einzuordnen und Panikreaktionen zu vermeiden.

Merke: Relevanz entsteht erst dann, wenn sich das Signal im Marktverhalten und in der Positionierung bestätigt.

Häufige Fragen

Was ist der CLARITY Act konkret?

Der CLARITY Act ist ein vorgeschlagenes US-Bundesgesetz, das klare Regeln für Stablecoins und die Abgrenzung zwischen Wertpapieren (SEC-Zuständigkeit) und digitalen Rohstoffen (CFTC-Zuständigkeit) schaffen soll. Es soll Banken ermöglichen, Krypto-Dienstleistungen anzubieten, ohne Angst vor willkürlichen rechtlichen Schritten zu haben.

Wer ist Christopher Giancarlo?

Giancarlo war von 2017 bis 2019 Vorsitzender der CFTC (Commodity Futures Trading Commission) und gilt als vernünftige Stimme in der Krypto-Regulierung. Er befürwortet eine innovationsoffene Regulierung und warnte wiederholt vor einer Überregulierung, die die USA technologisch zurückwerfen könnte.

Betrifft mich das als deutscher Anleger?

Indirekt ja. US-Regulierung beeinflusst globale Liquidität und große Stablecoins wie USDC. Wenn US-Banken Krypto-Dienste anbieten dürfen, steigt die institutionelle Nachfrage weltweit. Zudem orientieren sich viele internationale Standards an US-Vorbildern. Für deine direkte Anlagestrategie gilt jedoch: Europäische MiCA-Regulierung bietet aktuell mehr Sicherheit.