Was ist Einkommensteuergesetz?
Warum das EStG die Grundlage vieler alltäglicher Steuerfragen in Deutschland ist
Definition
Das Einkommensteuergesetz, kurz EStG, ist die zentrale gesetzliche Grundlage dafür, wie Einkommen in Deutschland steuerlich erfasst und besteuert wird.
Das Einkommensteuergesetz (EStG) ist die zentrale Rechtsgrundlage für die Besteuerung von Krypto-Gewinnen in Deutschland. Wer Bitcoin, Ethereum oder andere Token innerhalb eines Jahres nach dem Kauf mit Gewinn verkauft, muss diesen Gewinn nach §23 Abs. 1 Nr. 2 EStG als privates Veräußerungsgeschäft versteuern. Der Steuersatz richtet sich nach dem persönlichen Einkommensteuersatz (14 bis 45 %). Staking-Rewards und Lending-Zinsen fallen dagegen unter §22 Nr. 3 EStG (sonstige Einkünfte). Laut einer Bitkom-Umfrage vom März 2025 haben 8 % der Deutschen bereits Kryptowährungen gekauft, weitere 14 % können es sich vorstellen. Trotzdem herrscht bei vielen Unsicherheit, welche Gewinne steuerfrei sind und welche nicht.
Die wichtigsten EStG-Paragraphen für Krypto
| Paragraph | Regelung | Betrifft |
|---|---|---|
| §23 Abs. 1 Nr. 2 | Private Veräußerungsgeschäfte | Kauf und Verkauf von Coins innerhalb eines Jahres |
| §22 Nr. 3 | Sonstige Einkünfte | Staking-Rewards, Lending-Zinsen, Airdrops mit Gegenleistung |
| §20 | Kapitalerträge | Potenziell für Security-Token (noch nicht abschließend geklärt) |
| §15 | Gewerbebetrieb | Aktives Mining, Validator-Betrieb als Gewerbe |
Entscheidend ist die Unterscheidung: Kryptowährungen gelten steuerlich als "andere Wirtschaftsgüter", nicht als Währung und nicht als Wertpapier. Das hat der Bundesfinanzhof (BFH) in seinem Leiturteil vom 14. Februar 2023 (Az. IX R 3/22) bestätigt. Damit unterliegen Gewinne aus dem Verkauf von Bitcoin, Ether und Co. nicht der Abgeltungsteuer von 25 %, sondern dem persönlichen Steuersatz.
Haltefrist und Freigrenzen
Die wichtigste Regel für Krypto-Anleger: Wer seine Coins länger als ein Jahr hält, verkauft komplett steuerfrei, unabhängig von der Gewinnhöhe. Die 2022 diskutierte Verlängerung auf zehn Jahre für gestakte oder verliehene Coins wurde verworfen. Auch nach Staking oder Lending bleibt die Haltefrist bei zwölf Monaten. Innerhalb der Haltefrist gilt eine Freigrenze von 1.000 EUR pro Jahr (seit 2024, vorher 600 EUR). Achtung: Das ist eine Freigrenze, kein Freibetrag. Liegt der Gesamtgewinn bei 1.001 EUR, wird der komplette Betrag steuerpflichtig. Für sonstige Einkünfte aus Staking und Lending gilt eine eigene Freigrenze von 256 EUR pro Jahr.
BMF-Schreiben vom 6. März 2025
Das Bundesfinanzministerium hat mit dem aktualisierten BMF-Schreiben vom 6. März 2025 (Az. IV C 1 S 2256/0042/064/0043) die steuerliche Behandlung von Kryptowerten umfassend neu geregelt. Es ersetzt das erste BMF-Schreiben vom Mai 2022 und bringt mehrere Neuerungen. Erstmals werden DeFi-Transaktionen, Smart Contracts und Peer-to-Peer-Geschäfte steuerlich eingeordnet. Die Unterscheidung zwischen aktivem und passivem Staking wird eingeführt: Passives Staking (Delegation) fällt unter §22 Nr. 3, aktives Staking (eigener Validator-Betrieb) gilt als Gewerbe. Beim passiven Staking wird der steuerpflichtige Zufluss erst im Zeitpunkt des Claimings erfasst, nicht bei der Entstehung der Rewards. Das gibt Anlegern die Möglichkeit, den Kurs-Zeitpunkt selbst zu beeinflussen. Software-generierte Steuerreports von Tools wie CoinTracking oder Blockpit werden als Nachweis akzeptiert.
Steuerliche Behandlung nach Aktivität
| Aktivität | Einkunftsart | Freigrenze | Haltefrist |
|---|---|---|---|
| Kauf/Verkauf | §23 (Veräußerung) | 1.000 EUR | 1 Jahr, danach steuerfrei |
| Passives Staking | §22 Nr. 3 (sonstige) | 256 EUR | 1 Jahr bleibt |
| Aktives Staking | Gewerbebetrieb | Keine | Keine 1-Jahres-Befreiung |
| Lending | §22 Nr. 3 (sonstige) | 256 EUR | 1 Jahr bleibt |
| Mining | Gewerbebetrieb | Keine | Keine 1-Jahres-Befreiung |
| Airdrop ohne Gegenleistung | Steuerfrei bei Zufluss | — | 1 Jahr ab Erhalt |
Krypto-Steuer im DACH-Vergleich
Deutschland bietet mit der steuerfreien Veräußerung nach einem Jahr einen erheblichen Vorteil gegenüber Österreich, wo seit 2024 ein pauschaler Steuersatz von 27,5 % auf alle Krypto-Gewinne gilt, unabhängig von der Haltedauer. Dafür können österreichische Anleger Krypto-Verluste mit Aktiengewinnen verrechnen, was in Deutschland nicht möglich ist. Die Schweiz besteuert private Krypto-Gewinne gar nicht, erhebt aber eine jährliche Vermögenssteuer von 0,3 bis 1 %. Bei mehr als fünf Verkäufen pro Jahr droht dort allerdings die Umqualifizierung zum gewerbsmäßigen Händler. Für langfristige Hodler ist Deutschland steuerlich am attraktivsten, für aktive Trader kann die Schweiz günstiger sein.
Was sich 2026 ändert: DAC8
Ab 2026 greift die EU-Richtlinie DAC8 (Directive on Administrative Cooperation). Krypto-Plattformen müssen dann Transaktionsdaten automatisch an die Finanzbehörden melden, ähnlich wie Banken bei Zinserträgen. Das betrifft alle in der EU lizenzierten Börsen und CASP-Anbieter. Für Anleger bedeutet das: Die Zeiten, in denen Krypto-Gewinne unter dem Radar blieben, sind endgültig vorbei. Wer seine Anschaffungskosten sauber dokumentiert und die Haltefrist beachtet, hat nichts zu befürchten.
Halte deine Coins mindestens ein Jahr, dann sind Gewinne komplett steuerfrei. Nutze ein Steuer-Tool wie CoinTracking oder Blockpit, damit du deine Anschaffungskosten und Haltedauer sauber nachweisen kannst. Das BMF akzeptiert Software-Reports als Nachweis.
Wann sind Krypto-Gewinne steuerfrei?
Wenn du deine Coins länger als ein Jahr hältst, ist der Verkaufsgewinn komplett steuerfrei, egal wie hoch er ausfällt. Innerhalb eines Jahres gilt eine Freigrenze von 1.000 EUR. Übersteigt der Gesamtgewinn diese Grenze auch nur um einen Euro, wird der komplette Betrag steuerpflichtig.
Wie werden Staking-Rewards besteuert?
Passives Staking (Delegation) wird als sonstige Einkünfte nach §22 Nr. 3 EStG besteuert. Die Freigrenze beträgt 256 EUR pro Jahr. Laut BMF-Schreiben 2025 wird der Zufluss erst beim Claiming erfasst. Die 1-Jahres-Haltefrist für die gestakten Coins verlängert sich nicht.
Was ändert sich 2026 durch DAC8?
Ab 2026 müssen Krypto-Plattformen in der EU Transaktionsdaten automatisch an die Finanzbehörden melden. An den Steuerregeln selbst ändert sich nichts, aber die Meldepflicht erhöht die Transparenz erheblich. Gewinne unter der Freigrenze bleiben weiterhin steuerfrei.
Verwandte Begriffe
Abgeltungsteuer
Die Abgeltungsteuer ist in Deutschland eine pauschale Steuer auf bestimmte Kapitalerträge, meist mit...
Anschaffungskosten
Anschaffungskosten bezeichnen den Gesamtbetrag, der für den Erwerb eines Krypto-Coins aufgewendet wu...
Haltefrist
Haltefrist bezeichnet den Zeitraum zwischen Anschaffung und Veräußerung eines Vermögenswerts. Bei pr...
Über die Autorin

Dr. Stephanie Morgenroth
Steffi ist promovierte Medizinerin, Krypto-Investorin seit 2021 und erreicht mit MissCrypto über 100.000 Menschen auf Social Media. Sie macht komplexe Themen wie Bitcoin, DeFi und Krypto-Steuern verständlich, ehrlich, unabhängig und ohne Hype.
Über Steffi →Risikohinweis: Meine Inhalte dienen ausschließlich zur Information und stellen keine Anlageberatung dar.
Diese Seite kann Affiliate-Links enthalten. Bei einem Kauf über diese Links erhalte ich eine Provision — du unterstützt meinen Kanal ohne Mehrkosten. Danke! ❤️