Automated Market Maker
Der Algorithmus hinter dezentralen Börsen
Definition
Ein Automated Market Maker (AMM) ist ein Protokoll, das dezentralen Krypto-Handel über Liquidity Pools statt klassische Orderbücher ermöglicht. Der Preis wird durch mathematische Formeln bestimmt. AMMs sind die Grundlage von DeFi-Börsen wie Uniswap und Curve.
Ein Automated Market Maker (AMM) ist ein Protokoll, das den Handel von Kryptowährungen ohne klassisches Orderbuch ermöglicht. Statt Käufer und Verkäufer direkt zusammenzubringen, nutzen AMMs Liquidity Pools: Töpfe mit zwei oder mehr Token, gegen die Nutzer direkt handeln. Der Preis wird nicht durch Angebot und Nachfrage im Orderbuch bestimmt, sondern durch eine mathematische Formel. AMMs sind das Rückgrat von DeFi und machen dezentralen Handel erst möglich.
AMM-Protokolle im Vergleich
| Protokoll | Formel | Besonderheit | TVL (Anfang 2026) | Chain |
|---|---|---|---|---|
| Uniswap v3/v4 | Concentrated Liquidity | LPs wählen Preisrange | ~6 Mrd. USD | Ethereum + L2s |
| Curve Finance | StableSwap (x³y + xy³ = k) | Optimiert für Stablecoins | ~2,5 Mrd. USD | Multi-Chain |
| Balancer | Gewichtete Pools | Bis zu 8 Token pro Pool | ~1 Mrd. USD | Ethereum + L2s |
| PancakeSwap | Constant Product | Größter BSC-DEX | ~2 Mrd. USD | BNB Chain |
| Raydium | Hybrid (AMM + Orderbuch) | Verbunden mit OpenBook | ~1,5 Mrd. USD | Solana |
Wie ein AMM funktioniert: Constant Product Formula
Die einfachste AMM-Formel ist x · y = k (Constant Product), eingeführt von Uniswap v1. Ein Pool mit 100 ETH und 200.000 USDC hat k = 20.000.000. Wenn du 1 ETH kaufen willst, muss k gleich bleiben: Der Pool hat danach 99 ETH, also braucht er 20.000.000 / 99 = 202.020 USDC. Du zahlst die Differenz: 2.020 USDC für 1 ETH.
Je größer der Trade im Verhältnis zur Pool-Größe, desto mehr verschiebt sich der Preis gegen dich, das ist der Price Impact. Bei einem Pool mit 10.000 ETH spürst du den Impact bei 1 ETH kaum. Bei einem kleinen Pool mit 10 ETH wäre der Impact für 1 ETH enorm. Deshalb ist die Pool-Tiefe (Liquidität) der entscheidende Faktor für die Handelsqualität.
Concentrated Liquidity: Die Evolution
Uniswap v3 (2021) führte Concentrated Liquidity ein: Statt Liquidität gleichmäßig über alle möglichen Preise zu verteilen, können Liquidity Provider (LPs) ihre Liquidität auf einen bestimmten Preisrange konzentrieren. Ein LP für ETH/USDC kann seine Liquidität z.B. auf den Bereich 2.000-3.500 USDC pro ETH beschränken.
Der Vorteil: Innerhalb des gewählten Ranges ist die Kapitaleffizienz bis zu 4.000x höher als bei Uniswap v2. LPs verdienen mehr Gebühren pro eingesetztem Dollar. Der Nachteil: Wenn der Preis aus deinem Range läuft, verdienst du nichts mehr und dein gesamter Bestand wird in den schwächeren der beiden Token konvertiert. Concentrated Liquidity erfordert aktives Management, was für Einsteiger komplex ist.
Impermanent Loss: Das Hauptrisiko für LPs
Impermanent Loss entsteht, wenn sich der Preis eines Token im Pool relativ zum anderen verändert. Wenn du ETH und USDC in einen Pool einzahlst und ETH im Preis steigt, hast du beim Ausstieg weniger ETH und mehr USDC als bei einfachem Halten. Die Differenz zum Halten ist der Impermanent Loss.
Konkretes Beispiel: Du zahlst 1 ETH (2.000 USD) und 2.000 USDC ein (gesamt: 4.000 USD). ETH verdoppelt sich auf 4.000 USD. Hättest du nur gehalten, hättest du 6.000 USD. Im Pool hast du ~5.657 USD (0,707 ETH + 2.828 USDC). Der Impermanent Loss: ~343 USD oder ~5,7 %. Trading-Gebühren können diesen Verlust kompensieren, aber bei starken Preisbewegungen oft nicht vollständig.
Stablecoin-Pools (z.B. USDC/DAI auf Curve) haben fast keinen Impermanent Loss, weil beide Token nahe 1 USD bleiben. Deshalb sind Stablecoin-Pools bei konservativen LPs beliebt: Niedrigere APY (3-8 %), aber deutlich geringeres Risiko als volatile Paare.
AMMs vs. Orderbuch: Stärken und Schwächen
Vorteile von AMMs: Jeder kann Liquidität bereitstellen (keine Market-Maker-Lizenz nötig), Handel ist 24/7 möglich ohne Gegenpartei, neue Token können sofort gelistet werden (permissionless), und die gesamte Logik ist transparent im Smart Contract.
Nachteile: Price Impact bei großen Trades, Impermanent Loss für LPs, MEV-Extraktion durch Sandwich Attacks, und weniger Ordertypen als bei klassischen Börsen (keine Limit-Orders im Basis-Design). Hybride Modelle wie Raydium auf Solana versuchen, AMM-Liquidität mit Orderbuch-Funktionalität zu verbinden.
Als normaler Nutzer swappst du einfach Token über eine DEX-Oberfläche wie Uniswap oder PancakeSwap. Das AMM arbeitet im Hintergrund. Achte auf den angezeigten Price Impact: Unter 0,5 % ist akzeptabel, über 1 % solltest du die Trade-Größe reduzieren oder einen Pool mit mehr Liquidität suchen.
Häufige Fragen zu Automated Market Makers
Kann ich mit Liquidity Providing Geld verdienen?
Ja, als Liquidity Provider verdienst du einen Anteil der Trading-Gebühren (typisch 0,3 % pro Swap). Bei hochliquiden Paaren wie ETH/USDC auf Uniswap können das 5-15 % APY sein. Das Hauptrisiko ist Impermanent Loss: Wenn sich der Preis stark verändert, kann der Verlust die verdienten Gebühren übersteigen. Stablecoin-Pools sind sicherer, aber renditeschwächer.
Was ist besser: AMM oder klassische Börse?
Für die meisten Nutzer ist eine klassische Börse (CEX) bequemer: Bessere Preise bei großen Trades, mehr Ordertypen, einfachere Bedienung. AMMs sind besser, wenn du neue Token handeln willst, die noch nicht auf CEXes gelistet sind, wenn du keine KYC-Daten angeben möchtest, oder wenn du an DeFi-Strategien wie Yield Farming teilnehmen willst.
Warum ist der Preis auf einer DEX anders als auf Binance?
DEX-Preise werden durch die AMM-Formel und den Pool-Zustand bestimmt, nicht durch ein globales Orderbuch. Preisunterschiede zwischen DEX und CEX werden durch Arbitrageure ausgeglichen, die günstig auf der einen und teuer auf der anderen Seite handeln. Bei populären Token ist die Differenz meist unter 0,1 %, bei illiquiden Token kann sie deutlich höher sein.
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Über die Autorin

Dr. Stephanie Morgenroth
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