Was ist ein AMM?
Automated Market Maker verständlich erklärt
Definition
Ein AMM (Automated Market Maker) ist ein dezentraler Handelsmechanismus, der Preise über Liquiditätspools und mathematische Formeln statt über ein klassisches Orderbuch bestimmt. AMMs ermöglichen den Handel ohne zentrale Börse und sind das Fundament von DeFi.
Ein AMM (Automated Market Maker) ersetzt das klassische Orderbuch durch mathematische Formeln und Liquiditätspools. Statt dass Käufer und Verkäufer direkt zusammenfinden müssen, handeln Nutzer gegen einen Pool aus Tokens, dessen Preis sich automatisch anpasst. AMMs sind das Herzstück von DeFi und haben dezentralen Handel erst praktikabel gemacht.
Die wichtigsten AMM-Protokolle im Vergleich
| Protokoll | Formel | Chain | TVL (ca.) | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Uniswap v3/v4 | Concentrated Liquidity | Ethereum, Arbitrum, Base | ~5 Mrd. USD | Höchste Liquidität, Hooks (v4) |
| PancakeSwap | x * y = k | BNB Chain, Ethereum | ~2 Mrd. USD | Niedrige Gebühren |
| Aave (GHO) | Stablecoin-AMM | Ethereum | ~12 Mrd. USD | Lending + eigener Stablecoin |
| Raydium | Hybrid (AMM + Orderbuch) | Solana | ~1,5 Mrd. USD | Schnellste Trades (400ms) |
| Trader Joe | Liquidity Book | Avalanche | ~500 Mio. USD | Zero-Slippage Bins |
Wie ein AMM funktioniert: x * y = k
Die Grundformel der meisten AMMs ist einfach: x * y = k. Dabei sind x und y die Mengen zweier Tokens im Pool, und k ist eine Konstante, die sich nicht ändern darf.
Ein konkretes Beispiel: Ein Pool enthält 100 ETH und 200.000 USDC (k = 20.000.000). Kaufst du 1 ETH aus dem Pool, muss k gleich bleiben. Der Pool hat jetzt 99 ETH, also muss die USDC-Menge auf 202.020 steigen (99 * 202.020 = 20.000.000). Du zahlst 2.020 USDC statt 2.000, ein Aufpreis von 1 %. Je größer dein Trade relativ zum Pool, desto höher der Slippage.
Diese Formel hat einen eleganten Effekt: Der Preis passt sich automatisch an Angebot und Nachfrage an, ohne dass ein zentraler Akteur eingreifen muss. Wenn der ETH-Preis auf einer zentralen Börse steigt, kaufen Arbitrage-Bots ETH aus dem günstigen AMM-Pool, bis der Preis synchron ist.
Concentrated Liquidity: Die Evolution der AMMs
Uniswap v3 brachte 2021 eine entscheidende Verbesserung: Concentrated Liquidity. Statt Kapital über die gesamte Preisspanne zu verteilen (0 bis unendlich), können Liquidity Provider ihren Einsatz auf bestimmte Preisbereiche konzentrieren.
Das Ergebnis: Bis zu 4.000x höhere Kapitaleffizienz. Ein Provider, der seine Liquidität auf den Bereich 1.800-2.200 USDC pro ETH konzentriert, verdient deutlich mehr Gebühren als einer, der dieselbe Summe über den gesamten Bereich streut. Der Nachteil: Bewegt sich der Preis aus deinem gewählten Bereich, verdienst du nichts, und deine Position besteht nur noch aus dem einen Token.
Liquidität bereitstellen: Chancen und Risiken
Jeder kann bei einem AMM Liquidität bereitstellen und dafür Handelsgebühren verdienen. Bei Uniswap sind das typischerweise 0,05-0,3 % pro Trade. Bei hohem Handelsvolumen summiert sich das auf zweistellige Jahresrenditen.
Das größte Risiko heißt Impermanent Loss. Wenn sich das Preisverhältnis der beiden Pool-Tokens ändert, kann der Wert deiner Pool-Position niedriger sein, als wenn du die Tokens einfach gehalten hättest. Bei einem Preisanstieg von 100 % eines Tokens beträgt der Impermanent Loss etwa 5,7 %. Bei 500 % Preisanstieg sind es bereits 25 %.
Zusätzlich besteht ein Smart-Contract-Risiko: Wenn der Code des AMM-Protokolls einen Bug enthält, können Hacker den Pool leeren. Etablierte Protokolle wie Uniswap und Aave mit mehreren Audits und Milliarden TVL haben ein deutlich geringeres Risiko als neue, ungeprüfte Projekte.
AMM vs. Orderbuch: Wann was besser ist
AMMs sind ideal für den Swap von Tokens ohne zentrale Instanz: keine Registrierung, keine KYC-Prüfung, kein Gegenpartei-Risiko einer zentralen Börse. Für Large-Cap-Paare (ETH/USDC, BTC/USDC) bieten AMMs auf Ethereum und Solana mittlerweile Liquidität, die mit zentralen Börsen mithalten kann.
Orderbücher auf zentralen Börsen sind besser für präzise Limit-Orders, fortgeschrittene Ordertypen und Trades mit sehr geringem Slippage bei großen Volumina. Die Zukunft liegt wahrscheinlich in Hybrid-Modellen wie Raydium auf Solana, die AMM-Pools mit Orderbuch-Tiefe kombinieren.
In der Praxis nutzen viele Trader beides: AMMs für Swaps zwischen Token, die auf zentralen Börsen nicht gelistet sind, und Orderbücher für große Trades bei etablierten Coins wie Bitcoin oder Ethereum, wo die Liquidität auf CEXs tiefer ist und der Spread schmaler ausfällt.
Bevor du Liquidität bereitstellst, berechne den erwarteten Impermanent Loss mit einem IL-Calculator. Bei Paaren mit hoher Preiskorrelation (z.B. ETH/stETH) ist das Risiko minimal, bei volatilen Paaren (z.B. ETH/MEME-Token) kann der IL die Gebühreneinnahmen übersteigen.
Häufige Fragen zu AMMs
Kann ich mit AMMs Geld verdienen?
Ja, als Liquidity Provider verdienst du Handelsgebühren (typisch 5-30 % APY bei aktiven Pools). Das Risiko ist Impermanent Loss: Bei starken Kursänderungen kann der Verlust die Gebühreneinnahmen übersteigen. Stablecoin-Paare bieten niedrigere, aber stabilere Renditen.
Was ist der Unterschied zwischen AMM und DEX?
Eine DEX (dezentrale Börse) ist die Plattform, ein AMM ist der Preismechanismus dahinter. Die meisten DEXs nutzen AMMs als Kern, aber es gibt auch DEXs mit Orderbüchern (z.B. dYdX). AMM ist also die Technologie, DEX ist das Produkt.
Warum ist der Preis auf AMMs anders als auf Binance?
AMM-Preise werden durch das Verhältnis der Token-Mengen im Pool bestimmt, nicht durch ein Orderbuch. Kleine Preisabweichungen zwischen AMMs und zentralen Börsen werden durch Arbitrage-Bots innerhalb von Sekunden ausgeglichen. Größere Abweichungen entstehen nur bei extremer Volatilität oder sehr niedrigem Pool-TVL.
Fun Fact
Der AMM hat DeFi groß gemacht, weil Handel dadurch auch ohne zentrales Orderbuch und ohne traditionelle Market Maker skalierbar wurde.
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Eine DEX (Decentralized Exchange) ist eine dezentrale Krypto-Börse, auf der Nutzer Token direkt aus ...
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Über die Autorin

Dr. Stephanie Morgenroth
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