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Forked Token: Hard-Fork-Coins und ihre Wertentwicklung

Wie Forked Tokens durch Hard Forks entstehen, warum Bitcoin Cash 96 % relativ zu BTC verlor und wie das Finanzamt Fork-Coins besteuert

KryptowährungenEinsteiger5 Min. Lesezeit

Definition

Ein Forked Token entsteht durch einen Hard Fork, bei dem eine bestehende Blockchain gespalten wird und ein neues, eigenständiges Krypto-Asset mit kopierter Transaktionshistorie geschaffen wird.

Ein Forked Token entsteht, wenn eine Blockchain durch einen Hard Fork gespalten wird. Dabei wird die Transaktionshistorie bis zum Fork-Zeitpunkt kopiert: Jeder, der zum Snapshot Kryptowährungen auf der Original-Chain besaß, erhält die gleiche Menge an Token auf der neuen Chain. Der bekannteste Forked Token ist Bitcoin Cash (BCH), entstanden im August 2017 aus einem Streit über die Bitcoin-Blockgröße. Historisch hat kein einziger relevanter Forked Token die Performance des Originals erreicht, die meisten verloren 90 bis 99 % ihres Wertes relativ zum Ausgangsprojekt.

Wie ein Forked Token entsteht

Ein Hard Fork ist eine nicht rückwärtskompatible Änderung des Protokolls. Wenn sich die Community nicht einigen kann, spaltet sich die Blockchain in zwei eigenständige Ketten. Beide teilen dieselbe Geschichte bis zum Fork-Block, ab dann laufen sie unabhängig weiter. Der Unterschied zum Soft Fork: Ein Soft Fork ist rückwärtskompatibel und erzeugt keinen neuen Token (z.B. SegWit bei Bitcoin).

Technisch läuft der Prozess so: Zu einem bestimmten Block (Snapshot) wird der Zustand der Blockchain eingefroren. Jede Adresse mit Guthaben wird erfasst. Die neue Chain startet mit einer Kopie aller Kontostände. Nutzer können mit ihren Private Keys auf die Forked Token zugreifen. Große Börsen wie Kraken crediten den Forked Token oft automatisch.

Wertentwicklung: Forked Tokens vs. Original

Forked TokenFork-JahrPreis bei ForkPreis März 2026Original im gleichen Zeitraum
Bitcoin Cash (BCH)2017~300 USD~370 USD (+23 %)BTC: +3.000 %
Bitcoin SV (BSV)2018~100 USD~35 USD (-65 %)BTC: +2.200 %
Bitcoin Gold (BTG)2017~160 USD~2 USD (-99 %)BTC: +3.000 %
Ethereum Classic (ETC)2016~0,75 USD~19 USD (+2.400 %)ETH: +17.400 %
Bitcoin Diamond (BCD)2017~80 USD~0,04 USD (-99,9 %)BTC: +3.000 %

Das Muster ist eindeutig: Kein Forked Token hat langfristig mit dem Original mitgehalten. Bitcoin Cash legte seit dem Fork 23 % zu, Bitcoin im gleichen Zeitraum 3.000 %. Das BCH/BTC-Verhältnis fiel von 0,10 auf 0,004, ein Verlust von 96 % relativ zu Bitcoin. Bitcoin Gold und Bitcoin Diamond sind mit -99 % praktisch wertlos.

Die großen Forks: Ursachen und Geschichte

Bitcoin Cash (August 2017): Entstand aus dem "Blocksize War", einem jahrelangen Streit zwischen "Small Blockers" (Bitcoin Core) und "Big Blockers" (Roger Ver, Bitmain). BCH erhöhte die Blockgröße von 1 auf 8 MB. Trotz anfänglichem Hype (ATH 4.355 USD im Dezember 2017) konnte BCH sich nie dauerhaft durchsetzen.

Ethereum Classic (Juli 2016): Entstand nach dem DAO-Hack, bei dem 3,6 Millionen ETH (ca. 50 Millionen USD) gestohlen wurden. Die Ethereum-Community beschloss einen Hard Fork, um den Diebstahl rückgängig zu machen. ETC ist die unveranderte Original-Chain, die den Hack nicht revertierte. ETC behält Proof of Work bei, während Ethereum auf Proof of Stake wechselte.

Bitcoin SV (November 2018): Fork von Bitcoin Cash (nicht direkt von Bitcoin). Craig Wright wollte das "originale Satoshi-Protokoll" mit unbegrenzten Blockgrößen wiederherstellen. Nach Wrights Niederlage im Gerichtsverfahren 2024 haben große Börsen BSV gedelistet, das Projekt ist praktisch irrelevant.

Steuerliche Behandlung in Deutschland

Das BMF-Schreiben vom 10. Mai 2022 regelt die steuerliche Behandlung von Forked Token: Sie gelten als Anschaffung mit Anschaffungskosten von 0 EUR. Der gesamte Verkaufserlös ist damit Gewinn. Die 12-Monats-Haltefrist für Steuerfreiheit beginnt ab dem Fork-Zeitpunkt (Zufluss). Ein Bitcoin Cash-Token, der beim Fork im August 2017 zugefallen ist, konnte ab September 2018 steuerfrei verkauft werden. Die Freigrenze von 1.000 EUR pro Jahr gilt auch hier. Stand 2026 gibt es kein BFH-Urteil speziell zu Hard-Fork-Token, die Praxis folgt dem BMF-Schreiben.

Risiken und warum Forked Tokens ein auslaufendes Phänomen sind

Forked Token bringen spezifische Risiken mit. Replay Attacks: Ohne Replay Protection können Transaktionen auf der einen Chain auf der anderen abgespielt werden. 51-%-Angriffe: Kleinere Fork-Chains mit geringer Hashrate sind anfällig, Bitcoin Gold wurde 2018 Opfer eines solchen Angriffs (18 Millionen USD Schaden). Delisting: Börsen listen schlecht performende Forked Token aus, was die Liquidität weiter reduziert.

Kontroverse Chain-Splits sind ein auslaufendes Phänomen. Die letzte größere Spaltung war BSV 2018. Seitdem haben bessere Governance-Mechanismen (On-Chain-Governance bei Tezos, Polkadot), Layer-2-Lösungen und weniger ideologische Grabenkämpfe das Fork-Risiko deutlich reduziert. Moderne Hard Forks wie Ethereums Shanghai/Shapella (2023) oder Dencun (2024) sind koordinierte Upgrades ohne Chain-Split. Bitcoin Cash und Ethereum Classic sind die einzigen Forked Token mit nennenswerter Marktkapitalisierung im Jahr 2026.

Steffis Tipp

Forked Token sind kein gutes Langfristinvestment. Die Daten zeigen klar: Das Original schlägt den Fork immer. Wer beim Bitcoin-Fork 2017 seine BCH gehalten hätte statt sie in BTC zu tauschen, hätte 96 % relative Performance verloren. Bei einem zukünftigen Fork: Die Forked Token zeitnah verkaufen oder in das Original zurücktauschen, nach Ablauf der 12-Monats-Haltefrist sogar steuerfrei.

Bekomme ich bei einem Hard Fork automatisch die neuen Token?

Ja, wer zum Zeitpunkt des Forks Coins auf der Original-Chain besitzt, erhält die gleiche Menge an Forked Token. Bei einer eigenen Wallet ist der Zugriff über die Private Keys möglich. Bei einer Börse hängt es davon ab, ob der Anbieter den Fork unterstützt. Große Börsen wie Kraken crediteten bei wichtigen Forks wie Bitcoin Cash die neuen Token automatisch.

Wie werden Forked Token in Deutschland besteuert?

Laut BMF-Schreiben vom Mai 2022 haben Forked Token Anschaffungskosten von 0 EUR. Der gesamte Verkaufserlös ist Gewinn. Die 12-Monats-Haltefrist beginnt ab dem Fork-Zeitpunkt. Nach Ablauf der Frist ist der Verkauf steuerfrei. Die Freigrenze von 1.000 EUR pro Jahr gilt auch hier.

Gibt es noch relevante Forked Tokens?

Nur Bitcoin Cash (BCH) und Ethereum Classic (ETC) haben 2026 noch eine nennenswerte Marktkapitalisierung und aktives Ökosystem. Alle anderen bekannten Forks wie Bitcoin SV, Bitcoin Gold und Bitcoin Diamond sind praktisch irrelevant. Kontroverse Chain-Splits gelten als auslaufendes Phänomen, da moderne Blockchains bessere Governance-Mechanismen haben.

Über die Autorin

Dr. Stephanie Morgenroth

Dr. Stephanie Morgenroth

Steffi ist promovierte Medizinerin, Krypto-Investorin seit 2021 und erreicht mit MissCrypto über 100.000 Menschen auf Social Media. Sie macht komplexe Themen wie Bitcoin, DeFi und Krypto-Steuern verständlich, ehrlich, unabhängig und ohne Hype.

Über Steffi

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