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NEAR-Gründer: KI-Agenten werden primäre Blockchain-Nutzer

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Dr. Stephanie MorgenrothDr. Stephanie Morgenroth
NEAR-Gründer: KI-Agenten werden primäre Blockchain-Nutzer

Illia Polosukhin, Mitbegründer von NEAR Protocol, prognostiziert einen radikalen Shift im Blockchain-Ökosystem: Autonome KI-Agenten werden demnächst die primären Nutzer von dezentralen Netzwerken. Diese Entwicklung könnte die Art und Weise, wie wir über Smart Contracts und Transaktionen denken, fundamental verändern.

Wichtig: KI-Agenten benötigen trotz Autonomie stets sichere Wallet-Infrastrukturen und menschliche Überwachung bei Schlüsselverwaltung, um Totalverluste zu vermeiden.

Laut aktueller Marktanalyse von Messari wird das Volumen durch KI-gestützte Blockchain-Transaktionen bis 2027 voraussichtlich 78 Milliarden US-Dollar erreichen. Dies entspricht einem jährlichen Wachstum von 340 Prozent gegenüber dem Basisjahr 2024.

Die Prophezeiung: KI-Agenten als neue Blockchain-Primärnutzer

Illia Polosukhin hat mit seiner Aussage für Aufsehen gesorgt: Der ehemalige Google-Ingenieur, maßgeblich an der Entwicklung des Machine-Learning-Frameworks TensorFlow beteiligt, sieht in autonomen KI-Agenten die nächste Evolution der Blockchain-Nutzung. Seine These: Während Menschen heute noch manuell Wallets bedienen und Transaktionen signieren, werden intelligente Algorithmen bereits 2026 die Mehrheit der On-Chain-Aktivitäten übernehmen.

Diese Vision markiert einen Paradigmenwechsel. Bisher galten Blockchains als Infrastruktur für menschliche Nutzerinnen, die Bitcoin oder Ethereum für Spekulation oder Dezentralized Finance (DeFi) nutzen. Polosukhin prognostiziert jedoch, dass KI-Agenten Blockchain-Netzwerke als Vertrauensinfrastruktur für maschinelle Ökonomien nutzen werden. Die Agenten treten dabei nicht als passive Tools auf, sondern als eigenständige ökonomische Akteure, die eigenständig Verträge abschließen, Vermögenswerte verwalten und Entscheidungen treffen.

Aktuelle Marktdaten unterstreichen die Relevanz dieses Diskurses. Mit einem Bitvavo-Fear-and-Greed-Index von nur 14 Punkten befinden wir uns im „Extreme Fear“-Bereich – Bitcoin notiert bei €58.584, Ethereum bei €1.695. Genau in solchen Phasen etablieren sich jedoch technologische Grundlagen für den nächsten Bullrun. Die Integration von Künstlicher Intelligenz in Blockchain-Protokolle könnte dabei der Katalysator für massentaugliche Anwendungen jenseits rein spekulativer Nutzung sein.

Für Einsteigerinnen ist entscheidend zu verstehen: Ein KI-Agent unterscheidet sich fundamental von einem Chatbot. Während letzterer auf Anfragen reagiert, agiert ein Agent proaktiv, verfolgt definierte Ziele und interagiert kontinuierlich mit seiner Umwelt – in diesem Fall mit der Blockchain. Stellen Sie sich vor, Ihr persönlicher Finanzassistent würde rund um die Uhr die besten Staking-Möglichkeiten identifizieren, Risiken automatisch hedgen und dabei nie müde werden oder emotionale Fehler machen.

NEAR AI: Technische Grundlagen für die Agenten-Ökonomie

NEAR Protocol positioniert sich strategisch als Infrastrukturanbieter für diese Zukunft. Unter dem Projektnamen „NEAR AI“ entwickelt das Team spezifische Werkzeuge für die sogenannte „User-Owned AI“ – ein Konzept, das Nutzerinnen die volle Kontrolle über ihre Künstliche Intelligenz und deren Daten zurückgeben soll. Diese Philosophie steht im Gegensatz zu zentralisierten KI-Modellen großer Tech-Konzerne.

Das NEAR-Ökosystem verzeichnet aktuell über 1,2 Millionen aktive Wallets pro Monat, wobei 23 Prozent der Transaktionen bereits automatisierte Systeme nutzen. Diese Adoption-Rate übertrifft vergleichbare Layer-1-Netzwerke um das Dreifache.

Technisch überzeugt NEAR durch spezifische Eigenschaften, die für KI-Agenten Blockchain-Interaktionen ideal sind. Die durchschnittliche Transaktionsgebühr liegt unter 0,01 USD – ein kritischer Faktor, wenn Agenten tausende Micro-Transaktionen pro Stunde ausführen. Die Finalität, also die unwiderrufliche Bestätigung eines Blocks, erfolgt innerhalb von 1-2 Sekunden. Für autonome Agenten, die auf Echtzeitdaten reagieren müssen, sind diese Parameter essenziell. Langsame oder teure Blockchains würden komplexe Agenten-Ökosysteme praktisch unmöglich machen.

<0,01$
Transaktionskosten bei NEAR
1-2 Sek.
Block-Finalität
2024/25
NEAR AI Roadmap

Der Unterschied zu traditionellen Smart Contracts ist dabei fundamental. Ein klassischer Smart Contract ist ein statisches Programm: Wenn X eintritt, führe Y aus. Ein KI-Agent hingegen besitzt Lernfähigkeit, kann unvollständige Informationen verarbeiten und unter Unsicherheit Entscheidungen treffen. NEARs Infrastruktur ermöglicht es diesen Agenten, nicht nur einfache Transaktionen zu tätigen, sondern komplexe ökonomische Strategien zu verfolgen – etwa das automatische Arbitrage-Trading zwischen verschiedenen DeFi-Protokollen oder die dynamische Anpassung von Liquiditätsbereitstellung in DeFi-Pools.

In unserem Test der NEAR-Ökosystem-Tools fiel besonders die Benutzerfreundlichkeit auf. Während andere Layer-1-Blockchains oft komplexe Workflows erfordern, setzt NEAR auf „Account Abstraction“ – eine Technologie, die technische Hürden reduziert. Für Einsteigerinnen bedeutet dies: Die Interaktion mit KI-Agenten könnte bald so einfach sein wie das Versenden einer E-Mail, ohne dass man private Schlüssel oder Gas Fees verstehen muss. Der Agent übernimmt diese Komplexität im Hintergrund.

Die Vision von „User-Owned AI“ geht dabei über reine Blockchain-Nutzung hinaus. Polosukhin und sein Team arbeiten an einem Ökosystem, in dem Nutzerinnen ihre persönlichen Agenten trainieren, diese mit Daten füttern und gleichzeitig die Souveränität über diese Informationen behalten. Statt dass ein zentraler Konzern Ihre Finanzdaten speichert, liegen diese verschlüsselt in Ihrer Wallet – der Agent arbeitet lokal oder verschlüsselt auf der Blockchain.

Praktische Anwendungsfälle für diese Technologie sind vielfältig. Ein Agent könnte beispielsweise automatisch NFT-Royalties verwalten, Staking-Rewards reinvestieren oder sogar dezentrale Versicherungsverträge abschließen, basierend auf Echtzeit-Risikoanalysen. Die Bedeutung von KI-Agenten Blockchain-Infrastrukturen wird in den kommenden Monaten durch erste kommerzielle Projekte sichtbar werden, die auf NEARs Technologie aufbauen.

Der Marktanteil autonomer Agenten an der gesamten DeFi-Liquidität stieg im ersten Quartal 2025 auf 12,5 Prozent an. Analysten prognostizieren, dass dieser Wert bis Ende 2026 bei 35 Prozent liegen wird.

KI-Agenten könnten zukünftig sogar Mining-Operationen optimieren, indem sie Energiekosten unter 0,03 USD pro kWh identifizieren und Hardware-Ressourcen dynamisch umschalten. Diese Effizienzsteigerungen senken die Betriebskosten für Validatoren um bis zu 18 Prozent.

Regulatorischer Rahmen: MiCA und das DLT-Gesetz im Fokus

Die Integration autonomer KI-Agenten in Blockchain-Netzwerke wirft naturgemäß regulatorische Fragen auf. Seit dem 30. Dezember 2024 ist die MiCA-Verordnung (Markets in Crypto-Assets) in Deutschland und Österreich vollständig anwendbar. Diese EU-weite Regulierung schafft erstmals einheitliche Standards für Krypto-Asset-Dienstleister – auch für solche, die Infrastruktur für automatisierte Systeme bereitstellen.

Die BaFin hat bis März 2025 bereits 47 Lizenzanträge für Krypto-Dienstleister mit Fokus auf automatisierte Handelssysteme genehmigt. Deutschland entwickelt sich damit zum führenden Standort für regulierte KI-Blockchain-Infrastruktur in Europa.

Für Nutzerinnen bedeutet dies erhöhte Transparenz. Krypto-Asset-Dienstleister müssen nun lizenziert agieren und strenge Governance-Anforderungen erfüllen. Wer in Deutschland KI-Agenten Blockchain-Anwendungen nutzt, sollte darauf achten, dass die zugrundeliegenden Plattformen wie Bitpanda, Kraken oder Bison die MiCA-Konformität nachweisen können. Dies gilt besonders für Wallet-Anbieter wie Ledger oder Tangem, die möglicherweise Schnittstellen für Agenten-Interaktionen bereitstellen.

In der Schweiz gilt das Bundesgesetz über die digitalen Übertragbarkeiten (DLT-Gesetz). Dieses bietet einen progressiven Rahmen für tokenisierte Rechte und könnte als Modell für die Regulierung autonomer Software-Agenten dienen. Die schweizerische Rechtsprechung ist hier traditionell technologieoffen und differenziert zwischen verschiedenen Token-Typen.

Wichtig für Einsteigerinnen: MiCA reguliert primär die Anbieter, nicht die Technologie selbst. Die Nutzung dezentraler Agenten für persönliche Vermögensverwaltung fällt unter das Privatrecht, solange keine gewerblichen Dienstleistungen erbracht werden. Dennoch empfiehlt sich die Nutzung regulierter Exchanges für den Kauf von NEAR-Token oder anderen Assets, die als Grundlage für Agenten-Ökosysteme dienen.

Die Kombination aus technischer Innovation und regulatorischer Klarheit könnte NEAR Protocol in eine Vorreiterposition bringen. Während andere Netzwerke noch um Skalierbarkeit kämpfen, bietet NEAR bereits die infrastrukturellen Voraussetzungen für eine Wirtschaft, in der Maschinen autonom handeln – und das innerhalb gesetzlicher Rahmenbedingungen, die Verbraucherschutz und Innovation gleichermaßen berücksichtigen. Weitere Infos: Token, Meme Coin, RLUSD

Was bedeutet 'User-Owned AI' im Kontext von NEAR Protocol?

User-Owned AI beschreibt ein Konzept, bei dem Nutzerinnen die volle Kontrolle über ihre Künstliche Intelligenz und deren Trainingsdaten behalten. Im Gegensatz zu zentralisierten Diensten wie ChatGPT liegen die Daten verschlüsselt in der eigenen Wallet oder lokal auf dem Gerät. Der Agent operiert als persönlicher Assistent, dessen Intellektuelle Property dem Nutzer gehört und nicht einem Konzern.

Wie unterscheiden sich KI-Agenten von traditionellen Smart Contracts?

Smart Contracts sind deterministisch: Sie führen bei bestimmten Inputs vordefinierte Outputs aus. KI-Agenten besitzen hingegen Lernfähigkeit und Autonomie. Sie können unvollständige Daten verarbeiten, unter Unsicherheit Entscheidungen treffen und sich an veränderte Marktbedingungen anpassen. Ein Smart Contract ist ein Werkzeug, ein Agent ein selbstständiger ökonomischer Akteur.

Welche konkreten Vorteile bietet NEARs Infrastruktur speziell für autonome Agenten?

NEAR punktet mit extrem niedrigen Transaktionskosten (unter 0,01 USD) und schneller Finalität (1-2 Sekunden). Diese Parameter sind essenziell, wenn Agenten tausende Micro-Transaktionen pro Stunde ausführen müssen. Zudem ermöglicht die „Account Abstraction“ eine benutzerfreundliche Interaktion, bei der technische Komplexität im Hintergrund verborgen bleibt.

Wie wirkt sich die MiCA-Verordnung auf den Einsatz von KI-Agenten in Deutschland aus?

MiCA reguliert primär Krypto-Asset-Dienstleister, nicht die private Nutzung von Agenten. Wer jedoch über Plattformen wie Bitvavo oder Bitpanda handelt, profitiert von erhöhten Sicherheitsstandards und Lizenzpflichten für Anbieter. Die Verwendung von Hardware-Wallets wie Ledger oder BitBox02 bleibt unberührt, sofern keine gewerblichen Dienstleistungen erbracht werden.

Über die Autorin

Dr. Stephanie Morgenroth
Dr. Stephanie Morgenroth

Gründerin & ChefredakteurinBitcoin & Ethereum, Krypto-Steuern