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Forward-Kontrakt bei Krypto: OTC-Hedging erklärt

Wie Forwards funktionieren, warum Miner sie zur Absicherung nutzen und wie Krypto-Derivate in Deutschland besteuert werden

FinanzenEinsteiger5 Min. Lesezeit

Definition

Ein Forward ist ein individuell ausgehandeltes Termingeschäft zwischen zwei Parteien, einen Vermögenswert zu einem festgelegten Preis an einem bestimmten zukünftigen Datum zu handeln.

Ein Forward (Terminkontrakt) ist eine individuell ausgehandelte Vereinbarung zwischen zwei Parteien, einen Vermögenswert zu einem festgelegten Preis an einem bestimmten Datum zu kaufen oder zu verkaufen. Im Gegensatz zu Futures werden Forwards nicht an einer Börse, sondern OTC (Over-the-Counter) gehandelt, also direkt zwischen den Vertragsparteien. Im Krypto-Bereich nutzen vor allem Miner und institutionelle Anleger Forwards, um sich gegen Preisschwankungen abzusichern. Der Krypto-Derivatemarkt erreichte 2025 ein Volumen von rund 85,7 Billionen USD, wobei der OTC-Anteil schwer quantifizierbar ist, da Transaktionen privat stattfinden.

Forward vs. Futures vs. Option vs. Perpetual Contract

MerkmalForwardFutureOptionPerpetual
HandelOTC (außerbörslich)Börse (CME, Binance)Börse/OTCBörse (Binance, Bybit)
StandardisierungIndividuell anpassbarStandardisiertStandardisiertStandardisiert
LaufzeitFrei wählbarFestes AblaufdatumFestes AblaufdatumKein Ablaufdatum
VerpflichtungBeide SeitenBeide SeitenKäufer hat Recht, nicht PflichtBeide Seiten
KontrahentenrisikoHoch (bilateral)Gering (Clearinghouse)GeringGering

Der entscheidende Unterschied: Ein Forward ist maßgeschneidert. Betrag, Laufzeit und Abrechnungsmodus werden frei verhandelt. Ein Future ist standardisiert und wird über ein Clearinghouse abgewickelt, das als Gegenpartei fungiert und das Ausfallrisiko minimiert. Perpetual Contracts dominieren den Krypto-Markt mit 78 % des gesamten Derivate-Handelsvolumens, sie haben kein Ablaufdatum und werden über Funding Rates an den Spot-Preis gekoppelt.

Mining-Hedging: Der Hauptanwendungsfall

Bitcoin-Miner haben hohe Fixkosten (Strom, Hardware) und müssen ihre zukünftige Produktion gegen Preisverfall absichern. Ein Forward-Kontrakt löst dieses Problem. Beispiel: Ein Miner, der monatlich 10 BTC produziert, schließt einen 6-Monats-Forward ab, um seine Produktion zu je 85.000 USD pro BTC zu verkaufen. Fällt der Kurs auf 60.000 USD, erhält er trotzdem den vereinbarten Preis. Steigt der Kurs auf 100.000 USD, kann er nicht vom Anstieg profitieren, hat dafür aber Planungssicherheit.

Luxor Technologies hat mit dem Hashprice NDF (Non-Deliverable Forward) ein spezialisiertes Mining-Derivat eingeführt. Hier wird nicht der BTC-Preis direkt gehedged, sondern die Mining-Einnahmen pro Hashrate-Einheit. Im November 2025 lag der durchschnittliche Hashprice bei 39,82 USD pro PH/s pro Tag, mit einem Allzeittief von 35,06 USD am 22. November 2025.

Kontrahentenrisiko: Die Achillesferse von Forwards

Da Forwards bilateral ohne Clearinghouse abgewickelt werden, besteht ein erhebliches Kontrahentenrisiko: Fällt eine Partei aus, hat die andere keinen Absicherungsmechanismus. Der Genesis-Global-Zusammenbruch im Januar 2023, einst einer der größten OTC-Desks der Krypto-Branche, machte dieses Risiko greifbar. Rund 4 Milliarden USD wurden später an Gläubiger verteilt.

Aktive OTC-Desks für Krypto-Forwards sind Galaxy Digital (über 1.500 institutionelle Gegenparteien, Nasdaq-gelistet), Cumberland (Subsidiary von DRW), Circle Trade und Binance OTC. Binance OTC erreichte in den ersten zwei Monaten 2026 bereits 25 % des gesamten 2025-Volumens, der Bitcoin-Anteil am OTC-Handel sprang von 4,9 auf 45,8 %.

Forwards im DeFi-Kontext

Direkte dezentrale Forward-Protokolle existieren kaum. Das nächstliegende DeFi-Pendant ist Pendle Finance, das Vermögenswerte in Principal Token (PT) und Yield Token (YT) zerlegt, ähnlich einer Forward-Struktur für zukünftige Renditen. Pendle erreichte im August 2025 ein TVL von 8,9 Milliarden USD und wickelte insgesamt 69,8 Milliarden USD in Fixed-Yield-Kontrakten ab. Das Protokoll bietet mit "Citadels" auch einen KYC-konformen Zugang für institutionelle Anleger.

Steuerliche Behandlung in Deutschland

Krypto-Derivate (Forwards, Futures, Optionen) fallen nicht unter MiCA, sondern unter die bestehende MiFID-II-Kapitalmarktregulierung. Gewinne werden als Einkünfte aus Kapitalvermögen besteuert: 25 % Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag (effektiv ca. 26,4 %). Im Gegensatz zum Spot-Markt gibt es bei Derivaten keine 12-monatige Haltefrist für Steuerfreiheit.

Eine wichtige Änderung seit Dezember 2024: Die Verlustverrechnungsbeschränkung von 20.000 EUR pro Jahr für Termingeschäfte (§ 20 Abs. 6 Satz 5 EStG) wurde durch das Jahressteuergesetz 2024 ersatzlos gestrichen. Das Bundesverfassungsgericht hatte die Regelung zuvor für verfassungswidrig erklärt. Verluste aus Forwards und anderen Termingeschäften können nun vollumfänglich mit sämtlichen Einkünften aus Kapitalvermögen verrechnet werden, rückwirkend für 2024 und alle offenen Fälle.

Steffis Tipp

Forwards sind Instrumente für professionelle Marktteilnehmer mit großen Positionen. Für Privatanleger sind börsengehandelte Futures die sicherere Alternative, weil das Clearinghouse das Kontrahentenrisiko eliminiert. Wer sich für Bitcoin-Preisabsicherung interessiert, findet bei Optionen ein flexibleres Werkzeug: Anders als beim Forward hat der Käufer einer Option das Recht, aber nicht die Pflicht, zum vereinbarten Preis zu handeln.

Was ist der Unterschied zwischen einem Forward und einem Future?

Ein Forward wird OTC (außerbörslich) direkt zwischen zwei Parteien ausgehandelt und ist individuell anpassbar. Ein Future ist standardisiert und wird an einer Börse (z.B. CME) gehandelt, mit einem Clearinghouse als Gegenpartei. Forwards haben ein höheres Kontrahentenrisiko, bieten dafür aber mehr Flexibilität bei Betrag und Laufzeit.

Wie nutzen Bitcoin-Miner Forward-Kontrakte?

Miner verkaufen ihre zukünftige Bitcoin-Produktion per Forward zu einem festen Preis. Damit sichern sie sich gegen Preisverfall ab und können ihre Betriebskosten kalkulieren. Spezialisierte Produkte wie der Luxor Hashprice NDF hedgen sogar die Mining-Einnahmen pro Hashrate-Einheit statt den BTC-Preis direkt.

Wie werden Krypto-Forwards in Deutschland besteuert?

Gewinne aus Krypto-Forwards unterliegen der Abgeltungsteuer (ca. 26,4 %), nicht dem persönlichen Einkommensteuersatz. Es gibt keine steuerfreie Haltefrist wie beim Spot-Kauf. Seit Dezember 2024 ist die Verlustverrechnungsbeschränkung von 20.000 EUR für Termingeschäfte aufgehoben, Verluste können nun unbegrenzt verrechnet werden.

Über die Autorin

Dr. Stephanie Morgenroth

Dr. Stephanie Morgenroth

Steffi ist promovierte Medizinerin, Krypto-Investorin seit 2021 und erreicht mit MissCrypto über 100.000 Menschen auf Social Media. Sie macht komplexe Themen wie Bitcoin, DeFi und Krypto-Steuern verständlich, ehrlich, unabhängig und ohne Hype.

Über Steffi

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