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Was ist Depotgebühr?

Warum kleine laufende Depotkosten über Jahre einen größeren Unterschied machen können als gedacht

FinanzenEinsteiger4 Min. Lesezeit

Definition

Eine Depotgebühr ist die Gebühr, die für die Führung oder Verwahrung eines Wertpapierdepots anfallen kann.

Depotgebühren sind Kosten, die Banken und Broker für die Verwahrung deiner Wertpapiere berechnen. Im klassischen Bereich umfassen sie Grundgebühren, Orderkosten und Börsenplatzentgelte. Bei Krypto-Börsen treten an ihre Stelle Trading Fees, Spreads und Withdrawal Fees. Die Neobroker-Revolution hat in Deutschland Depotführung zum Nulltarif etabliert, doch das EU-weite PFOF-Verbot ab Juni 2026 wird die Gebührenmodelle grundlegend verändern.

Gebührenarten im Überblick

GebührenartWas wird berechnetTypische Höhe
DepotführungJahres-/Monatspauschale für die Kontoführung0-1,95 EUR/Monat
OrdergebührKosten pro Kauf/Verkauf0-69,90 EUR je Order
Sparplan-GebührKosten pro Sparplan-Ausführung0-1,5 % des Betrags
BörsenplatzentgeltZusatzkosten je nach Handelsplatz0-15 EUR
SpreadDifferenz zwischen Kauf- und VerkaufskursVariabel, 0,1-1,5 %

Broker-Vergleich: Was kostet ein Depot 2026?

Die Unterschiede sind enorm. Während Neobroker wie Trade Republic (10 Mio. Kunden, 100 Mrd. EUR verwaltetes Vermögen, Vollbanklizenz seit Januar 2025) für 1 EUR Fremdkostenpauschale pro Order handeln lassen, verlangen Direktbanken bis zu 69,90 EUR.

BrokerDepotgebührOrdergebührSparplan
Trade Republic0 EUR1 EUR0 EUR
Scalable Capital Free0 EUR0,99 EUR (Gettex)0 EUR
Smartbroker+0 EUR0 EUR ab 500 EUR0 EUR
ING0 EUR4,90 EUR + 0,25 %0 EUR
Consorsbank0 EUR4,95 EUR + 0,25 %0 EUR
comdirect1,95 EUR/Mon.*4,90 EUR + 0,25 %1,5 %
DKB0 EUR10-30 EUR1,50 EUR

*comdirect: entfällt bei Sparplan oder 2 Trades/Quartal.

PFOF-Verbot: Das Ende der Gratis-Ära?

Neobroker finanzieren sich bisher zu rund einem Drittel über Payment for Order Flow (PFOF): Market Maker zahlen dafür, dass Kundenorders an sie weitergeleitet werden. Ab dem 30. Juni 2026 verbietet die EU diese Praxis. Die Folgen für dich: Orders könnten 2-3 EUR teurer werden. Scalable Capital reagiert mit einer eigenen Börse (EIX, gestartet Dezember 2025 mit Börse Hannover) und verdient künftig als Market Maker am Spread. Trade Republic setzt auf Diversifikation: Vollbanklizenz, Girokonto, 2,0 % Zinsen auf Guthaben. Abo-Modelle (feste Monatsgebühr, dafür Gratis-Trades) sind eine weitere wahrscheinliche Entwicklung. Trade Republic erzielte im Geschäftsjahr 2024 bereits 340 Mio. EUR Umsatz (+75 % YoY), die Bewertung liegt bei 12,5 Mrd. EUR.

Krypto-Börsen: Andere Gebührenstruktur

Bei Krypto-Börsen gibt es keine klassische Depotgebühr. Die Kosten stecken im Trading Fee und vor allem im Spread.

BörseTrading FeeEffektive KostenBesonderheit
Bitvavo0,25 % (unter 1.000 EUR/Mon.)~0,53 % inkl. SpreadAb 25 Mio. EUR: 0 % Maker
Bitpanda~1,49 % (Standard)1-1,5 %Bitpanda Pro günstiger
Kraken0,16/0,26 % (Maker/Taker)~0,3-0,5 %Sinkend bei Volumen

Versteckte Kosten bei Krypto: Withdrawal Fees (Netzwerkgebühren für Auszahlung auf dein Wallet), Inaktivitätsgebühren bei einigen Anbietern und der Spread als größter Kostenfaktor. Eine Bitcoin-Auszahlung kostet je nach Netzwerkauslastung 1-15 EUR, Ethereum 2-20 EUR, Stablecoins über TRON oft unter 1 EUR. Manche Börsen bieten eine bestimmte Anzahl kostenloser Auszahlungen pro Monat. Ein Vergleich der Gesamtkosten (nicht nur der beworbenen Trading Fee) lohnt sich immer.

Gebühren senken: Praktische Tipps

Nutze Limit-Orders statt Market-Orders, um den Spread zu reduzieren. Bei Bitvavo sinken die Gebühren mit steigendem Handelsvolumen automatisch (ab 25 Mio. EUR: 0 % Maker). Für regelmäßige Investments lohnen sich gebührenfreie Sparpläne bei Neobrokern. Bündle Auszahlungen auf dein Hardware-Wallet, statt viele kleine Transaktionen zu machen, das spart dir Withdrawal Fees. Vergleiche Handelsplätze: Gettex und Tradegate sind bei Neobrokern oft günstiger als Xetra.

Tipp

Der Spread ist oft teurer als die ausgewiesene Handelsgebühr. Vergleiche immer die effektiven Gesamtkosten, nicht nur die beworbene Trading Fee. Auf unserer Börsen-Vergleichsseite findest du aktuelle Gebührenvergleiche.

Depotgebühren und Steuern

Seit Einführung der Abgeltungsteuer 2009 sind klassische Depotgebühren nicht mehr als Werbungskosten absetzbar. Stattdessen gilt der Sparer-Pauschbetrag (1.000 EUR pro Person, 2.000 EUR für Ehepaare). Bei Kryptowährungen sieht es anders aus: Transaktionsgebühren beim Kauf erhöhen die Anschaffungskosten, beim Verkauf mindern sie den Erlös. Da Krypto-Gewinne unter § 23 EStG (private Veräußerungsgeschäfte) fallen und nicht unter die Abgeltungsteuer, sind diese Gebühren steuerlich relevant. Die Freigrenze liegt seit 2024 bei 1.000 EUR pro Jahr, nach einem Jahr Haltefrist sind Gewinne komplett steuerfrei.

Häufige Fragen zu Depotgebühren

Werden Depots nach dem PFOF-Verbot teurer?

Wahrscheinlich leicht. Neobroker werden alternative Einnahmemodelle nutzen: eigene Börsen, Abo-Modelle oder höhere Spreads. Orders könnten 2-3 EUR teurer werden, bleiben aber deutlich günstiger als bei klassischen Direktbanken.

Kann ich Krypto-Handelsgebühren von der Steuer absetzen?

Ja. Kaufgebühren erhöhen deine Anschaffungskosten, Verkaufsgebühren mindern den Erlös. Das reduziert deinen steuerpflichtigen Gewinn. Dokumentiere alle Gebühren sorgfältig, ein Steuer-Tool wie CoinTracking hilft dabei.

Was ist günstiger: Krypto-Börse oder Neobroker für Krypto?

Spezialisierte Krypto-Börsen sind meist günstiger. Bitvavo berechnet 0,25 % pro Trade, Trade Republic 1-2 % Spread auf Krypto. Außerdem bieten Krypto-Börsen Auszahlung auf eigene Wallets, was bei manchen Neobrokern nicht möglich ist.

Über die Autorin

Dr. Stephanie Morgenroth

Dr. Stephanie Morgenroth

Steffi ist promovierte Medizinerin, Krypto-Investorin seit 2021 und erreicht mit MissCrypto über 100.000 Menschen auf Social Media. Sie macht komplexe Themen wie Bitcoin, DeFi und Krypto-Steuern verständlich, ehrlich, unabhängig und ohne Hype.

Über Steffi

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