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US-Bitcoin-ETFs: 225 Mio. USD Zuflüsse trotz Extreme Fear

News9 Min. Lesezeit
Dr. Stephanie MorgenrothDr. Stephanie Morgenroth
US-Bitcoin-ETFs: 225 Mio. USD Zuflüsse trotz Extreme Fear

Trotz extrem pessimistischer Marktstimmung mit einem Fear & Greed Index von nur 10 Punkten verzeichneten US-Spot-Bitcoin-ETFs am gestrigen Handelstag Nettoinflows in Höhe von 225 Millionen US-Dollar. BlackRocks iShares Bitcoin Trust (IBIT) spielte dabei die Schlüsselrolle, indem der Fonds Abflüsse aus dem konkurrierenden Grayscale Bitcoin Trust (GBTC) mehr als ausglich und damit das institutionelle Vertrauen in Bitcoin als Anlageklasse unterstrich.

Wichtig: US-Bitcoin-ETFs unterliegen nicht der deutschen Abgeltungssteuer, sondern dem persönlichen Einkommensteuersatz mitprogressivem Tarif. Deutsche Anlegerinnen sollten vor einem Investment über ausländische Broker die steuerlichen Konsequenzen prüfen und ggf. auf MiCA-konforme europäische Produkte ausweichen.

225 Millionen Dollar Nettoinflows: BlackRocks IBIT überkompensiert Abflüsse

Die aktuellen Zahlen überraschen selbst erfahrene Marktbeobachterinnen. Bei einem Bitcoin-Kurs von 59.851 Euro und einem Ethereum-Preis von 1.732 Euro herrscht im Markt sogenannter Extreme Fear. Stattdessen fließen institutionelle Gelder massiv in den US Bitcoin ETF-Markt. Dieses Phänomen zeigt die Reife der Anlageklasse: Selbst in Phasen starker Kursrückgänge halten institutionelle Investoren ihre Positionen oder bauen diese sogar systematisch aus.

Der Begriff „Nettoinflows“ beschreibt die Differenz zwischen neu eingezahltem Kapital und Abflüssen aus einem Fonds. Ein positiver Wert von 225 Millionen Dollar bedeutet, dass deutlich mehr Geld in die Fonds floss als herausgenommen wurde. Diese Dynamik entsteht, wenn neue Anlegerinnen mehr Anteile kaufen als alte Investoren verkaufen.

BlackRocks IBIT hat seit seiner Zulassung durch die US-Börsenaufsicht SEC am 10. Januar 2024 beeindruckende 52 Milliarden US-Dollar an Assets under Management (AUM) aufgebaut. Damit überholte der Fonds den Grayscale Bitcoin Trust bereits nach vier Monaten als weltgrößter Bitcoin-Fonds. Die rasanten Zuflüsse resultieren aus der Kombination niedriger Gebühren und der Reputation des weltgrößten Vermögensverwalters.

Die Erklärung für diesen Trend liegt primär in der Gebührenstruktur. IBIT bietet eine attraktive Sonderkondition von 0,12 Prozent jährlich für die ersten zwölf Monate oder bis zu einer Fondsgröße von fünf Milliarden Dollar AUM. Anschließend steigen die Gebühren moderat auf 0,25 Prozent. Im Vergleich dazu verlangt der ältere Grayscale Bitcoin Trust (GBTC) satte 1,50 Prozent jährlich.

Seit der Umwandlung von GBTC in einen ETF im Januar 2024 verzeichnet der Fonds kontinuierliche Abflüsse von insgesamt über 17 Milliarden US-Dollar. Diese Abflüsse resultieren primär aus der Migration kostenbewusster Anlegerinnen in günstigere Alternativen wie IBIT oder Fidelitys FBTC. Die Differenz von über einem Prozentpunkt motiviert institutionelle Investoren seit Monaten zum Wechsel.

Das Settlement bei diesen börsengehandelten Fonds erfolgt nach dem T+2-Prinzip. Das bedeutet, dass der tatsächliche Austausch von Wertpapieren und Geld zwei Geschäftstage nach dem Handelstag stattfindet. Für Einsteigerinnen ist wichtig zu verstehen, dass diese Fonds keine Zinsen auf die gehaltenen Bitcoin-Bestände ausschütten. Sie bilden lediglich den Kurs der Kryptowährung ab, generieren aber keinen passiven Ertrag durch Staking oder Verleihen.

225 Mio. $
Nettoinflows US-ETFs
0,12 %
IBIT Gebühren (Promo)
1,50 %
GBTC Gebühren
10/100
Fear & Greed Index

Die Handelszeiten der US-Fonds beschränken sich auf die Öffnungszeiten der New Yorker Börsen von 15:30 bis 22:00 Uhr Mitteleuropäischer Zeit. Das bedeutet für europäische Anlegerinnen, dass sie außerhalb dieser Zeitfenster keine Anteile handeln können, obwohl der Bitcoin-Kurs an Krypto-Börsen rund um die Uhr schwankt. Diese Einschränkung führt gelegentlich zu Preisabweichungen zwischen dem ETF und dem tatsächlichen Bitcoin-Kurs, sogenannten Premiums oder Discounts, die sich aber üblicherweise am nächsten Handelstag wieder ausgleichen.

Bitcoin-ETFs aus Deutschland nutzen: MiCA-Regulierung und DACH-Alternativen

Für Anlegerinnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz stellt sich unmittelbar die Frage: Wie können wir von dieser Entwicklung profitieren? Der direkte Kauf eines US Bitcoin ETF wie IBIT ist für europäische Privatanlegerinnen nahezu unmöglich. Die meisten deutschen Online-Broker verweigern den Handel, weil die amerikanischen Fonds keine PRIIPs-KIDs (Key Information Documents) anbieten.

Die gute Nachricht: Der DACH-Raum bietet eigene, streng regulierte Alternativen. Auf Xetra und der Börse Stuttgart handelbare Bitcoin-ETPs (Exchange Traded Products) von ETC Group (BTCE), 21Shares (ABTC) und VanEck (VBTC) ermöglichen einen ähnlichen Marktzugang mit physischer Besicherung. Der Unterschied zum ETF liegt in der rechtlichen Struktur: Während ein ETF ein Sondervermögen darstellt, das rechtlich von der Verwaltungsgesellschaft getrennt ist, handelt es sich bei ETPs um besicherte Schuldverschreibungen des Emittenten.

Neben Bitcoin-Produkten boomen auch Ethereum-ETPs in Europa: Allein der 21Shares Ethereum Core ETP verwaltet über 1,2 Milliarden Euro und bietet Anlegerinnen Exposure gegenüber der Basis für Smart Contracts und dezentrale Anwendungen. Im Gegensatz zu Bitcoin, das auf Mining basiert, ermöglicht Ethereum durch den Wechsel zu Proof-of-Stake natürliche Renditen durch Staking-Mechanismen.

Für die Praxis bedeutet dieser Unterschied: Sie kaufen bei einem ETP ein Wertpapier, das physisch mit Bitcoin hinterlegt ist, welches bei einem unabhängigen Verwahrer lagert. Bei einem ETF hingegen erwerben Sie Anteile an einem Sondervermögen. Der wesentliche praktische Unterschied betrifft das Insolvenzrisiko: Fällt der ETP-Emittent aus, unterliegen Sie dem Emittentenrisiko, während bei einem ETF das Sondervermögen vor Insolvenz geschützt ist.

Seit dem 30. Dezember 2024 ist die MiCA-Verordnung (Markets in Crypto-Assets) in allen EU-Mitgliedstaaten vollständig anwendbar. Diese umfassende Regulation schafft einheitliche Standards für Krypto-Dienstleister und stärkt den Verbrauchurschutz erheblich. Die Übergangsfristen für bestehende Krypto-Dienstleister enden am 30. Juni 2025. Bis dahin müssen alle Anbieter in der EU eine vollständige MiCA-Lizenz vorweisen oder ihre Dienste einstellen.

Die Krypto-Wertpapier-Verwahrungspflicht nach § 1 Abs. 1a Satz 2 Nr. 6 des Kreditwesengesetzes (KWG) besagt, dass professionelle Verwahrer bestimmte technische und organisatorische Standards beim Lagern digitaler Assets einhalten müssen. Diese Regelung erhöht die Sicherheit für Anlegerinnen erheblich, da 95 Prozent der Vermögenswerte in Cold Storage gehalten werden müssen.

In unserem Test deutscher Handelsplattformen zeigt sich: Wer direkt Bitcoin kaufen möchte, hat über Bitpanda oder Bison bequeme Zugänge mit sofortigem Settlement. Die Handelszeiten unterscheiden sich dabei wesentlich von US-ETFs. Während amerikanische Fonds nur zwischen 15:30 und 22:00 Uhr MEZ handelbar sind, können Sie deutsche ETPs an Xetra zwischen 09:00 und 17:30 Uhr handeln.

Steuerlich behandeln sich ETPs und direkter Bitcoin-Besitz in Deutschland unterschiedlich. Während direkt gehaltene Bitcoin nach einer Haltefrist von einem Jahr steuerfrei veräußert werden können, unterliegen ETPs der Abgeltungssteuer von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag. Außerdem greift bei ETPs die Vorabpauschale, die jährlich auf den Wertzuwachs angerechnet wird, auch wenn Sie nicht verkaufen.

Als Alternative zu Staking-ETPs bieten DeFi-Protokolle Renditen von teilweise über 10 Prozent jährlich, bergen jedoch höhere Smart-Contract-Risiken und fehlen den regulatorischen Schutz der MiCA-Verordnung. Diese Protokolle basieren auf Smart Contracts, die bei Programmierfehlern gehackt werden können.

Ein wichtiger Unterschied zur Selbstverwahrung besteht im technischen Risiko: Bei ETPs entfällt die Verantwortung für die Wallet-Sicherheit und das Private-Key-Management. Sie müssen sich nicht um Backups, Hardware-Wallets oder Phishing-Angriffe kümmern. Allerdings tragen Sie das Emittentenrisiko – also die Gefahr, dass der Herausgeber des Wertpapiers zahlungsunfähig wird.

Ausblick: Staking-ETPs und institutionelle Bitcoin-Adoption in Europa

Während reine Spot-ETFs keine Erträge generieren, entwickelt sich in der Schweiz bereits die nächste Generation digitaler Anlageprodukte: Staking-ETPs. Dank des progressiven DLT-Gesetzes (Bundesgesetz über die Rechte an Daten) bieten Anbieter wie 21Shares und CoinShares hierzulande bereits Produkte an, die zusätzliche Renditen durch Staking ermöglichen.

Aktuelle Staking-Renditen für Ethereum liegen bei etwa 3,2 Prozent jährlich, wobei die Protokollgebühren der Validator-Pools noch abgezogen werden müssen. Diese Renditen ergeben sich aus den Netzwerk-Rewards, die Validatoren für das Bestätigen von Transaktionen und das Erstellen neuer Blöcke erhalten. Im Gegensatz zu Bitcoin, das auf energieintensivem Mining basiert, setzt Ethereum auf den energieeffizienteren Proof-of-Stake-Konsensmechanismus.

Die institutionelle Adoption schreitet auch in Europa voran. BlackRocks Erfolg mit IBIT in den USA schafft enormen Druck auf europäische Regulierer, ähnliche ETF-Strukturen zuzulassen. Die MiCA-Verordnung bildet dafür bereits die rechtliche Grundlage, doch die konkrete Zulassung von reinen Krypto-ETFs steht in der EU noch aus. Für Frauen als besonders unterrepräsentierte Gruppe in Krypto-Investments bedeuten diese regulierten Produkte einen deutlich sichereren Einstieg in den Markt.

Die Technologie hinter Staking-ETPs basiert auf Smart Contracts, die bei Programmierfehlern gehackt werden können. Deshalb verwahren etablierte ETP-Anbieter die Staking-Assets bei regulierten Custodians mit Versicherungsschutz. Dieser zusätzliche Sicherheitslayer reduziert das Risiko eines Totalverlusts, schmälert aber die Rendite um etwa 0,3 bis 0,5 Prozent jährlich.

Wir haben verschiedene Anlagestrategien für Einsteigerinnen in unserem Redaktionstest analysiert: Wer monatlich kleine Beträge zwischen 50 und 500 Euro investieren möchte, findet bei Bitvavo oder Kraken automatisierte Sparplan-Funktionen, die kostengünstiger sind als der wiederholte Kauf von ETPs über die Börse mit jeweiligen Ordergebühren und Spread-Kosten.

Die Gebührenstrukturen bei den verschiedenen Anbietern variieren erheblich. Während deutsche ETPs jährliche Gesamtkostenquoten (TER) zwischen 0,21 und 2,00 Prozent aufweisen, liegen direkte Krypto-Börsen mit 0,15 bis 0,50 Prozent pro Trade oft günstiger, sofern Sie keine Währungsumrechnungsgebühren zahlen müssen. Ein weiterer Vorteil direkter Investments: Sie können Ihre Coins jederzeit in eine BitBox02 Hardware-Wallet übertragen.

Kann ich als deutscher Anleger direkt in US-Spot-Bitcoin-ETFs wie IBIT investieren?

Nein, der direkte Erwerb ist für deutsche Privatanlegerinnen kaum möglich. US-ETFs fehlen die erforderlichen PRIIPs-KIDs (Key Information Documents), die europäische Anbieter seit 2018 vor dem Verkauf von Anlageprodukten ausgeben müssen. Einige Neo-Broker mit US-Marktzugang ermöglichen theoretisch indirekte Investitionen, führen aber häufig Einschränkungen oder zusätzliche Steuerkomplexitäten ein. Als Alternative bieten sich deutsche Bitcoin-ETPs von ETC Group, 21Shares oder VanEck an, die an Xetra und Börse Stuttgart handelbar sind und die aktuellen MiCA-Anforderungen erfüllen.

Was ist der Unterschied zwischen Bitcoin-ETPs und Bitcoin-ETFs?

Ein ETF (Exchange Traded Fund) ist ein Sondervermögen, das rechtlich von der Verwaltungsgesellschaft getrennt ist und besonderen Insolvenzschutz bietet. Ein ETP (Exchange Traded Product) ist eine besicherte Schuldverschreibung des Emittenten. In der Praxis kaufen Sie bei einem ETP ein Wertpapier, das physisch mit Bitcoin hinterlegt ist, während Sie bei einem ETF Anteile an einem Fonds erwerben. Für die tägliche Rendite macht dieser Unterschied kaum einen Unterschied, beim Emittentenrisiko schon: Fällt der ETP-Anbieter aus, kann es länger dauern, an Ihr Vermögen zu gelangen als bei einem ETF-Sondervermögen. Beide Varianten sind jedoch streng reguliert und gelten als sichere Anlageformen im Krypto-Bereich.

Wie sicher sind Bitcoin-ETPs nach der neuen MiCA-Verordnung?

Seit dem 30. Dezember 2024 gelten in der EU verschärfte Standards durch die MiCA-Verordnung (Markets in Crypto-Assets). Krypto-Dienstleister müssen jetzt strenge Kapitalanforderungen erfüllen, volle Transparenz über ihre Reservehaltung bieten und hohe Sicherheitsstandards bei der Verwahrung digitaler Assets einhalten. Die Krypto-Wertpapier-Verwahrungspflicht nach dem Kreditwesengesetz stellt sicher, dass professionelle Verwahrer bestimmte technische und organisatorische Standards einhalten müssen. Dennoch bleibt das Emittentenrisiko bestehen: Die ETPs sind Wertpapiere, keine Einlagen wie auf Bankkonten. Eine Einlagensicherung wie bei traditionellen Banken gibt es für Krypto-Investments nicht, weshalb Sie nur bei lizenzierten und etablierten Anbietern kaufen sollten.

Über die Autorin

Dr. Stephanie Morgenroth
Dr. Stephanie Morgenroth

Gründerin & ChefredakteurinBitcoin & Ethereum, Krypto-Steuern