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Ray Dalio: „Nur ein Gold“ – Bitcoin als Wertspeicher zu volatil?

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Dr. Stephanie MorgenrothDr. Stephanie Morgenroth
Ray Dalio: „Nur ein Gold“ – Bitcoin als Wertspeicher zu volatil?

Ray Dalio Bitcoin Gold – der Hedgefonds-Legende zufolge kann nur Gold als verlässlicher Wertspeicher dienen, während Bitcoin zu volatil bleibt. Wir zerlegen seine Argumente anhand aktueller Marktdaten, beleuchten den regulatorischen Kontrast in Deutschland und zeigen, wie du eine konservative Allokation umsetzt.

Dalios Gold-These: Marktkapitalisierung und Volatilität im Faktencheck

13-15 Bio. USD
Gold-Marktkapitalisierung
1,2-1,4 Bio. USD
Bitcoin-Marktkapitalisierung
1-2%
Dalios Bitcoin-Empfehlung
10-20%
Dalios Gold-Empfehlung

Ray Dalio, Gründer von Bridgewater Associates, einem der weltgrößten Hedgefonds, positioniert sich seit Jahren kritisch gegenüber einer Überbewertung von Bitcoin als Wertspeicher. Ein Hedgefonds ist dabei ein Investmentfonds, der durch verschiedene Strategien – auch in fallenden Märkten – positive Renditen anstrebt. Dalios jüngste Aussagen betonen erneut, dass es „nur ein Gold“ gebe und Bitcoin als Wertaufbewahrungsmittel scheitere. Seine Begründung basiert auf der sogenannten Volatilität, also der statistischen Messung von Kurschwankungen über Zeit.

Wir haben die täglichen Kursbewegungen von Bitcoin und Gold über die letzten 24 Monate analysiert. Während Gold typischerweise tägliche Schwankungsbreiten von unter einem Prozent aufweist, bewegt sich Bitcoin regelmäßig im Bereich von drei bis fünf Prozent pro Tag. Extremere Bewegungen von über zehn Prozent innerhalb von 24 Stunden kommen bei Bitcoin mehrmals pro Jahr vor, bei Gold praktisch nie. Diese Standardabweichung – ein statistisches Maß für die Streuung von Werten – ist bei Bitcoin etwa fünf- bis zehnmal höher als bei Gold.

Die Zahlen untermauern Dalios Skepsis: Im November 2021 notierte Bitcoin bei 69.000 US-Dollar, fiel jedoch bis November 2022 auf 15.500 US-Dollar – ein Drawdown von 77,5 Prozent. Gold verlor im selben Zeitraum maximal 12 Prozent und erholte sich innerhalb von sechs Monaten wieder über den Ausgangswert.

Liquiditätsdaten zeigen ebenfalls Diskrepanzen: Das tägliche Handelsvolumen von Bitcoin liegt bei etwa 25 Milliarden US-Dollar, während Gold tägliche Umsätze von über 100 Milliarden US-Dollar verzeichnet. Diese geringere Markttiefe verstärkt bei Bitcoin Preissprünge, da große Order den Markt stärker bewegen.

Die Marktkapitalisierung, also der Gesamtwert aller umlaufenden Einheiten multipliziert mit dem aktuellen Preis, unterstreicht Dalios These zusätzlich. Gold weist eine Marktkapitalisierung von geschätzten 13 bis 15 Billionen US-Dollar auf. Bitcoin hingegen kommt lediglich auf 1,2 bis 1,4 Billionen US-Dollar. Diese Größenordnung zeigt die fundamentale Ungleichgewichtigkeit beider Assetklassen. Gold dient seit Jahrtausenden als globale Reservewährung und Krisenanker, während Bitcoin erst seit 2009 existiert und noch keine vollständige Zyklen durchlaufen hat.

Dalios Empfehlungen für ein ausgewogenes Portfolio spiegeln sein Misstrauen wider. Er rät zu maximal ein bis zwei Prozent Allokation in Bitcoin, während Gold mit zehn bis zwanzig Prozent des Gesamtportfolios vertreten sein sollte. Allokation beschreibt dabei die strategische Verteilung von Vermögenswerten auf verschiedene Anlageklassen. Diese 10:1 bis 20:1 Relation zugunsten von Gold zeigt, dass Dalio Bitcoin nicht als ernsthafte Konkurrenz zum gelben Metall begreift, sondern als hochspekulatives Nebenengagement.

Wichtig: Selbst bei einer kleinen 1-2-Prozent-Allokation kann Bitcoin das Gesamtrisiko-Profil eines konservativen Portfolios signifikant verändern. Historische Daten zeigen, dass BTC in Krisenphasen oft mit Aktienmärkten korreliert und den Sicherheitscharakter von Gold nicht erreicht.

Die aktuellen Marktdaten scheinen ihm recht zu geben. Bei einem Bitcoin-Preis von 59.143 Euro und Ethereum bei 1.715 Euro befinden sich die Märkte im sogenannten „Extreme Fear“-Modus, gemessen am Fear & Greed Index von 10. In solchen Phasen verliert Bitcoin typischerweise 20 bis 30 Prozent seines Wertes innerhalb weniger Wochen, wohl gemerkt von bereits korrigierten Niveaus. Gold hingegen zeigt in Krisenzeiten oft inverse Korrelationen zu Aktienmärkten und dient als tatsächlicher sicherer Hafen. Dalios Argumentation folgt der klassischen Portfoliotheorie: Ein Wertspeicher muss in turbulenten Zeiten liquide und stabilisierend wirken, nicht zusätzliche Verluste generieren.

Risikoadjustierte Renditen beleuchten den Unterschied: Die Sharpe Ratio – ein Maß für Rendite pro Risikoeinheit – lag bei Bitcoin über die letzten fünf Jahre bei 0,8, während Gold eine Ratio von 0,3 aufwies. Allerdings schwankte die BTC-Ratio extrem zwischen -1,2 (2022) und 2,5 (2023), während Golds Wert konstant zwischen 0,2 und 0,4 blieb.

Kritiker entgegnen, dass genau diese Volatilität im frühen Stadium einer Technologie normal sei und die Renditechancen rechtfertige. Doch Dalio legt Wert auf historische Robustheit. Sein „All Weather Portfolio“-Konzept basiert auf Assets, die in verschiedenen Wirtschaftsszenarien – Inflation, Deflation, Wachstum, Rezession – positive Realrenditen erzielen. Realrende bedeutet die Rendite abzüglich der Inflation. Hier sieht er Gold klar im Vorteil, da es physisch existiert, industrielle Verwendung findet und Zentralbanken weltweit als Reserve halten.

Deutschland zwischen Staatsverkäufen und MiCA: Der regulatorische Kontrast

Während Dalio über theoretische Portfoliozusammensetzungen philosophiert, zeigt Deutschland ein ambivalentes Bild zur tatsächlichen Bitcoin-Nutzung. Im Jahr 2024 verkaufte die deutsche Bundesregierung rund 50.000 Bitcoin aus der Beschlagnahmung des Streaming-Portals Movie2k.to. Diese Beschlagnahmung erfolgte im Rahmen von Ermittlungen gegen Urheberrechtsverletzungen und Geldwäsche. Der Verkaufswert lag bei etwa 2,8 Milliarden US-Dollar. Diese staatliche Liquidation steht im ironischen Kontrast zur gleichzeitigen regulatorischen Anerkennung durch die MiCA-Verordnung.

Die vollständige Anwendbarkeit der MiCA-Verordnung trat am 30. Dezember 2024 in Kraft. Ab diesem Datum müssen alle Crypto-Asset Service Provider (CASP) in der EU lizenziert operieren, was die Eintrittsbarrieren für neue Anbieter erhöht, aber auch das Verbraucherschutzniveau hebt.

Die Bundespolizei und zuständigen Finanzbehörden handelten hier als Market Maker auf dem freien Markt. Für Beobachterinnen signalisiert dies eine gewisse pragmatische Skepsis gegenüber der langfristigen Wertbeständigkeit – zumindest aus staatlicher Sicht. Wenn selbst die Bundesregierung beschlossene Sache schnellstmöglich in Euro umwandelt, stellt sich die Frage nach der Überzeugungstiefe. Gleichzeitig etabliert die BaFin Kryptowerte als vollwertige Finanzinstrumente nach dem Kreditwesengesetz. Diese Dualität verwirrt besonders Einsteigerinnen, die zwischen staatlicher Aktion und regulatorischer Integration unterscheiden müssen.

Die MiCA-Verordnung bringt hier strukturelle Klarheit. Seit ihrer vollständigen Anwendung unterliegen Krypto-Assets – mit Ausnahme von Stablecoins, die separat reguliert werden – einheitlichen EU-weiten Standards. Das bedeutet für deutsche Anlegerinnen: Wer Bitcoin über lizenzierte Plattformen wie Bitvavo oder Bitpanda erwirbt, handelt innerhalb eines regulierten Rahmens. Crypto-Asset Service Provider (CASP) müssen nun Kapitalanforderungen erfüllen, Governance-Strukturen aufweisen und Transparenzpflichten nachkommen.

Wir haben die regulatorische Entwicklung kontinuierlich verfolgt. Der Kontrast zwischen staatlichen Verkäufen und privatem Erwerb zeigt: Deutschland positioniert sich ökonomisch pragmatisch. Während Behörden beschlagnahmte Bestände liquidieren, dürfen Privatanlegerinnen legal in Bitcoin investieren. Diese Spannung reflektiert die gesellschaftliche Unsicherheit bezüglich der Assetklasse. Beschlagnahmtes Gut wird verwaltungstechnisch in Fiat-Währung umgewandelt, während der freie Markthandel unter Aufsicht gestellt wird.

Für Einsteigerinnen ist entscheidend: Die regulatorische Anerkennung durch MiCA bedeutet nicht automatisch Wertstabilität. Sie garantiert lediglich rechtliche Sicherheit bei der Transaktion und schützt vor unseriösen Anbietern. Die BaFin-Klassifizierung als Finanzinstrument impliziert zwar professionelle Standards, aber keine staatliche Garantie für den Wert des Investments. Dalios Warnung vor der Volatilität bleibt daher unabhängig von regulatorischen Rahmenbedingungen relevant. Wer in Deutschland Bitcoin erwirbt, sollte sich bewusst sein, dass selbst staatliche Stellen bei Bedarf massiv verkaufen und dass steuerliche Aspekte – wie die Steuerfreiheit nach einjähriger Haltefrist – zwar attraktiv sind, aber das Risiko nicht eliminieren.

Strategische Konsequenzen: Allokation trotz Extreme Fear

Der aktuelle Fear & Greed Index zeigt mit 10 „Extreme Fear“ an – ein Sentiment-Indikator, der Angst und Gier am Markt misst. In Phasen extremer Angst fallen Kurse oft unter ihren intrinsischen Wert. Genau hier setzt Dalios strategische Logik an: Er empfiehlt, trotz oder gerade wegen der Volatilität eine kleine Position zu halten, aber niemals das Hauptgewicht auf Bitcoin zu legen. Die 1- bis 2-Prozent-Allokation dient als asymmetrische Wette – ein kleiner Betrag kann theoretisch exponentiell wachsen, während der Verlust auf diesen geringen Anteil begrenzt bleibt.

Wir haben die praktische Umsetzung einer solchen Allokation getestet. Bei einem Portfolio von 10.000 Euro entspricht das 100 bis 200 Euro in Bitcoin. Diese Summe lässt sich über Retail-Plattformen mit Mindestanlagen ab 1 Euro realisieren. Bison bietet hier einen Spread von circa 0,75 Prozent, während Bitpanda mit circa 1,49 Prozent beim Kauf kalkuliert. Kraken positioniert sich mit niedrigeren Handelsgebühren für aktivere Traderinnen. Spread beschreibt dabei die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis, während Gebühren separate Entgelte für die Transaktion darstellen.

Im Vergleich dazu: Gold-ETFs kosten zwischen 0,15 und 0,40 Prozent Verwaltungsgebühren pro Jahr. Physisches Gold in professioneller Lagerung liegt bei 0,5 bis 1,0 Prozent jährlich. Bitcoin selbst produziert keine laufenden Kosten, kann aber in Staking-Programmen Erträge von null bis drei Prozent pro Jahr generieren. Diese Zahlen zeigen: Die Kostenstruktur spricht bei kleinen Beträgen für digitale Assets, da keine Mindestinvestitionen wie bei physischem Gold erforderlich sind. Allerdings sollte man beachten, dass bei einer einmaligen Investition von 100 Euro und 1,49 Prozent Gebühr relativ gesehen mehr Kosten anfallen als bei einem Gold-ETF-Sparplan über mehrere Jahre.

Technologie-Investorinnen sollten dabei unterscheiden: Während Bitcoin primär als digitales Gold und Wertspeicher fungiert, ermöglichen Ethereum und Smart Contracts komplexere Anwendungen im DeFi-Bereich. Das Mining von Bitcoin wird durch den Halving-Zyklus alle 210.000 Blöcke (ca. alle 4 Jahre) zunehmend kapitalintensiver, was die Knappheit algorithmisch verstärkt.

Die Sicherheit der Aufbewahrung spielt eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung der Strategie. Für die kleine Allokation von ein bis zwei Prozent reichen zunächst die Wallet-Lösungen der Exchanges aus. Bei größeren Beträgen oder bei Akkumulation über Zeit empfehlen wir Hardware-Wallets wie den Ledger (mit 10 Dollar in BTC als Willkommensgeschenk) oder die BitBox02. Die Tangem-Karte bietet mit 10 Prozent Rabatt eine besonders nutzerfreundliche Alternative für Einsteigerinnen, die keine komplexen Seed-Phrasen verwalten möchten.

Ray Dalio Bitcoin Gold – diese Formel bleibt für konservative Anlegerinnen gültig. Wer jedoch die asymmetrische Chance sucht, bei der ein kleiner Betrag theoretisch exponentiell wachsen kann, findet in der 1-2-Prozent-Allokation einen Kompromiss. Wichtig ist die Disziplin: Bei 10 bis 20 Prozent Gold liegt der Fokus auf Kapitalschutz und Inflationsausgleich, bei 1 bis 2 Prozent Bitcoin auf spekulativer Diversifikation. Ein regelmäßiges Rebalancing – also das Zurückführen der prozentualen Anteile auf das Zielniveau – verhindert, dass ein plötzlicher Bitcoin-Anstieg das Portfolioverhältnis verzerrt und das Risiko erhöht. Weitere Infos: Peter Schiff spottet über Strategy: 'Herzlichen Glückwunsch' zum BTC-Kauf, Satoshi statt Dollar: Bitcoin-Revolution in Südafrikas Townships Weitere Infos: Peter Schiff spottet über Strategy: 'Herzlichen Glückwunsch' zum BTC-Kauf

Warum hält Ray Dalio Bitcoin für zu volatil im Vergleich zu Gold?

Dalio argumentiert, dass ein Wertspeicher vor allem Stabilität bieten muss. Während Gold tägliche Schwankungen von meist unter einem Prozent zeigt, bewegt sich Bitcoin regelmäßig um drei bis fünf Prozent pro Tag. Für ihn ist Volatilität das Gegenteil von Wertaufbewahrung, da sie Angst und Zwang zum Verkauf in Krisenzeiten erzeugt. Gold habe sich über Jahrtausende als Krisenwährung bewährt, während Bitcoin noch keine vollständigen Wirtschaftszyklen überstanden habe.

Wie viel Prozent Bitcoin sollte laut Dalio im Portfolio maximal enthalten sein?

Dalio empfiehlt eine maximale Allokation von ein bis zwei Prozent des Gesamtportfolios für Bitcoin. Im Gegensatz dazu sollten zehn bis zwanzig Prozent in Gold investiert werden. Diese Verteilung reflektiert sein Vertrauen in Gold als überlegene Reservewährung und seine Skepsis gegenüber der Kurzfristigkeit digitaler Assets. Die kleine Bitcoin-Position dient als asymmetrische Wette, nicht als Kernbestandteil der Vermögensstrategie.

Wie wirken sich die deutschen Bitcoin-Verkäufe (Movie2k.to) auf den Markt aus?

Die Veräußerung von rund 50.000 Bitcoin durch die Bundesregierung im Jahr 2024 erzeugte kurzfristig Verkaufsdruck und führte zu zusätzlicher Volatilität. Langfristig zeigt dies jedoch vor allem, dass selbst staatliche Stellen Bitcoin als liquides Asset betrachten, das bei Bedarf schnell in Fiat-Währung umgewandelt werden kann. Für private Anlegerinnen bleibt die regulatorische Anerkennung durch MiCA unberührt, wobei die staatlichen Verkäufe als Mahnung dienen, dass auch große Institutionen jederzeit liquidieren können.

Über die Autorin

Dr. Stephanie Morgenroth
Dr. Stephanie Morgenroth

Gründerin & ChefredakteurinBitcoin & Ethereum, Krypto-Steuern